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Der Israelit · 1929-11-28 · Heft 48 (28.11.1929) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 48 (28.11.1929)
Date
1929-11-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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28. Nov. 1929 Der Israelit Nr. 48 Seite 3 die arabischen SiedlurMN in der Nähe der jüdischen Kolonien sich ungemein vorieilhaft von den weitergelegenen arabischen Dörfern auszeichnen. Die jüdische Industrie brauchte Hände, die Einwanderung gab Bootsmännern, Trägern, Kameltreibern und Händlern gute Verdienstmöglichkevten. Mit jüdischem Schweiß und jüdischer Treue wurden Wege angelegt, Sümpfe ausgetrocknet, Lichtanlagen errichtet, Spitäler gebaut, allerlei sanitäre Einrichtungen getroffen. Das alles durfte der Araber in vollem Maße mitgenießen, in vielen Fällen als heimatkundiger, mit dem Boden verwandter produktiver Arbeiter alleiniger Nutznießer der -neuen verbesserten Lage sein. Nun fällt er über diejenigen her, die ihm die Augen öffneten, Licht und Leben brachten, daß er aus Finsternis und Versklavung zu Menschenhöhe gezogen wurde. Menschenhöhe? Er hat das erste Examen seines Könnens nicht bestanden und wird noch viel zu lernen haben. Die Sklavenhalter im reichen Gewände des Effendi hätten wohl schon einigen Grund, den Juden gram zu feinfür das Licht und den Schimmer von Erkenntnis ihrer Menschenwürde, die sie in das Land und in die Herzen seiner Menschen gebracht haben- Der Araber aus dem Volke sollte in Dank und Verehrung zu dem Juden als seinen Wohltäter und seinem Freunde aufblicken. Stattdesfen ließ er sich von! dem früheren Despoten gegen d-en Freund aufhetzen, der ihm das Augenlicht g e ö ff - n-et hat. Das ist tragisch, nicht zuletzt für das arabische Volk in Palästina. Kommt die von London in Erwägung gezogene V e r st ä n d-1 gungs konferenZ zwischen jüdischen und arabischen Führern zustande, so sollte man dort an> dem Attentate auf Dr. Ticho und dem Symbolischen in diesem Ueberfalle nicht achtlos vorübergehen. Jerusalemer Schulfragen. Kurz vor dem Ausbruch der Pogrome im heiligen Lande haben wir uns an dieser Stelle mit der damals wieder aktuell gewordenen Frage des alten palästinensischen Cherem auf e u r o p ü i s ch -e Schulen beschäftigt und empfingen daraus damals die im nachfolgenlden abgedruckte Zuschrift des Herrn Oberrabbmer Dr. Jos. C a r l e b a ch in Altona, die uns Verarilassung gab, uns bei unseren Gewährsmännern nochmals über die ganze Frage genau zu erkundigen. Nach Eintreffen dieser Informationen schien uns die Zeit nicht besond-ers dazu geeignet, den Gegenstand weiter zu erörtern.. Wir j möchten das jetzt nachholen und veröffentlichen zunächst die Zuschrift des Herrn Oberrabbiner Carlebach. Sie lautet: Zu meinem größten Erstaunen bemerke ich in der letzten Nummer des „Israelit", daß dir alten, tausendfach widerlegten Un.iHtigkeileu über ein angeöiichrs Schulenverbot in Jerusalem immer wieder aufleben und weiteren Schaden der Ehre des Judentums überall bereiten. Im Gegensatz zu den Informationen, die der „Israelit" „von genau unterrichteter Seite in Erez Jisroel" haben will, stelle ich hiermit folgendes fest unter Berufung auf die Artilelsene „Der Jssur . auf den Schulen in Palästina", die ich 1933—1909 in der „Jüdischen Presse" veröffentlicht habe. 1. Der beabsichtigte, von einigen Rabbinen seinerzeit vorgeschlagene Jssur auf Prosanschulen in Palästina ist nie zustande gekominen, sondern von der gesamten sphardischen Gemeinde und von maßgeblichen aschkenasischen Gemeinden sogleich van Anbeginn an bekämpft worden, u. a. von dem deutschen Lolel unter Rabbi Joseph Schwarz, dem Verfasser des Sefer Trumas Hoarecz. 2. Es ist völlig aus der Luft gegriffen, daß Reb Schmuel Salant jemals diesen Jssur unterzeichnet oder bestätigt hätte. Vielmehr chat Rebb Schmuel Salant mir persönlich auf eine direkte dahingehende Schaaloh gepaskent, daß ich als Profanlehrer in Jerusalem tätig sein soll, und daß er sehr zufrieden ist, daß die jüdischen Linder von frommen jüdischen Lehrern unterrichtet werden. 3. Es ist meines Wissens ebenso falsch, daß Rabbiner Chajim Berlin Wr jemals überhaupt zu dieser Frage Stellung genommen habe. 4. Wir erklären hiermit in aller Oeffentlichkeit unter Einsetzung, unserer persönlichen Ehre: Der Jssur auf den j palästinensischen Schulen gilt nicht. Obwohl es wörtlich in ihm heißt: „Wir haben alle einstimmig beschlossen, j daß niemand von den aschkenasischen Gemeinden sowohl! diejenigeir, die sich hier befinden, als die, welche nach- 1 kommen, es wagen, in diesem Hause — der Fränkischen Schule — zu unterrichten, hat die maßgeblichste Instanz, Reb Schmuel Salant, ausdrücklich entschieden, daß der Jssur nicht in Least getreten ist, der seinem Wortlaut nach sich nur auf eine bestimmte Anstalt bezog. Wir werden, auf keinen Fall die Weiterverlreitnng dieser Jrrmernung von dem Jssur aus den Schulen dulden, sondern erklären jeden für im Irrtum besangen, der behauptet, daß jemals durch irgendein einstimmiges Votum der aschkenasischen Rabbinen ein solcher Jssur Rechtskraft gewonnen hat." Hierzu schreibt uns Herr Dr. Moses Auerbach in V -e r lin, der bekanntlich viele Jahre in Erez Jisroel gelebt und sich naturgemäß mit dem Gegenstand sehr gründlich befaßt hat: 1. Daß der Eherem von den Sfardim nie anerkannt wurde, ist bekannt. Dagegen wurde er meines Wissens von der überwiegenden Mehrheit der Aschkenasrm de facto anerkannt. Wie.er ursprünglich zustande kam weiß ich nicht. Doch sah ich Abdrücke des Cherem mit Unterschriften wohl aller großen aschkenasischen Rabbonim in Jerusalem. Unter einer Erneuerung wohl vor 40 Jahren war auch schon der Name von^ Oderrabbiner Sonnenfeld. v 2. Auch R. Schmuel Salant's Wt Name stand unter dem Cherem. Allerdings hörte ich, daß er der Ansicht war, der Cherem gelte nur für die Eltern und L i n - Ld e r , nicht für die Lehrer, und daß es ihm lieb war, wenn fromme Lehrer an den Schulen unterrichteten. Meines Wissens hat er auch nichts dagegen gehabt, daß Die Mitglieder der Agudah Jugendorganisation und Angesielitenbund erhalten bei jedem Versicherungs - Abschluß wesentliche Vergünstigungen durch die lebensverficherungsgelelllchaft PHÖNIX Viertgrößte Gesellschaft des Kontinents Versfcherungsbest.?,2 Milliarde GMk. «Mitarbeiter zu günstigsten Bedingungen u. zwar Gehalt, hohe Provision, Altersversorgung, gesucht Bewerbungen an Phönix, Berlin, Meinekestr. 10 Frl. Landau die Leitung der — allerdings hauptsächlich sefardischen — Rothschild-Schule übernahm. 3. R. Chajim Berlin b * st hat meines Wissens den Cherem anerkannt und deshalb erst nach langem Zögern dem arabischen Unterricht in Petach-Tikwa zugestimmt. 4. Ueber die Gültigkeit des Cherem können r"yb nur wirkliche halachische Autoritäten ein Urteil fällen und meines Wissens haben sie es bisher vermieden. Auch Herr Oberrabbiner Luk war immer für eine möglichst weitherzige Auslegung des Cherem, hat meines Wissens aber stets vermieden, ihn für nicht bindend zu erklären." Unser Jerusalemer Gewährsmann übersendet uns einen großen hebräischen Aufruf, der am 3. Kislew 5674 erschienen ist und die Unterschriften der Jerusalemer Bothe Dinim u. a. auch von Rabbi Pesach Zw! Frank, heute Mitglied des Kuk'schen Besdin, trägt . Im Anschluß au diesen Aufruf wird beispielsweise eine Kundgebung von Rabbiner Schmuel Salant V'Xt vom Adar 5667 wiedergegeben, die in deutscher Uebersetzung wie folgt lautet: „Auch ich bescheinige hierdurch ausdrücklich, daß d a s L e r b o t, das vor 40 Jahren von den Rabbonim, Glwnim ufw., die damals hier in der heiligen Stadt lebten, e i n st i m m i g erlassen wurde, (und auch ich war damals unter ihnen) in voller Kraft ist, wodurch unseren Brüdern, den aschkenasischen Kolalim, verboten wurde in den -lvvmv, die „Seoles" genannt werden, zu lernen. Der Jffur wurde von den Rabbonim der nachfolgenden Generation wiederholt und er ist heute noch in Kraft und kein Besdin kann ihn aus der Welt schaffen und wenn sich Menschen sinden, die das Verbot übertreten und wir haben nicht die Kraft, sie daran zu hindern, so haben wir unsere Seelen gerettet, wer aber unsere Worte hören wird, über die sich für ihre .Herkunst, ihre Vorfahren, für deren Tun und Treiben lebhaft interessierten. So mancher hat Daten und Namen sorglich gesammelt. Noch viel größer ist die Zahl derer, die zu schriftlicher Fixierung niemals gekommen sind, die aber in lebendigem Wort „der Väter gern gedenken" und versuchen, diese mündliche Überlieferung ins Herz der Enkel zu senken. Aber trügerisch und vom Zufall abhängig ist das Schicksal solcher Familientradrtion. Unendlich klein ist die Zahl der jüdischen Familien, die auch nur seit drei Generationen am selben Orte hausen. Stadtleben und Großstadtkultur sind allem, was Tradition heißt und Familiensinn fördert, gar wenig hold. Die Familie wird aufgelöst, ihr Zusammenhang gelockert; sehr oft bleibt die ältere Generation in der Provinz zurück, die Kinder wachsen in der Großstadt auf, ohne ihre Großeltern zu kennen, und die beste Gelegenheit zu lebendiger Anschauung der Vergangenheit geht verloren. In der kurzen Zeit des Bestehens der Gesellschaft ist es dieser gelungen, ihre Ideen in ersteulichem Maße zu verbreiten. Sie zählt zurzeit etwa 500 persönliche und etwa 30 korporative Mitglieder. Jetzt gilt es, dahin zu streben, weitere Kreise heranzuziehen. Je größer die Zahl, um so mehr kann geleistet und um so mehr dokumentarisches Material kann erschlossen werden. Gerade inbezug darauf bietet sich noch ein weites Feld der Betätigung. Ein ungeheueres Urkundenmaterial liegt noch zerstreut, unbeachtet und vernachlässigt herum. Da ist vor allem das, was in den Familien noch an alten Urkunden vorhanden ist. Über kurz und lang dürste es verloren sein, wie leider schon so vieles unwiederbringlich dahin ist. Hier gilt es zu retten, was noch zu retten ist. Da sind weiter die alten Gemeindeakten, die viel wertvolles Material enthalten. Sie sind bisher meistens sehr stiefmütterlich behandelt. Dann das unübersehbare Material der sogenannten „Judenakten" aus der langen, vielhundertjährigen Schutzjudenzeit. Die Wen liegen in den städtischen und staatlichen Archiven und find in sehr vielen Fällen noch vollzählig vorhanden. Es bedarf nur ihrer Erschließung. Sie geben über viele Juden der früheren Zeit weitgehende Auskunft. Ferner die Protokolle über die Annahme der Familiennamen aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts. (Zum ehrenden Gedenken Rabbiner Dr. Jonas M. Bond:? i^st). Eine stimmungsvolle Schrist von 35 Seiten präsentiert sich als Denkmal der Liebe und Verehrung für den Heimgegangenen Mainzer Raw, Dr. Jonas Bondi V's:- , Die Blätter werden über den weiten Lrers der Interessenten hinaus ihren Eindruck nicht verfehlen. Es find hier die Reden, die in der Mainzer Synagoge am 12. Avar 11. 5689 bei der offiziellen Trauerseier gehalten wurden, im Wortlaute festgehalten. Wir lesen zunächst die Ansprache des Nachbarrahvirrerp, der Dr. Bondi kn ,der Zeit seiner Lrankheit vertreten hatte, Dr. I. A n s b a ch e r - Wiesbaden; die Worte des Vorstandspräfidenten, Dr. Gustav Schlesinger. Es folgen die großangelegten Gedenkreden von Prooinzialrabbiner Dr. Hirschfeld - Gießen und Promnzialrabbiner Dr. Merzbach - Darmstadt; sodann schlichte Worte des Dankes und der Verehrung von Lehrer und Oberkantor Abrahanr Oppenheimer -Mainz und einige kurze Dankesworte von Julius L a n n für den Vorstand der Gemeinde Bingen, wo der Heimgegangene rabbinifche Funktionen verrichtete. Tine hebräische Rede des Lultusbeamten T s ch o r'n i ck t folgt und den Schluß bildet letzter Gruß für den Frankfurter Mekor Chajim und die Jüdisch-literarische Gesellschaft von Redakteur S. S ch a ch n o w i h - Frankfurt a. M. Das Buch ist sauber und schön hergestellt im Her - m o n - V e r l a g , Frankfurt a. M. Das Titelblatt zeigt ein vortreffliches Lichtbild des zu früh beim gegangenen verdienstvollen Rabbiners und Gelehrten. r (Hrmsemon.) Die Jeschiwah 31t Telschi, die jetzt ihren Führer verlorcil hat, bringt in der Tischri-Nnmmer ihres vortrefflichen hebräischen Organs „Haneemon" noch an der Spitze ein Bulletin über den Gesundheitszustand des Rabbi, hatte man doch damals schon allen Grund, um das kostbare Leben zu zittern. Die Nummer steht vornehmlich unter dem Zeichen der zweiten Lenessio Gedaulo. Es werden mehrere Beschlüsse des Rabbinischen Rates Int Wortlaute veröffentlicht, die dann in einem zusammenhängenden Artikel noch ihre Würdigung sinden. Das Referat Dr. Birnbaums, ebenso das Referat von Jacob R 0 s e n h e i m über die I e w i s h Agency sind in gutem Hebräisch wi:dergegeben. Wir finden dann einen Aussatz über den Begrijf „Lidusch haschem" von Rabbiner A. M. Bloch, einen weiteren Aussatz über die Schwere der Verantwortung, die die L. G. mit manchen Beschlüssen aus sich genommen hat. Ein Mitarbeiter aus Hebron referiert — nicht über die jüdische Tragödie dort, sondern über „die Stellung der Labala, Chakrro, des Chasidismus und des Mussar in den Lehrftätten". Den Rest des inhaltreichen Heftes füllen die Berichte aus der Lenessio ans, und zu allerletzt sind noch den Hebroner Märtyrern erschütternde Gedenkwortc gewidmet. Wie alle früheren Hefte zeigt auch dieses frische und rege jüdische Geistigkeit. Meues aus der Tyrnaurr JefchiwohZ Die bekannte Jeschiwoh des Tyrnauer Raw, Rabbi Saiiluel David Ungar, rüstet zu einer großzügigen Feier. Zn gleicher Zeit mit dem m 0 auf;'v'r nsoa wird eine neue nim ~eo in das Beshamidrasch eingeführt werden. Das Vorbereitungskomitee hat bereits verschiedene Maßnahmen getroffen, die zum Wohlgelingeu der Feier,

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