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Der Israelit · 1929-11-07 · Heft 45 (7.11.1929) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 45 (7.11.1929)
Date
1929-11-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6. Nr. 45 Der Israelit ' furdeinHaaf machten Aetdig, glänzend und iflar. Oberrabbiner Schapira gewürdigt, der auf Propagandareisen den gewaltigen Betrag von 100.000 Dollar aufbrachte, so daß das monumentale Schulgebäude, dessen Grundstein 1924 gelegt wurde, unmittelbar vor der Eröffnung steht. Auch die Förderung des Knabenfchulwefens geschah teilweise durch materielle Unterstützung zahlreicher Talmud Thoroth, wichtiger aber erscheint nach den Ausführungen des Verfassers die schulpolitische Tätigkeit, welche beispielsweise in Polen die volle Anerkennung der gesetzestreuen Schulen seitens des Unterrichtsministeriums durchsetzte, sowie die pädagogische Tätigkeit durch Gründung orthodoxer Schulorganisationen, Schaffung von Fortbildungskursen für« Lehrer und Herausgabe von Lehrbüchern; in Litauen konnte der Keren Hathora an das schon 1919 gegründete „Jawne"-Schulwerk anknüpfen. Bemerkenswert ist auch die bevorstehende Erweiterung des Tätigkeitsgebietes durch Schaffung von Gewerbeschulen. Ueber die hauptsächlich pädagogisch-wissenschaftliche Keren Hathora-Arbeit in Deutschland, sowie über die außerordentlich wichtige Gründung eigener Schulen für die Kinder der ins Rheinland emgewanderten Ostjuden, wird ebenfalls eingehend berichtet. Ganz besonders hervorzuheben ist schließlich der Abschnitt über das Mädchenschulwerk „Beth Jakob", dessen erstaunliche Entwicklung an Handverschiedener Tabellen gezeigt wird: Während bis zum Herbst 1924 20 Schulen mit etwa 2000 Schülerinnen bestanden, umfaßt das Erziehungswerk „Beth Jakob" heute über 150 Schulen mit über 18.000 Schülerinnen; weitere 13.000 Mädchen haben die Beth Jakob-Schulen schon absolviert. Im Hinblick auf diese Erfolge erscheint die Vollendung des im Rohbau fertigen „Beth Jakob "-Heimes in Krakau außerordentlich dringend, da ohne dieses Zentralinstitut eine Erweiterung des Arbeitsgebietes unmöglich ist. In einem prägnanten Schlußwort weist der Verfasser mit berechtigtem Stolz auf die großen, bisherigen Leistungen des Keren Hathora hin, unterläßt es aber nicht, fchärfstens hervorzuheben, daß das bisher Geleistete nur ein geringer Teil des eigentlich Notwendigen« fei und verlangt zu Gunsten des Keren Hathora die Ueberwindung des Egoismus der politischen Richtungen, wie auch des materiellen Egoismus des Einzelmenschen. Verschiedene Beilagen, Berichte und Abrechnungen schließen das Buch ab, das für die jüdische Öffentlichkeit und für jeden Einzelnen als ein Dokument wahrhaft jüdischer Aufbautätigkeit von großem Interesse ist. Korrespondenzen nacprtent». Deutsches Reich. Semesierbeginn der Jeschiwa. Frankfurt a. M., 2. November. Das Wintersemester der Frankfurter Jeschiwa wurde am 1. Cheschwan von dem Rektor, Herrn Rabbiner Dr. Josef Breuer, in der üblichen Weise eröffnet. Me Zahl der Hörer beläuft sich mit den, außerordentlichen Hörern auf 92, von denen auf Westeuropa 63 entfallen. Wie im Sommersemester, werden auch im Wintersemester außerordentliche Hörer, die sich aus Studenten der Universität zusammensetzen, an einzelnen Schiurim teilnehmen. Diese Einrichtung sei allen Studenten, die auf ihre jüdisch-wissenschaftliche Fortbildung bedacht sind, aufs wärmste empfohlen. Wiewohl der große Hörsaal erst in einigen Wochen feiner Bestimmung übergeben Werden kann, ist der Umj bau doch nunmehr so weit gediehen, daß sämtliche Schm- Die Woche. Berlin. Ein Kreis jungjüdischer Pazifisten tritt mit einem Programme hervor, das „die Gestaltung des Lebens und all seiner Erscheinungssormen aus der Grundlage des Mischethischen Lebens" erstrebt. Der Kreis bleibt dem Jüdischen Fried ensbnnde formell angeschlossen. Breslau. Am 2. u. 3. Nov. fanden hier die Feierlichkeiten anläßlich des 75jährigen Bestehens des Jüdisch- Theologischen Seminars MG. Den Festoortvag hielt Dozent Dr. I. Heine mann. Wien. Gegen die „Nene Welt" und ihren Herausgeber, Baurat Robert Stricker, hat die Staatsanwaltschaft wegen ein>es kritischen Artikels über den Halsmann-Prozeß die Anklage erhoben. — Völkische Studenten, von denen viele Heimwehrabzeichen trugen', besetzten am 29. Oktober den Eingang zur Technischen Hochschule und verwehrten demokratischen und jüdischen Studenten den Einlaß. Die Hochschule wurde vom Rektorat gesperrt, die Völkischen zogen zur Haupt-Universität, wo es ebenfalls zu XttimiiEtoti kam. Die Polizei sperrte die Rampe gegen die Ringstraße ab und verhinderte so weiteve Unruhen'. — Wie der JTA-Bertreter erfährt, ist der Dichter Franz Werfel nach wie vor Mitglied der Israelitisch. Kuktusgemeinde. Die Meldungen, daß «r aus dem Judentum ausgetreten ist, waren einem Mißverständnis entsprungen. Budapest. Aus Anlaß des schweren Unglücksfalles des Reich soerweserfohnes Nikolaus v. Horthy wurden im Haupttempel der Pester Israelitischen ~ Religion sgemeinde wie im orthodoxen' Haupttempel Gebete für die Genesung des Schwerkranken gesprochen,. Für diese Kundgebung der Teilnahme hat der Reichsverweser, Baron Adolf K o h n e r, Präsident der Israelitischen Landeskanzlei (Neologen) und Adolf Frankl, Präsident der orthodoxen Landeskauzlei, durch den Chef seiner Kabinettskan.stei, Sen Dank ausfprschen lassen. — Der Dirkteor der Staatsrealsckmle in Györ hatte mit Rücksicht auf die jüdischen Feiertage, an denen viele jüdische Schüler fehlen, eine eigene jüdische Klasse eingerichtet und löste damit Empörung aus bei den" Nationalunganen' sowohl wie bei der jüdischen. Assimilation.. Mit einem Erlaß des Unterrichtsministers wurde nun die „Judenklasse" aufgelöst und dem Direktor eine Verwarnung erteilt. Kairo. Die Polizei kam dahinter, daß in Verbindung mit dem Festgottesdienste am Freitag eine antiiüdische Demonstration von der großen Moschee aus vorbereitet wurde. Sie konnte die Kundgebung vereiteln. Die Proklamationen wurden beschlagnahmt und einige Agitatoren verhaftet, praa. In Prag verstarb I heute au den Folgen einer Vl'nddarmentzmndüng der hochbegabte Erzähler und Dramatiker Hermann Unaar im Alter von noch nicht 49 Johren. llngar war früher Attaches an der tschechoslowakischen Gesandtschaft in Berlin und. mar setzt im Auswärtigen Amt in Prag tätig. Moskau. Den, aus den indischen Kolonien im Ravon Odessa einiresfen- 5 den Berichten zufolge ist die diesjährige G e - trsideernte in dieser Gegend gut ausgefallen. Jerusalem. Die Regierung von Ve - men hat den Juden verboten, nach Palästina aus zu wandern. Mehrers Juden. die auf dem Wege nach Palästina waren,, wurden ins Gefängnis geworfen, Ihr Vermögen wurde eingezogen. — Dis Mitglieder der britischen Untersuchungskommission begaben sich während ihres Rundganges durch die Stadt auch zur Klagemauer und von dort in den Bezirk der Omar-Mo sch e e. Dort * kam ihnen, wie es heißt, zufällig, der Gr o ß- M u f t i entgegen, begrüßte sie und sagte ihnen, er vertraue auf ihren Gerechtigkeiissinn. — In Jerusalem wurde einem privaten, Kreise, der die Anwälte der Zionistischen Erekuitive etn* fl schloß, ein von der Exekutive hergestellier Film 0 vorgeführt, der Hebron. Beer Towiah und Ar- 0 tuff unmittelbar nach im arabifcfym Angriffen 0 und dem Gemetzel zeigt. «»i rim, auch die Schiurim für Schüler, in den renovierten und zum Teil umgebauten Räumen stattfmdM können. 7. November 1929 In . der dem Semesterbeginm, vorangegangenen Ku. radoriumssitzung fand der Vorsitzende, Herr Nabbmer Dr. Breuer, für das nein eintretende Mitglied, Herrn Gemeinderabbiner Josef Horovitz, warme Worte der Begrüßung und gab der Hoffnung! Ausdruck, daß es dein Gemeinderabbiner gelingen werde, die Begeisterung für Limud Hatauro in immer weitere Kreise der Gemeinde zu tragen, so daß die Eltern immer mehr die heilige Pflicht erkennen, ihre Kinder der Jeschiwa zuzuführen. Um seine enge Beziehung zur Jeschiwa nach außen zu . dokumentieren, hat sich Herr Rabbiner Horovitz bereit erklärt, einmal wöchentlich in der Jeschiwa einen Schiu? zu «lernen. Der Vorsitzende nahm ferner mit herzlichen Dankesw orten eine «Stiftung .entgegen, die Herr Isaak Wolfs zum ehrenden Andenken an seine Heimgegangene Gattin errichtet hat, aus deren Zinserlös am Jahrzeitstag die Bücherbestände der Jeschiwa ergänzt werden sollen und gedachte schließlich mit tiefempfundenen Worten des Heimgegangenen Vorsitzenden der Gemeinde, Naftali- Schwabacher , dessen große Verdienste um die Jeschiwa unvergessen bleiben werden. Cenlralverein deutscher Staatsbürger jüdische« Glaubens Landesverband Hessen-Nassau und Hessen. F ra n k fu r t a. M,, 4. November. Delegiertenversammlungen der Landesverbände habe« ihr .sigervss Gesicht, je nachdem sie vorbereitet sind und je nachdem die Referenten die praktische Arbeit auszulösen verstehen. Vor 99 Delegiertendes großen, Landes^ verbandes Hessen-Nassau und Hessen, sprachen am «Sonntag, den 3. November, der Syndikus Dr. M a r x - Frankfurt und der Direktor des C. B., Dr. Ludwig Holländer über die großen entscheid,enden Fragen der Gegenwart, in dem sie die Grundsätze der Gesamtarbeit in praktische Beziehung zu den Forderungen der Zeit emstelltem Marx insbesondere erörterte die Einzelheiten der geleisteten Arbeit und entwickelte aus Erfolgen und Mißerfolgen die Grundsätze der noch zu leistenden Tätigkeit. Holländer charakterisierte die Aufgaben des Tages und besprach im Einzelnen die Möglichkeiten der Erfüllung. Die klare Ausweisung der Schwierigkeiten der gegenwärtigen Lage schuf die Grundlage zu einer ganz eingehenden Aussprache, in der über die Anregungen und die besonderen Erfahrungen im Lande gesprochen wurde, so daß das Gesamtbild die unbedingte, ernste Zähigkeit des Arbeitswillens unter Ausschaltung aller kleinlichen Bedenken, auswies und das Bild unbedingter Zielstrebigkeit bot. Erfreulich wurde unsere Haltung gegenüber der Orthodoxie dadurch unterstrichen, daß der Redakteur des „Israelit", Herr Schachnowitz, für die von ihm vertretene Richtung der Arbeit unserer Organisation die wärmste Anerkennung und Sympathie zollte. Abermals eine Palästina- und Jewish Agency- Debatte in der Repräsenlanlenverfammlung der Jüdischen Gemeinde. B e r lin, 29. Oktober. In der Sitzung der Repräsentantenoersammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin am letzten Donnerstag sprach der Vorsitzende, Geheimrat Dr. I. Stern, Gedenkworte anläßlich des 100. Geburtstages von Eduard La sk er und gedachte auch des jüngst verstorbenen Repräsentanten Gustav Loeßer. Für diesen tritt Rechtsanwalt Dr. Abraham Löb m> die Versammlung «in. Die Liberalen wünschen Auskunft über die Stellung des Gemeindevorstandes zu der Anberaumung eines Fasttages durch das Rabbinat anläßlich der Palästina- Ereignisse. R.-A. Stern (liberal) erklärt, ein „Rabbinat" als ständige Institution, gebe es in Berlin nicht. Er bemängelt auch die Abhaltung, von Trauerfeiern lediglich in konservativen Synagogen Es dürfe nicht der Anschein erweckt werden, als sei die Trauer der anderen Gemeindemitglieder etwa weniger tief und ehrlich. Dr Kollensche r (Jüd. Volkspartei) gibt zu. daß der Wortlaut der Bekanntmachung auf einem Versehen beruht habe. Die NichtabHaltung von Feiern in liberalen Synagogen sei auf technische Bedenken zurückzuführen. Rechtsanwalt Dr. K f e e, der Führer. der Fraktion der Volkspartei, erklärt, er würde es begrüßen, wenn sich wieder ein G e sa m tra b b i n a t als ständige Einrichtung bilden würde- Es folgte eine mehrstündige Aussprache über eine liberale Anfrage, in der dagegen protestiert wird, daß Dr. Freund in einer Rosch Haschcmah-Predigt die Um

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