Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1929)
- Date
- 1929-11-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seide 8. Nr. 45 Der Israelit 7. November 1929 wurden. Beim Ausbruch der Unruhen in Jerusalem am Fr-eÄ-a-g fcien 23. August waren am Herbe der Gefahr, am Domaskusi-or, nur zwei, PoMsten zu Pferde postiert, die erst nach vielen Stunden und nachdem es schon Todesopfer gekostet halte, den Befehl erhielten, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Die Tapferkeit der jüdischen Set bst wehr rühmt der Zeug,e über alle Maßen. Die Polizei halte guten Grund zu glauben,, daß sich im Hause des Großm u f i i der Generalstab der Aufrührer befand. Von den Metzeleien i n H e b r o n haben die Jerusalemer Behörden zu spät erfahren. Der Zeuge bestätigt, daß die Araber gut bewaffnet waren, dde Juden ab>er, auch dis brilischen Staatsbürger, entwaffnet wurden zu einer Zelt, La die Polizei gar nicht m der Lage war, ihnen Schutz zu geben,. Als Glück muß man es ansprechen, daß damals noch keine Beduinenschwärme aus Syrien und Transjordanien eMLrangen. Diese Bewegungi setzte erst später ein, nachdem schon Polizei und Militär Herren, der Lage waren. Auf Zwischenfmgen des Regierungswie der arabischen und jüdischen Anwälte bekundet Major Saundsrs, daß die Juden!, sobald ein Angriff mit -ihrer Hilfe von der Polizei abgefchlagen war, sich auf Anweisungen der Behörden ruhig ln ihre Quartiere begaben. In der Altstadt Jerusalenis war Fr-sit-ag und Samstag, nach Gm-- lreffen von Pa-nz-er-crutos wie Militär bald allesruhig, in -den n-j-üen Bi-erteiln Lauerten die Ueb-e>rfälle fort. Am Samstag früh sah man viele Araber, die nachts mihren Dörfern aufgebrochen waren-, -mdie Stadt einströmen. Bald darauf kamen auch di-e Nachrichten von den Unruhen in Nablus, gegen Mittag von Len Metzeleien in Hebron, drei Stunden zu spät, um das Unglück dort zu verhüten, aber früh genug, um die von Hebron nach Jerusalem strömendenbewaffneten Horden aüfzuhalten. Die Angreifer waren in allen Fallen die Araber. Den Befehl zur Entwaffnung der Juden erhielt der Zeuge vonder R-egierung. Eine schriftliche Order kann der Zeuge nicht vorlegen, -der Befehl war mündki-ch. Unter den ontwaffn-etcn Juden rv-ar-err 25 britische Staatsbürger. 200. Juden aus Tel-Awi-w, die am Freitag als Hilfspolizisten angestellt wurden, wurden am MoNLag entlassen und entwaffnet. Der Zeu-ge bestätigt auf Fragen, daß der arabische Feldzug von .langer Hand vorbereitet war. An der Schuld der Großmufti könne nicht g-ezw-eifelt werden. Es treffe auch zu-, daß di-e Polizei -in- Hebron den Juden allen Schutz versprochen und sie dann e i n fach ihrem Schicksal üb er kaffen hatte. Die erste schwache pMze-iliche Hilfe kam nach gut zwei Stunden. Aus weiteres Befragengibt Major Saunders an. Laß dve jüdische Prozession am 9. Aw i-n voller Ruhe vor sich ging. Auf die Frage des zi-oniMfch-en Anwalts über den Grund der Entwaffnung der Juden, sagte der Zeuge-: „Wäre es nach mir gegangen, ich hätte -die 40 bewaffneten Juden nicht entbehrenkönnen, aber ich handelte nach Befehl." Auf weiteres Befrag,m, ob er Grund hatte, mit den jüdischen Pollz-östen unzufriedenzu sein, sagt er, es sei ihm zu Ohren gekommen, daß die jüdischen- Polizisten nachts ohne Befehl und planlos feuerten. Weitere Fragendes Vepteidigers nach dis-eer Ri-chtuing verhindert der Vorsitzende. Am zweiten und dritten Berhandlung-stage nehmen die arabischen Vertreter Major Sau-nders in ein Kreuzverhör, um aus ihm herauszuholen, daß die Judendurch ihr Verhallen an der Klägema-uer Ae Erreg-tMg im Lande verschuldeten. Der Vertreter der Zi-onfften wies sei-nsrsetts nach, daß die Juden niemals die Araber gereizt hätten-. In vielen Dörfern leben die beiden Nationen im schönsten Frieden miteinander. Er schildert auch im einzelnen, wie di-e Araber mit Lügenand Verleumdungen Mgen die jüdischen Nachbarn aufgestacheltwurden. Das kann Major Saunders für N a b -l u s und Hebron ohne weiteres bestätige.n Der Ursprung ist in religiösem F a n a t i s m u s zu suchen, der aber von wüsten Agitatoren geweckt wurde. Die Lüge von dem „Anschlag der Juden auf di-e Omar-Moschee" wirkte verhängnisvoll. Ci-ne wertere Darstellung des Anwalts der Zionisten, Str Borst Meriman, vom künstlichen Anfachen der arabischen Bewegung -durch den Großmufti und die Presse, muß der Zeuge ganz und voll bestätigen-. Anderen Fragen weicht er aus. Ob der Ausbruch ein spontaner oder vorb-erelteter war, will er jetzt nicht mehr sagen. Mindestens feit dem 15. August waren die Vorbeve-i-tun-gen offensichtlich. Der Anwalt liest Dokumente vor, m denen führende Männer der Araber für den 23. August -vine Schlacht in Jerusalem ankünidrg-ten-. Der Frage, ob die Pobizei um diese Vorb-e-rettu-ngen und Ankündigungen gewußt hat, weicht der Zeuge mit unklaren Aeußerunge-n aus. Er muß ab-er zugeben, daß essich in Hebron nicht um einen Kampf zweier Parteien gehandelt hat, sondern um ein Maffakre an wehrlosen Juden, und zwar in Häusern, -in die sich die Bedrohten aus Anratung des Pol-izeichefs von Hebron geflüchtet hatten. Der Anwalt der Zionisten fchAderte auf Grund von Dokumenten die Metzeleien in S-afed und fragte den Zeugen, wie dies möglich war, zu e-iner Zeit, La bereits Militär im Lande war und Kriegsschiffe im- Hafen -lagen. Major SaunÄers kann darauf keine Antwort geben, ebenfow-eniig -daraus, warum auf Juden in Sa-fed, die i-n Baracken untergebracht waren, geschossen wurde, so Laß es hier noch zwei Tote gab. Diese Angslegenheit, sagt -der Zeuge, soll von der Polizei noch genau untersucht werden. Der Anwalt fragt, ob die Bauarbeiten der MoSlims ander Klagemauer nicht weit mehr provozierend wirkten, -als das Mi-tbvingen von- Stühlen -durchdie Juden oder sogar die jungjüdische Prozession? Der Zeuge bleibt die Antwort schuldig. Am 31. Oktober wird die Vernehmung fortgesetzt. Saunders sagt, -eine Sperre des Klagem-auerplatzes für die Araber würde zuunh'wechenbMen Konsequenzen führen. Die hauptsächlich aus Arabern bestehende Polizei ließ sich zur Abwehr kaum verwenden,. Diese Kundgebung ruft Erregugn hervor, und der Vorsitzende bemerkt, daß er über diesen Punkt noch einmal mit -dem Z e u g.e n p-riv-at sprechenmöchte. Im Gegensätze zu den -früheren- Aussagen, erklärt jetzt der Zeuge aus eforoe Frage des Regierungsa-nwalts, di-e PoGze-r hätte Vor-b-er-eiliungen für den Aufruhr, n t ch t gemerkt. Es ist überhaupt eine kleiine Wandlung mit dem Zeugen am dirtten Verh-andlungstage wahrzunehmen. Er schildert jetzt -die Demonstration in der Omar- Mofch-ee als eine harmlose Gebets Übung. Es wird festgsstellt, daß -ein Befehl vovlag-, die am Fve-itag morgen aus den- Dörfern nach Jerusalem ziehenden Fellachen zu entwaffnen, Laß aber -dann durch Gegenorder -die Entwaffnung unterblieben war. Es fällt auf, daß -der Rsgi-er-ungsvertreter, da er nn-erwünschte Antworten erhält, die Fragestellung ganz abbricht. Es -bleibt somit unklar, wer diesen Gegenbefehl gegeben hat. Der Befehl für di!e C n t w a f f n u n g d -e r I u d e n war von Luke gegeben, und zwar, weil inzwischen Mili-tär da war. Seine Angaben gegen dis «Massenen jüdischen Polizisten müsse er heute zurücknehmen-. Am vierten Verhandkungstag wird Kapitän A. I. K -rn g s l ey - H ea th, Leiter der palästinensischen Polizei, vernommen. In eiuem von ihm eingereichten Schriftsatz schildert en die Dinge in ihrem Zusammenhänge. Auf Fragen der -arabischen Anwältesagt er ent-, schieden, daß die jüdische Prozession am der Klagemauer dank der, jüdischen Ordner in voller Ruhe vollzog. ' Der Vertreter der R-e-gierüng kann den Wunsch der Verteidigung, den Status quo ande-r Klagemauer zu erklären-, nicht erfüllen. Es ist nicht recht klar, was Juden mitbringsn dürfen und was ni-cht. Manstehe vor Wirrnissen. Major Saunders sagt weiter aus, daß die zionistische Exekutive.beruhigend-,auf die jüdische Presse in- Sachen der Klagemauer emgewirkt hätte. Die Araber hätten sich bei ihrer Prozession nach Ler Omar-Moschee nicht an die Vorschriftengeh-alte-n und Las Wegerecht verletzt. Weitere Schilderungen des zionistischen Anwalts über die ersten Ausschreitungen müssen die Poliz-eivertreier bestätigen. Amerika. Die amerikanische Regierung und die Schäden der amerikanischen Bürger in Palästina. Was hi tt g t o n , 10. Oktober. Staatssekretär Stirnfon teilte heute dem bei ihm erschienenen demokratischen Mitglied des Kongresses, Herrn Teller aus New Pork, der bekanntlich Jude ist, mit,' daß das Staatsdepartement nicht in der Lage ist, die Ansprüche amerikanischer Staatsangehöriger gegen die britische Regierung auf Ersatz von bei den jüngsten Palästina-Unruhen erlittenen Schäden an Leben und Eigentum von sich aus zu behandeln. Das Staatsdepartement habe, so erklärte Stimson, den amerikanischen Generalkonsul in Jerusalem angewiesen, sein Bestreben daraus zu richten, daß der Termin für die Einbringung von Schadenersatzansprüchen seinens amerikanischer Staatsbürger bei der britischen Administration verlängert werde. perionatien. Schlüchtern, 30. Okt. Am na» vor -nna ov ging Aron S -e -e li g zum ewigen.Friedenein. Der im Leben amt Geprüfte hat nun se-i-ne Ruhe gefunden. Mit ferner Frau und seinen Kindern trauert dre g-anz-e Gemeinde um diesen he-rb-en- Verlust. Hat er doch 45 Jahre u-nermüdl-i-ch das Amt eines Schachet gewissenhaft bekleidet. Durch seine feine Art und seinen edlen- Charakter und seine BerevtwMigkett hat der Verblichene sich die Sympathie der ganzen Gemeinde und seines Bekanntenkreises e-rworben, die trauernd ov anj? di-e Bahre dieser gefallenen Krone umstanden. Wegendes bevorstehenden maa ov mußte ein navn unber-bleiben-. .m'sah Vermischtes. Frankfurt a. M., 28. Okt. In der Deutsch-JsraeMfchen Zei-tung wird von juristischer Sei-te darauf hingewi-esen. daß die Annahme, -es bestehe i-n Bayern kein Recht zum 2lus,tM ans der Ortsgemsiinde und zur Bildung selbständige-r So-ndergieineiinde-n falsch sei. Die Meldenden gesetzl-i-chen B-essimmnm-g-enschreibendie ei-nhevMche Zwangsgemeiinde -keineswegs vor, v-i>e>l!mehr ist in dem Umlagegesetz ganz allgjemein von Religionsgemernien öffontli-chen Rechtes -in der Mehrzahl Sm Rede. Es ist lediglich bestimmt, daß jeder Jude.e-in-er Religio n s g e m e i n d e anzugshör-enhat. Im 'gleichen. Sinne fei auch das vom Bayrischen Ra-bb-inerv-erband erstattete Gutachten gehalten, das den Ausl-rttt aus der Kuliusgemeinde aus reK-giöfen Bedenken ausdrücklich als zu--- l-äfslg erklärt -und das für die Auslegung! -des Gefetzesmahgebend fei. Hiernach ist die jüngst im „Jsraeli-t"' gelegentltch der Besprechung des rumänischen Gemeindegesetzes gemachte Angabe zu berich-tigen-, daß, wie in Sachsen auch in Bayern, im Gegensatz zu fast allen anderen Ländern der Austritt nicht zulässig s-ei. Vriefkaskev. Kr. in R. Der 18. 5. 88. war der 8. Jjar 5648. A. ■£? in Derl'rn. Das Honorar wird pro Quartal berechnet. fl. M. A». Betrag eingegangen und den bestimmten Zwecken zugeführt. Familiennachrichten. Geboren: Eine Tochter, Samuel Fleischmann und- Frau, Jda geb. Wechsler, Nürnberg, Bulmannstr. 311. Ein Sohn, Israel Freund und Frau Rosel geb. Lange, Tel Awiw. WK t ländtämom ^.- ^das beste ' - 1V1 org £n-ün d .NdWTcjMrZM Mi Mollig-esHeim Nur^durch einen guten ßuderus-Dauerbrandofent dieseä kaufen Sie besonders preiswert bei E. HAGE & Co. Am Eschenheimer Tor 3 . „Wie lebe ich gesund und richtiger?" Diese Frage bewegt heute alle Gebildeten. Wie wenige können sich heute noch völlig gesund nennen?! Ein Heer von Krankheiten und öfteren Unpäßlichkeiten auf der einen — die persönlichen Erfolge kraftvoller, nervenstarker Menschen aus der anderen Seite beweisen Wert und Notwendigkeit überlegter, hygienischer Lebensführung. Einer solchen, insbesondere^ einer Ernährung im neuzeitlichen Sinn will das hiesige Reformhaus „Freya", Schäfergasse 25, die Wege ebnen helfen. Eine reichhaltige Schriftenauswahl hilft das Bestreben oektiefsn. Der Kundschaft wird eine Monatsschrift ausgehändigt, welche die Grundlagen der neuzeitlichen Ernährungslehre vertraut macht. 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