Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1929)
- Date
- 1929-11-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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21. November 1929 Der Israelit Nr. 47 Seile. 5 Immer tmiebier wurde die Frage gestellt nach der j "Notwendigkeit so vieler Paragraphen für e-iare -Gemeinschaft, die — in der Hauptsache — aus einigen Großgemeinden und etwa 40 Gemeinden mit durchschniiWich 50 Seelen besteht. 'Auch die .nielle Synode wird zu prüfen haben, ob 'jede Ausgabe in einer wirtfchaMich so belasteten Zeit verantwortet, ob nicht manches rationeller gestaltet w!erden kann. Wie dem aber auch sei, gleichviel welcher Ausgabenetat in der Budgetsynode für 1929—1932 aufgestellt werden wird, wir würden, es begrüßen, wenn nun die Paragraphen der Verfassung und Gememdeordnung Leben! gewinnen, wenn all die vielen Organe, die wir haben, ihre Lebensfähigkeit und Existenzberechtigung erweisen würden, Mehr, oder wenig- -stens noch mehr, als bisher. Denn darüber sollte kein Zweifel seni, daß alle Instanzen, vom Synagogenrat bis zum Oberrat, ihren Sinn erst dadurch erlangen, daß sie sich nur als Mittel zum Zweck und nie als Selbstzweck betrachten. Ob -aber die ideellen und materiellen Leistungen der israelitischen Religionsgemeinschaft Badens ihren Zweck erfüllen, darübler wird erst nach einigen Jahren ein „Bericht aus Baden" das Notwen- 'dige ullfzuzeigen haben. - - -_w Korrespondenzen « ßaebriebten. Deutsches Reich Aus der Jüdischen Gemeinde. Berlin, 15. Nov. Die Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin nahm in ihrer Sitzung am 14. November abends die Wahl des Vorstandes des neuen Altersheims der Gemeinde in Schmargendorf vor. Der Vorstand setzt »sich aus prominentesten Mitgliedern der Gemeinde zusammen. Sodann nahm die Repräsentantenversammlung einstimmig die Vorlage betreffend Pachtung eines großen Sportplatzes von der Stadt Berlin im Erunewald an. Für die Vorbereitung der Frühjahrsarbekt hatte die Versammlung bereits 20 000 Mark bewilligt. — Auf eine Anfrage, teilte Direktor üaresK mit, daß alsbald auf einem der Gemeinde gehörenden Grundstück ein Ledigenheim für 120 Personen errichtet werden wird. Dr. Alfred Klee, der Führer der Volksparteisraktion, wendet sich in einer Anfrage dagegen, daß die Reform gemeinde im Erunewaldbezirk Zirkuläre versendet, in denen sie zur Meidung der dortigen »Gemeindeschule und zum Besuch ihrer eigenen Schule auffordert. Dr. Klee sieht hierin einen Vorstoß gegen die Grundlagen der Einheitsgemeinde, eine Mißachtung Andersdenkender und ein gefährliches Spiel mit Austrittsgedanken. Dr. Fleischer (liberal) führt demgegenüber aus, daß sich die Reformgemeinde gegen -einsei.ig zionistische Tendenzen im Unterricht wehre. Der -Eemeindevorsitzende enthält sich jetzt noch einer endgültigen Stellungnahme. Die Repräsentantenversammlung bewilligte eine Etaterhöhung des Wohlfahrtsamtes um 30 000 Mark, ferner -einen Beitrag von 15 000 Mark für die Zenlralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, 7000 Mark für die Akademie für die Wissenschaft des Judentums und 5000 Mark für die „Jüdische Kinderhilfe". Kultusminister Dr. Becker über die nationalistischen Studentenunruhen. Berlin, 17. Nov. Der „Amtliche Preußische Pressedienst" verbr.i et einen 'Aussatz des Kultusministers Professor Dr. Becker über Ausgaben im neuen Staat, der den folgenden Passus mit Bezug auf die Berliner Studentenunruhen enthält: Professoren und Studenten haben es der Regierung nicht gerade leicht gemacht, für Hochschulinteressen in der Öffentlichkeit einzutreten und die notwendigen Mittel für ihre Arbeit zu beschaffen. Gewiß, fordert dir Wissenschaft eine aristokratische Geisteshaltung, aber nationalistische Pslegeleien gegen Andersdenkende sind nicht gerade -ein Beweis für aristokratische Gesinnung. Leider kann man heute von weiten Kreisen der akademischen Jugend nur sagen: „Herr, verzeih' ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. ' Wie der „Amtliche Preußische Pressedienst" mitteilt, ist die für die Eröffnung des Disziplinarverfahrens notwendige Voruntersuchung unmittelbar nach den Ereignissen ausgenommen worden. Me Woche. Berlin. Auf dem jahrhundertealten Friedhof in Floß bei Weyden in Bayern wurden in der Nacht zum 28. Oktober zw ei G r abst eine umgestürzt und zwei Kindergräber verwüstet. Die Friedhofsmauer wurde beschädigt und der Ausgang in der gemeinsten Weise beschmutzt. Es ist dies die 76. Friedhofsschändung, die seit Ende 1923 in Deutschland festgestellt worden ist.— Ihre neue Poliklinik eröffnet die Jüdische Gemeinde am 17. November im Hause Lilienstr. 19. Der Eröffnung geht eine Feier im Sitzungssaal Rosenstr. 2—4 voran. — Der Senat der Universität beriet mehrere Stunden lang über die Maßnabmen. die ergriffen werden sollen, um eine Wiederholung der Studenten-Krawalle zu oerbindern. Die Polizei und die Unzversitätspedelle haben viele Studenten festgestellt. die sich bei den Krawallen besonders hervorgetan haben, gegen die der Senat ein Diszivlinarne-fabren eröffnet. — Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten veranstaltet am Sonntag, .den 24. November 1929, seine . diesjährige Bundes-Hauvtversammluna in Berlin. Hamburg. Der Landesverband Nordwestdeutschland des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, dessen Sitz Hamburgi st, und die Ortsgruppe Hamburg begingen am 16. November 1929 durch einen besonderen Festakt die Feier des zehnjährigen Bestehens: am Sonntag Vormittag fand eine große Kundgebung statt unter der Devise „Der deutschen Zwietracht mitten ins Herz", in der die Dichter Walter Bloem und Ernst Lifsauer sowie Professor Dr. Erik Nölting, ferner der Bundesvorsibende Dr. Leo Löwenstein, der Vorsitzende des Landesverbandes Nordwestdeutschland, R.-A. Dr. S. Urkas sprachen. Belgrad. Oberrabb. Hermann Schweiger, Vizepräsident des jugoslawischen Rabbinerverbandes, ist 57jährig in Senta plötzlich verstorbe". Cr war sine der Hauvtstützen der der jüdischen Bewegung in Jugoslawien und erfreute sich a"ch in nichtjüdischen Kreisen allgemeiner Wertschätzung. Warschau. Ans Anlaß der Elfjabrfeier der polnischen Unabhängigkeit wurden die Juden Samuel D i ck st e i n und R.-A. Przeworsky durch Verleihung des Komfmändeurkreuzes, Dr. Bernhard Hausner und der Wilnaer Industrielle Abrabraham Wierszubsky durch Verleihung des Ordens „Polonra Restiiuta" ausgezeichnet. In allen Scknagogen fanden Gottesdienste unter Beteiligung .der jüdischen Soldaten und der jüdischen Krieasverletzten statt. Die Warschauer Jüdische Gemeinde wurde in diesem Jahre zur offiüellen Regierungsfci'r nicht eingeladen. 5cer»satrm. Das Oberrabbinat ordnet an, daß in allen Scknagogen für die Wiedergenesunq des von einem Araber durch Messerstiche schwerte-letzten berübmten Augenarztes Dr. T i ch o aebetet wird. Wie es heißt, hat sich sein Zustand etwas gebessert. Nrwyork. Nach neuesten Mitteilungen des statistischen Amtes hat die Zahl der Juden in Newnork an-. nähernd 2 Millionen erreicht. Insgesamt wobnen in den Vereinigten Staaten Amerikas 4 230 000 Juden. „Wahlfrieden im Deutsch-Israelitischen Synagogenverband". H a m b u r g , 18. Nov. .Zu der Korrespondenz unter diesem Titel ist ergänzend mitzuteilen, daß die Aufstellung einer Einheitsliste geglückt ist. Der ausscheidende Herr Ossenburg ist wieder aufgestellt worden, an Stelle der ausscheidenden Herren Flörsheim und Dr. Lanzkron hat man sich allerseits auf die Aufstellung der Herren Dr. Raphael Möller und Hermann Mansch geeinigt. Die Bildung dieser Einheitsliste ist insofern bedeutsam, als dadurch ein für allemal einer Fraktionsbildung im Delegiertenkollegium im Synagogenverband und einer ständigen Majorisierung der bisherigen agudistischen Minorität ein Ende gemacht ist. IIHE vorne um 22^'c.GARRE G-M - HOLZ FRAN KFU S T-A-tl-OEO B:18«9 Synodalrvahlen in Baden. Karlsruhe, 19. Nov. In Ergänzung des vorstehenden Berichtes ist zu sagen, daß die Wahlen infolge des Abkommens ziemlich ruhig verlaufen sind. Im allgemeinen kann man feststellen, daß die Wahlbeteiligung in den Landorten größer war als in den Städten — sonst ist die Interessiertheit für jüdische Dinge umgekehrt! — In Mannheim stimmten z. B. von nahezu 5000 Wählern nur gegen 150 (!) ab. Von konservativen Abgeordneten sind als gewählt gemeldet: E. Bauer und D. Simon (Mannheim); R.-A. Kassewitz (Freiburg),- Bez.-Rabb. Greilsheimer (Mosbach) als Rabbinervertreter,- Lehrer Neuburger (Philippsburg) als Lehrervertreter: G. Hochherr (Ep- Lpingen): I. ll l s p r i N g e r (Hardheim): Prof. Darmstädter (Mannheim) als Ersatzmann für den dem Oberrat angehörenüen R.-A. Dr. Pfälzer (Weinheim); Sin au er (Grötzingen); Uff en heim er (Breisach); L. Weil (Ossenburg); A. Blum (Karlsruhe) und in Gailingen-Randegg Dr. S. H ei l b r o n n. Voraussichtlich werden die Genannten wieder mit den zionistischen Vertretern zusammen eine gemeinsame Fraktion bilden, die zwar nicht ganz die Stärke der liberalen Gruppe erreicht, aber doch wohl beanspruchen darf, als nahezu gleichstark bewertet und berücksichtigt zu werden. Tschechoslowakei. Gedenktag der Pretzburger Zeschiwah. Preß bürg, 14. Nov. Die Bovb-e-rVituugsardeÄbeu zu dem großen! Zuf-ammem tvefseu -aller ehern. „Talrmdim" fc'er „Preßburgier Jefchiwa" am Jahrzeits-tag-e des. vsrew-i-gteu Dersafs-ers des „Schel»efc Safer" sind bereits im vollstem Gangie. Die MAviluug von dieser geplan-ten Zustmm-enkuuft hat alleMchalben hellsts Bege'ffderurvg ausgeGst, und ans allen Kneifen der TalMidim des Jnicmdes und des nahen und fernen Auslandes lausen zahlvsiche Zustimmungskundgebungsn ein. in denen die -bewahrte Treue und Hingebung zu den- Meistern und zur BWungsstäM ihrer jüdischen Seele in dankbarer Weise zum Ausdruck kommt. Allen Anzei'che-n nach dürfte die B-ete-iligun-g eine überaus ,große fein und dieses Treffen sich zu einer imposanten Kundgebung minn 1122s- und zu Ehren der Jeschiwa, welche als Erbe vom „Chafam So-fer" eine dem GesamtjuÄe-nitum -teure Institution -ist, gestallten. In einer an die Talmidim d>er Leschiwa ergeh-enden Einladung merdru diese zur Erfüllung der Ehrenpflicht der Teilnahme und zur baldigen- Anmeldung spätestens bis Rofch Chodefch Kislev -ersucht. Inzwischen werden seitensder vorbereibdenden Komitees umfassende Vorbereitungengetroffen, um dieses Fest grandios und denkwürdigzu gestalten, das allen Teilnehmenn eine erhebende EriNMnuttig bieiben wird. Alle diesbezüglichen Milieiitungen als -auch das detaillierte Programm werden demnächst im Wege der Presse b-e-kannigegeden werden. Sollten -ehemalige Schüler der Jeschiwa eine Einladung nicht er^ hättenhaben, so kie-g-t es -ander M-angsHaMgbM des vorhandenen Advessenmateri-als und werden dieselbengebeten, ihre Adresse -anzugeben, worauf ihnen die Einladung zu-gehen wird. Palästina. Die weiteren Untersuchungen. Jerusalem, 16. Nov. Am 14. November wird ein amerikanischer Journalist namens Vincent Shean vernommen, der als Araberfreund und Antizionist bekannt ist. Er war am 9. Am an der Klagemauer, wo er von der Ansammlung der ChalUZlM Unruhe erwartete. Die Alten waren in ihre Gebete vertieft, die Ehaluzim in Kampfstimmung, aber von Unruhen konnte nicht die Rede sein. Er habe nur einen Revolver gesehen. Im klebrigen sagte er, er