Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1929)
- Date
- 1929-11-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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28. Nov. 1929 Der Israeli: Nr. 48 Seite 7 seinen noch der Msinnng, Äi« Indien HÄWenes -aiuf di« Omcrr-MoschM «!ög>es«hM. Er Luke, kann ab-er erK'ä-r«n, daß in jüdischen Kvechen niemavssolche Absichten gehest wurden. Met der EnHernung des Walnd-schirnrs am Bensöhnungstage wu-r-d-en die Gefühle der Inden auf das tiefste verließt. Im Weißbuch w«'rde nur Ne Entkernu-ng' des Schirms g-er-echt-f-e-rtiigt, dis Art, wie es g-eschchen ist, sei nicht zu rechtfertigem Wer von den Juden das Vollzugs recht an der Wag-em-nner hat, könne er nicht sagen. Sir Merriman stellt einöge Fra,gen. lieber eine Audienz Nutenbergs bei Luke gibt der Zeuge eine Auskunft, die von, der Schilderung. Merrirnans wesentlich, abweicht. Luke sagt unsicher, er könne sich der Sache so genau nicht mehr erinnern. Er -bestätW ferner, daß es zur Zeit keine ParteipoliM unter den Arabern giitch, sie sind alle brüderlich um den Judenpunkt vereint. Daran seien die Reden auf dem Zianistienikongreß iin Zürich mit schuld. Demgegenüber b-eruft sich Merriman auf die Züricher Resolutionen, von denen leine eiinAgie anstößig sei. Luke weiß darauf keine Antwort. In die Enge getrieben, erklänt Luks als aufMMud auf dem Züricher Kongreß die Forderung nach freier, u n g e st ö r t e r Andachtübung an der Mauer. Er habe an die Wirkungen der Demonstrationen nicht gedacht, er hätte sie sonst verhindert. Es kommt zu lebhaft erregten, Aussinandsrsetzungien zwischen Merriwan und Luke. Arn 19. November wird die Vemshm>unU Lukes fortgesetzt. Merriman will wissen, ob, das Verbot d e s S cho fa rbla sens am Jomkippur dieses Jahres auf ar a b i f ch e Drohungen hin ergangen ist. Der R eg i e r u ngso e r t r e t e r pro,testiert gegen diese Frage und der Vorsitzende enifcheidet zu, Gunsten Merrimans. Die Frage blebbt aber dennoch unbeantwortet. Aus viele Fragen bleibt Luke die Antwort schuldig, weil er sich nicht mehr enitsinnen könnbe. Er könne sich, nicht erinnern, daß in früheren Jahren Schofar geblafen wurde. Jedenfalls habe bis dahin keiner dagegen protestiert. Dieses Jahr ging aber schon ein Protest ein, gegen das Schofarblasen am Rosch-Hafchana. Merriman gibt nicht nach. Er will wissen, warum die Regierung einer Drohung -der Araber nachgab, zu einer Zeit, da Truppen im , Lande sind und die Luge von der Regierung als sicher und ruhig erklärt ist. Luke erklärt, er könne nur fagjen, daß er von einer arabischen Drohung nichts wisse. Vievriman verlieft darauf em Schodilb-M -des Oberrabbi n a te s, aus dem hervorgehi, daß man sich Mit der Befolgung des Verbotes nur der Gewalt fügte, baß man es aber als schwere Verletzung der jüdischen, Religion,srochte empfindet. Im weitensn Verlauf der Vernehmung kommen die Bulletins der Palästina-Regierung zur Sprache. Luke bestreitet die Absicht der Irreführung. Nach, Lage der Dinge mußten beruhigende Informationen gegeben werden. Unzufriedenheit herrschte nur mit dem Eommunique über die' Dorkommnisse i>n Sased. Weiteren Fragen Merrimans weicht Luke aus. Zur Zeit der Metzelei in Safed weilte übrigens der Oberkommlisiar bereits im Lande, so daß chm, dem Zeugen, die Vorantworbung nicht mehr zufiek. Merriman sragtj, warum die Metzelei in Hebron wider besseres Wissen der Regierung äks „Zusammenstoß" därgestellt wurde, während doch in Wahrheit keinem Araber dsa Haar gekrümmt wurde. Der Zeuge sagt, er wisse nicht, wer in dem Bericht über Hebron die Angaben mochte, daß acht Araber getötet und deren, zehn verwundet wurden. Warum die Juden in der Rothschild-Mühle verhaftet und wochenlang unschuldig im Glefängnis schmachten mußten?, will Merrim-a-n wissen. Luke weiß aber nichts, könne sich auf nichts erinnern. Es fei damals unmöglich gewesen, Klarheit über die Juden zu Gewinnen. Merriman hält den, Bulletins Luks die spätere Proklamation Sir John Chance l l o r s entgegen,, in der die S ch e u ß l i ch - k eilen der Araber ohne Scheu gezeichnet werdM.. Luke ichweigt. Der Anwalt der Z«io,nisten v-ortiest Dokumente und Zeitung,s,berichte, aus denen sich klar ergibt, daß Ne Regierung genügend gewarnt wurde und die Lage genau gekannt hätte. Er wirft ferner die Frage dsr Entwaffnu n ff d e r I ud e n, auch britischer^ Untertanen, auf. Luke rechtfertigt die Maßnahme mit der Rücksicht auf.döe Sicherheit im Lande. Es habe ihm selber Schmerzen bereitet, di-efsn Entschluß zu fassen und auszuführen. Merriman weist weiöteir nach, -daß die ergebnislose Beratung-. zwischen Arabern und Juden nicht, wie Luke behauptote, von ihm sondern vom Vertreter der Zionisten angeregt wurde. Einige Heiterkeit -erregt die Angabe des arabischen -An-malos, Stoker, daß Ne Juden mit den Misj rach bilde rn an der Ostwand ihrer Häuser, mit den«»: ■ sie ihre Sehnsucht nach- Pal-ästi-na ausdrücken, di-e Araber : beunruhigen. Er liegt der Kommission einige solcher , MsrachbAder vor. Es folgt eine Ausei-nandersetzung i über das EiWNtums-recht an der Klagemauer. Luke erklärt, das Oberrabbinat in Palästina fei nicht in der Lage gewesen, den Rechtsanspruch aus Aufstellung von Tischen und Bänken vor der Kkagemauer zu begründen Der arabische Anwalt zieht nun scharf gegen -den Obrestaats-anwalt Norman V e n twich zu Felde. Er hatte ein Buch gegen -die Omar-Moschee geschrieben,. Es wird festgestellt, daß das Buch, das noch v-o,r dem Balsvurmandat geschrieben wurde, nur besagt, daß der Zutritt zur Klage,mau-er allen Bekenntmssen freistehen mutz. Am 21. wird Pinchas Nnthenberg von der KomMssion vernommen. Er ist zurzeit der Vorsitzende des „Waad Lsumi". Seine Aussagen erstrecken sich aus die Bauarbeiten an der Kkagemauer. Er schildert seine Bssprechungm Mt dem- Rabbinate und dann mit dem Oberkommifsar über dos Dsrbot' des Schofärb läse ns. Dsr Obenkommissar verwies ihn auf Luke, der das Bsrbot ausdrücklich auf einen Protest der Mohammedaner zurück führte. Für alle Warnungen war Luke nniMgäMlich, Der Zeugs -ist überzeugt, daß Luke damit einer arabischen Drohung nachgab. Sir John Chancellor selbst war gegen das Verbot. Nach Ruthenberg kommt noch einmal Luke zur Bernehrnumg. Cr sägt, er sei sehr ungehalten -gewesen über den Lärm, mit dem die marokkanischen Araber im Garten vor der Mauer die jüdischen Gottesdienste störten und habe den Großmufti gedrängt, das- Uebeil abzu,stellen. Alle Bemühungen waren aber fruchtlos. Arabisches Attentat auf Tlorman Bentwich. J-eru-saikem,, 25. Noo. In ganz Palästina -herrscht Aufregung über ein Attentat, das am Sonntag den 24. November, nachmittags auf den Chef des JustizdepartemMts der Pakästiua-Regieru-ng, Oberstaatsanwalt Norman Bentwich, verübt worden ist. Als Bentwich am späten Nachmittag des Sonntag fein Büro verließ, gab der jugendliche arabische Polizeidiener Abdul Ghani Tabek, Schüsse auf ihn ab, eine Kugel traf Bentwich ins Bein undverletzte ihn schwer. Bentwich wurde' in das Hospital gebracht!. Der Attentäter konnte an- Ort -und Stelle verhaftet werden. Man vermutet, daß der Attentäter Tabek cm- Aufträge einer Terroristen-Organisation gehandelt hat. Bekanntlich führt ,die arabische Presse eine ununterbrochene Hetze -gegen Bentwich, und die ambische Exekutive fordert unablässigdessen Entfernung aus dem Dienste, weil es angeblich für Araber Nicht ertragbar sei, daß ein Jude den Posten des obersten Justizbeamten des Landes bekleidet. . *_ Die Rabbiner für die klagemauer. Jerusalem, 25. Nov. Rabbi Chajim Sonnen feild, das geistig« Oberhaupt des der Agudas Jisroel angefchlofssnen orthodoxen Teils der palästinensischen Judenheit, erließ heute eine Kundgebung für Beilegung des Klagemauer-Konflibtes rm Geiste der Versöhnlichkeit. Er gibt den Ambern die Versicherung, daß die Juden keinerlei Ansprüche aus Teils der Moschee erheben mb nur d e n s r e i e n- Zutritt zu r Westma-uer z ur Aus ü b ring, ihrer Andacht verlangen. (Siehe „Blätter".) Mohamed Said Ul - K ul >e eb , der Vorsitzende der Gesellschaft zum Schutze -der Aksa-Mofchee, richtete ein Schreiben an den Oberrabblner Kuck, in welchem -er mvtteW, die am 4. November in Jerusalem versammelt gewesenen tausend Moslemit-en aus Palästina, Transjordanien und Syrien hätten beschlossen, keinen organi-sterleu jüdischen Gottesdienst a-n der Klagemansr weiter zu dulden. Die Mauer sei ein« rein moslem,Msche religiöse Stätte; Juden und andere Personen hätten nur das Recht, an die Mauer heranzukommen. Jede Zeremonie, die Heranb-ringung von Gegenständen, oder die Erhebung der Stimme beim Gebet feien Uebergrifte zu Ungunsten der religiösen Rechte der Mosleniiten. Wenn die Juden sich nicht dieser Lage unterwerfen, heißt es zum Schluffe des Briefes, werden die Amber ihnen sogar das Recht verw-eig«rn, an die Klagemauer heranzukommen. Wir schwören bst Gott, diese Entschließung in Kraft zu setzen und laden jede Berantworl-ung ftir das>, was folgen mag, der Regierung auf. Um des Friedens und der Sicherhe-it willen halten wir es für unsere Pflicht, Ihnen dies zur Kenntnis zu bringen, damit "Sie Schrille evgveifen könne-:, um d-i-e Juden daran zu hindern!, die Grenzen der ihnen seitens der Moslem-iten' g>ewätzrten Bergünstlgung zu überschrel-t-en. Sollten Si-e d-ies unterlassen, so werd-en wir -unsere Enlschliehung mit allengesetzlichen Mitteln dur!ch führen. Oberrabbiner Kuck besuchte heut-e den Oberkommissar Sir John Chancellor und führte b-ei ihm Beschwerde gegen das Schreib-en des moslemitischen Komitees zum Schuhe der Aksa-Mofchee an ihn, rn welchem den Juden das Recht ab-gefprochen wird, an der Klagemauer auch mir zu beten undin di-efem Zusammenhang- Drohung-en ausgesprochen werden. Chancellor ersuchte Oberrabbiner Kuck, den Brief der britischen UnterfuchungskomMfsion vorzulegen. Die Unberfuchun-gskommifsion hat bereits dien Entschluß gefaßt, Rabbi Kuck zu vernehmen-. Personalien. Rabbi Jizchok Eisik Singer. U n g. Brod , 10. Noo. In der Feiertagswoche wurde Isidor Singer, eine der achtbarsten Persönlichkeiten unserer Gemeinde und von vielen Tausenden im In- und Auslande atc Hotelier und Restaurateur im Bade Luhacovice hochgeschätzt, cm 71. Lebensjahre abberufen. Er war der jüngste Sohn des hochberühmten Rabbiner Pesach Singer aus Kirchdorf, ein Enkel der Gaonim np>n min 'ipr? tya und selber auf den „Knien der Thora" großgezogen worden. Obwohl em n"v von Bedeutung, widmete er sich doch dem Kaufmannsstande. Sein Hotel in Luhacovice wurde zu einem wahren isn rm wo Thora gepflegt und echte jüdische Gastfreundschaft geübt wurde. Nicht minder war sein Wohnhaus in Ung. Brod eine echte Thora-- stätte. All seine freie Zeit gehörte dem Thorastudium. Bis zuletzt lernte er noch. Er wurde buchstäblich von der Gemoro weg np'S”3 hinübergeküßt. Die Bestattung führte, wie sein Lebensweg, über das Beshamidrafch, wo unter Einhaltung aller alten Bräuche ihm letzte Ehre erwiesen wurde. Hespedim waren von der Familie nicht gewünscht, nur der Schwiegersohn des Heimgegangenen, Rabbi Jakob Langer und der Jüngste'Sohn, Herr Eleafar Singer, nahmen am offenen Grabe in kurzen Worten Abschied vom teuren Vater. Alle Kinder wandeln in den Wegen des Vaters. Herr Rabbiner Dr. Nürnberger nahm am Kol Nidre-Abend Anlaß, in semer Predigt des Heimgegangenen zu gedenken. Der Wunsch Isidor Singers die bedeutenden Werke seines großen Vaters zu veröffentlichen, wird sich, wie wir hoffen, nach seinem Tode noch erfüllen. rrasiiv Berlin, 17. November. Noch immer können wir es nicht fassen, daß unser Freund, der Freund aller, die ihn gekannt haben, Günther Weichselbaum, nicht mehr unter uns weilt. Uns, der Jugend, ist es schwer vorstellbar, daß der, der das Sinnbild des Lebens, vor allem aber des jüdischen Lebens, verkörperte, der es auf so glückliche und frohe Art mit dem Leben ausnahm, nun vom Allmächtigen, kaum achtzehnjährig, aus unserer Mitte genommen wurde. Ewer der jüngsten unter uns, mußten wir doch seinein Temperament und seinem anregenden Geiste uns unterstellen. Wenn er in unsere Mitte trat, war es, als sei ein Licht gekommen, das alles bestrahlte, das alles überstrahlte. War es beim war es bei einer Diskussion, oder beim Spielen, immer war er es, der alles leitete, durch den die. Dinge erst das rechte Leben bekamen. Am nun nnns? wie fröhlich waren 5vir da beisammen, wie lustig tanzten und sangen wir noch mit ihm, und nun müssen wir für immer sein fröhliches Wesen vermissen. — Wie er vom jüdischen Wesen durchdrungen war, wie tief jüdisch er dachte und fühlte, mag aus den Zeilen eines Briefes heroorgehen, den er aus der Sommerfrische an einen seiner Freunde sandle, und in dem er seinen ersten Freitagabend fern vom Elternhause schildert. Er schreibt dort: „'Aber dieser, mein erster alleiniger Freitagabend, war doch etwas ganz unvergeßliches. Ein ganz erhebendes, nie verlöschendes Gefühl war es doch, dieses ruhige und doch so feurige n^svn -pv aus all den wildfremden Kehlen, die aber^doch so eng verbunden schienen. Es ist doch eine einzige Seele, dieses armselige und doch so allmächtige jüdische Völkchen, die nie und nimmer untergehen kann und wird! pmr" — Dieser Ausschnitt aus einem Brief ist auch nur ein Ausschnitt aus seinem ganzen Denken und Fühlen. In jeder Handlung, bei allem was er tat und dachte, war ihm die nim Wegweiser. Seine Ideale gipfelten im Judentum." Aus diesen wenigen Zügen kann sich wohl jeder das Bild zu der überragenden sittlichen Größe unseres Freundes vervollständigen. Vergessen werden wir nie, Gas er uns als Kamerad und als Mensch gewesen ist! M. L. Hersfeld, 25. Nov. Herr Lehmann Rosenberg dahier feiert am 2. Dezember seinen 80. Geburtstag.