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Der Israelit · 1929-12-05 · Heft 49 (5.12.1929) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 49 (5.12.1929)
Date
1929-12-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit« 2. Nr. 49 Der Israelit 5. Dezember 1929 Ü £% i kaufen ihre Diät and I Nahrungsmittel im 1 REFORMHAUS FREY/1 Schäfergasse 25, Rufnummer Hansa 1484 Zweiggeschäfte: HÖChSl, Antoniterstrasse 31 Eschersheim, Am weißen Stein 19 9 gen hätten mit der Frage nichts zu tun, was wir Juden als jüdische Gemeinschaft, aus dem Geist dieser Gemeinschaft heraus zur Gewaltüberwindung beitragen können und müssen, was das Judentum als spezifisch jüdischen Beitrag kraft der nur dem Judentum eigenen Wesensart zur Gewaltvernichtung leisten kann und muH, einen Beitrag, der eben in gleicher Weise von keiner anderen menschlichen Gemeinschaft geleistet werden kann. Wenn wir uns wirklich ernsthaft mit dieser Frage beschäftigen, werden wir erkennen, daß das Judentum allein den Weg zu einer Menschheit der Gewaltlosigkeit zu weisen in der Lage ist. Wir brauchen nur uns des Wesens der Gewalt einerseits und des Wesens «des. Judentums und seiner Thora andererseits bewußt zu werden. Gewalt (im Verhältnis der Menschen untereinander) ist die Herrschaft von Menschen über Menschen. Es kommt dabei weder auf das sogenannte Recht zur Gewalt an, noch auf den Grad der Gewalt. Es ist also für den Charakter der Gewalt gleichgültig, ob sie in einer völligen Unterjochung eines anderen besteht oder ob dem anderen nur in einzelnen Beziehungen ein Zwang auferlegt wird. Wenn jemand daher mehr vermag als ein anderer und dieses Mehr-Können betätigt, so übt er gegenüber dem anderen Gewalt aus; damit herrscht er über den anderen. Gewalt besteht demnach nicht nur in physischem, körperlichem Zwang, sondern in jeder Benachteiligung des andern, welcher der andere sich darum nicht entziehen kann, weil er das Können, das Vermögen, die Kraft des ersten nicht besitzt. Wer die Gewalt aus der Welt fortschaffen wist, darf sich mit der Verurteilung vier physischen Gewalt als Uebel nicht begnügen. Wenn die Gewalt nicht prinzipiell, in ihrer Wurzel beseitigt wird, erhebt sie alsbald wieder ihr Haupt zu neuem Menschheitsleid. Gewalt wird nicht eher verschwinden, bis es unmöglich ist, daß ein Mensch sich über den anderen erhebt, daß ein Mensch sich über den anderen erheben kan n. Durch Gewalt, sei es der Menschhettsgememschaft, sei es einzelner Menschenigruppen, kann» nicht verhindert werden, daß Menschen ihr Mehr-Können als andere betätigen. Denn solche Gewalt bestätigt gerade, wie wir gesehen haben, die Herrschaft der Gewalt. Gewalt bleibt Gewalt, auch wenn sie von vielen oder von allen gemeinschaftlich ausgeübt wird. Gewalt kann daher erst aufhören, wenn der Trieb zur Gewalt, der Trieb zur Erhebung über den anderen aus dem Menschenherzen geschwunden ist. Aus dem Wesen der Gewalt gewinnen wir aber noch eine andere Erkenntnis. Wenn Menschen zu hier Ansicht gelangen, daß ihr Können als einzelne Individuen' nicht ausreicht, dann schließen sie sich zusammen. Sie bilden Gruppen, Vereine, Verbände, Organisationen, politische Parteien, Gesellschaften, Kartelle, Trusts bis hinauf zu Staaten, Staaten- und- Völkerbünd-en. Alle diese Gebilde beruhen auf dem Gedanken, daß der einzelne für sich allein zu schwach ist, daß seine Kraft als einzelner für irgendwelche Ziele, die für erstrebenswert gehalten werden, nicht ausreicht. Es soll also durch die Vereinigung mehrerer erreicht werden, daß die Mehreren mehr können als ein einzelner. „Einigkeit macht stark", lautet das bekannte Sprichwort. Auch das Beispiel, das der römische Liktor aus dem Sterbebette seinen Kindern gab, dürfte bekannt fein. Er forderte feine Kinder auf, das Liktorenbündel, das er ihnen übergab, zu zerbrechen. Keiner vermochte es. Darauf nahm der Vater das Bündel, zerriß die Bindung und' zerbrach einen Holzstab des Bündels nach dem anderen. Er wollte damit lehren, daß sie zusammen stärker seien als jeder einzelne von ihnen allein. Damit sind wir aber wieder frei der Gewalt angellwgt. Denn das Mehr-Können als andere, das dem einzelnen fehlt, wird dadurch erzielt, daß die einzelnen sich verbinden. Wenn die Gemeinschaft jetzt ihr Mehr-Können betätigt, übt sie gegenüber den anderen Gewalt aus. Und selbst wenn alle Menschen in einer Gemeinschaft zum Zwecke des Mehr-Könnens verbunden wären, so würde diese Gemeinschaft eben ihr Mehr-Können gegenüber ihren einzelnen Angehörigen verwirklichen; denn diese besitzen nicht das gleiche Vermögen wie die Gemeinschaft. Sie sind der Herrschaft, der Gewalt der Gemeinschaft unterworfen. Jede Mehrheit von Menschen, deren Zusammenschluß den Zweck verfolgt, durch den Zusammenschluß mehr zu können, zu leisten, zu bewirken als jeder einzelne, beruht daher auf dem Gewaltprmzip. Alle solche Verbindungen, und seien sie noch so gut gemeint, sind geeignet, die Herrschaft der Gemalt auf Erden zu stützen und' zu stärken. Davon sind Verbindungen, deren Ziel gerade auf Gewaltvörnichtung gerichtet ist, nicht ausgenommen. Religiöse Organisationen, die Vereinigung der Proletarier aller Länder, wirtschaftliche Verbände, Völkerbund und Friedensgesellschaften dienen alle in gleicher Weise der Kräftigung der Gewaltherrschaft, so merkwürdig es dem oberflächlichen Beobachter auch erscheinen mag. Endlich noch ein Drittes. Cm Kampf gegen das Gewaltprinzip, gegen Esaus Hände ist mit dem Prinzip der Gewaltlosigkeit überhaupt unvereinbar. Denn Kampf bedeutet Unterdrückung und Beherrschung des Bekämpften, bedeutet also, wie und mit welchen Mitteln der Kampf auch geführt werden mag, eine Anwendung des Gewaltprinzips. Anscheinend ein schweres Dilemma. Gegenüber Esaus Händen dürfen wir als Juden, wie wir oben fahech unsere Hände nicht -in den Schoß legen; die Forderungen der Urchristen, der Quäker, eines Tolstoi, eines Gandhi nach „Noni-Resistance", „Ron-Kooperation", darnach, dem Uebel und der Gewalt nicht zu widerstreben, bringen, weil sie ein rein passives Verhalten bedeuten, uns um keinen Schritt vorwärts. Sie ebnen der Gewalt, wie oben ausgeführt, sogar die Wege und schaffen, was das Wichtigste ist, die Gewalt schon deswegen, nicht aus der Welt, weil sie den Trieb zur Gewalt unberührt lassen. Durch den Willen und die Energie, keine Gewalt anZuwenden, läßt sich zwar die Gewalt weitgehend unterdrücken. Irgendwann aber wird sich der zurückgedrängte und gestaute Trieb plötzlich einmal Bahn schaffen. Solange der Trieb zur Gewalt da ist, ist die Gewalt nicht verschwunden. Das ist auch der Grund, weshalb Anarchismus und Anarchie uns nicht helfen können. Kraft des Triebes zur Gewalt würde einer über den anderen herfallen. Das Dilemma wird anscheinend' immer größer: Keine Gewalt, keine Passivität, keinen Kampf, keinen Anarchismus, keine Organisationen'. Was bleibt da schließlich noch übrig? Ja, ist es denn überhaupt möglich, den Trieb zur Gewalt abzuschaffen? Auf all diese Fragen, gibt das Thorajudentum eine Antwort, eine Antwort, die allein die Gewalt der Hände Esaus aus her Welt zu jagen imstande ist. Hier die Antwort: In einem natürlichen lebendigen Organismus, z. V. im lebendigen menschlichen Körper gibt es keine Gewalt irgendwelcher Körperteile gegeneinander. Es ist undenkbar, daß einzelne Zellen oder Organe des Menschen oder alle Organe zusammen gegenüber anderen Organen und' Zellen den Anspruch erheben würden, mehr zu können, als die anderen Organe oder einzelne andere Organe, und daß der Versuch gemacht würde, dieses Mehr-Köm nen auch wirklich durchzufetzen. Das liegt daran, daß kein Organ und keine Zelle des Menschen sich als selbständiges Individuum fühlt, daß jede Weihe des Diesseits. Betrachtung zu nnv "n nvns. (Zur ersten Iahrzeit von Dr. Meier Munk und von R. I. Malina V'xt-) (26. und 28. Cheschwan). Von Rabb. Dr. Cohen. (Schluß.) 3. £m«tn fiot, b<er nur die Fruchtbar-k««it- «es Landes ni>3 ’3 ermißt, um es zu fernem Wohnsitze zu erwählen, wird kein Verlassen solches festen Wohnsitzes zw gemutet; einem Jsmael, dem die Seßhaftigkeit ein Abscheu und dem vom Werte redlichen, festen Schaffens keine Ahnung aufgegangön, wäre ein Ruf zur Loslösung von heimatlicher Erde kein Opfer. Ein Abraham aber, der da weiß, wie überirdisch, wie göttlich der Wert einer Heimat ist, der aus seiner Heimat nur die Lebensgefährtin dem Sohne ersehnt, die seines Geistes Fortbestand dem Hause der Nachkommen sichert, — ihm ist es schwer, tv" - Heimat von den Füßen zu schütteln, und he Opfer aufsrlegt: Geh aus mat urvb deinem Vaterhause i gen werde. — Ihm ist solcher daß er im neuen Lande Groottes rufen soll. Er ruft, und die Pilger kommen., Er erfrischt sie, er beherbergt sie, und wenn sie Dank stammeln, lehrt er sie Dem danken, der dem Weltall das Leben geschenkt. Er, der zeitlebens das gute Heim, das gute Mahl, die ungetrübte Gesundheit zu schätzen weiß, weil das Mahl ihm ein Opferdienst zur Stärkung gottdienender Kräfte, das Heim und die Gesundheit ihm Vorbedingungen des gatidienenden Schaffens sind, — er opfert Werte und Güter, wenn er seine Pflicht über Alles stellt und zur Sorge für sein eigenes Wohl nicht kommt, weil Hm düs Wohl Anderer Gottesdienst ist. Und nicht umsonst «lehren unsere Weisen, über Abraham und viele später« Gerechte: •>» io rch swi All«, deren Sterben die Schrift als Entschwinden' 'bezeichnet, sind nur M Öferu Gebrechen gestorben, die den befallen, dem angeregelte Lebensweise zu denken der allstündliche Pflichteifer verbietet. 4. Ob dem Einen den Weg ins Land der Sehnsucht Israels anzutreten nie vergönnt war, ob der Andere am Wege kurz vorm Ausbruch dorthin 'entkräftet niede-rsank, wo er aus hMgiem Boden der fjeiiigien Pflicht des Fr-iedensstiftentz und Eintretens für eiben UnschuMgverfolgten und Thorabeflifsenen erfüllen wollte, — ob «in; Glücklicherer den heiligen Ort erreichte und am Ziele die große Heimreise zu Gott an'trat, ohne erst Enttäuschungen zu erleben. — Das stand in Gottes Hand, und nie war der Erfolg seines guten Werks, immer aber' die Reinheit seines Wollens Gegenstand frohen und ehrfürchtigen S-trebens eines Gerechten. Nicht seines Weges Meilen«, sondern seines Tuns Weihe zählt Gott; er schätzt der Voll-; kommenen Tage und ihr Erbteil ist ewig. Darum ist ihr diesseitiges und ihr jenseitiges Lebenvor Gott Weihevoll inrtb wertvoll. Nicht vor.Schrecken eines dunklen Jenseits empfanden sie Gottes-Fur '\ pr-ch- Uetze besser Gottes-Angst -und endigt so schm :' xii > angeregt wurde. Sondern an den G e b 0 te .■ i 5 selbe r hattensie Freude; vor seiner Erhabr; irü - -em Herrn alles Guten, Schönen und Lebenden empfandensie Ehrfurcht. Solche Ehrfurcht -lebte m ihrer Lebensfreude, solches Gedenken Gottes «und des Galuthifchmerzes Israels auf den Gipfelpunkten ihres Daseins. Darum durften sie ho ffen, daß ihr Erbteil ewig ist; in den Tiefen ihrer Charaktere war es verankert. Darum sprach; es a u s de m Herzen «und zum Herzen-. Darum näherte es die Fernen «und «begeisterte die Nahen- und lebt fort -in Allen, die 'ihnen nacheifern. Ihre Kinder und Schüler vertrauten sich ihrer Leitung an und beftagten« gleich einem Orakel ihren Rat. Uleines Feuilleton. Die erste jüdische Gemeinde in Venezuela. Schon viele Jahrhunderte sind Juden in Bsnezuska ansässig und erst vor kurzer Zeit feierte eine Familie tn der dortigen Hauptstadt Caracas ihre 300 jährige Ansässigkeit. Der größte Teil dsr «ingewanderten Juden stammen aus Spanien, Marokko, Syrien -und in« der letzten« Zeit kommen viele jüdische Einwanderer aus Rumänien, Polen und Beßarabien-. Eine besondere Gruppe bilden die palästinensischen« Juden, welche -den nationalen Gedanken weiter tragen. Eine Kultus'gemeinde existiert -dort nicht, -sondern die einzelnen her-v-orragenden Juden haben ihnen streng getrennten Gesellschaftskreis und den bekannten Verein; dev zweimal im Jahre, am Versöhnungstag und- Neujahr, Gottesdienst abhält. An jüdischer oder allgemein killt-

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