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Der Israelit · 1929-12-05 · Heft 49 (5.12.1929) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 49 (5.12.1929)
Date
1929-12-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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«Seite 4. Nr. 49 Der Israelit 5. LeJeni'ber 1929 schaft zu beauftragen, diejenigen Juden, die sich K 1000 schreibfertige j Füllfederhalter zur Auswahl mit 14 karat. Goldfeder ab Rmk. 3.75 B Hausmarken: Ceka und Juwel Parker-Duofold, Wahl, Waterman, Osmia Pelikan, Montblanc und andere Marken CARL KLIPPEL Kaiserstrasse 75 rungen gewarnt und zu Vüi siiiv zur Seelenruhe gemahnt hat. „Nie und nimmer hatte man uns das Recht, an der Klagemauer zu beten streitig gemacht oder nur nach Stunden einzuschränken gesucht," schreibt er auch in dieser Kundgebung. Aber andererseits tat er noch kurz vor dem kritischen Tisch'o b'Aw den Ausspruch: „Heilig sind die alten Ouadern, aber noch heiliger jüdisches Menschenleben. Darum Vorsicht mit den Kundgebungen und Forderungen!" Der alte Rabbi, der seit sechzig Jahren aus seinem bescheidenen Hause in der Altstadt nicht herauskommt, hat besser und weiter gesehen, als all die erfahrenen praktischen Männer hüben und drüben. E r war es, der mit geradezu prophetischem Blicke die Situation in all ihren Folgen erfaßt und vor Monaten das gepredigt hat, was heute Männer wie A l o s o r o f f u. a. m. im zionistischen Lager verkünden.Es wäre menschlich begreiflich, wenn er jetzt, stolz auf dieses Wissen, ein hartes Wort mit denen reden wollte, -die seiner Weisung, nicht folgten. Nichts von alldem. Ein I i r m e j a h u , der vor dem Unheile mahnt und warnt, nachher aber auf den Trümmern sitzt und nur weint, weint um seines Volkes bitteres Leid . Die Worte der Mahnungen sind hier an beide Teile gerichtet, an Araber und Juden, an alle „Frommen der Weltvölker", im Vertrauen auf das Menschliche im Menschen, im Vertrauen auf die dem Boden innewohnende Heiligkeit, daß sie die Menschen eint in Liehe, und Arbeit. Möge diese machtvollste Kundgebung in der Reche aller Erklärungen und Kundgebungen seit der Katastrophe den Weg in aller Herzen finden, so daß der greise Rabbi, dem all das nicht erspart blieb, auch noch den Ausstieg, Heilung der Wunden, den materiellen und moralischen Wiederaufbau mit uns erlebe. „Glaube und Heimat." Unter dieser Ueberschrrft brachten wir in jüngster Nummer einen Leitartikel, in dem wir mit Hinblick auf die Massenauswanderung' deutschstämmiger Völkerteile aus Rußland die Not derer besprachen, denen auch der letzte Trost des Wanderstabes nicht gegeben ist, der zwei Millionen Juden, die dort unter katastrophalen wirtschaftlichen Verhältnissen, aber unter noch unerträglicheren religiösen und Gewissensnot leben und leiden. In einigen Zuschriften an uns wird bezweifelt, ob die wirtschaftliche Lage der Juden in Rußland wirklich so kritisch sei, wie wir sie geschildert haben. Auf diese Frage gibt nun der Ratder Volkskommissare der Sowjetunion selber eindeutige Antwort. In seiner Sitzung vom 1. Dezember -befaßte er sich ausschließlich mit der wirtschaftlichen Lage in den fast ganz von Juden bewohnten K l e in st ä d t e n der Ukraine, Weißrußlands und anderer Süwjettänder. Es herrscht Übereinstimmung darüber, daß die Lage der'jüdischen Bevölkerungsschicht in den Städten weit schlimmer ist als die der nichtjüdischen Bevölkerung. Der Prozentsatz der Arbeitslosen unter den Juden übersteigt den unter den Nichtjuden um ein Vielfaches. Der Rat beschloß: 1. den Kommissar für Landwirtder Landwirtschaft widmen wollen, in Kollektiven zu vereinigen; 2. das Kommissariat für Wirtschaft zu beaufträgen, gemeinsam mit K o m z e t Staatsindustrien in Orten mit überwiegend jüdischer Bevölkerung einzurichten; 3. das Ärbeitskommissariat zu beauftragen, Fonds für Ausbildung jüdischer Arbeitsloser als qualifizierte Handwerker zur Verfügung zu stellen; 4. die fachlich nicht qualifizierte jüdische Jugend' zur Arbeit in Schächten, Wäldern und Industrie-Unternehmungen heranzuzishen; 5. im Arbeitsbudget der Städte die verarmten!, jüdischen Massen in einem breiteren Maßstabe als bisher zu berücksichtigen. Der Rat beriet auch über die Lage der jüdischen Heimarbeiter, die sich letztens verschlimmert hat, und beschloß, das Kommissariat für Handel zu beauftragien, die jüdischen Heimarbeiter-Genossenschaften zu unterstützen und ihnen Kredite und Rohstofsmaterialien zuzuführen. Und wieder bestätigt sich, daß die wahren Feinde der jüdischen Massen in Rußland nicht die Volkskommissare in Moskau, sondern die jüdischen Kommunisten sind. Während die Räte der Sowjetunion immerhin auf Mittel- und' Wege zur Abhilfe der wirtschaftlichen Not sinnen und trachten, wendet sich das rühmlich bekannte Blatt „Emes" in einer seiner letzten Nummern mit dem ganzen ihn auszeichnenden unversöhnlichen Haß gegen bk Kleinstadt, ihre Juden und all diejenigen, die ihnen zu Hilfe kommen wollen. „Emeß" ist gegen „Mktleids"-Politik mit Bezug auf die jüdischen Massen in den Städten und meint, den Handwerkern solle man helfen, aber die Deklassierten, frühere Händler, verdienen eine Hilfe nicht. Die Zeitung weiß sogar von Terrorakten jüdischer Vevölkerungstelle in den Kleinstädten der Ukraine gegen Sowjetbeamte zu melden. „Emeß" denunziert lustig weiter und fordert rücksichtslose Maßnahmen gegen die Kreise, der jüdischen Kleinhändler und Hauseigentümer, aus denen die Terroristen hervorgehen. Es paßt dazu die Mitteilung des Blattes, daß mehrere jüdische Bauarbeiter in Minsk aus ihrer Gewerkschaft ausgeschlossen wurdest, weil sie sich an einem „Sijum Hatorah" beteiligt haben. . Dieses Elaborat des : jüdisch-kommunistischen Blattes wird-man in den Instanzen, w o zur Zeit eine Hilfsaktion für die Juden in Rußland reiflich erwogen wird, sorgsam zu den Akten nehmen müssen. Verstöttdigungsaktion. Eine Verständigungsaktion' gewissermaßen aus eigene Faust, unternimmt der Rektor der Jerusalemer Universität, Dr. I. Mag n e s. Bei Eröffnung des neuen Semesters hielt er eine vielbemerkte Rede, aus der Manche herauszuhören glaubten,-daß Magnes zu einer Verständigung um jeden Preismöglicherweise sogar' unter Äufgaber der, Balfour^Deklaratron bereit wäre. Er hat es nicht so klar ausgesprochen. Aber schon die leise Andeutung, die verschleierte Anspielung nach dieser Richtung genügte, in diesen erregten Tagen, eine Flut von Angriffen! und Entgegnungen, besonders in der amerikanischen Presse, heraufzubeschwören. Einen Vorwurf können auch wir Dr. Magnes nicht ersparen. Der Appell, Frieden zu halten, muß nach Arabien adressiert sein, nicht an die Juden, die — mit Ausnahme einiger junger Heißsporne, denen das Rad der Geschichte nicht rasch genug läuft — ja immer den Frieden mit den Arabern wollten. Hüten wir uns, nach Art der deütschnationalen Juden der Naumann- Partei von einem Kampfe oder einem „Zusammenstöße zwischen den Arabern und' Juden in- Palästina" zu sprechen; das Wort würde eine Verfälschung der Geschichte bedeuten und eine ungerechte Anklage, die. sich Juden nicht zu «eigen machen sollten. Es war, ein wohlüberlegter, lange vorbereiteter U eb erfa11 von blutd ürstigenund b e u t e g i e r i g en B and en au f wehrlose Mens ch e n. Gewissenlose Demagogen standen hinter den Mordbanden. Und hinterher, — wiederum eine Frucht blindwütiger Hetz-- arbeit, — stellte sich fast die gesamte arabische Welt wie eine Mauer schützend hinter die Räuber und Mörder, die man zu Nationalhelden stempelte. So stehen die Dinge und nicht anders. Will man Frieden und Verständigung, —. und das wollen wir alle —, so fei der Appell im Namen der Menschlichkeit und der Brüderlichkeit,, im Namen einer gemeinsamen geschichtlichen' Tradition, im Interesse einer gedeihlichen Zusammenarbeit an die weiten Schichten der isla-, mitischen Welt gerichtet, die von vornherein die Hetze nicht gewollt und die Bluttaten n i ch r gebilligt hat und sich erst später "von der Massenpsychose erfassen ließ. Eine solche Verständigungsaktion kann freilich, nicht von Einzelnen ausgehen. Von London aus ist bei der Mandatkommission in Genf die Bildung einer Sonderkommission für die Kothel Maarowi angeregt worden. Das wäre der richtige Rahmen für eine Verständigungsaktion. Mntecgedanken für Rabbiner und Laien. Von einem norddeutschen Rabbiner. A. Negativ, 1. Unsere früheren Weisen machten sich schwere und sorgenvolle Gedanken über die Frage, ob 'rttV kVk tnrro nx’K kV des Mondes milder Schein hauptsächlich als Tröster für den im Tageskampfe Ermüdeten oder kVk tnrro no'K kV rrv*nV zur Leuchte des im Gottesworte still Forschenden erschaffen worden sei. Darüber aber waren sie alle einig, daß mit den zunehmenden Stunden der winterlichen Nächte das Thorastudium sich zu verstärken hat. Wie ist es hiermit in unseren Gemeinden bestellt? Wie vor allem in den Kreisen unserer Lehrer und Schüler? Wir könnten fast von einem zweiten Ben hamzorim sprechen, das sich von den Wochen der' Vorbereitung des Simchath-Thora-Balls bis zu denen des Chanuka-Vergnügens und des Purimfaschings hinzieht. Die im Sommer durch Red sen und Ferien verminderten, ohnedies nicht zahlreichen Religionsstunden erleiden in diesen Winterwochen infolge jener Vorarbeit abermalige starke Einbuße. .Die Stimmung der Gemeinde selber wird auch in diesen Wochen nicht mehr und mehr thora-erfüllt und wissensdurstig, sondern alles, was freie Zeit hat, denkt in diesen Wochen aus „würdige" Vorbereitung: eines dieser Feste. Oft genug fehlt den Darbietungen dieser Abende jedwede Beziehung zum eigentlich kalendarischen Anlasse des Festes. Oder aber, was das schlimmste ist: Man erwartet und verlangt kategorisch, daß der orthodoxe Rabbiner oder Lehrer diese Beziehung zum religiösen Anlasse des Festes durch eifrige Beteiligung an den Vorarbeiten schafft, — fühlt sich aber nicht verpflichtet, alles das dem Feste fern-'« zuhalten, was dem orthodoxen Rabbiner, w e n n a n d e r s er' E h a r a k t e 'r hat, Anlaß zu völliger Nichtbeteiligung bilden müßte: Tanz," Frauengesang und einzelne Arten des Aufführens. ... 2. Es wird dem schlichten Juden nicht leicht sein, zu durchschauen, welche an sich schon wesentlich unjüdischen Züge die Kunst' des Schauspiels in sich begreift; man kann nicht von Jedem das Verständnis lessingscher Dramaturgie verlangen. Aber vom Rabbiner kann man verlangen, daß er die Dissonanz zwischen Theaterkunst und Judentum zu empfinden genügend jüdische Seele und allgemeine Bildung besitzt, und der gläubige Gesetzestreue sollte ihm darin folgen. Wo solche Aufführungen aber glatte und unleugbare Jsfurim mit sich bringen wie Tanz und Frauengesang, da sollte es gar keine Unterschiede . in der Observanz und im Frömmigkeitsgrad geben, und darum sollte ermessen werden, wieviel jüdische Gewissenhaftigkeit auf jenen als „Kinderfest" maskierten Tanzabenden im K et m err tötet wird. Wir hätten erwartet, daß zumal angesichts der ganz geringenbcharitativen Ausbeute

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