Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1929)
- Date
- 1929-11-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit Nr. 45. Se^be 3 richtet sich gegen ben Dvungplan-, der, wenn er Härten als Folge eines verlorenen Krieges hat, mit gleicher Schwere Jutzenu-std- Nichtjud>en trifft, vielleicht die Juden noch empsindender, well sie den bei allen wirtschaftlichen Katastrophen am meisten betroffenen Mittelstand stellen. Aber seine Initiatoren machten» es in einer wilden Propaganda zu einem Volksbegehren des' Völkerhasses, zu einer Aktion gegen Republik und Judentum, zu einem Schiboleth, an dem sich die Geister nach rechts und links schieden. Ein Gutes hat der Ausgangdes Volksbegehrens gebracht. Es hat den Regierungsinstanzen und den Stützen d>er Republik gezeigt, daß >dte Hetze gegen das Judentum m Wahrheit eine Hetze gegen Reich und Staat, gegen Republik und Verfassung, gegen Gesetz und Ordnung und Frieden ist. Nicht überall wollte man es bis jetzt in den Amtsstellen und in dein» Parteien, die den neuen Staat tragen, wahrhaben. Die zehn Prozent, foiie sich für Aufhebung des Voungplanes und für das Chaos, damit auch für die Ideale der Hitler und Streicher ausgesprochen haben, zeigen, wohin der Kurs geht. Kommt es auch nicht zum Volksentscheid im Sinne dieses Begehrsr.'s der nationalen Verirrung, bleibt es auch eine bloße Demonstration, so ist sie doch eine Demonstration gegen die Juden und überdies gegen die b e st e h e n d e Ordnung. Daß sich im Bunde gegen Juden und Republik weit mehr befinden als die EMtragungsliften ausweifen, ist ein offenes Geheimnis der Abwehrverein >e, die die Stimmung in Stadt und' Land kennen. Man denke auch an das große Heer der Beamten, die ihre Meinung in offener Eintragung nicht äußern durften. Die Erfahrung, mit der uns diese letzte Aktion bereichert hat, kann von den jüdischen Wählern am 17. November »röcht ungenützt bleiben. Wir fehlen, wie sehr sich die Lage gegen uns verschärft hat, wie da keine Gelegenheit von der Gegenseite, die über unbegrenzte Mittel verfügt, versäumt wird, das Volk gegen uns auszustacheln. Korruptionaffären, die bei Dutzenden von hochgestellten Nichtjuden einen oder zwei jüdische Namen -ausweifen, werden als Mische Skandalaffären ausgsdeutet uind ausgebeutet. Man arbeitet mit Ritualmvrdlüge und gefälschten Talmudzitaten (siehe Nürnberger Prozeß). Erscheinungen des Wirtschaftslebens, die zu allererst die jüdische Not vermehren (Warenhaus, Korbern) werden dem einfachen Mann aus dem Volke, besonders dem gläubigen Volke auf dem Lande, als die von Juden verschuldeten Quellen seiner schweren Not gezeigt. erhalten bei jedem Versicherungs- Abschluß wesentliche Vergünstigungen durch die lebensverficherungsgelellfchaft PHÖNIX Viertgrößte Gesellschaft des Kontinents Versicherungsbest. 1,2 Milliarde GMk II MHarbeiler zu günstigsten Bedingungen n. zwar Gehalt, hohe Provision, Altersversorgung, gesucht Bewerbungen an Phönix, Berlin, Meinekestr. 10 Die antisemitische Flut wird, von den Impulsen des neuen Erfolges getragen, ungeheuer hochgehen bis zum 17. November. Wir können nichts dagegen tun, als diejenigen nach Kräften 'zu unterstützen, die die schwere Abwehr- und Aufj klärungsarbeit in diesen heißen Tager^ auf sich!genommen Haber», vorab den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaube n s. Am 17. November selbst kann jeder jüdische Staatsbürger mit dem Wahlzettel zur Eindämmung der wilden Flut etwas tun. Die Wahl macht uns keine sonderliche Qual. Wir wissen ganz genau, wie wir nicht wählen dürfen und können. Wie wir wählen sollem? Ei ne der Parteien, die zur Republik und zur herrschenden Ordnung, zur Verfassung und damit auch zum Rechte der Juden stehen. In einem Ausrufe des Zentraivereines werden die jüdischen Wähler aufgefordert, die Bestrebungen derjenigen politischen Gruppen zu unterstützen, die der wüsten Hetze gegen den Staat er.»tgegentreten. Wir schließen uns dieser Aufforderung cm, mit der Hinzufügun-g jedoch, daß derjenige, der nicht allein an die Außenlage denkt, sondern auch die Gestaltung des inneren Lebens in der jüdischen Gemeinde und Gemeinschaft im Auge hat, seine Sympathien und seine j Wahlhilfe derjenigen Partei zukvmmen läßt, die! uns die eigene jüdische Schule erhalten! will, die auf der Hut ist, daß uns die S ch e -!chrta erhalten bleibt, daß auch sonst an unseren ^eOgiösen Rechten nicht gerüttelt wird. Diese I Fragen nehmen m den Kommunalverwaltungen 7. November 1929 ____ ntjsm trägt, ist nicht fein Verdienst, wenn die -Eltern die Kleidung “WD unfertigen lassen. Aber hier auf dem ethischen Gebiet heißt es, selbst zu zeigen,, daß man Meister ist. Mit Stolz und Freude Muß den jungen Menschen erfüllen, hier -unter Bezwingung der elementarsten Begierden einen cwn Ttmp> zu vollbringen; hier kcvnin sr sich stählen für die spätere Kämpfe, die ihm die Heilrghaltung des ms;, die Ausrechterhaltung des in allen Lebenslagen, die peinliche Beobachtung aller in xtpn einst bringen werden. Erkennensoll -er, daß die mm jede Einzelheit des Lebens regelt und amw uwb *?an geschehen! soll. Denn'sonst kommt er gar früh zum Selbstbetrug, indem er glaubt, es genüge, wenn er lernte und pünktlich die nVsn verrichtet. Man überlege nur, zu welch heuchlerischer Zweiteilung des Lebens diese Inkonsequenz führt! Was bedeutet denn dann noch der nso &y»- wenn man sich reuig an die Brust'schlägt, aber gar nicht weiß, daß mari Dinge begangen hat, die auch von der niin als. schwere nmiy angesehen werden, und daher auch gar nicht dazu kommt, von ihnen abzulassen? Wie soll man denn am sein, wenn man nicht einma! nii» zu sein versteht? Ich bin nunmehr am Ende meiner AusführungM angelangt. Als den Hauptgedanken möchte ich nochmals hervorheben: Es ist geradezu ein Verbrechen, feine Kinder über die gefährlichsten Abgründe und Klippen des Lebens allem und schutzlos wandern zu lassen. Möchte man doch dies einfehen und nicht nur darüber reden, sondern endlich zur praktischen Ausführung gelangen. Zeit dazu ist es schon lange. (Die vom Verfasser hervorgehobenen Momente erschöpfen den Gegenstand nicht; trotzdem hielten wir uns für verpflichtet, seine ernsten Worte der Oeffentlichkeit röcht oorzuenthalten. Red.). Wochenrundschau. vom Volksbegehren zu den kommunalen Wahlen. Dom Volksbegehren, das nun die nötige Stimmenzahl erhalten hat, um an den Reichstag zu gehen, zu den Kommunalwahlen am 17. November führt eine gerade Straße, die von dm Mannen in den Lastautos von Hugenberg und Hitler belebt ist. Das Volksbegehren Ausführungen. Auch bedarf eine solche Arbeit, um des Meisters und seiner Bedeutung würdig zu sein, eines berufeneren Autors. So sollen nun diese Ausführungen hier'gleichsam nur einige Reflexftrahlen sein, mit denen wir das Unrichtige in dem Gedankengange vieler der Heutigen beleuchten wollen. Als „Scheinwerfer" sollen uns aber unbestreitbare historische Dokumente, nämlich Aussagen des Meisters selber dienen! Kleines Feuilleton. Zeitschriften. Das letzte Heft der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" (Herausgeber I. He ine manu, Breslau) bringt nach -einer kurzen Studie von Levkowitz über „Mendelsfo-hns Anschauungen über das Wesen des Judentums" eine große Abhandlung von Weinryb über -neuere jiddische Literatur; außerdem eine ganze Reihe kleinerer Abhandlungen von Michael Holzmann (zu Deubsronornöum 6,. 4), zur Erklärung mittelalterlicher Dichtungen und» zur hebräischen Wovtkunde. - Das dritte Heft der Neu gegründeten „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" (Herausgeber Elbogen, Freimann und Fto ude-ntha y ist gänzlich Moses Mendelssohn gewidmet. > Die wiss-enfchasM-ch bedeutsamste Arbeit ist die von- L. Feucht wange r, der sich bemüht, ein möglichst Vollständiges Mld des Eindruckes zu gehen, den die Per-» fönl-ichkeÄ. Mendelssohns auf Wie Gegner nrachte. B. Strauß veröffsnMcht einige Mendelsfvhnsche Briese, bei denen der Empfänger un-genannt ist und ermittelt werden mutz. Von dvr „Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege" (he-rausgLMben von der Z-sntralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden) liegt Heft 5 (September—Oktober) vor. Siddy W r o n s k y behandelt das neuerdings recht beliebt gewordene Thema von den sozialen Ausgaben -des Rabbiners. Die Lage der Juden in Osteuropa in bevMeMNUSpMtif-cher Beziehung bildet den Gegenstand einer Studie von I. Kor ul ni k. Den Hauptinhalt des Heftes bilden die Mitteilungen aus der praktischen Arbeit der Wohlfahrtspflege, sowie die Hinweise auf neuere Gesetze, Ber-ordnung-en, Bücher und Zeiffchvif-ten. Heft 3 und 4 (Sept»ember -und Oktober) der Monatsschrift „Jüdische A rbetts - und W ander für - sorge" -enthalten einen ausführlichen- Bericht über die neueren wichtiUen Urteile der Arbeitsgerichte hinsichtlich des Bsrsicherungsanfpruches sabbattreuer Arbeitnehmer-. Der Verfasser bedauert, daß der oberste Spruchsen»alt die ganze Frage, ob eiin sa-bbattreuer Versicherter -nach Ablehnung einer für ihn reti-giiös >unann.ehmbavsn Stelle fretw-Mg oder unfreiwillig arbeitslos ist, zu -einer Tatsachonfrage degradiert hat, wähnend es sich hier doch zweifellos um eine prinzipielle Frage ersten Ranges handelt, deren Entscheidung der Spruchfenat nicht UM döM Weig gehen -dürfe. Recht inderess-clint -ist ein Bericht von Eugen Samson über den jüdischen Arbeitsnachweis in der Provinz. Der Artikel von Dr. Georg Lublinsky über die Lebensoerhaltniffe der -erwerbs- Migen jüdischen Jügerch Berlins packt ein sehr wichtiges Problem an», zu dessen wisseuschaftlich ausreichender Behandlung jedoch vorläufig -die statistischen Unterlagen fehlen. Die illustrierte Zeitschrift Menorah in Berlin-Wien bringt in ihrem gut -ausg-estattet-en September-Oktober- Hest eine Reche von fein wied-ergegebenen Skulpturen Benno E l k a n s neben reichem sonstigem belletristischen und kün-MerischM. Stofs. Natürlich ist auch Mendelssohn ein illustrierter Aufsatz gewidmet. Ms Gedenkheft für den verstorbenen Herausgeber Prof. Jul. Go-Idstein ist Nr. 4 der Zwelstw-natschrift „Der Morgen" erschienen, die der Philo-Verlag heraus-gM. Eine gange Reihe f-emsinniger Aufsätze verschiedener Autoren sind dem allzufrüh Heimgegangenen geistvollen Darmstädtor Philosophen gewidniet. Ueberaus lesenswert -ist aus feiner Feder selbst der in dem Heft enthaltene Aufsatz: Ehrfurcht eine Grundforderung des Judentums, ldsr von echtem jüdischem Geiste durchleuchtet ist. Eiste besondere Beachtung verdient -auch die wertvolle Skizze von B. Jakob „Gott sehen", worin dieser biblische Ausdruck ebenso tief als einfach erfaßt und geklärt wird. Das von der amerikanischen „Menorah Association" herausgegebene Menorah Journal -enthält anaktuellem Material einen Aufsatz über die Zukunft Palästinas sowie einen allzu ausführlichen Beriecht über den 16. Zlilmistenkongreß. Ferner belletristisches Material, Uebersetzunge-n von Buber sowie einengroßen S-ituatronsbericht aus demjüdischen Berlin. Von dsr Jewfsh Quartvrly Review" (Herausgöber Cyrus Adler-Philadelphia) liegt das Dßfo» ber-Heft vor. Den Mittelpunkt des Heftes- -bildet -eine ausführliche Revue» -der wissenschaftlichen BibeNteratur -der letzten Jahve van Dr. Joseph Reiber, der auch über -die Rembrandt-Wibel schreibt. Eine Besprechung van Dr. Joses Miefes über K-asfowskys Mischnakonkor»