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Der Israelit · 1929-11-07 · Heft 45 (7.11.1929) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 45 (7.11.1929)
Date
1929-11-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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7, November 1929 Der Israelit Nr. 45. Seite 7 ä-rze-ichver des im Inseratenteil der Tages$eii!kim@en> serös sentlichten, Aufrufs gegen die Äewifh Agency getadelt tpbe.- Rechtsanwalt Stern 'betont Las Recht der Meir.ungs- und KanHchriÄ'HÄt, das stdoch nicht za Angriffen aus Personen mißbraucht werden dürfe. Redner erklärt, die Gegenseite trage die Verantwortung für den Zwiespalt nach den blutigen- Ereignissen. Nach anfänglichen Einheitsaktionen gab man die Parole „Hilfe durch Aufdaa" aus und erweckte.durch die. Art der Aufrufe den Anschein!, als ob hinter Len pbüi'tiifch-nattvNöten- Parolen d^r Agency die Gesamtheit der deutschen Juden stehe. Ave Gegenaufruse bezweckten, 'der. Wahrheit wieder zu; hrem Recht zu verhelfen. Der Vorsitzende des Vorstandes, Direktor Kares kt, ichnt namens des Vorstandes die Ausübungirgendeiner Zensur gegenüber Predigten strikt ab- Jn der Aussprache kennzeichnet Dr. Klee den Ausruf gegen die Agency als unwahrhaftig. Im Widerspruch zu der Uebe-rschrift ist er nur von Anhängen einer religiösen Richtung, der liberalen-, unterschrieben. Der Aufruf denunziereauch die von der anderen Seele als schlechtere Deutsche; dies alles noch dazu in der Jom Kippur-Woche. Die Gegenseite handle nicht aus religiösen, sondern aus un-jüdischen poMischen Motiven. Dagegen' dürfe und müssesich der Rabbiner als Gemeindefühvör wenden. Direktor O ft b e r g, (üb.), der Initiator des viel besprochenen Ausrufs, berichtet über seine Entstehung. Er kennzeichnet die Grundlagen der Agency als unwahr Der Nürnberger Talmudprozeß. Nürnberg, 31. Oktober. Vor dem Nürnberger Schwurgericht hattensich die nationalsozlialistifchen Mitglieder des bayrischen Landtags, Streicher und Stadtrat Holz, fowte der Drucker Hi'lz Wegen fortgesetzten Reltgionsvergeh -e ns, begangen durch die Presse,, zu verantworten. Sechs Verfahren, von denen vier auf Anzeigen der Ortsgruppe Nürnberg -oder des Landesverbandes Bayern des Zen-tral-Verelns deutscher Staatsbürger jüdischen- Glaubens zurückgehsn, sollen in einheitlicher Verhandlung zum Urteil geführt werden. Die Klage macht Holz und Streicher zum Vorwurf, durch Artikel im „Stürmer", der berüchtigten Nürnberger Wochenschrift, die jüdische Religion-sgesellschaft beschimpft und Gottsslästsrung begangen zu h-abne. HAz sitzt als Drucker einer Schmähschrift „Der biblische Joseph" ans der Anklagebank. Streicher und Holz hatten im „Stürmer" den Gladbecker Gymnastaftenmo-rd und den Fall des >ermo-r>deten Knaben bei Mariau als „jüdische Ritnalmorde" b-eze-i-ch-n-et und schwere Be'schii-mpsUNg-engegen die jüdische Religion und die Juden daran gefügt. Sich auf gefälschte TaLmudzitate stützend, -behaupteten sie, die jüdische Lehre gebiete Morde aus religiösen Gründen, sie gestatte oder fordere sogar Mteneidnnd Betrug an Nichtjudisn ufw. Der Untersuchungsrichter hat Sachverständige aller -drei Religionen- -eingeladen-, ihre Gutachten ein-zure-ichen und sich dem Gericht zur Verfügung zu stellen. Es erschienen der Hamb-urger Pastor und Professor für hastig: die Valso-nr-D-eklaratiön seieine kalt berechnete jvabbi-rÄsches Hebräisch, Wi ndfn h r, der katholische Kriegsmaßnahmö MmefM und verletze -das nationale Professor G o ettsberger aus München und- Pr-ofes- SelbstbesttmmuM-srecht und d-anvit jüdisch-religiöse Prinsnr Dr. Michael Guttmann, Raibb-iner und Dozent zipien, ja, selbst dte Palästina-Idee und ein wahrhaft jüam Breslauer Rabbinerfemmar. Erschienen war auch disches Aufbauwerk. Dr. Fleischer M.) bekennt sich ails Unterzeichner des Aufrufs des üib-evalismus WM Gedanken der P-alästina-Kol-onifatW-n und der üb-srzeMchen jüdischen Palästina-Idee. Gerade diese aber habe zum Einschreiten -gegen den Agency-Aufruf genötigt. Nach Ausführungen von Prof. Heinrich L o e w e iß. P.) und Bemerkungen des Geme-mdeoorfitz-enden Kares kr zu dem allseits bedauerten- Austritt des bekannten Ltterarhistor-ike-rs Prof. Max Hermann gibt Dr. Freund in einem Schlußwort einen Umriß seiner rnkrtminiierten Predigt. Nicht Personen habe sein Warnun-gsouf gegolten^ sonderndem Geiste mangelnden Werständnifses für jüdische Werte und für dte Parole der Einheit und Solidarität, der aus dem- -tief betrüblichen Alu-fruf der Agen-cy-Gegner spreche. Die Repräsentanten-v-ersammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin bewilligte den Betrag, von 3000 Mark dem Wektv-er-ba-nd S ch o m r e Schab b o s für seine Arbeit sm Interesse des ArbMsfchutzes. Dr. Erich Bischofs aus Leipzig, Autor des Hammerverlages, dessen erste Schri-fden in jüdischen Berlagsanftalten hergU-Sgekommen warm, der aber jetzt ein erbitterter Feind des Zentral-Vereinsist. Von der Seite der Angeklagtenliegt ein Ablehnung s an-trag gegen Windfuhr -und Guttmann vor: Windfuhr habe inder „C. V.-Zei-tung" Artikel veröffentlicht, Gultm-ann, fei- Mitglied des Zentml-Ber-eins. Nach fast zweistündiger Beratunghinter geschlossenen Türen verkündet das Gericht, -ohne jede Begründung, daß die Sachverständigen- -abgelehnt sind. Windfuhr und Guttma-nn müssen den Saal v-erl-assen. Dagegen ist Dp Bischofs -als Sachverständiger zugelassen-. Am Nachmittag stellte der Staatsanwalt wiederholt den Antrag, Bischofs abzulehn-en, der in -einem Brief an den Untersuchungsrichter 'einseitig und höhnisch zu den zu behandelnden Fragen- Stellung genommen habe. Auf Grund diisfes Briefes sprach das Gericht die Ablehnung Dr. B ischofss aus. Damit war der erste Berhandlungsta-g zu Ende. Friedhofsschändung. Kitz -r n g -e n, 4. November. Bon kompetenter Sette wird uns geschrieben: Ein verbrecherischer Akt, geboren aus -dem Sumpf Don Roheit und Gemeinheit, wu-rde auf dem israelitischen Bezivksfrtedhof Rödelfee bei Kitzin-gen verübt. In der Nacht vom 3. auf dm 4. November wurden von De-rb-recherhand 11 Grabsteine umgeworfen und 8 von ihnen in van-dMsche>r Weise zertrümmert. 5 Steine standen auf M-ndergräb-ern, 6 auf Gräbern von Erwachsenen-. Unter den zertrümmerten Steinen befindet sich auch das Grabdenkmal des vor Jahrzehntenverstorbenen in Mainbernhe-im amtierenden Rabbiners Thalh-eimer. Es ist schon das zweite Mal, daß verrohte Burschen diesen alt-ehrwürdigen, vor Jahrhunderten angelegten Friedhof geschändet haben. Auch Einbrüchesind mehrfachverübt worden. Man fragt sich, wie es Möglich ist, daß die Entartung und Verwilderung -der Sitten -einen solchen Grad erreicht Hat. Das find die Folgender Verhetzung und Aufp-eit-- Hchun-g alter niedrigen Triebe, die von völkischer Seite «KUSgeht. Unter der Einwirkugn solcher Einflüsse -ist den Tätern das Gefühl der Pietät vor den Toten, das selbst den primitiven Völkern -eigenist, verloren gegangen. Man sollte nicht glauben, daß ei-ne solche Kulturschande in einem Kulturstaate möglich ist. Wie lange noch will man -dte Verhetzung, die solche Früchte zeÄgt und dadurch das Ansehen Deutschlands schändet, dulden? Auf dte Ergreifung der Täter setzt -die Frvedhossverwaltung eine Belohnung von 500 Mk. aus. Anzeige ist erstattet, und Me Nachforschungenwerden mit alter Energie unternommen., so daß zu hoffen ist, daß dte Verbrecher gefaßt und der verdtenten Strafe Angeführt werden können-. Das Urteil im Nürnberger Prozeß. (Tel. Bericht.) Nürnberg, 4. November. Soeben-, Montag nachmittag 4 Uhr, wurde das Urteil im Nürnberger Ritualmord- -und Talmudprozeß gesprochen. Dte Hau-ptang-e-klagten werden der Religions- Verleumdung für schuldig befunden. Stadt rat Holz wird im ganzen z u d r ei Monate n und 15 Tagen, Streicher zu zwei Monaten- Gefängnis verurteilt. Der Drucker Hilz wird freilgesprochen. Tschecho-§low«kei. Gedenktag der Preßburger Iefchrwa. Preßburg, 1. November. Am 25. Dlschrd, dem Jahrzeitstag-e des Chasam S-0fer, trat -in Bvotislava einaus angesehenen Bote Batim der Gemeinde zufamme-ngesetztes Komitee zusammen, um dte Idee des Zusammenschlusses der einstigen Schüler der „Pvehb-urger Jes-chiwa" ab-ermals durchzuberaten und zu verwiMchen. Die Beratung knüpfte an d-te Initiative an, dte während der Wien-er Kenefsio Gedaulo ineiner Sondersitzung unter Vorsitz Sr. Ehrw. Herrn Oberrabbiner Akiba Schreiber, des gsgenwäMgen Jeschtwaleiters, bei Teilnahme zahlreicher früherer Schüler der Jefchiwa ergriffen wurde und ging von der feftstehen-dsn Tatsache aus, daß bäte Erinnerung an die Jefchiwa zei t und di-e Liebe und Verehrung; gegen -dm- Rabbi um sämtliche Schüler -der Jes-chiwa ein inniges geistiges und gefühlsmäßiges Band zieht, das zu -erhallten und zu pflegen -als Äefios Bedürfnis -empfunden wird. Nach Jahrzehnten noch -denkt ein jeder ehemalige Schüler in Weser Rührung -dankbar -cmdie Zeit zurück, da er sich m Gemeinschaft mit gleichstr-ebenden- Altersgenossenzu Füßen großer Meister und Lehrer der Thora, den höchsten- und heiligsten Jdeal-m des Judentums, begeistert -durch das Wort und das Vorbild des Lehrers-, restlos widmete. Dieser gemeinsame Geist -und diese innige Vereinigung bildet einen' solch teueren, seelischen Schatz, daß er gerade im unseren Dogen für das überlieferte Judentum im allgeme-men und die weitere Fortentwicklung der berühmtesten Jefchiwa -im westlichen Europa im b-esonderen mit dem besten Erfolg -ausgewsrtet werdenkönnte, wenn er in zweckdienlicher Weise gepflegt werden würde. Von diesem Gedanken ausgehend, haben sich die Anwesenden zu einem großen oorb-ereitenden Komitee konstituiert, das schon für die nächste Zeit, nämlich den 15. Kislev, dem Jahrzeitstage des „Schevet Sofer^"^t eine große Veranstaltung z-um Wiedersehen der ehemaligen- Schüler der Preßburger Jeschiw a v o r b e r e i t e n wir d. Die Veranstaltung, wird den Charakter eines feierlichen Gedenktages tragen und eines kollegialen Zusammentreffens der vielen tausend ehemaligen Schüter, die mährend mehrerer Jahrzehnte arrder Preßburger Jeschi-wa ihre religiöse und geistige Grundlage erworben haben. Ma-n rechnet mit Bestimmtheit darauf, daß dtese Zusammenkunft einen außergewöhnlich weiten Kreisvon Männern umfassen wird, die heute in alten Ländern, der jüdischen Diaspora sowohl als Talm-ide cha-chomim wie als MänNt,-der Tat in hervorragender Stellung der Preßburger 'Jefchiwa zur Ehre gereichen. Unter -allen diesen das Band der pe-rfönlichen Freundschaftsbeziehung zu festigen, persönliche Aussprachen, -im Geiste -der Leh-rer anzuregen und vor allem ihnen. Gslsgenheit zur Förderung -ihrer geliebten Jefchiwa und zur Forterhaltung ihrer vom Chasam Sofer s-estgel-egten und von seinen Nachfolgern stet» gepflegten historischen Mission zu geben,, -ist -die von Vielen sicherl-ich freudig begrüßte Aufgob-e der Vevan-- staltung. Ueber -den Rahmen und das Programm dSk Zusammenkunft wird noch berichtet werden. Es soll, abgesehenvon dem Sijum einer Masseches und einer Sugjo, die eigens zu dief-er Gelegenheit vonalten DsiLnehmern gelernt werden soll, einte Fest Versammlung und ei ne Festmah lzei-t statifmden. Das vorbereitende Komitee kann -direkte Einladungen wegen der Kürze der Zeit und der -begreiflichen Mangelhaftigkeit der vorhandenen Listen nicht ergehen lassen;. E» wird vielmehr aus diesem Wege ersucht, die Anmeldung zur Teilnahme a-n dem Zusammen-trefsen bis spätestens Rosch Ch-odefch Kislev dinek-t an-das Komitee (per Adresse „Oeffentliche Rabbinaisschute", Bratislava, Schloßftraße 74) gekang-en zu kaffen. Dadie Anzahl ds-r AnnteldungM allem Anscheine nachsehr groß sein wird und das Komitee umfassende BorberÄidu-rlg-en treffen muß, wird gebeten, die Anmeldungen sofort auszugeben-. Palästina. Die Untersuchung in Palästina. Jerusalem, 1. November. Ende Oktober trat di-e britische Untersuchun-gs» kommiss-ion im Zollhause unter dem Vorsitz von Sir Walther Shaw zu ihrer ersten Arbe-itssrtzung zusammen. Die Oeften-tlichkeit ist ausgeschlossen. Nur drei Vertreter des Zeitungswefens in den drei Sprachen der Landes sind anwesend und dürfen nach ganz bestimmten Anweisungen d-i-e Oessentlichkeit insorm-ieren. Die ersten Verhandlungs-tage sind ausgefüllt mit der Vernehmung des Stellvertreters. des Polizeikommandanten von Palästina, Major S a u n d e r s. In seiner Hand tiefen alle Polizei-beckchte aus dem ganzen Lande zusammen. Zusammenfassend bekundet er, daß die Polizeibe- Hörden vollkommen unvorbereitet und ungerüstet von den Ereignissenüberrascht Wochenkalenver. v. 9. — 18. Nov. im v. 6.— 13. Marcheschwan 5890 Samstag 9 6 Sonntag 10 7 tttottiag 11 8 Dienstag Nov 12 9 Mittwoch 13 pWHtt 10! Donnerstag 14 11 Jreitag 15 12 Samstag 16 13

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