Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1929)
- Date
- 1929-11-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 47 Der Israelit 21. November 1929 W\\rennu Zei I 95 Hasenqasse Tängesgasse 25~27 AlfeUhren u.Schmuck werden umgehuschl-oder umgearbeihak ( sei als Freund des Zionismus nach Palästina gekommen dort aber seine zionistischen Gefühle verloren. Miß EoIdsmith, aus die sich Shean beruft stellt in Abrede, ihm von kommenden Unruhen etwas gesagt zu haben. Sie habe ihn nur gebeten, ihr bei de-r Abfassung eines Telegramms an die Londoner „Times behilflich zu sein. Merrimun stellt fest, datz die Palästinaregierung die „Times" ersucht hatte, ihren beständigen Korrespondenten in Palästina, Herrn Agronsky, die Berichterstattung über die Vorgänge zu entziehen. Herr Agronsky sei nach wie vor für alle Berichte, die in der „Times" über Palästina erschienen sind, einschließlich der Untersuchungsarbeit, verantwortlich. Diese Mitteilung ruft einiges Staunen hervor. S i l l e y , der zweite Anwalt der Regierung, teilt mit, datz Herr Shean den Zionismus als aggressiv bezeichnet hätte und sich aus dem Grunde geweigert hätte, weitere Berichte über Palästina der Presse zu berichten. Er habe in Briefen die Zionisten als „vorlaut" und taktlos bezeichnet. Auf Anfrage, erklärt Shean, er habe damit nur eine Gruppe junger Zionisten gemeint. Die verantwortlichen Zionisten haben stets sehr gemäßigt gesprochen und gehandelt. Am 15. November kommen die stellvertretenden Kommissare G. Laren auf Haifa und N. E. G r o s b i l aus Jaffa zur Vernehmung. Im Laufe der Verhandlunge nwurde die Oeffentlichkeit auch für die Vertreter der Palästina-Regierung, der „Jewish Agency" und der arabischen Exekutive ausgehoben. Der erstere Kommissar sagt, Haifa habe sich zuerst für die Zwischenfälle sehr wenig interessiert. Später war auch dort eine gewisse Erregung wahrzunehmen und er habe dann alle Vorsichtsmaßregeln getroffen, wobei ihn die Juden, obwohl sehr erregt, unterstützten. Die moslemitischen Notabelu versprachen, für Ordnung zu sorgen. Der Zeuge kann die Frage nach der Zusammensetzung der Haisaer Bevölkerung nicht beantworten. Statt seiner teilt Merriman mit, daß Haifa 14 000 Juden und 13 000 Araber zählt neben einigen Tausend Christen und Europäern. Der Zeuge bestätigt, daß die Hetze in Haifa von Agitatoren gut organisiert war. In Nablus konnten die Unruhen durch die Palizei sofort unterdrückt werden. Jüdische und arabische Notabeln wollten eine Verständigungskonferenz beim Kommissar anberaumen, und dieser muß jetzt zugeben, daß er die Aussprache verhindert oder mindestens nicht gefördert hatte. Der Kommissar von Jaffa schildert seine Bemühungen zur Verhinderung einer geplanten arabischen Demonstration in Jaffa. Die arabischen Führer waren geteilter Meinung. Die Hetzer kamen von auswärts. Das Gros der arabischen Bevölkerung in Jaffa sei wohl gegen die Balfourdeklaration, verantwortlich für die Unruhen sei aber nur eine kleine Minderheit. Der Scheich von Jaffa (er ist im Saal anwesend) -habe die Reden an die Mengen gehalten. Daß ein Gemetzel in T e l - A w i w verhindert wurde, sei das löbliche Verdienst des Polizeioffiziers Riggs, der auf die nach Tel-Awiw marschierenden Araber rücksichtslos feuerte. Ueber den jüdischen Selbstschutz wisse er nichts Bestimmtes. An eine Deputation jüdischer Kolonisten, die um Schutz baten, könne sich der Zeuge nicht erinnern. Unter gespannter Aufmerksamkeit wird Dr. Wolfgang von W ei ß l, der Orientredakteur der„Vossischen Zeitung" verhört. Er hatte sich bei den Unruhen in Jerusalem eine ernste Verletzung zugezogen, unter der er heute noch leidet, sodaß er gestützt von einer Krankenschwester im Saale erscheint. Er berichtet zusammenhängend über alle Geschehnisse, deren Zeuge er war und entwickelt aus Befragen das Programm der Revisionisten, die er als das der ursprünglichen Zionisten bezeichnet, welches keineswegs dazu angetan sei, die Araber zu beunruhigen. Zur weiteren Vernehmung kommt der Polizeiinspektor des Süddistrikts Q u i g l e y , der verantwortlich war für die Ordnung in Jaffa, Tel-Awiw, Hebron und Umgebung. Er gibt zu, daß die Unruhen in Jaffa von langer Hand vorbereitet waren. Der Scheich Handi H u s s e i n i habe jede Gelegenheit ausgenützt, um unter religiösem Deckmantel Unruhen zu stiften, obwohl er in Wahrheit garnicht religiös, vielmehr Kommunist sei. Hussein war im Mai dieses Jahres in Frankfurt a. M., wo er sich am Kongreß der A n t i i m p e r i a l i st e n als Delegierter beteiligt hatte. Seitdem er ins Land zurückgekehrt ist, Ii;tz er von der Hetzarbeit nicht ab. Die Jugend stand ganz unter seinem Einfluß. Die Flugschriften gegen die Juden gingen vom „Komitee für den Schuh der Klagemauer" aus und wurden von dessen Präsidenten bei der Drucklegung beaufsichtigt. In Jaffa, sagt der Zeuge sei die Bevölkerung leicht erregbar. Die Polizei, die all die Vorbereitungen kannte, mußte ihre Arbeit darauf konzentrieren, das Eindringen der Araber in Tel-Awiw zu verhindern. Der Zeuge schildert die Vorgänge am 25 August. Ein junger Jude, Benjamin Goldberg wurde bei einer Rettungsaktion für seine Freunde in einem arabischen Dorf getötet, ebenso drei seiner Genossen Die Aktion sei unnötig gewesen, da bereits Panzerautos unterwegs waren. Als er von dem Gemetzel in Hebron hörte, gab er sofort alle nötigen Instruktionen dahin. Eafferata, der dortige Polizennspektor, gab ihm aber dann beruhigende Nachrichten. Der Zeuge bestätigt, daß der Polizeiofsizier Riggs durch sein mutiges Eingreifen mit nur vier Gewehren den Marsch auf Tel-Awi^w verhindert hatte. Die Behauptung der arabischen Exekutive, datz viele Juden in Jaffa bewaffnet waren, sei eine der vielen Unwahrheiten jener Tage. In der Nähe von Tel- Awiw war auch eine ganze arabische Familie ermordet worden. Man weiß nicht, wer die Mörder waren. Herr Rokach, der damalige Bürgermeister von Tel-Awiw, sprach in einem Erlaß seinen Abscheu gegen diese Tat aus und forderte die jüdischen Bewohner auf, Ruhe zu bewahren. Polizeiinspektor Quigley bestreitet, daß die jüdische Demonstration irgendeinen kommunistischen Charakter gehabt hätte. Er glaube nicht, daß der jüdische Selbstch u tz eine dauernde Einrichtung sei. Ein arabischer Anwalt präsentiert nun ein hebräisches Büchlein, das die Bestimmungen des jüdischen Selbstschutzes" enthalten soll. Es sind darin auch Abbildungen. Das Ganze stellt sich als eine Mystifikation heraus. Das Büchlein mit den Bildern handelt nicht von Palästina, sondern von den Pogromen in der Ukraine und der dortigen jüdischen Selb st wehr. Herr Merriman deckt den Schwindel auf, worauf die Araber das Büchlein beschämt zurückziehen. Es.werden dann noch die Statuten des „Brith Trumpeldor" verlesen, aus denen hervorgeht, daß der Verein 250 Mitglieder zählt und sich dem „physischen, ethischen und kulturellen Ausbau" widmet. Neue Schreckenstaten in Jerusalem und bei Haifa. Jerusalem, 13. Nov. Ern Mordanschlag auf -den bkt'Mlniüvw jMschiew Augenarzt Dr. Ti cho, >der von einiem Araber unmittelbar vor dem PoWzeibüro durchs Messerstiche irr den Rücken schwer verletzt wurde, hat unter der Bevölkerung Jerusalems ungeheure Empörung hervorgerufen. Dr. Di cho befand ich auf dem Wege zu dem von ihm geleiteten Ambn'lat<orii<um, in welchem er in LOjähriger Tätigkeit Tausenden von Menschen, und besonders Arabern, das Au genlich t gerettet hat. Der Mtentäter konnte unerkannt entkommen. Dr. Ticho wurde m das Hadafsah-HofpLtat gebracht,, wo er einer Operation unterzogsen wurde. Sein Zustand ist bedenklich. Dieser sowie >andeve Anschläge aus dem Hinterhalt, die feit einiger Zeit Vorkommen, lassen auf das Bestehe einer arabischen Derror-Organiati'on schließen. In der Gegend von Haifa hat eine andere GewaMtal große Empörung hervorgerufen. In der Nacht zum Mittwoch, den 13. November, wurden Jeschaja L >e vit und Frau Fanniv B a b ash., die sich im Wagen auf dem Wege nach ihrem Wohnort Kerkur befanden, in 'der Nähe von Chedeva an der Eisenbahnstation von einem Trupp Araber angegriffen. Frau Badafh wurde in grauenvoller Weise ermordet, Jeschaja Lernt durch Schüsse ilebvnsgMHMch verwundet. 2Ä1 Pferde wurden ausgefpanut und weggeführit, der Wagen wurde geplündert. Sechs Araber wurden als der Tat verdüchtig verhaftet. Personalien. Rabbi Msnachem Grünwald V'st* Oedenburg-Soproii, 13. Nov. Am 25. Tischri verschied hier im Alter von nahezu 90 Jahren nach einer 60jährigen erfolgreichen rabbiinschen Tätigkeit der Oberrabbiner der Oedenburger orthodoxen Gemeinde, Emanuel. Menach E r ü n w a l d. Im Komitate Fejer-Weißenburg in der frommen Kehila Cece geboren, lauschte er noch als ganz kleiner Junge den Worten des greisen Jona Ar je des auch vom Chasam Soser hochgeehrten Gaons von Cece. Aus dem. Milieu stammend, woher so viele Größen Israels, darunter auch Mordachai Benet, Landrabbincr von Mähren, hervorgingen, bekundete er schon in frühester Jugend einen derartigen Hang zum Thorastudium, datz er als ganz junger Knabe als eine angehende rabbinifche Größe betrachtet und von seinen Eltern auf seinen ausdrücklichen Wunsch, diesem Berufe gewidmet wurde. Er lernte anfangs in seinem Geburtsorte, dann ging er nach Preßburg, wo er in' kürzester Zeit Lieblingsschüler des „Ksav Soser" wurde und im Hause der Familie Natzersdorfer Förderer und Freunde fand, dort lehrte, lernte und sich vervollkommnete. Er wurde auch vom „Ksav Sofer" mit dem Unterrichte seines Sohnes,, dem derzeitigen Beregszaszer Raws, Verfasser des jüngst, erschienenen „Jgroth Sofrim", betraut und war Freund' und Studiengenosse der derzeitigen Größen des Judentums: Josef Eh. Sonnenfeld und Wolf Paypenheims,. Wien. Die Aufmerksamkeit Nabbr David Neumann- Lackenbachs, Rosch-Beth-Din der Gemeinde Preßburg. wurde auf ihn gelenkt. Er nahm ihn zum Schwiegersöhne und übergab ihm die vorher von ihm bekleidete Stelle des Vortragenden Rabbiners der Schas-Chewra.. Der gute Ruf Menachem Erünvalds drang in die Ferne und die zwar kleine, jedoch von hervorragenden Männern geleitete Oedenburger orthodoxe Gemeinde berief ihn als Rabbiner und Führer der Gemeinde. Tag und Nacht oblag er ununterbrochen dem Studium und unermüdlich war er, wenn es hieß, seiner Gemeinde und dem Judentume zu dienen, den Armen und Bedrängten, ob Einheimische, oder Fremde, zu helfen. Er, der seinetwegen niemals materielle Forderungen an die Gemeinde richtete,, scheute keine Zeit und Mühe, um für Andere das Herz seiner Mitmenschen zu bewegen. Die kleine Gemeinde wuchs. unter seiner Hand zu einer schönen jüdischen Kehila. »n't sämtlichen Institutionen und Lehranstalten und er schaffte feiner Gemeinde nur Ruhm und Ehre, ward ihr Stolz und Zierde. Dem Lernen und Lehren widmete er jede Minute, wollte niemals aus gesundheitlichen Rücksichten ein Heilbad aufsuchen, da er sich von seinen Sforim nicht trennen konnte. Aus demselben Grunde betätigte er sich niemals politisch, überließ die Ehrenstellen im Landesrat und Zentralkommission der Orthodoxie Ungarns den Amtsgenossen. Nach kaum zehnjähriger Ehe verlor er seine Frau und ehelichte die Nichte Rabbi David Lackenbachs, die Tochter des Neuhäusler, später Wiener Rabbiners Jizchok, Krame r W und kbie mit dieser würdigen Gefährtin seines Lebens volle 50 Jahre hindurch in glücklichster Ehe. Er hatte noch das Glück, Anfang des Jahres 1929, inr Kreise seiner 11 Kinder, zahlreicher Enkel und Urenkel in Gesundheit und Freude die goldene Hochzeit feiern zu können. Sein Sohn Joschua, Rabbiner in Meranoj Italien). hielt bei dieser Gelegenheit eine rührende Festrede, worin er dein greisen Familienoberhaupte für die Liebe, Aufopferung und Fürsorge dankte, die er allen Nachkonlinen zuteil werden ließ. Nun ist er in eine bessere und glücklichere Welt übersiedelt, wo die Verdienste der Zadikim voll und ganz anerkannt und gewürdigt werden, und 'weilt mit seinen großen Lehrern und dahingegangenen Zeitgenossen beisammen und möge er ein ipt p’Va sein für seine Gemeinde und das ganze Haus Jisroel. Unter beispiellos großer Teilnahme fand am 27. Tischri die Beerdigung statt. Die E>tadt Oedenburg, sämtliche Behörden und Institutionen, Schulen und Vereine waren durch Delegierte vertreten. Unter Leitung Oberrabbiner Dr. P o I l a k s war die ganze Repräsentanz der Schwestergemeinde erschienen. Sämtliche Gemeinden der nahen und fernen Umgebung, des angren-' zsndsn Burgsnlandes, waren durch ihre Rabbiner und Vorstände anwesend. Die Schisfschul in Wien, die Gemeinden Szombathely, Papa, Janoshaza, Janoshaüna. hatten ebenfalls ihre Delegierten entsendet. Außerdem kamen aus aller Welt ehemalige Schüler, Freunde und Verehrer des Verblichenen um seiner irdischen Hülle dasletzte Geleite zu geben. Der Oraun wurde aus denn Schreibtische und des Lern- und Vetpult gezimmert und seine Manuskripte, Diplome und das vor nahezu 60 Iah-' ren ausgestellte Akzeptationsfchreiben der Soproner Gemeinde begleiteten ihn bis zum Grabe. Die Trauerfeier begann nach der in der Wohnung vorgenommenen Taharo mit der Abschiedsrede fernes ältesten Sohnes, Rabbiner Juda G r ü n v a l d aus Luzern. Im Hofe sprach Rabbiner Josua G r ü n v a l d , ebenfalls ein Sohn des vertorbenen Oberrabbiners, in ergreifenden Worten. Auch-.' 'ein. rm Haufe erzogenes Enkelkind, der 16 jährige Amrom Blum, würdiger Sprosse großer Ahnen, hielt dem Großväter, Lehrer und Erzieher einen tiefergreifenden Nachstrüs, worauf die inhaktreiche Trauerrede des Schülers¬ und langjährigen Mitarbeiters, Rabbiner Josef Eliefer M ü l l e r - Janoshalma, folgte. Der Oraun wurde nun von den Söhnen und Verwandten in den festlich beleuchteten bis auf den letzten Platz überfüllten Gemeindetempel getragen, wo Oberrabbmer Snyders - Györ,. feinen Hefped hielt und der Präses der Gemeinde vonr.