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Der Israelit · 1929-12-05 · Heft 49 (5.12.1929) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 49 (5.12.1929)
Date
1929-12-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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t Sette 6. Nr. 49 Mainzer Brief. Mainz, 27. Nov Sonntag bm 24. November fyai eine Neuwühl des Gesamtvorftande-s -der JsraeWschm RMtzionsgemeinde stattgesunden, die insofern erhöhtes Interesse beanspruchte als sie auf Grund eines kürzlich erlassenen neuen Wahl statuts vor sich ging, das zwar giegenüber den früheren Bestimmungen wefeintliche Fortschritte brachte, aber den nicht reichsdeutschen Juden noch immer das Wahlrecht vorenthält. — Dom Standpunkt der Orthodoxie verdient es Anerkennung, daß das abgeänderte Wahlrecht nach wie vor daran' festhAt, Frauen weder aktives noch pa: fives Wahloecht zu geben und b*Ite Vert-veter des Vor ftandes haben gegenüber Forderungen in einer 2Bal;Iußr ja mm lang ausdrücklich erklär^ daß ihnen die Rücksicht aus die Orthodoxie und die Aufvechterhaltung der Einheit der Genieinde — die Mitglieder der Religionsgesellschasi sind ausnahmslos Mitglieder der Gemeinde und nicht ausgetreten — höher stehe, als die umstrittene Forde rungi des Fraueniwahlnechts. Man hat auch einen Ortho doxen zur Wahl gestellt, damit die Orch-odoxie im Vor stand vertreten sei, der Gewählte gehört aber nur als Privatperson diesem Gremium an und nicht als Vertreter der Neligionsgesellschaft. Zur Verfechtung weitergehender und als demokra tisch bezeichneter Forderungen hinsichtlich des Wahlrechts und der Ausgestaltung des Gemeindestatuts hatten sich der neutrale Jugendverein und die Zionistische Orts gruppe verbündet und eine Versammlung einberufen, für die ihnen der Gemeinde Vorstand großzügiger weise den Gemeindesaal zur Verfügung stellte. — Die Herren ließen zur Begründung ihrer Forderungen einen weder mit den örtlichen Verhältnissen noch den hessischen Gesetzesbestimmungen vertrautien auswärtigen Redner referieren, der im Wesentlichen die Postulats eines allgemeinen nicht nur auf Re ich sänge höri ge beschränkten Wahlrech,?s und des aktiven und' passiven Fvauenwahlrechts zu begründen suchte, den gleichen Standpunkt vertraten auch die Red!ner des Jagen dvereins, der Ostjuden und der Zionisten. Von orthodoxer Seite wurde im Wesentlichen dargetan, warum von ihr sowohl das aktive wie das passive Frauenwahtrecht abzulehnen fei. — Bei der Abstimmung über die von dm Einberufern vovgelegile Resolution stimmten die Wortführer des Misrachl für diese und zeigten damit, daß ihnen' die politischen Forderungen des Zionismus höher stehen als die Einheit der Orthodoxie. — Der Jugendverein dürfte mit seinem vorbehaltlosen Eintreten für das Frauenwahlrecht das Recht, sich „neutral" zu nennen und sich als die gegebene überparteiliche Vereinigung aller jüdischer Jugend zu bezeichnen, zweifellos eingebüßt haben, was nur zu begrüßen ist, denn die sogenannte Neutralität, bei' der alle „Richtungen" als in religiöser Beziehung gleichberechtigt rangieren, ist nicht die wichtige Erziehungsgememschaft für die Jugend der gesetzestreuen Kreise. Bei dler Wahl gelangte die offizielle Liste zum Siege, trotz aller GegMAWlaGonen von denverschiedensten Interessenten. Zum Schlüsse sei noch registriert, daß in einem Wahlflugblatt Herren von der äußersten Linken, selbst der Vertrauensmann der Vereinigung für das liberale Judentum als religiös-konservativ empfohlen wurden, konservativ ist also scheinbar doch die große Mode. — Jedenfalls kann doch gesagt werden, daß in weiten Kreisen sich dis Ueberzeugung Bahn bricht, nur Konservativismus kann das Judentum erhalt.en Der Israelit S. Dezember 1929 bewährten Vorsitzenden herzliche Glückwünsche ausgesprochen. Nachdem der Vorsitzende des Oberrats in weitaus ho lenden Darlegungen die derzeitigen Verhältnisse der ReWonsgemvinschciU ihre 'ideellen und finanziellen Belange, die Abnahme der Gemeinden und den zahlen - Tagung der Landessynode. Karlsruhe, 1. Dez. Die iS. ordentliche Synode 'trat heute nachmittag im Landtagsgebäude zusammen. Nachdem der Präsident des Oberrats, Dr. Stein, die Tagung eröffnet hatte, wurde Abg. Dr. Rothschild, Heidelberg, als Alterspräsident berufen,. Die Wahlprüfungen ergaben die Gültigkeit aller Wahlen, nachdem Wcchkproieste in einzelnen Wahlkreisen trotz genauester Erörterung keinen genügenden Grund zur Wahlbeanstandung gegeben hätten, wie der Berichterstatter des Wahlprüfungsausschusses bei der öffentlichen Sitzung zum Ausdruck brachte. Als Präsident der Synode wurde Abg. Dr. Jefelfohn (üb.) mit 17 Stimmen m geheimer Wahl gewählt, während Robb. Dr. Schiff-Karlsruhe 16 Stimmen erhielt. Am Platz des Abg. Kussewitz, Freiburg, stehl ein prächtiger Blumenstrauß, ein Gruß des Oberrats zur 25jährigen Zugehörigkeit des Abg. Kassewitz zur Synode. Auch die konservative Fraktion der Synode hat ihrem Die Woche. Berlin. In: Alter von 75 Jahren verstarb der jüdische Schnststeller Isaak T u r o s f. Er war Mitbegründer des Vereins „Esra", der die landwirtschaftliche Besiedlung Palästinas zum Zwecke hat. (Fulda. In dem kleinen NhSnstädtchen Vacha wurde auf dem Sammelfriedhof der umliegenden jüdischen Gemeinden eine Anzahl von Grabsteinen durch Steinwürse von äugen stark beschädigt. Die Schriftplatten wurden völlig zertrümmert, sodatz der Friedhof einen traurigen Anblick bietet. Die Polizeibehörde fahndet nach den Tätern. München. Auf der diesjährigen Tagung des Landesverbandes Bayern des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten wurde beschlossen, dem Ministerium des Innern einen Protest zu übermitteln gegen hie Beleidigung der jüdischen Religionsgemeinschaft durch die vom nationalsozialistischen Abgeordneten Streicher in Nürnberg herausgegebene Zeitung der „Stürmer". Das Blatt trägt auf der Titelseite die Querschrift: „Die Juden sind unser Unglück". Der Landesverband erblickt hierin eine Schändung des Andenkens der 12 000 deutschen Juden, die im Weltkrieg den Tod für das Vaterland gefunden haben. Lemberg. Dr. Leon Reich, der Vorsitzende der Jüdischen Fraktion rm polnisck)en Sejm und der Führer der galizischen Zionisten, ist am Sonntag, erst 50 Jahre alt, an den Folgen einer Blinddarmoperation gestorben. Belgrad. Die eben abgeschlossenen Sammlungen für den P a l e st t n c Emeigen c y Fund ergaben 850 007 Dinar. Im Jahre 5689 sind für den Keren Hajessod 326 161 Dinar und für den Keren Kajemeth 962 688 Dinar eingegangen. Die jährliche Gesamtleistung für Palästinazwecke der jugoslavischen Judenheit, welche nur ca. 73 000 Seelen zählt, beträgt rund 1000 Pfund. Moskau. Das Sowjet-Erekutivkomitee verfügte die Umwandlung der sogenannten Trubne-Synag o g e in Moskau in ein Nachtquartier für durchreisende demobilisierte Soldaten der Roten Armee. Die Moskauer jüdische Gemeinde verfügt jetzt über nur 5 Snuagogen. — Aus zuverlässiger Seite wird mitgeteilt, daß aus den Staats- und öffentlichen Bibliotheken alle Bände des Talmuds, des Koran und der Evangelien ausgeschaltet und vernichtet werden. Paris. Baron Edmund de Rothschild und Oberst Alfred D r e y s u s besuchten das Sterbehaus Georges Ekemenceaus in feinem Heimatdorf in der Vendee, um ihre Trauer über den Tod des Kämpfers für Wahrheit und Gerechtigkeit auszudrücken, der seinerzeit mit an der Spitze der mutigen Schar für die Unschuld des damaligen Kapitäns Dreyfus gekämpft hat. — Von den etwa 80 000 Ausländern, die im Jahre 1927 als französische Bürger naturalisiert wurden, sind ungefähr die Hälfte, rtlnd 40 000, Juden, die aus verschiedenen Ländern in Frankreich eingewandert sind. Jerusalem. In drei von britischen Soldaten begleiteten Autos wurden 32 Thorarollen, die während der Unruhen in Hebron beschädigt und geschändet wurden, nach Jerusalem verbracht und dort in Verwahrung genommen. — Zionisten aus der Tschrchoslovatet beschlossen, einen Massarykwald zu Ehren des Präsidenten der tschechoslovakischen Republik, Thomas Massaryk, in Palästina zu pflanzen. — Der Großmufti dementiert alle Gerüchte arabischer und jüdischer Blätter über seinen bevorstehenden Rücktritt. — Mit dem 1. Dezember wurde die Verpflegung der Flüchtlinge aus den zerstörten Kolonien vonseiten der Regierung völlig eingestellt. Newyork. Lucie Eoldsmith-Shore aus Newyork, Inhaberin der Goldsmith-Shore Company, die sich mit der Ausfindigmachung ausländischer Absatzmärkte für amerikanische Produkte besaßt, wurde vom spanischen Regierungschef zum spanischen Hände lsrat ernannt. — Ein jüdischer Philantrop, Banquiec Ralph Jonas- Brooklyn, spendete für das jüdische Wohlfahrtswesen eine Million Dollar. mäßigen' Rückgang der Jugend mit klarem Zahlenmaterial erläutert hat, schließt die 1. Plenarsitzung. Am Abend treten die Kommissionen zusammen, in denen-, wie es bei einer Voraufchlagsberatnng natürlich ist, schwerwiegende Erörterungen finanzieller Art im Vordergrund stehen. l Nach auisigtedehnten Kommisstonsberatungen trat die Synode am 2. Dezember zu ihrer Hauptfitzung zusammen. Wie der erste Berichterstatter (Maier, Freiburg (M.) aiussührtö, stand im Brennpunkt toer Verhandlungen 1. die Frage' nach der Uebernahme der Ra b bine rge hält-er au f die Z entralkasf.e, wodurch die betr. Position des Voranschlags mit 122.800 Mark angesetzt werden muß. 2. Das Problem der Uebernahme der Le hrer ge Halter auf die Zsntralkasse. Der Voranschlag 'enthält hier' die Summe von 114.000 Mk. a'ls Zuschußbetrag zur Bestreitung der Lehrergehälter durch die Gemeinden. D'ie aus allen Landbezirken lebhaft geforderte Uebernahme auf. die Zentraltäfss fand nicht die Zustimmung des Oberrats und der Synode. Die Durchführung hätte statt 114.000 Mark etwa 300.000 Mk. erfordert. Es ist gar kein Zweifel, daß die betr. Forderung nur aus der schweren' wtrtschüWcherr N-otlagie, aus dem Rückgang, der Steuerkraft der Kleingemeinden zu erklären- und zu verstehen ist. Es ist aber nicht zu verkennen, daß die wirtschaftlichen Nöte keinen Halt machen vor der Kasse des Oberrats und eben auch diesen zu ernstester und vorsichtigster Finanzgebarung zwingen und ihm in diesem Zeitpunkt >eine so folgenschwere Aenderung unmöglich machen. Um die Besuche der Gemeinden durch R a b b i tt e r zu fördern, werden die entstehenden Kiensttosten, die bisher zu Lasten der betr. Gemeinden oder der Bezirkssynagoge fielen, künftighin von der Zentralkasse übernommen,. Die Frage, ob die sogen. „Abzüge " bei Lehrievgehältern infolge Schechitah, Nebengebühren und dergl. noch gerechtfertigi sind, führte weder zu einer Bejahung, noch zur Verneinung,. Der Oberrat soll die Angelegenheit im Sinne einer Resolution', die angenommen wurde, neuerdings prüfen. Angenommen wurde ferner eine Resolution,, wonach Lehrer mit der religiösen F ü rs o r ge für KuMus, Einrichtungen, usw. in allen Fi-ltalge mein den, auch wo sie keinen Unterricht erteilen, betraut und zur notwendigen Berichterstattung an das zuständige Rabbinat veranlaßt werden sollen. Wer es weiß, wie es häufig in den Kleinstgemeinden' aussieht, wie die Gotteshäuser verfallen, ja sogar in unwürdiger Weise vierkaust und anderen Zwecken zugeführt werden (z. B. in Großsachsen an der Bergstraße!) kann es nur begrüßen, wenn die Lehrer der nahen Genteinden als Organe der Landessynagoge hier eingreisen und zur Beseitigung von Mißständen Mitwirken können. Die israelitische Religionsgeimeinschaft Badens darf stolz darauf sein, in ihrem' Haushaltsplan Mittel auszeigen zu können, die der F ö r d e r u n g jüdischen Lebens auf allen Gebieten dienen sollen: Aufwand zur Aus>b itd-u ng von Rabbinern und Lehrern mit 27.750 Mk. — für Fortbildung und wissenschaftlrche Tätigkeit der Rabbiner und Lehrer ca. 6000 Mk. — Zuschüsse an bedürftige israelitische Gemeinden für Instandsetzungen der Kutduseinrichtungsn- 20.000 Mk. — und die hierzu die außerordentlich bedeutsame' Position „Für soziale Zwecke" mit 100.000 Mk.! Was für soziale Zwecke benötigt wird, wieiß man heute zur Genüge. Und nicht umsonst erbaut die israelitische Gemeinde Mannheim unter Mitwirkung des Oberrats ein israelitisches Altersheim. Wer die erschütternde Lage von unzähligen Menschen des jüdischen Mittelstandes und früher wohlhabendsr Schichten kennt, wird mit großer Befriedigung davon Kenntnis nehmen, daß hier nun auch in Baden — neben dem in Gai lin gen bestehenden „Friedrichsheim" — eine neue und wertvolle soziale Einrichtung geschaffen wird. (Ständen die Mittel zur Verfügung, dann wäre auch die in einer Petition geforderte Darlehenskasse geschaffen worden. Wie dringend nötig wäre sie.) Nachdem der Abg Kassewitz als zweiter Berichterstatter dis soziälsn und einige andere Positionen ausführlich und erschöpfend behandelt hatte, trat die Syno'de in eine Mgemeine und Spezialaussprache eig die schließlich ihren Abschluß fand mit der Annahme des Voranschlags in der Höhe von ca. Mk. 630.000, zu dessen Aufbringung für die nächsten Rechn-ungsjahve der bisherige Steuerfuß von- 6 Proz. weiter erhob>en> werden - wird. Am Schluffe der Tagung wurde der bisherige; Oberrat durch Akklamation einstimmig wiedergewähU, ebenso wurden 4 konservative und 4 liberale Abgeordnete als Mitglieder des Synodalansschufses gewählt, der während der -nächsten drei Jahre anstelle der Synode notwendigenfalls zur gemeinschaftlichen Tagung mit dem

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