Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1929)
- Date
- 1929-12-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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5. Dezember 1929 Der Israelit Nr. 49. Seite 9 Amerika. Die amerikanischen Schomre Schabbos und die Kalenderreform. Newyork, 16. Nov. Mehr als hundert Rabbiner aus Newyork und den benachbarten Städten versammelten sich auf Einladung der Liga für Sabbathaltung (Schomve Schabbos) im Broadway C-entral-Hotel, um über Schritte -zu beraten!, wie der Gefahr, die dem Sabbat durch die verschiedenen Pläne zur Kabenderreform drohen, entgegenzuwirken sei. Es sprachen der Präsident der Schomre Schabbos-L-M, Rabbiner Dr. Moses Hyamfon vom Jüdischen Theologischen Seminar, Rabbiner Max I. Weis von der Union der Reformrabbiner, Dr. Elias L. Solomon vom Komitee jüdischer Geistlicher!, Rabbiner B. M. Kelin von der Vereinigung orthodoxer Rabbiner Groß- Newyorks und Nabb. Dr. Stephen S. Miss, der non der geplanten Kalenderreform dsr „blanken Tage" sagte, das fei keine Kalenderreform, sondern die Karikatur einer solchen im Interesse der Industrie. Die Versammlung nahm ein>e Protestresolution gegen> die geplante, den Sabbat gefährdende Kalenderreform an, in der der Präsident und der Kongrest ersucht werden, keinerlei Gesetz bezüglich Entsendung einer amerikanischen Delegation zu einem internationalen Kalender-Reformkongreß zu beschließen, wenn nicht in dem Gesetz ausdrücklich vorgesehen ist, daß die amerikanischen 2-eÄegierten jeden Reformplan zu bekämpfen haben, der die Stabilität des Sabbattages im Wochenkalender antaftet. (ITA.) ' Personalien. Papenburg, 4. Dez. Einen schweren Verlust hat die hiesige Gemeinde durch den Tod von Israel Hes erlitten. Am 2. Tag als er vom Minchagebet nach Hause kam, hauchte er seine reine Seele aus. Sein Tod hat eme Lücke gerissen, die noch lange schmerzlich empfunden wird. 30 Jahre hindurch bekleidete er in unserer Gemeinde mit größter Sorgfalt das Amt eines Rendanten. Mehrere Jahre übte er mit der größten Gewissenhaftigkeit den verantwortungs-ollen Beruf der Schrchitoh aus. Durch Wort und Beispiel feuerte er die Mitglieder der Gemeinde zum regelmäßigen Besuch des Gotteshauses an. Er war ein 3ef)ubi vom alten Gd}!ag. Rechtschaffenheit und Fleiß waren seine markantesten Charakierzüge. Getragen war sein ganzes Wesen von einer tiefgefühlten Religiosität. Seine ruiax war ihm Stab und Stütze in allen Lebenslagen und sein Herz hing mit allen Fasern an den Vorschriften seiner Religion und den althergebrachten Welcher Hochachtung und Wertschätzung er sich auch bei seinen andegtäubigen Mitbürgern erfreute, kam bei seiner am zweiten Tag Chaulhamaned erfolgten '’ii> du ch erncrme Betei igung der hiesigen christlichen Einwohner und der aus der Umgebung ' zum Ausdruck. Da bei der s-nwp nicht gesprochen werden durste, so wurde von Herrn Landesrabbiner Dr. Blum-Emden während der nvav in ergreifender Weise.ein Hesped gehalten. Auch Herr Lehrer Grünfeld hielt ein Hrsped und schilderte tiefbewegt den ernsten Charakter des Entschlafenen, sein verdienstvolles Wirken in der Synagoge, Haus und Gemeinde. Möge rn-sm die tiefbetrübte Gattin, Kinder und Kindeskinder trösten. rrssun- Vermischtes. Schenklengsfeld, 1. Dez. Am Schabbos ~\b y? fand die feierliche Einweihung einer von Herrn Levi Tannenberg gestifteten neuen mm 'o statt. Rach Beendigung des Minchagebetes am Freitag Nachmittag wurde die neue mm 'o durch die alten wiso, welche durch die ältesten Gemecndemitglieder denk neuen iso entgegengetragen wurden, eingeholt. Am Eingang der Synagoge - nahm Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn die mm 'o in Empfang. Beim Einzug wurde sie durch das Boruch-Habboh des vierstimmigen Männerchores begrüßt. Hieraus folgten die Umzüge unter Gesang des Ono Haschem. Die Thorarollen wurden unter Ehorgesarg Jehallalu und U'aenucho in die heilige Lade zurückgebracht. Nach der sehr eindrucksvollen Ansprache des Herrn Rabbiner sang der Chor En- Kelohenu, woraus das Abendgebet folgte. Den Glanzpunkt des feierlichen Tages bildete die Rede unseres verehrten Rabbiner beim Schabbosmorgergottesdienste. Seine herrlichen Worte, die von glühendster Begeisterung für mma-, mm getragen waren, zogen alle Hörer in Banr und versetzte die ganze Gemeinde in tiefste Ergriffenheit. Nach Sabbatausgang versammelte sich dir Gemeinde mit ihren Gästen zu einem „gemütlichen Abend" im Saale des Easthofes „Zur Linde". Der feierliche Abend wurde durch einen von Fräulein Tannenberg vorgetragenen Prolog eingeleitet. Hierauf wurde' ein gemeinsamer Imbiß eingenommen, dem das Tischgebet folgte, welches versteigert würde und das einen ansehnlichen Betrag für pm« ergab. Herr Lehrer Grünewald hielt sodann eine Begrüßungsrede an die Festteilnehmer, in welche er den Dank der Gemeinde an die Stifter der mm einschloß Und dem Wunsche Ausdruck verlieh, daß die Worte unstres verehrten Herrn Rabbiner reichliche Früchte tragen und mit der neuen mm 'o auö) ein neuer jüdischer Geist in unsere Gemeinde, insbesondere in die Herzen des Heranwachsenden Geschlechtes einziehen möchte. Musikstücke, theatralische Darbietungen und Vorträge ließen die Stunden rasch vorübergehen und in später Nachtstunde trennte man sich mit dem Bewußtsein, einen Tag verbracht zu haben, der einer wirklichen nur» bv rmm geweiht war. Obergimpern (Baden). Unsere Gemeinde teilt auch das Los aller Landgemeinden und steht vor ihrer Auflösung. Eine Familie ist diese Woche wieder rvegqezogen, andere werden folgen. Vor dem Kriege war hier noch eine stattliche religiöse Gemeinde, wo Schabbos und Feiertage noch streng gehalten wurden; das hat sich auch noch bis heute bei den noch ansässigen Familien bewahrt. Obergnnpern ist eine der ältesten Gemeinden der Umgegend; die schöne zweistöckige Synagoge, welche mitten im Orte steht, wurde im Jahre 1805 von den damaligen Gemeindemitgliedern unter großen Opfern erbaut. Nach dem Kriege wurde sie neu restauriert und sind schon einige Jahre ohne Minvan. Auch unsere Nachbargemeinden Wollenberg, Siegelsbach, Rappenau, Grombach, alle vor dem Kriege noch stattliche Gemeinden, stehen vor ihrer Auslösung. In Obergimpern haben die Juden neben ihrem Geschäft noch größere Landwirtschaft selbst betrieben und haben in der Arbeit den anderen Bauern nicht nachgcgeben. Jamiliennachrichten. Barmizwo: Hermann Stern, Sohn des Seminar- Oberlehrers Dr. Moses Stern, Köln, Moltkestraße 35. tfx'i y (14. Dez.). — Adolf, Sohn des Herrn Moses Katz, Fulda, »x'i nvis. — Alfred Bick, Sohn von Herrn Arno Bick, Michelstadt i. Odenw. rrx'i v3v. — Geburtstag: Fräulein Cäeilie Pleß aus Nörenberg i. P. feiert im Hause ihres Bruders, Herrn I. Pleß, Uhlandstraße 16, am Sonntag den 8. Dezember ihren 80. Geburtstag. Die Woche. Akademischer fZestakt in der Jeschiwa. Wie bereits in voriger Woche kurz gemeldet, findet am Sonntag, den 6. Dezember (6. Kislew), vormittags 11 Uhr, in den Räumen der Jeschiwa anläßlich des Anbaues einer großen Aula und des Umbaues der übrigen Räume ein akademischer Festakt statt. Neben den Verwaltungsgremien der Kehikla, dem Dozentenkollegium und den Hörern der Anstalt sind die Mitglieder der Jeschiwa eingeladen. Es kann mit Rücksicht auf den beschränkten Raum nur auf Grund der persönlich ausgestellten Eintrittskarten Einlaß gewährt werden. Hingegen sind die neuen und umgebauten Räume am Sonntag Nachmittag zur Besichtigung für alle Interessenten geöffnet. Nathan Bamberger •p’ «jin ikVöV Ivrrn. Diese Worte waren wohl aus den Lippen jedes Einzelnen, der die Nachricht vernahm, daß am p"vx> Nathan Vamberger rry seine mwu rmm ausgehaucht hat, daß ein unerfo'schliches Schicksal den dritten der Brüder im besten Mannesalter dahingerafft hat. Die übergroße Bescheidenheit des b~t ny2 der den Willen kundgab, von irgend welcher Würdigung seiner Persönlichkeit abzusehen, verbietet es mir, die Schilderung seiner Person so zu gestalten, wie sie es wohl verdient hätte. Mögen kurze Charakterzüge genügen darzutun, was die Familie, was die nl-np. was der i-rriv' bbs an diesem edlen Menschen verloren, mas« maim »m», ein Sohn von R. Seckel Bamberger ein Enkel des großen Würzburger hat er das noblesfe oblrge, das Verpflichtende des vm-> stets betätigt. Vornehm im Denken, gerade und offen in Wort und Tat," hilfsbereit gegen jeden und zu jeder Zeit, dies alles Hai gezeitigt, daß Nathan Bamberger lrxT - man darf dieses ohne Uebertreibung sagen — nie einen Feind gehabt hat. Die Strapazen des Weltkrieges hat er von Anfang bis Ende durchgekostet, jahrelang im Fe'de war er rnianrn ni'p nixaa irnrund mit dankbarer Freude zeigte er fein Bild vor der felbsterbauten mir, in Feindesland, die er sich r'in nii^v v'zsl'errichtet hatte, um auch diese D«pönix» zu fern. Von Kind aus an mm tiö'V gewöhnt, war er einer der eifrigsten und anhänglichsten Schüler von R. Jacob Posen Vst und die Liebe, mit welcher er an seinem 'an hing, wurde von diesem in gleichem Maße erwidert. Was Nathan Bamberger b"w für stine Geschwister war. was er als Gatte und Vater gewesen — jedes Wort wäre zu wenig. Wenn unsere Weisen als eine der Eigenschaften für 82N o3iy Hj? fordernK^rrpa i"ira,i, p hat Nathan Bamberger sicherlich dieses Postulat erfüllt. Nur wer in die Lasten des Alltages stets den Abglanz der heiligen Freude des m-» hinüberträgt, wer sein Tagewerk unter solch hohem Gesichtspunkt schasst, kann diese frohe Lebenskunst erreichen, die wir alle an unserem Nathan Bamberger bewundern durften. Dem Wunsche des Verstorbenen i>"37 gemäß, der sich jeden größeren iocm verbeten, gab aus dem Friedhofe der Rrligionsgrse'.lschaft Herr Rabbiner Horowitz '"2 in herzlichen, herzergreifenden Worten der Trauer Ausdruck, die seine Familie, die die unermeßliche Anzahl ferner versammelten Freunde ergriffen, um das Dahinscheiden dieses edlen Menschen. Den schmerzgebeugten Angehörigen wird sein rvn:. beistehen, die Kinder in seinem Sinne als Erben und Bewahrer der elterlichen und urelterlichen Tradition heranwachsen zu sehen. N. maau/?' Bleibenden Wert hat ein schönes Schmuckstück als Geschenk Reiche Auswahl zu vorteilhaften Preisen be JT .Zum Schmuckkasten jLrOrßy Schillerstraße 16 Sally Aürth jy/y. Nach langem Leiden starb Sally Fürth, ein Mann von Bedeutung im Geschästsleben und in der Gesellschaft, ein treues Mitglied der Israelitischen Religionsgesellschast, der mit Liebe und regem Sinne all ihren Idealen und Interessen ergeben war. Ein Sohn des unvergeßlichen, tnl Leben unserer Gemeinde führend wirkenden Abraham Fürth, b"w hatte er, wenn auch in stiller Bescheidenheit öffentlichen Ehren und Aemtern abhold, die schlichte Frömmigkeit und die Treue zu rniarri m n vom Vater geerbt und sie waren ihm die Grundpseilsr des Hauses, das er mit der Gattin, einer Tochter von Qimon Altmann b"ü t teilte. Die Kinder sind im Geiste des Vaters großgezogen und werden die Traditionen des Hauses Fürth weiter hüten und ausbauen. Möge in ihnen der Mutter und dem ganzen Verwandtenkreise in ihrer tiefen Trauer um den so früh Heiingegangsnen wahrer Trost blühen, rraxan. (Frau Gusta Klausner n"y. Eine Verkörperung aller Eigenschaften und Tugenden, mit denen biblische Frauen ausgezeichnet waren, war Frau Gusta Klausner, die am Freitag Abends -a in die Ewigkeit heimkehrte. Erfüllt von Frömmigkeit und Gottvertrauen war ihr Lebenswandel. Von einer fast unbegrenzten Aufopferungssähigkeit beseelt, war sie unermüdlich, wenn es galt, eine 'ixa bv nnas? die recht oft in ihrem Hause gefeiert wurde, vorzuberci'.en, v'niirr no2 n war etne ihrer vornehmsten Irma und das verlangte oft Selbstverleugnung in einem Haufe, zu dessen Grundsätzen gehören yn'3 '23 a-'2yi m nrmV nma yn'3 rn'. Mit seltener Gottergebenheit ertrug sie ihre Schmerzen, und als sie fühlte, daß ihre irdische Laufbahn der Vollendung entgegenging, so galt ihre Sorge nicht mehr sich, sondern den Hilfsbedürftigen, die sie so dringend brauchten. Wer diese Frau gekannt hat, weiß was ihre Familie und ihr großer Bekanntenkreis an ihr verlor. Die große Trauergemeinde, die ihrer Bahre folgte, sowie der Hesped unseres Raw '"2 ließen erkennen, daß eine wahrhaft jüdische Frau von dannen ging. Möge die Erinnerung an ihre guten Werke ihrer Familie Trost und ihren Kindern zugleich Ansporn sein, in ihrem Geiste fortzuwirken.n"3X2v Oeffentlicher Vortrag über die Schächtfrage. Die Vereinigung jüdischer Akademiker VIA. veranstaltet am Dienstag, den 10. Dezember, im Henninger Haserkasten, Gr. Friedbergerstr. 3, abends 6,30 Uhr, einen öffentlichen Vort.rag. Herr Dr. med. Willi Hofmann wird über „Der gegenwärtige Stand des Kampfes um die Schächtfrage" sprechen. Ausspracheabend im Angestellken-Bund „Agudas Iisroel". Der AnUeftellben-Burrd „Agudas Jisroel" hält nach längerer Paufe die allgemein beliebten Ausspracheabends wieder ab. Wenngleich die Organisation sich hauptsächlich praWsch, d. h. mit der Vermittlung schabbosfreier Posten u,nd der Mithilfe in Fällen von Differenzen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer befaßt, so liegt es ihm dem noch ob, für möglichst weitgehende Klärung aller mit der Eigenart unserer Aufgaben zusammenhängenden Fragen bemüht zu bleiben. Die erste Veranstaltung findet am Donnerstag, 12. Dezenrber 20.30 Uhr, Schwanenftrahe 12, statt. Nach Erteilung Zeines Rechenschaftsberichts werden einige kurze Referats über aktuelle Fragen erstattet werden. Eingeladen sind hierzu Damen und Herren. Die Adresse des Augestellte mV im des Agudas Jisroel lautet niunmehr Schwanenstraße 12. Die Sprechstunden finden regelmäßig Montag und Donnerstag abend von 8—9 Uhr und Mittwoch von 12—13 Uhr in den Räumen der AgudarJisroel-Jugendgruppe, Schwanenftr. 12 statt. Des Ferneren soll die Zimmer- und Penfionvermittlung mit in das Arbeitsbereich ausgenommen werden. Die Sprechstunden^ in dieser Abteilung finden jeweils Mittwoch von 11—12 Uhr statt. Auch schriftliche Meldungen werden berücksichtigt. Telefonische Meldungen bitte man unter Nr. 47 324 Carolus (Palästinazentrale) anfgeben zu wollen. Schriftliche Meldungen sind an Frau Hackenbroch, Bockenheimeranlage 4, zu richten. f. ' trVnn^uts im Verein „Mekor Chajim". Auschließend an im» n^sn am mv nachmittag findet nunmehr regelmäßig im Vereinslokal, Langestr. 18, unter Leitung des Herrn Dr. S. Ehrmann in Form einer Arbeitsgemeischaft über v'5nn eine Veranstaltung mit Aussprache statt. Der Zyklus ist für Jugendliche gedacht. Mitglieder und Gäste sind willkommen. (Im Anschluß an die Veranstaltung wird im Verernslokal arny» gebetet.)