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Der Israelit · 1929-11-14 · Heft 46 (14.11.1929) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 46 (14.11.1929)
Date
1929-11-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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14. Nov. 1929 Der Israelit Nr. 46 Seite 7 .Zeuge mutz zugeben, datz er auch nach Zuspitzung der Lage keine Vorsichtsmaßregeln in Haifa und Umgebung traf. Der Zeuge will Juden mit Waffen gesehen und Schüsse aus jüdischen Häusern gehört haben. Aus einem Mischen Wagen seien Schüsse auf Araber abgegeben worden. In Nablus habe die Polizei die Ordnung wieder hergestellt, nachdem sie zehn Araber erschossen hatte. 30 Juden wurden in Haifa in der R o t h s ch i l d - Mühle verhaftet, weil von der Mühle aus geschossen wurde. Beweisen konnte man den Juden die Schüsse nicht. Erst im Kreuzverhör mutz der Zeuge zugeben, datz am Freitag vier Agitatoren aus Jerusalem nach Haifa kamen und in der Mosches aufhetzerische Reden führten. Der Zeuge hat die wilde Menge, die nach dem Viertel Hadar-Hacarmel zog, für eine Hochzeits- Prozession gehalten. (?) Er habe an den Ernst der Dinge nicht geglaubt. Auf die Frage, warum er verhaftete Juden gefesselt durch die Straßen führte und die jüdischen Arbeiter aus der Nothschildmühle einen ganzen Monat im Gefängnis behielt, obwohl nichts gegen fie vorlag, kann er keine Auskunft geben. Meriman stellt fest, datz Foley in Haifa als Antisemit bekannt und verhaßt war. Foley mutz zugeben, bei den Juden nicht geliebt gewesen zu sein. Fortsetzung der Untersuchung. Jerusalem, 8. Nov. In der Sitzung vom 7. November sprach die Kommission zuerst eine Warnug an dir hebräische und arabische Presse aus, sich in ihren Urteilen und Berichten Lber die Untersuchungskominission zu mäßigen. Es wird dann die Beweisaufnahme über die Vorgänge in Haifa fortgesetzt. Der Anwalt der Zionisten legt Flugblätter vor und die Abschrift einer Hetzrede des Scheich P u n e s in der dortigen Moschee, die zu den Ausschreitungen geführt hat. Stöcker, der Anwalt der Araber, bezweifelt die Echtheit der Abschriften. Major Foley wird noch einmal über die Vorgänge in der Nothschildmühle befragt und gibt an, es feien dort vier Pistolen und etwas Munition gefunden worden. Freilich gehörte eine Pistole dem Direktor der Mühle, der einen Waffenschein besaß. Datz britische Soldaten Dutzende von unbewaffneten Arabern getötet hätten, sei ^ine Lüge. Major Foley hat keine Beweise dafür, datz ine Juden vielfach bewaffnet waren, wenn es aber im Memorandum der Arabischen Exekutive heißt, die Mostims hätten keine Feuerwaffen besessen, so sei das als eine Unwahrheit zu bezeichnen. Die jüdischen Polizisten, -sagt Foley, wurden entlassen, weil sie sich iveigerten, unbewaffnet Dienst zu tun. Datz man bei einem jüdischen Postbeamten, wie im Memorandum behauptet wird, Handgranaten gefunden hätte, ist dem Zeugen unbekannt. Sodann kommt die Metzelei in Safed zur "Besprechung. Sir Merriman verliest den Polizeibericht. Es ist erwiesen, datz Major Foley, dem auch Sased unterstand, der Aufforderung, Polizeioerstärkungen dahin zu schicken, keine Folge leistete. Cr mutz es zugeben und entschuldigt sich damit, datz seine Polizisten in Haifa unentbehrlich gewesen wären. Die Frage, ob er die großen Gefahren in Safed kannte, mutz er bejahen. Als der Regierungsanwalt die Maßnahmen Foleys in -er Mühle zu rechtfertigen sucht» fällt ihm das sozialistische Mitglied Harry S n e l l ins Wort. Er begreife nicht, warum man 30 Mann unschuldig verhaftete und einen Monat lang im Gefängnis schmachten ließ. Der Vorsitzende, Sir Walter Shaw, bemerkt dazu: „Ein 'Glück, datz nicht Frauen und Kinder dabei waren". Auf die Frage des Regierungsvertreters, ob er alles getan chatte, um die Juden zu schützen, antwortete Foley mit -einem schwachen „Ja". Der Vorsitzende, Sir Walter Shaw, sagt: „Major Foley hatte genug Kräfte zur Verfügung. Ich an seiner Stelle hätte mit dieser Mannschaft spielend die Ruhe aufrecht erhalten können." Auf Gefragen gibt Major Faley an, datz in Haifa sechs Juden und zwölf Araber getötet wurden. Zwanzig Araber wurden verwundet. Auf die Frage, iver angefangen hat, sagt der Zeuge nach langem Zögern: „Die arabische Demonstration am 24. August hat den Aufruhr «ingeleitet. Mit den ersten Schüssen des englischen Militärs war die Ruhe wieder hergestellt." Kapitän P l a y f a i r betont noch einmal, datz in .Jerusalem die Polizei nicht ausreichte, um Unruhen zu verhindern. Cr mutzte Militär heranziehen, um auch die Grenzübergänge zu überwachen. Die Frage, ob die arabische Polizei verläßlich war, beantwortet er mit einem -glatten Nein. Die jüdische Polizei war absolut zuverlässig. Er wollte schon früher mit seinen Truppen nach Jerusalem kommen, doch wurde er von Luke erst am 23. August gerufen. Wäre «es gelungen, in Jerusalem gleich zu Anfang den Aufruhr zu unterdrücken, so hätte das im ganzen Lande abschreckend gewirkt. Die Panzerautos wurden zu spät eingesetzt. Unter allgemeiner Spannung wird der Brigadegeneral D o b b i e vernommen, Er hatte am 26. August den Oberbefehl über die Truppen in Palästina übernommen. Er fand das Land in hellem Aufruhr. Er nmtzte" Abteilungen nach Jaffa und Haija schicken und auch für den Schutz der Kolonien sorgen. Für Safed konnte er keine Truppen entbehren. Erst am 29. August, konnte er Soldaten nach Safed schicken zur Verhütung werterer drohender Ausbrüche in der Unrgebung. Er hatte nicht die Hoffnung, alle Kolonien im Norden schützen zu können. Warum man die Juden entwaffnet hatte, wisse er nicht. Warum er nicht um einen halben Tag früher Soldaten nach Sased geschickt hat, fragt der Anwalt. „Ich hätte es tun können und auch getan, wenn ich damals gewußt hätte, was ich heute weiß", lautet seine Antwort. Am Freitag begab sich die Kommission abermals nach den Aufruhrgebieten. England. Palästinafragen im Englischen Parlament. London,?. Nov. In der Sitzung des Unterhauses richtete James de Rothschild an den Staatssekretär für die Kolonien die Frage, ob ihm ein Protest übermittelt wurde, den eine Anzahl britischer Untertanen am 5. September der Palästinaadministration übergeben haben und in welchem sie darüber Klage führen, datz sie bei Gelegenheit einer am 27. August in Jerusalem abgehaltenen öffentlichen Parade als Sonderpolizisten entlassen wurden, obwohl sie früher vorschriftsmäßig angrworben worden waren. Diese Entlassung erfolgte aus dem einzigen Grunde, weil sie Juden waren; nichtjüdische britische Staatsangehörige wurden im Dienst behalten. Welche Schritte hat die Regierung in dieser Angelegenheit ergriffen? Der Unterstaatsfekretär für die Kolonien, Herr Lunn, erwiderte: Düssr Protest ging bei dsr Regierung ein. Die Regierung hielt es aber nicht für nötig, in dieser Sache irgendwelche Sonderschritte zu ergreifen, da fie von der Palästinaregierung und dem Staatssekretär für die Kolonien ordnungsmäßig behandelt worden ist. Oberstleutnant Kenworthy fragte den Unterstaatssekretär für die Kolonien, ob er mitteilen könne,' wie viele jüdische und arabische Bürger Palästinas im Zusammenhang mit den jüngsten Unruhen in den Gefängnissen sitzen und auf ihre Aburteilung warten. Lunn erwiderte, er sei nicht in der Lage, hierüber eine erschöpfende Antwort zu geben, er habe den High Kommissioner um die Erwünschte Information ersucht. Auf Anlagen des Eaptain Peter MacDonald berichtete der Liste Lord der Admiralität, Herr V. Alexander, u. a., datz ein Schlach'schiff am 2. November in Jaffa nntras und sich auch heute noch dort befindet. Protest gegen die Entwaffnung der engtischen Juden in Palästina. London, 5. Nov. In der Sitzung des Jewish Board of Deputies (Deputiertenrat der englischen Juden) erstattete Natthan Laski den Bericht des Palästinakomitees und führte ungefähr aus: Die Schaffung der Jewish Agency ist ein großer Erfolg für das Judentum. Das Palästinakomitee hat sich eingehend mit dem Bericht befaßt, den die englischen Juden in Jerusalem geschickt haben und in welchem sie sich über viele Unannehmlichkeiten, die sie erleiden mutzten, hauptsächlich aber über die Entwaffnung der jüdischen Polizisten englischer Staatsangehörigkeit bei gleichzeitiger Nichtentwaffnung der nichtjüdischen englischen Polizisten, wodurch ein Unterschied zwischen jüdischen und nichtjüdischen britischen Staatsangehörigen gemacht wurde, beklagen. Das Komitee hat nach Empfang dieses Berichtes ein Protestschreiben an den Kolonimminister gerichtet, welches die Sachlage eingehend darstellt und mit den Worten schließt: Der Jewish Board of Deputies protestiert gegen diese Handlungsweise der Behörden in Palätzina und fordert im Namen von tausenden britischen Bürgern jüdischen Glaubens, datz Garantien gegeben werden, daß in Zukunft die wohlbegründeten Rechte der britischen Juden nicht verletzt werden und diese die gleiche Behandlung wie alle anderen britischen Bürger erfahren. Das Vorgehen gegen britische Juden in Palästina ist verdammungswert und darf sich nicht wiederholen. Die Anglo-Jewish Association (Verband englischer Juden) befaßte sich in ihrer am 3. November abgehaltenen Sitzung ebenfalls mit der Lage in Palästina. Herr Leonard G. M o n t e s i o r e, der Präsident der Association, führte in seiner Eröffnungsansprache aus, es fei Ausgabe aller jener, die sich mit den Angelegenheiten Palästinas zu befassen haben, nämlich der Regierung der Mandatarmacht, der Zionistischen Organisation und der arabischen Führer, für eine freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern zu wirken, ohne die es keinen Fortschritt geben könne. Nachdem noch Joseph Löwen und Oberstleutnant H. I. Solomon gesprochen hatten, wurde die folgende Resolution angenommen: Der Council der Anglo-Jewish Association gibt seinem Schmerze und seiner Entrützung über die barbarischen Ausschreitungen Ausdruck, deren Opfer Juden in Palästina geworden sind, und spricht den Geschädigten und den Verwandten der Toten sein tiefstes Mitgefühl aus. Der Council ersucht das Joint Foreign Committee (Komitee für Angelegenheiten der Juden im Ausland), die Regierung Sei:er Majestät energisch zu ersuchen, die notwendigen Schritte zu ergreifen, um die jüdische Bevölkerung Palästinas gegen eine Wiederholung'der Ausschreitungen zu sichern und die von der Regierung geäußerten Absicht, allen Einwohnern des Landes ohne Unterschied von Rasse und Glauben Sicherheit von Leben und Eigentum zu gewähren, mit Nachdruck zu verwirklichen. Litauen. Der TUscher Naw Jfom.no, 14. Novembern. Nach Schluß der Redaktion geht uns die traurige Nachricht zu, daß der Rabbtnvr und Leister der großen Jefchirvoh zu Telscht, Rabbi Chajim Bloch, einem längeren Leiden erlegen ist. Die gesamte zur Thor« stechend« indische Welt steht vor der Bahre eines ihrer Größten. Eingehende Würdigung folgt in nächster Nummer. nMSjn Personalien. Rabbi Saul Mordechai Schapiro Antwerpen, 5. Noo. Am Mittwoch Abend verstarb Rabbi Saul Mordechak Schapiro, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Antwerpens! Judenheit. Rabbi Schapiro entstammte einer jüdischen Adelssamilie zu Krakau. Er war Enkel des mpi»? ntev und selber ein Talmis Chochom großen Formates, nebenher aber ein Mann von gro„em Wohl-- tätigkeitssinn und reicher Lebensklugheit. Einer feiner Söhne ist der im öffentlichen Leben bekannte Rabbi Koppel Schapiro, P äjiSent der Agudas Jisroel und der Jesode Hathora-Schule in Antwerpen, auch führendes Mitglied in der Zentrale der „Machasike Hadatz". Der zweite Sohn, Rabbi O s ch e r S ch a p iro in Krakau, ist ei re Stütze der dortigen Orthodoxie und hat sich unsterbliche Verdienste für die Bass Jakauwbewegung in Polen erworben. Er ist auch Mitglied der Kehillaverwaltung in Krakau. So lebte der Geist des Vaters in den Söhnen und wird durch sie weitev.oirken. Rabbi Saul Mordechai Scha-- piro erreichte ein Alter von fast 70 Jahren. Tausende gaben ihm am Donnerstag Nachmittag das letzte Geleite. .tms fl- Hischaid, 6. Nov. Am rpwtna naw war es ein Jahr, datz unser verehrter Oberlehrer A. Rau s. A. das Zeitliche segnete. Anläßlich des Jahrzeitstages wurde in der Synagoge zu Hirschaid, in der der Verblichene 46 Jahre amtierte ein Neer tomid entzündet. Die Weiherede hielt der Sohn des Entschlafenen, Herr Prediger Simon Rau, Weitzenfels a. Saale. Herr Lehrer Kahn, Hirchaid. entwarf noch einmal ein Bild von dem Wirken seines Amtsvorgängers. Die Feier machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. "Norden, 5. Nov. Bei den Gemerndewahlen in der hiesigen Gemeinde wurde als Synagogenvorsteher gewählt: Herr M. A s ch e n d o r f; als Ausschußmitg lieder die Herren: Max Klein (Schuhgrotzhandlung) und S. Wolfs. Ms Rechnungssührer wurde Herr A. Weinberg gewählt. fFrankfurt a. M. Frau Jettchen Stern geb. Trier, Oberlindau 84, feierte am Montag, den 11. November, ihren 80. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische. "** Erin (ehemal. Provinz Posen), 4. Nov. Am 9. Nov. tu rrans p"v beging der allverehrte Kantor und Schächter unserer Gemeinde, Herr Abraham L u b i n s k i, in geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag. Als einem Mann von echter Religiösilät, von tiefem talmudischen Wissen und vornehmer Gesinnung ist es ihm : j ' ■’;: i ' j

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