Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1929)
- Date
- 1929-11-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 45. SeÜte 9 7. November 1929 Varmizwo: Leo, Sohn von Jacob Levy, Berlin, Oranienburgerstraßd 69. Verlobte: Paula Simon, Rohdorf bei Darmstadt mit Willy Hofmann, Frankfurt a. M.-Egelsbach bei Darmstadt. Die Woche. Große Versammlung der Agudas Iisroel-Orts- und Iugendgruppe. Die Orts- und Iugendgruppe der lAg-udas Jisroel veranstalten als Auftakt für die gesamten Beranstaltun-- gen 'des Herbst- und Wintersemesters — das Programm überdie Emze-kheAen geht den MitgKedernnach zu, — ihre erste größere Versammlung! am Mauzoe Schäbbos, 9. November, 29.15 Uhr, im Handwe"rk erhau &, Braubachstraße 18/22, in der Herr Dr. Lichtigfeld, Köln, über: „Die Entwicklung der Agud-o-Jdee" referieren Wird. — lieber verschiedene hochwichtige Fragen!, die aus der 2. Kenefsio Gedaulo im Brennpunkt dse Jntevesfes standen und grade zurzeit für die nunmehr in Angriff zu nehmende Aufbauarbeit innerhalb der Agiudas Jisroel von so wetttragendeir Bedeutung sind, werden die'Herren Jacob' Rosenheim, Heinrich Eise mann und S. Schachnowitz sprechen. Mitglieder — Damen und Herren — sowie Freunde unsrer Bewegung sind herzlich hierdurch -eingeladen. Gedenkfeier für Naftali Schwabacher V'xt- Am Donnerstag, den 17. Oktober ds. Js. fand eine Gedenkfeier im Rahmen der Verwattumgskommission der Georgine Sara v. R oth-fchi l d-fchen Stiftung für ihren langjährigen und verdienstvollen Vorsitzenden, Herrn Nafbali Schwabacher , skr?:. Der stellvertretende Vorsitzende, -Herr Jsaac Wolfs, sowie Herr Dr. med. Willy Hosma-n-n würdigten in warmen Worten die Persönlichkeit des Heimgegangenen und insbesondere dessen Verdienste um das G. S. v. Ro-thschil-dfchs Hospital. Die schlichte und würdige Feier, zu der auch frühere Mitglieder des Hospitalvorstandes und! der Berwattungskommission erschienen waren, hlnierließ bei allen Anwesenden -einen tiefen Eindruck. Der große Sijum des Schaß-Vereins. Der große Sijum findet Sonntag den- 24. Novemberin der Frankfurt-Loge statt. Herr Rabbiner Josef Horowrtz hat den H a d r a n übernommen. Für weitere Darbietungen ist reichlich gesorgt. Cs macht sich dieses Jahr ein erhöhtes Interesse für diese große Thora-! kundgebung bemerkbar und werdendie Teilnehmer gut tun, sich jetzt schon bezüglich der Teilnahme mit Herrn Simon- Mugdan, Thüringerstrahe, in'Verbindung zu setzen. Gemeindeverlrekung der Israelitischen Gemeinde. Sitzung am 6. November. (Bor bericht.) Schwerwiegende Vorstandsbeschlüsse werden verlesen-. Die Ueb-ernahrne des S-chuilw-erts des Phil-an-tropins auf dbe Gemeinde wird ab gelehnt. Bet Ablehnung dieses Antrags wird auch die U-ebernahme auf -die Stadt abgelehnt. Der Etat der Schule soll um den auf den Ob-erbau entfallenden Teil vom 1. April 1930 ab gekürzt werden, womit also dieser Oberbau in Wegfall ko mit .Frau-enschiM und Kindergarten erhalten vom. gleichen Zeitpunkt ab keinen Zuschuß mehr. Die Volksschule, zu deren.Erhaltung weder je eine rechtliche. Verpflichtungder Gemeinde bestanden hat noch besteht, j wird verselbständigt und erhält ihren eigenen V-erwali tungsrat. Debatte und naturgemäß auch Befchlußfaf-! Der Israelit fung seitens der Gemeindevertretung werden vertagt. Die Denkschrift des Vorstandes, das Gutachten des Sachverständi-Wn über das Verhältnis des Phi-lantrop-inszur Gemeinde und das gesamte einschlägige Material sollen jedem Mitglied der Gemeindevertretung zur gründlichen Durcharbeitung übermittelt werden. In erster Linie wird sich eine aus der neunigiliedrigen Finanzkommission- und den fünf der Gern-eindev-erdve-tu-ng cmgehürig-en Mitgliedern der Unterrichtsk-ommission zusammengesetzte Immission mit den Anträgen eingehend befassen. Zur Deckung des -laufenden ordentlichen- Etats wird die Kultussteue-r von 11 Proz auf 15 Proz. für das Jahr 19 2 9/30, mithin für das Halbjahr vom 1. Oktober 1929 bis 30. März 1930 auf 7% Proz. erhöht. Dieser Vorstandsantrag findet -einstimmige Annahme. Näherer Bericht folgt. Mensa Academica Iudaica. Die Mensa-, Kettenhofweg- 26, 1., versendet einen Aufruf, -dem wir folgende Sätze entnehmen: Dank -dem großzügigen Entgegenkommen der Fa. Beer, Sondheimer u. Eo., ist -es möglich gewesen, in den freundlich herge richteten Räumen, Kettenhofweg 26, 1. eine M e n s a A c a d e m i c a Iudaica zu eröffnen, die -bereits im vergangenen Semester von mehr als 70 Studenten in Anspruch genommen wurde und sich von Woche zu Woche -eines immer größeren Zuspruchs erfreut. Angesichts der augenblicklichen schweren wirtschaftlichen Krise ist es für den Studenten -und für feine Angehörigen unendlichviel schwerer, als in früheren, besseren Zeiten-, die Mittel aufzubringen, die ein erfolgreiches, ruhiges Studium gewährleisten. Ihnen eine wesentliche Erleichterung zu schaffen, ist das Hauptziel der Mensa, die den jungen Leuten zum Preise von Mk. 0.90 ein gutes Mittagsmahl mit -einem- Fleischgericht und für Ml. 0.65 ein fleischloses Essen verabreicht. Darüber hin>- «us wird Re Mensa immer mehr und mehr auch in geselliger Hinsicht -der Treffpunkt der fü-dischen Studentenschaft. Es ist nun -ein Verein „Mensa Academica Iudaica" ins Leben gerufen worden. Dieser bittet alle diejenigen, denen die Förderung jüdischer Studenten und Studentinnen am Herzen liegt, vor allem aber die im Beruf stehenden Mischen Akademiker, die dazu irgend in-der Lage sind, dem Verein! als Mitglied beizutreten. Der Mindestbeitrag ist auf Mk. 5.— angesetzt. Im Heime des Jüdischen Turnerbundes. Der I ü d -i s ch e T u r n erb -u nd , er in jüdischen und ge fetze streuen Kreisen noch lange nicht die Beachtung findet, die er als Erzieher der Jugend zur sport-. lichen Betätigung im Rahmen des jüdisch Gegebenen — ohne in den Sportfimmel zu verfallen und aus der Turnerei eine Lebensanfchauun>g zu machen — verdient, hat nun ein eigenes Heim. Er teilt die Raumgemeinschaft mit dem Jüdischen Heime in der Langestraße 55, das ohnehin unter der neuen Leitung ein Treff- und Sammelpunkt großer Teile der Jugend ist. Am Mittwoch abend wurde das Heim des I. T. B. mit einer kleinen bescheidenen Feier in Benutzung genommen. Es war eine Freude, zu sehen, wie sich di-e frischen, froh-gesinn- -ten jungen Menschen beim „Süßen" gütlich taten und in Scherz und Spiel und heiteren Worten kameradschaftlichen Sinn pflegten und sich aufs beste unterhielten. Von den „alben Herren" am Vvrstandstische sprach Herr Dr. Frei mann gute Worbe zu Herzen der jungen Freunde und Freundinnen. Herr B o rn-st ein fang mit vortrefflicher Stimme und guter Schulung e-rnste und heitere Lieder. Herr S. Schachnowitz als Gast erläuterte in einem kurzen Referat die Bedeutung der körperlichen Ertüchtigung für di-e Pflege guter jüdischer Geistigkeit. Junge Mitglieder warteten mit Kuplets und Vorführungen auf. Es war ein hübscher Abend und ein Auftakt für wettere Geselligkeit im Rahmen des WiMerprogramms des I. T. V. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Lhajimi Freitag abend nach Schul, im Hörsaale Friedberger Anlage, „Mikro", Herr Dr. S. Ehrmann. Samstag morgen nach Schluß der Synagoge „Dinim", Herr Dr. E. Posen. — Nachmittag 3,4 Stunde vor Mincho, (Vereinslokal Langestraße), „Melochim", Herr Dr. Hofmann. — Eine /-.- Stunde nach Nacht (ebenso Sonntag vormittag 8 Uhr), „Gemoro", Herr Joachim 1 Soffer. Sonntag morgen nach Schluß der Synagoge (ebenso Mittwoch) im Hörsaal, ms "n, Herr Redakteur S. Schachnowitz. — Vormittag 9l-4 Uhr (ebenso Dienstagabend 6* •> Uhr Vereinslokal) „Gemoro", Herr R. A. Gerson Posen. — Abends 6 Uhr, Geschichtsvortrag des Herrn Redakteur S. Schachnowitz. „Bütt Moses Mendelssohn bis S. R. Hirsch". Montag morgen nach Schluß der Synagoge (ebenso Donnerstag), im Hörsaale, Mischnalernen der Mitglieder. — Zu gleicher Zeit im Sitzungszimmer Friedberger Anlage von Montag bis einschließlich Donnerstag, „Gemorotz Herr Dr. S. Ehrmann. — Abends 7 Uhr (ebenso Mittwoch) im Vereinslokale, „Gemoro", Herr Rabb. Dr. I. Breuer. — 8'h Uhr, (ebenso Donnerstag), „Gemoro", Herr Dr. E. Posen. Dienstag morgen, nach Schluß der Synagoge, (ebenso Freitag), „Mischna", Herr Dr. E. Posen. Von Sonntag bis einschließlich Donnerstag abends 8% Uhr „Schaaslernen", Herr Herz Holpern. Jahrzeitsstiftüngen. Mittwoch, 13. November. Zerline Mayer geb. Wilmersdorf- und Hannchen Mosbacher geb/ Roos-Stiftg. Donnerstag, 14. November. Gretel Gottlieb geb. Mayer- Stiftung. Liwjalh Chen. Samstag nach Mincho im Hörsaal Friedbergeranlage Vortrag des Herrn S. Schachnowitz über: „Noachiden und noachidische Gesetze." Jüdische Frauenvereinigung E. V. Dienstag, den 12. November, nachm. 4 Uhr findet die erste gemütliche Zusammenkunft der jüdischen Frauenvereinigung E. V. im Promenadenkase, Friedberger- Anlage statt. Vortragende: Frau Dr. L. Marx. Allwöchentlich, Dienstag 6V2—? /z Uhr im Hörsaal Friedberger-Anlage 5, Arbeitsgemeinschaft unter Leitung des Herrn Zahnarzt Dr. S. Ehrmann: „Die Sidroh". Jüdischer Turnerbund. Wir machen heute schon aus unsere Spessartwanderung, welche am Mittwoch, den 20. November (Buß- und Bettag) für sämtliche Abteilungen stattfindet, aufmerksam. Näheres in der nächsten Ausgabe. Gebetzelten, ni nav Freitag abend 4.25 Samstag noDvn 6.45 Samstagmorgen 8.— Scnustagncichimttag i >— und 4,— Samstagabend 5.40 Wochengottesdienst: Morgens 6 30 Nachmittags 4.30 Tefillin Legen am Morgen 6.25 WnfuNdzwanzigZahre siy Dienste der Ctlbei; .. Hermann Seckbach grwidmet - > ' Könnt Ähr das Haus m-der stillen Straße-, das große, graue' ste-in'ern-e Haus mH den Bäumen und Gavteuanlagein davor und dahi-nter, die es im Sommer üppig überschatten, und zu ei-nem-Gartenlhaufe machen? Die Bliumen-b-se-te -u-nid Rosenhecken sind jetzt grau und dürr, die Laubdäume lassen ihre letzten Blätter -fallen und-die dunklen Kronen schlaff hängen. Etwas gräulich und schartig hat der Herbst die-weihen Meswege gemacht. Noch einige Wochen oder Monate und die Baum-, krönen werden weiß. Die Kieswege, die Blumenbeete und die Rofenhecken 'deckt hoher Schnee, auf den kalte Sonne spielt oder wilde Flocken tanzen werden. Alleinnoch -ein paar Monatespäter und wieder blüht im Garten -der Holunder, der Flieder steht in voller weißer und bunter Pracht da und es flammen 'die Rosen und lachen die Bl-umen zwischen dem weißen Kies auf den schmalen Wegen-. Drinnen aber in -den Mauern leben Me-nfchen, deren Lenz für immer verblüht -ist, vielleicht niie geblüht hat. Und dMnoch fanden sie hier so etwas wie freundliche Späffonne, daß es noch -einmal ordentlich warm würde um die welken Herz-m. Ueber RM'en! vom Leben stiefmüdterli-ch behandelter Menschen huscht noch emmal heitere Herbstsonne ... ' ... Hier steht im Dienste der -Leiden- und' der Liehe ein Za-ubermeister-, der Höhensonne, ausseiner eigenen Seele - kommend, i-n Herzen von Enterbten leitet und mit - Meisterhand noch das letzte an Mutz an Freude und Lebenswillen aus -ihnen-herausholt. Fünfundzwanzig, Jahre! Fü-ndundzwänzig mal 365 Tags. Und jeder Tag hatte sein Leid und seine Lust, - s-ei-ne Sorge und feine Genugtuung, feine dem grauen Leb-e-n ab-gerungene spärliche Freude. Wie oft hatte sich in diesem Vierteljahrhundert das Hin-tertor leise geöffnet und mantrug einen Schutzbefohlenjen, den man geliebt und bis zu -denletzten- Zügen betreut hatte, zu -dem schwarzen Wagen hinaus. Der. Verwalter^ wischte sich die Tränen vom Gesichte, und schon lächelte das Auge den An-- deren, den Lebenden zu, dem. Alten im bunten Schlafrock, dem Kranken. bn Bette oder auf der Bahre-, dem Lahmen auf dem Fahrstühle und den Kindern, ja, den ewigen Kindern in der Kinderstube, die, vom Leben mißgestaltet und mißhMdelt, älter und nicht größer werden und hier die Lieb-e -fanden>, die Liebe, die nicht aushövb, wie ihre Kindheilt und Kleinheit nicht aufhören. So machte es der beMadete Mann fünfundzwanzig Jahre lang, Tag für Tag-. Erft allein, -dann mit Hilfe einer Gattin, mit der er sich in diesem Haufe des Leides und der Liebe gefunden -und verbunden, einig in Geist und in Güte. Lange bevor rnan von der Psychoanalyse sprach, lange noch -bevor es eine Quetheovte gab, bevor man noch etwas von der Suggestion und -dem Einfluß der geistigen Belebung -auf den organischen Heilpr-ozeß etwas wußte, hatte dieser Walter der Güter, ein-zitz vom Instinkte^getrieben, dtefen Weg -eingeschlägen, den Weg zu den Herzen und See l e n feiner. Schützlingegesucht, um dort den Born aufzuschließen, aus dem sich die Strahlen letzten Lebenswillens auf alle Tetle des Organismus ergießen. Lektüre, Bor-träge, künstlerische Veransta-ltunMN-, kleine Feste, Ablenkung und Geistigkeit, sie sollten es machen, und' sie. machten es auch. Wie auf dieser Insel -der Seligen Tagesprobleme besprochen werden; über Gestalten und Gefchehnifse eines Romans debattiert wird; wie man La an einem Referate zchrt, sich damit befchäftigtz sich freut, Tage, Wochen, bis zum nächsten! Hier ist di-e Hast und Last des Tages aufgehoben. Das Wort ist Tat, der Schein Sein, die Darbietung ein Erlebnis. 'Und all dieses bringt Ablenkung vom „Ich", das oft -nur eine Ruine ist; das bringt innere Gesundung. Und der Mann, der in einer schweren Kriegs- "und Nachkviegszelt die Sorge gekannt und denharten Kampf um Len materiellen Bestand des Hauses täglich von niLwem zu. führen hatte, er stand auf der Hut, daß die Lichter der Geistigkeit im Haufe und in den- Herzen feiner Menschen nicht verlöschen. Geht an einem Fvei-tag abend durch -das kleine Tor über den schmalen Weg -in das Nebenhausmit der Ve-randa, wo die vielen ^Lichter die weißen Taseln mit den goldenen Lettern an der Wand, die bunte Decke an der Lade und die Gesichter der Menschen wie in höherem Scheine verklären-! An der Ostwand stehen die Alten, oft in ihren bunten Röcken und Hausvaterkappen-, manche im Gehr-ock und Zyl-inder. Etwas weiter hinten die Kranken auf -den Fahrftühl-en. Und die Kinder, die ewigen Kinder! Ganz zuhinterst im angrenzenden Raume die Frauen. Und am VorbeterpUlte der Battr des Hauses selber, mit hoher, feiner Stimme das Lied stnge-nd vom „Bräutigam, der Braut Sabbat enitgegengeht". Seht Euch das an, Ihr Menschen, die im Glück und Wohlstand, im Besitze von gesunden- Gliedern und -des tag-- l-ichen Brotes doch nicht das Glück und die Geruhsamkeit finden könnt in Euch selbst, s-eht Euch dies- Eabbatbild -cm; höret, wie sie dann selber im Chore -den Tag besingen, „den Tag, der für Israel Licht und Freude" ist; seht, wie sie auf die Worte des Hausrabb-i a-us dem Wochsnabschm'tte lauschen; sehet und höret das alles und es überkommt Euch mit Macht, was das heißt, fünfundzwanzig Jahre hier Sabbats Licht und Liebe zu erhalten, die ganze Woche hindurch . . . Glückauf, Mann mit dem Sabbat -im Herzen, Glückauf zu -einer neuen Aera der Arbeit und des Glückes, des Glückes -in der Arbeit und im Beglücken! —tz.