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Der Israelit · 1929-12-05 · Heft 49 (5.12.1929) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 49 (5.12.1929)
Date
1929-12-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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5. Dezember 1929 _ solcher Feste die orthodoxe Rabbinerschaft Deutschlands Heutzutage eine 'Einheitsfront gegen diese Bestrebungen bildet und zugleich ein jeder Rabbiner und Lehrer in heutiger Rot-Zeit seine freien Stunden würdiger als zu solchem Nonsens anzulegen wüßte. 3. Alles Andere wäre unser Ideal als die „seelsorgerische" Monopolisierung guter altjüdischer Zedoko durch die Rabbiner, aber noch viel unwürdiger ist es, ihnen die vorher erwähnte Tätigkeit zuzumuten. * Genügt doch auch in sog. konservativen Gemeinden das Fernbleiben des Rabbiners von einem solchen Feste, um ihm alle Sympathien zu verscherzen, und läßt man doch heutzutage einen tanzseindtichen Rabbiner lieber im Hintergründe verschwinden oder sonst kaltstellen, als seiner Ueberzeugungstreue zu folgen. Daß der Tanz und vieles Aehnliche heute nicht mehr nur Symbole der Leidenschaft und ihrer Triumphe im Unbewußten, sondern in ihrer gegenwärtigen Form bewußte Unlauterkeiten mit sich bringen, — die Aerzte (s. Dr. Jos. Levi-Mannheim im „Jeschurun", Sommer 1925) schreiben es, — die Zerrütteten Familienverhältnisse der rnahgebend'ön Gesellschaftskreise lehren es mit grauenerregender Deutlichkeit, — die „konservativen" Rabbiner sollen es nach Wunsch weitester Kreise — ignorieren. 4. Sie dürfen es nicht ignorier e n. Ignorieren sollen und müssen sie völlig jedwede Veranstaltung jedes jüdischen Vereins, die nicht allen Znius-Anfprüchen vollauf genügt; das müssen sie heute mehr denn je. Verlieren sie dadurch die Sympathien breiter Kreise, so müssen sie es verstehen, mit den Wenigen, Getreuen, das jüdische Wissen und Leben ihrer Gemeinde zu fördern. Sind die Erbosten die Armen, das Volk, so müssen sie ihre allumfassende Bruderliebe auch ihren Verkennern zuwenden und ihren Freunden so die edelste Selbstverleugnung Vorleben: Böses Mit Gutem zu vergelten. Sind ihnen die Reichen dabei entgangen, so soll der deutsche Rabbinerstand das als einen Fingerzeig Gottes ansehn: Ihr seid dazu auserwählt, auch gegen die Mächtigen dieser Erde mächtig zu sein; ihr sollt Volksfreunde werden! B. Positiv. 1. „Ferne heranziehen", — Kinder aus halben und ganzen Mischehen unterrichten? Bei Mächtigen antichambrieren? Rein! Lernen, lernen, lernen und lehren. Wirken»? Sichtbar: Rein. Im Stillen: Ja. Agitieren? Für „Neutrale"? Nein. Für orthodoxe Vereinigungen. Ja. — Den östlichen Lamdanim der Gemeinde ganz die Lehrtätigkeit zu überlassen, ist gleichfalls ein oft gemachter, darum nicht minder zu verurteilender Fehler. Das hierzulande aufwachsende jüdische Kind bedarf, zum Ausreisen seiner gesetzestreuen. Gesinnung, auch des Unterrichts älterer Hiesiger, die ihm an Ort und Stelle den Ausgleich zwischen Kultur und Thora Vorleben. Das muß noch nichteinmal der Rabbiner fein. Zu den erhebendsten Erinnerungen an die sorgenärmere Vorkriegszeit gehört das gesegnete Andenken jenes jüdischen Kaufmanns, der nach Rücktritt von seinem Geschäfte jede Mußestunde damit ausfüllt, dem Thora-Unterricht der Rabbiner seiner Gemeinde an die Knaben der Gemeinde wertvolle Ergänzung zu bieten, ohne selber wirklicher Gelehrter zu sein. Solche Jugenderinnerung verblaßt nicht, und solches Tun ist der schönste Dank für eigne wohlgeratene Nachkommenschaft an Gott. Oder man denkt, damit auch der weniger Sorglose zu solchem Tun sich verpflichtet weiß, an einen Talmid Chochom zurück, der in schweren Zeiten ncht mehr Gememdesunktionär sein mag und nun, im härteren» Berufe stehend, erst recht erzieherische Arbeit leistet. Das alles sind Aufgaben, an denen Rabbiner und orthodoxe Gemeindemitglieder Mitarbeiten müssen. Das ist der wirkliche „Religionsunterricht", der von Jahreszeit und Stunde unabhängig bleibt und der vom rechten« Geber ungestört und unabgelenkt an den rechten Nehmer kommt und östliche Schärfe und westliche Organisation Der Israelit _ vollauf durch altjüdische, familiäre Treue und Liebe zur pädagogischen Sache ersetzt. Jetzt naht der Winter. Vergnügungen locken den Lauten, Radiohörer den Stillen, Vereine und Organisationen den Geschäftigen; den Treuen aber — «brr rnmv '-Q'rrrch - ruft es an das Buch der Gotteslehre. Er öffnet es in seinem Hause, an seinem Tische, vor seinen und seiner Freunde Kindern; das Haus aber, darin der Thora Lied in den« Nächten gehört wird, der T i s ch, an welchem Thoraworte erklingen, — sie find unzerstörbar und sind ewig gleich der Thora, dem Erbe unserer schlichten Ahnen; auch dann, gerade dann, wenn es nicht Lehrhaus und Lehrpult, sondern Wohnhaus und Familientisch sind. Auch dann«, gerate dann, wenn nicht Gedächtnisschärfe und Disputierkunst, sondern klares Wissen und treues Erfüllen die edle Frucht solcher Mühen sind. 2. Und Awaudo? Dies zuerst und vor allem. Die langen Winterabende gehen nun -einmal doch nicht ohne Vorträge ab. Wie wäre es, wenn wir alle, Rabbiner und Nichtrabbinier, einmal statt der Geschichte der deutschen und der, weiß G., chinesischen Juden, die des alten, lieben Siddur vornehmen und diesem neue Freunde zuwenden wollten? Vergessen wir. doch nicht, wie infolge eingebildeten Wissens unser herrliches Machsor selbst bis m die orthodoxen Häuser hinein vornehme Verächter hat. Und wie wäre es mit häuslicher Pflege echter Synagogenmusik? Der Weg zum Herzen geht nun einmal bei treuen Juden durchs — Ohr. Und mehr als in hundert Vereinssitzungen . kann an einem Abend voller synagogenmusikalischer Verabredungen für den so viel beredeten Ausgleich zwischen Ost und West und die innere Stärkung beider Gruppen innerhalb unserer Gemeinden geleistet werden. 3. Und die Nächstenliebe? Auch hier ein Gebiet, auf dem die Gegenwart nicht zu wenige Aufgaben stellt. Trotz Großstadt und Massenelend glaube ich, ja gerade deshalb meine ich: Auch hier können Organisationen allein gar nichts vollbringen. Die wertvollste Arbeit wird auch auf diesem Gebiete nach wie vor in den Kommissionen geleistet, die da heißen: Jüdische Familie und jüdischer Freundes- und Nachbarnkreis. Wer das so nicht glauben will, mag darüber einmal in den Mi'tteilunigsblättern der Zentralwohlfahrtsstelle Nachlesen, in welcher Nummer er will. Krankenbesuch, Bräuteausstattung, Frühehe, Berufsumschichtung,-hat nach Jemand Zeit zu nicht gottgefälligen Winterveranstaltungen? Will Jemand noch „Zerstreuung für die langen Winterabende", die nicht oben empfohlen steht? Dem Manne kann geholfen werden; der Familie, dem Vereine, der Gemeinde erst recht. Wresponllenren « Nachrichten. Deutsches Reich. Orthodoxer Rabbinerverband. Frank für t a. M., 1. Dezember. Der Vorstand des Orthodoxien Radbiner-Verbandes steht sich veranlaßt, diejenigen Gemeinden, die Wert darauf legen, eine, den Bestimmungen des Religionsgefetz-es entsprechende, einwandfreie Schechita zn haben', darauf aufmerksam zn machen, daß nur solche Sch och tim zuverlässig sind, die ihre Schächt-Autorisation (Kabol-o) von gesetzestvenen Rabbinernerhalten haben. Ader auch m diesem Falle ist es aus verschiedenen Gründen notwendig, daß mindestens alle 2 Jahve die Kabolo durch einen gisfetzestreaen Rabbiner erneuert wird, wie dies mit Rücksicht sowohl auf das theoretische Wissen der Schochkim, als auch wegen der Hargofcho (Empfindung für die SchartenilosigWt des Schächtmesters) religWNsgesetzDch geboten wird'. Nr. 49. Seite 5 EINE VORZÜGLICHE #CIGARRE FRAU K F ü 8 T'A-fl*6iG»i18«9 Hebräischer Unterricht an Gymnasien. Berlin, 1. Dez. Der U n t >e r r i ch t s a u s s ch u ß des P reu Höschen L an d tag s nahm dm Antrag Prelle (Dt. Frakt.) an, wonach dafür gesorgt werden soll, daß an allen humanistischen Gymnasien wahlfreier hebräischer Unterricht erteilt werde, ohne daß den. Teilnehmern daraus besondere Kosten erwachsen. Jüdischer Friedensbund. Berlin, 1. Dez. Dis jüngst Wgiründete „Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden" oeranftailtete vor kurzem in Berlin ihre erste öffentliche Kundgebung, die dem Thema „Religion und Weltfriede" gewidmet war. In seiner Eröffnungscmfprache betonte der Ehrenpräsident des evangelischen „Weltbundse für Freundschastsarb-eit der Kirchen", Dr. theol. h. c. Spiecker, daß die Arbeitsgemeinschaft auf dem Boden der Bibel fuße und sich unter den Segen stelle, durch den Gott Abraham und seine Nachkommen zur gedeihlichen Friedensarbeit für alle DöWer berufen höbe. Den Vorsitz der Versammlung führte Oscar Wassermann, Direktor der Deutschen Bank, Präsident des „Jüdischen FtiedM'SbMdes". Unter den Rednern, die die Stellung der einzelnen Bekenntnisse zum Welrsrieden beleuchteten, wie Prälat L r ch t e n b e r g, der Dominikanerpaier Franziskus St ratmann und Pastor Dehn, trat Rabbiner Dr. Leo Baeck als erster mit einem Referat „Das Judentum und der W-eLfriede" ans. Wenn die Friedensliebe heute im Wesen des Judentums unlösbar wurzelt, so sei das ein Ergebnis jahr taufend elanger Erziehung. Für das Judentum war der Friedensgedanke eine Verheißung, ober gleichzeitig ein Gebot, eine sittliche Aufgabe. Dr. Alfred N o f f i g, der Vorsitzende des Arbeits- Ausschusses des Jüdischen Friedensbundes, entwickelte in seinem Referat „Religion- und Politik" dos prakiösche Arbeitsprogramm der neuen interkonfessionellen Organisation. Der Weg. für die praktisch-politische Betätigung der R-eMg-ion ist heute frei. Ihre Aufgabe sei es, den Dau-grfriedsn herbeizuführen durch Erziehung der Erwachsenen und der Jugend, durch Bildung einer weltumspannenden Arbeitsgemeinschaft der Völker für den Frieden, durch Ausübung eines unwiderstehlichen moralischen Dru ckes auf Parlamen te und R egie ra nge n, durch Schaffung nicht zu erschütternder moralischer Sanktionen für den Frieden. Resultat der Wahlen in die jüdische Gemeinderepräsentanz Leipzigs. Leipzig, 2. Dez. Am Sonntag den 1. Dezember wurden in Leipzig die Wahlen in die Repräsentanz der jüdischen Gemeinde durchgeführt. Die Propaganda seitens der verschiedenen Parteien war eine sehr rege. Es wurde, wie gewöhnlich, in zwei Sektionen, (für Inländer und für Ausländer getrennt) ab gestimmt; jeder der Sektionen wählte ihre eigenen Abgeordneten'. Fünfzig Prozent der Wahlberechtigten schritten zur llrrne. In der Inländer-Sektion wurden rund 1500, in der Ausländer-Sektion rund 3000 Stimmen abgegeben. Gewählt wurden acht Liberale (alle in der Inländer-Sektion), ferner zwei MitgLieder der Jüdischen Volkspartei und ein Orthodoxer. Die Poale Zion gingen ohne Mandat aus. Wachenkalender. v. 7. — 14. Dezember 1989 In. 3. — 12. Kislew 8990 Samstag 7 5 nninn Sonntag 8 6 Norrtaa 9 7 vienstag Dez. 10 1^03 8 Mittwoch 11 9 Vonnerstag 12 10 fceitaq 13 11 Samsrag 14 12 tfS’l

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