Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1929)
- Date
- 1929-11-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2446951-2450547-2450595--76496-2534076- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Nr. 48 Det Israelit 28. Nov. 1929 TOTAL-AUSVERKAUF...... GESCHÄFTSAUFGABE Trotz unserer billigen En gros « Preise 0/ /o Rabatt auf alle SMSWFfE and SOWIE L.&W.LEVY Kaiserstrasse I1 Ecke Salzhaus Po-lizeÄnspektor wurde dekä-MtKch, obwohl Hm Me Juden manche Versäumnis vorzuwerfen halben, für fei-n- „tapferes Verhalten" während der Unruhen mW dem V i k to r i a k re u z ausgezeichnet. Caff-erata trat in Hebron fernen Dienst erst einige Wochen vor dem Aufruhr an, als einziger Veite m einer Stadt von 20 000 fanatischen MosliMs und 600 Indien-. Die Polizei zählte bei 39 Arabern nur einen- Duden- und war einem arabischen D istri k ts beamtenunterstellt. Dieser war es, der alle Bitten und Beschwerden der Duden u-ntersäMg, so daß -er, Easseraiä, sie gar nicht zu Gesk h-t bekam. Der Zeuge schi-ld-e-rt die bereits b'ekannten gräßlichen Eveigniisse im einzeln-en.- In ei-nem seiner Beri-cht-e nach London hieß es, die amerikanischen St>uden>ten in H-ebrou hättensich unruhig verhalten. ^Esstellte sich nun heraus, daß diese „Unruhe" darin bestand, daß die Jünger a>m Sonntagnach d-em Gemetzel unbedingt nach Jerusalemtelesoni-er-en wollten, was ihnen verweigert w-uvde. Als Stöcker, der arabische Anwalt, sich immer noch andiese „Unruhe" klammert, ruft -der BorsitzMide erregt dazwischen: „Mankann doch nicht Menschen deswegentoffchlagen, weil sie teeftmiterenwollten. Solches Verlangenkann nicht als Unruhestistung bezeichnet wenden-." Es wird -eine Erklärung! der Monistischen Exekutive verlesen, die einige L ich 1 punkte zeigt. Habendoch viele MosOims schutzlose Inden ausgenommen und ihnen das Leben gerettet. Warum er so s p ä t mit der Schußwaffe eingreifen lieh und warum er vor die Häuser, in denener die wehrlosen Juden verborgen wußte, keine Schutzposten aufgestell-t hätte, fragen Me Verteidiger. Cafserata antwortet verlegen. Manhätte alle Juden Leicht -retten können, wenn man sie aus einen Punkt konzmtnert hä tte. Die arabische Polizei unter Leibung des arabischen Polizeikommissars hätte seine Befehle nicht ansgesührt. Daß in Hebron Araber von Juden getötet wurden, ist nicht wahr. Die Judenhabenn -ich-ti pr-o-v o-zAer-t. Die arabischen No,kabeln waren mit unter den Angjreiifem. Auswärtige Awber-, ' die selbstverständlich mit dabei waren, hätten die jüdischen Häuser gar nicht ge sunden, wenn -die Hebvoner Einwohner sie .nicht angesührl hätten. Bon -einer Proklamation derarabischen Führer an die Massen, das Mütnergietzen, einzustellen-, von der Stöcker spricht, wisseder Zeuge rein gar nichts. Eins solche Erklärung hätte, wenn, sie wirklich ergangen wäre, sofort Ruhe geschaffen,. Cafferaba -erzählt von seiner- Besprechung, mit den jüdischen Führern n-ach dem blutigen Sabbat, unter denen auch Rabbi Mosche Mordechai Epstetn war. Er, Cafserata, wollte nicht erlauben,, daß mehr als sechs Personen sich an dem gemeinsamen Begräbnis der Je^ schiwaschüler beteMgten, Rabbi Epstein aber dräng daraus, daß mindestens zehn erwachsene Männerdabei' waren. Er, Cafserata, sah mit eigenen Augen, wie zwei Jünglinge, die sich schutzsuchend an die Pferde seiner berittenen Polizei klammerten,, vom Mob fortgerffsen und todgeschlagen wurden-. Er konnte mit feinen! schwachen Kräften der Menge die Opfer nicht entreißen. Er hatte dabei durch Schüsse zwei- Angreifer getroffen, dann ging ihm di-e Munitionaus. Wie das die Araber merkten-, warfen sie mit Steinen nach ihm, und er konnte sich nur mit knapper Rot retten. Wie die Menge einmal Blut gerochen hatte, war sie nicht mehr zu hallten- und ging mit Beil und Messer aus -die Indenlos: Während die Polizei neue Waffen Halen wollte, drangen die Araber in die jüdisch,en Häuser ein. Bei der Plünderungder Basare wurden -auch einige arabische Kramläden von Arabern aus,geplündert. Casferata sah, wieein Araber einem Kinde mit der Axt den Kopf abhieb. Ein anderer stieß mit «m Dolch aus eine jüdische Frauein- Ms Caff-erata feine Waffe -auf ihn richtet^ AegiiÄmievtesich der M-efserhe>ld als Polizist. Am Nachmittag hatte er alles getan;, um die Ruhe wiederherzustellen- und die erste Nolhllfe zu organisieren.. Am 10. November äußerte sich der Distr-lktskommisfar von Jerusalem, L. G. Archer Cu st, über die Vorgänge an der Klagemauer. Cs sei schon wahr, daß marokkanische Araber innächster Nähe -der Tempelmau,sr mit Trommeln, und Zimbeln und wüstem Gesang die Gebete der Juden störten. Ein von Luke unterstütztes Gesuch beim Großmufti,, diese Siörutvam abzustellen, Mief? u nh -e achte t. Hebet die Baua r-b -e i t e n an der Westmauer sagt ec: Am?6. Juni wurde der Befehl zur Einstelligder Da-M-r-beiien evtiM, am 5. Juli wurden sie aber wieder ausgenommen. Der Vorsitzende fragt: „War es nötig, daß man durch Oeffnung einer Türe die altgeheiligte Gebetsstätte der Juden zu einer Passag e machte?" Cust kann nur sagen, daß die fortdauernden- Ba-uar-beilen' die Erregung bei den Juden aufs höchste gesteigert hätte. Generalstreik und Zusammenstöße in Jaffa. Jerusalem, 26. Nov. Der Streik -arabischer Ladenbesitze-r in Jaffa als Protest gegen die Verhaftung von -neun Führern, der arabischen Boykott-Propaganda hat sich zu einem Generalstreik entviddt Zin Verlauf des Montags versuchten ara bische Massen in Jaffa, Strahen-kundgebungen, zu veranstalten, b-ie aber durch Polizei verhindert wurden. Es kam dabei zu schweren Zusammenstößen, zwischen den Demonstranten und der Polizei,. Militär griff ein und stellte die Ruhe her. Panze-rautomobUe patroullieren durch -die Straßen. Das -englische Kriegsschiff „Ramillion" kreuzt vor Jaffa. Ungeachtet -des Generakstrei-ks in- Jaffa türmtet am 24. November vierhundert miteinem Dampfer eingetroffene jüdische E-in>wan-d-erey, unter ihnen, zahlreiche Cha-luzrm, ohne -beson-deve Schwi-ertg,ketten in Jaffa landen. Arabische Boyk-ottagiMto-ren erschienen auf dem Markte in Petach T-ikwa und versuchten, -aus dieanwesenden Araber einen Druck auszuüben, daß sie nicht bei Juden kaufen. Als PolizeiheraneÄte, ergriffendie Agitatoren die Flucht und entkamen. Einarabischer Arzt wurde in Jaffa durch Boykott-Agitatoren angegrisr-eni und schwer mißhandelt. Britische Soldaten befreiten ihn -aus seiner mißlichen- Lage. Die Safeder Tragödie vor der Untersuchungskommission. I e ,r u salsm, 16 Nov. Am 11. November steht dieTrägödie Safed auf ber' Tagesordnung. Zum ersten- Male sieht man heute den Oberstaatsanwalt Norman Bentwich im Saale. Der PoMzeMommandant von Safed, Faraday, schildert die Schlächtereien in der Stadt- und gibt an, zwei pKindernbe Araber miteigener Hand erschossen, zu ha-- ben. Merviman-. fragt, wieso der erste Bericht! von Safed von einem „Zusammenstoß zwischen Juden! und Arabern" sprechen, konnte, währendes dach in Wahrheit M- Mäbi'-fchsr Uoberfall auf wehrlose Juden war. Der Zeuge entschuldigt sich damit, daß er bei, Abfassung des ersten Protokolls öiie Dinge noch nicht übersehen konnte. Jetzt -könne er sagen, -daß der Ausruhr Ange oorbe reitet und erwartet wurde und damit anfing, daß -Me Araber Mische Männer, Frauen und Kiüder abschlachbeten und jüdisches Eigentum brandschatzten. Merviman betont!, daß zur Zeit der Safeder Unruhen bereits britis ch e< s Mil i-1 ä r im Lande war, was aber, obwohl! angevufen, nicht nach Safed kam. Die Soldaten standentatenlos in den Baracken herum. Der Mufti von- Safed stand -in -dauernder Verbindung mit den Großmufti von Jerusalem. Auch waren Jerusalemer Agitatoren nach Safed gekommen!. Cs traf sich immer o, daß die Polizei,, wenn -an einer Ecke gemordet und geplündert wurde, sich an einer entgegengesetzten Ecke -befand. Während -das Gemetzel den Höhepunkt erreicht hatte, war Polizei damit beschäftigt, ein jüdisches Haus nach Waffen zu durchsuchen. Die einzige Feuerwaffen unter den 3200 Juden Saseds war einezerbrochene Pi st-ole. Mer-riManlobt das Verhält,en des Captain Faraday, der aber, von den oberen militärischen Behörden im Stich gelassen, die Situation nicht retten konnte. Stöcker macht sich eine Verleumdung der Araberzu eigen, wonach der Jude Klinger mög-licherweis-e sein- Haus selber -in Brand gesetzt hätte, um eine Versicherung,s summe zu erzielen. Captain Faraday erklärt aus all diese Bemerkung-en-: „In Eaf-ed wm-en esäU-sschWeßl-ich Araber, die Gewalti-a'ten -begMgen-. . Die Juden Merrimanschildert die Lage der hardbedrängten kleinen jüdischen " Kolonien in- O b e rgalilää?" In Ti-berias hatten der Muftiun-d der Rabbiner in gemeinsamer Arb-eiit für Ruhe gesorgt. Faraday kann diests bcstätigejt und weiß auch, -daß die Absichten der Araber, das Haus Klingers an-zu>zünden>, lange fchonb-esiano. Man kennt auch div Araber, die sich Ziindst o f f zu diesem Zwecke b-e|or,gtc hatten. Damit ist die von- Stöcker übernommene Verileumdungi restlos widerlegt. Faraday gib-t an, daß sich unmiLte-lbar nochder Berfa m-mlun-g mder Sase-der Moschee etwa 800 Mos-kims in. Beweg-u-ng setzten. Sie schrie-en.- „Meder nstä den- Juden! N-ieder mit ü>em- Zionismus! Wir wollen eine -ararische Regierung!" Als der Zeutze die Demonstranten zum AusstnanÄMgehen, auff orderte, ansonst er von der Schußwasse G eb rauch machenwollte,, öffn-eten fanatische Mos-kims -ihre Brust und sprachen -nur: „Schießet nur!" Auf Anfrage Merrimans-, bestätigt der Zeuge, daß die Juden von Safed zu-m weitaus größten Teil- Gegner des Zionismus sind und sich -der Sprache und Kleidung der Araber bedi-enen, so daß die Polizei -die ersten getöteten Juden für Araber hielt. Safe-d sei eine der vier he-ifigenjü di.schen . Städ-t«. Farad-ay hatte unabtässilg, um VerstärkungM, gebeten!, sie aber Nicht erhalten. Der M-ufdi von Je-rusalem wollte an -dem U-nMckstcvge sich nach Jerusalem -b,eg,eben,, wurde aber vom Zeugen zurückge-häkben,. Daßer -die jüdischen Häuser nach Waffen durchsuchen -ließ, hatte nur den Zweck, zu zeigen, w,ie unpar-teiilscher vovging. „Mußte das gerade in dem Momente geschehen, da- -die Pottzei gegen -die Angreifer hätte feuern müssen," fragt der Bertsidiger. „Das hätte dazu geführt," fagt -der Zeuge, „daß auch Mehende Juden durch die Schüsse getroffen worden wären,." „Haben überhaupt die Juden auf Araber geschossen?" fragt der Verteidiger weiter. „Ist es wahr, daß Juden bewaffnet und die Mos-kimsunbewaffnet waren,?" Der Zeuge bezeichnet diese Be-hauptung als -lächerlich. Luke vor der Untersuchungskommisston. Jer-usalem, 23. Nvo. Am 18. November stand der Stellvertreten-de Oberkommissar H. C. Luke/der in den -klMischm, Tagen -bei Abwesenheit -des Oberkommissars die höchste, Gewalt -in Händen hatte, vor« ,der Kommission. Diese Dernehmung erweckte das allergrößte Interesse. Cr berichtet kürz üb-er die von -ihm getroffenen MäHmchmen. Er wehrt sich ge?» gen den Vorwurf -der Schwäche und Feigheit. Alleswar von der P o l i -t i k, diktiert. Er habe sogar gegen die Vorschrift miWärische Verstärkung! direkt von, Aeg-ypten he rbei geh o lt, o hne erst London- -anzufvagM-. Das Recht der Jade-n, an, der Kliagemauer zu beten, könne von keinem bestvi-tten werden,. Darum erlaubte -er auchohne Bedenken^ mit Hinblick auf den 9. Aw, die Mische Prozession -an die Mauer. Freilich wußte er nicht, daß -dabÄ Fahnen benutzt -würden,. Durchdie weitere Demonstra-- ftttn 'dir der Mauer wurden ab,er dis Araber gereizt. Die am folgenden Tag vemnstaltete arabische Demonstration konnte er nicht verhindern. (Sv suchte mit Hilfe des. Großmufti sie aus die Moschee zu beschränken. Es schien nicht ratsam, die Mosstms an diesem Tage, dem Geburtstage Mohanrntsd-s;, -ohne Not herauszufordern. Von dem Au-frUhv am 23. August wurde er überrascht und habe sofort die -ganze- Polizeimacht mobilisiert. Captain Ptayfaier wär gleich mit Pan-zerautos und Flugzeugen zur Stelle. Truppen wurden aus Aegyp-" ten angefordert. In feinem Haufe wurde eine Beratung von Verlreiern der zionistischen und arabischen Exekutive abgehalten, die aber keine Einigung brachte. Luke gibt zu, daß -die Darstellungen in der arabischen- Presse und im arabischen- Memorandum falsch seien. Viele Araber