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Der Israelit · 1929-11-07 · Heft 45 (7.11.1929) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 45 (7.11.1929)
Date
1929-11-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit« 2. Nr. 45 Der Israelit 7. November 1929 chen. Außerdem sei es unpassend und unästhetisch, derartiges zu erwähnen. Diesen Leuten, die glauben, daß 2X2 — 5 ist, kann man wirklich nicht helfen. Man ist nur oft im Zweifel, ob ehrwürdige Dummheit oder gewollte Weltsremdhei't, deren Ursachen Feigheit und Bequemlichkeit sind, bei ihnen überwiegt. Ein bekanntes Ausweichen ist auch, die Schule verantwortlich zu machen. Da man sich selbst für unfähig hält, die richtige Belehrung zu geben, sagt man, es sei Sache der Schule. Die Lehrer wiederum flehen meist aus dem Standpunkt, es fei Sache d-es Elternhauses, oder sprechen erst in den obersten Klassen 'darüber, wenn es bereits zu spät ist, und so geschieht also in den meisten Fällen nichts, und man läßt mit ruhigem Gewissen die Jungen ihrem sicheren Verderben! entgegeneilen. Da man nichts von den Dingen wissen will, versteht man es auch meisterhaft, sie nicht zu bemerken. Kommt doch einmal etwas ans Tageslicht, so ergießt sich über ein armes Individuum die ganze Schale moralischen Zorns, anstatt die Erzieher verantwortlich zu machen, und nach einiger Zeit beruhigt sich die öffentliche Meinung wieder, nachdem sie vielleicht einen Menschen, der nur einer von den vielen ist und nur das Pech hatte, sich erwischen zu lassen, für sein Leben unglücklich gemacht hat. Oder man sieht verständnisvoll über derartige Jugendfehler — man war ja auch nicht bester — hinweg und läßt mit Geld und guten Worten! den Mantel der Verschwiegenheit über die Sache fallen. Angesichts dieser unerhörten Tatsachen wäre es wohl an der Zeit, daß diejenigen, denen Wahrheitsliebe und Ehrlichkeit vor Bequemlichkeit- und Feigheit geht, endlich einmal ihr eingeschläfertes Gewissen ausrüttelten und sich zusammenschlössen, um gemeinsam gegen das Wetterbestehen der geschilderten Zustände vorzugehen. Weder Schule, noch Elternhaus allein, nein, beide zusammen haben die Pflicht, hier zu wirken. Eine vernünftige Einstellung zu dieser Frage sollte bei der Wahl eines Lehrers mindestens ebenso gefordert werden wie gründliches Fachwissen. Schließlich ist es doch Aufgabe der Schule, besonders aber der jüdischen, mehr als allgemeine Bildung zu vermitteln. — Indessen kann sie nicht alles bieten, schon aus rein technischen Gründen, da meist verschiedene Altersstufen in einer Klasse sind, ferner überhaupt Reise, Verständnis und Geartung selbst bei Altersgenossen völlig ungleich sind. Die Hauptaufgabe bleibt daher dem Elternhaus. Ein Vater sollte sein Kind am besten kennen, sollte es verstehen, früh sein Freund zu werden, um bis zur entscheidenden Stunde alles so gut vorbereitet zu haben, daß sich die sexuelle Frage — die ja für den gesetzestreuen Juden me eine Frage, sondern eine eindeutige Lösung und Forderung ist — organisch in das Weltbild 'des heranreffenden Menschen einstigen, kann. — Denn gerade das viele Rachstnnen allein führt aus schlechte Gedanken. Daher heißt es, rechtzeitig den Schleier fortziehen, ehe das darunter Verborgene begehrenswert erscheint. Schon längst, bevor die Kinder reif sind, stärke, man ihren Charakter durch Verzichtleistung aus Kleinigkeiten und bringe ihnen vor allem jenen •rn* ft* bei: ran *n*w- Hat man dies tief in das kindliche Herz eingepflanzt, dann ist es ein Leichtes, in den Jahren um die mxa ii herum in einem Gespräch über die Bedeutung der n'ra, von der wir täglich im Benschen sagen: rrm 11NV22 nannt» hy oder beim Durchnehmen der n*>a mabn oder bei irgend einer anderen Gelegenheit, deren sich ja unzählige bieten, klar und nüchtern über die menschlichste Mer Fragen im Sinne der min zu sprechen und dem Heranwachsenden Kinde zu sagen: An Dich wird auch früher oder später die Versuchung hercmtreten. Du mußt ihr.widerstehen und kannst es: ’janon •p» nbya*? na m nvny 'ib m nrw ■psi tnn 'in naon *y»ffya -to» nvaiv prr mm-py. Im Schlaf wirst Du >ettres Tages '"ip> nxaiv bemerken; dabei fft nichts Böses; hatte Dich nur während des wachen' Zustandes stets von unreinen Gedanken fern und wisse, daß das Leben eines 'Hin'» etwas Höheres ist als der Tummelplatz seiner Begierden, die den Körper schwächen und seiner Gesundheit schaden! So mit dem starken Bewußtsein an den iet» ausgerüstet, wird der Knabe den Verlockungen des nr» widerstehen können und sich in jeder Not an seinen Vater wenden, bei dem er Hilfe zu finden weiß. Alles Gerede von schlechten Kameraden wird ihn! nicht berühren können. Und noch ein anderes ist damit gewonnen. Das herzliche Verhältnis zwischen Vater und Sohn wird nicht durch die Unruhen der Flegeljahre gestört und beeinträchtigt. Die Flegeljahre sind ja meist nur die Erscheinung, die sich infolge falscher Erziehung auf diesem Gebiet zeigt. Der Junge empfindet, hier wird ihm etwas unterschlagen, hier ist ein Gebiet, betn» man ängstlich auszuweichen sucht, und hat er -erst selbst ein Unrecht getan, sei es ihm als solches schon völlig bewußt oder nicht, so wird es ihm selbst ange- Bei Kopfschmerz! Zahnschmerz ErkMlfwr»ci9 Rheuma hilft Bestandteile: Phenac., Phenyldimethy]p.,|f i nt1 Acetylsai., Coff.M.l.lU in allen Apotheken Hclon nehrn sein, ein Gesprächdarüber zu vermeiden. So -lebt er völlig hilflos dahin, und die innerliche Entfremdung zwischen ihm und- .den Eltern, vor denen er nun somerfetts, nachdem sie einmal den richtigen Augenblick verpaßt habenängstlich, feine wirklichen Sorgen und- Nöte zu verbergen sucht, fft die unausbleibliche Folge. Erfährt er später von irgendwelcher Seite etwas darüber,., daß sein Tun schlecht ist, so kommt es darauf an; ist er ein starker Charakter, gewöhnt er sich dös Laster ob; andernfalls aber versinkt er erst jetzt richtig, da er sich nun feines Treibens völlig bewußt ist; in solchen Fällen helfen alle verspäteten Moralpredigten nicht das Geringste. Wenn ich mit jüngeren Menschen, die dochnoch Energie und- Mut zur Rückkehr hatten, hierüber sprach und erwähnte, daß es sich um einen ausdrücklichen norr handele, fo wurde ich, oft von ihnen gefragt, ob denn wirklich etwas darüber in der nnai oder im qiiy ]n*?iw stände. Als ich bejahte, mußte ich die schmerzliche und berechtigte Frage vernehmen: warum hat man das nicht mit uns gelernt, ehe wir darau s v >e r f a l l >e n k on n t e n? — Ja, warum wohl nicht? Aber manches viel weniger Wichtige hatte man ihnen beigeb rächt! Wann wird man wohl erkennen, was “ij?y und was ^sv ist? Und ich lasse es mir nicht einreden, die heutige Jugend ist nicht schlecht, jedenfalls nicht schlechter als die frühere: schlecht war ihre Erziehung, versagt haben die Eltern-, die Lehrer, die Rabbiner! Auch die Rabbiner! Denkt angesichts der. trostlosen Zustande sollten doch sie wenigstens'nicht nur in Predigten — auch das kommt fetten genug vor — sondernvor allemin Privatgesprächen versuchen, den Eltern Verständnis beizubringen; allein wie kann man das erwarten, da dieses Verständnis gerade ihnen selbst oft genug fehlt? Und wenn sie es besitzen, bringen sie die Ueberwindung auf, mit ihren Gästen, anstatt über Wetter und Politik, auch einmal über die brennendsten Fragen ju sprechen? Es muß hier vieles anders werden; Undnicht von heute auf morgen läßt sich eine Wandlung erzwingen; aber anfangen sollte man heute noch; denn ein jeder, der lässig steht, ttägt mit Schuld, denn noch gilt der Satz: nt*? nt anny *?:> und die iiray dk rrain roin :mxa ist auch jan ntn noch imi' ltpjiy nma ir-Hi mnaV iva ww ’ai *Vvw Diese Frage endlich in das Erziehungsprogramm aufzunehmen, ist notwenldig, wenn man will, daß von der Jugend die nun gelebt und nicht nur als mmbn mxa den Erwachsenen nachgeahmt werde. — Es ist für den jüdischen Knaben keine. Kunst, nnw zu halten, wenn man ihn in die jüdische Schule schickt, und daß er kein Abraham, Sohn Abrahams. Unter diesem Titel beginnt in der heutigen Nummer ein Roman von S. Schachnowih. Abraham Sohn Abrahams mar der Name des «Ger-Zedek" (frommen Profelyten), dessen Grabhügel sich unter dem Wunderbaume auf dem alten Friedhöfe zu Wilna neben dem des Wilnaer Gaon erhebt. Die Erzählung spiegelt in fesselnden Bildern und spannendem Zusammenspiel der Geschehnisse einen Zeitabschnitt unserer Geschichte wider, dem Männer wie Rabbi Ehe aus Wilna, Ionathan Eibenfchüh, „Pne Josna". Jecheskel Landau u. a. m. das Gesicht gaben. Die tragische Geschichte des Grafen Pokozki, alias Abraham hat bereits viele Künstler, Schriftsteller und Dramatiker zur Gestaltung gereizt. Hier steht sie im Mittelpunkte eines Geschehens, das aus der Zell und ihren Röten, wie ihrer Größe zu begreifen ist. Der geistige Nachlaß von S. 2t. Hirsch. Unter dem Titel Ueber den geistigen Nachlaß S. R. Hirschs b"^r, Ein Beitrag zur Würdigung der religionsphilosophischen Bedeutung des Meisters", ließ der bekannte und hochgeschätzte S. R. Hirsch-Forscher, Rabbiner Ph. Fischer in Sarospatak (Ungarn), bei Sänger u. Friedberg, Frankfurt a. M. ein neues Merkchen (72 Seiten) erscheinen, das wir allen Freunden S. R. Hirsch's zur weiteren Erkenntnis seiner epochalen Bedeutung wärmstens empfehlen. Aus der Einleitung des Werkes, geben wir in folgendem einiges wieder: „Wer gibt uns das Buch: „S. R. Hirsch als Erzieher?" . . . Das würde ein Buch, in dem all die Hoffnungen Israels zu frischem, fröhlichen Leben erwachten, die uralten Wahrheiten in lichter Klarheit sich wieder offenbarten, das heilige Gesetz seine beglückende und beseligende Macht entfaltete, und die ganze neu sich erschließende Gedankenwelt wäre aus dem Geiste Hirschs geboren, wir hörten nicht nur die Worte des großen Mamies,^feine Seele stiege hernieder, und die wundersame Melodie, mit der sie die Mitwelt in ihren Bann zauberte, da sie noch auf Erden weilte, erklänge wieder in einer neuen Harmonie" — so rief gelegentlich der Eentennarfeier Hirschs ein hervorragender jüdischer Denkers unserer Gegenwart aus. „Wer gibt uns das Buch: ,,S. R. Hirsch in seiner Wirklichkeit, in seiner wahren, ungetrübten historischen Gestalt . . .?" — rief auch ich wehmütig aus beim Lesen eines Artikels zum letzten Jahrzeitslage des Meisters..s) Ja, wenn wir jenes Buch hätten, dann hätte der Autor jenes Aufsatzes seine Arbeit entweder gar nicht geschrieben, oder aber wäre er in ganz anderer Weise für das auch von uns hochgehaltene Ziel, das intensivste Studium von D'poiBi seitens 'der Jugend eingetreten. Denn jener Artikel beruht geradezu auf völliger H I. Wohlgemuth in der Jubil.-Nummer des Isr. S. 40. ' 2) 1926. No. 4, S. 3 d. Bl. u. d. T. „Hirsch-Lektüre". Verkennung der tiefinnerlichsten Eigenart desselben, welche sozusagen einen hervorragenden und höchstbezeichnenden Markstein in der, auf der Thorabasis stattfindenden Entwicklungsgeschichte des jüdischen Geistes bildet. Zum Glücke aber sind wir bei der Feststellung des historisch bedeutsamen Strebezieles dieser gewaltigen Persönlichkeit keinesfalls auf Mitteilungen und lleberlieferungen seitens eines dem Meister näher oder ferner stehenden Schüler- und Anhängerkreises angewiesen. In einem solchen Falle wäre allerdings die Möglichkeit der Gefahr nicht ausgeschlossen, daß durch etwaige subjektive Momente in den Mitteilungen und Ueberlieferungen der' Schüler und Anhänger unsere Kenntnis von der wirklichen Wesenheit der Strebeziele Und eigentlichen historischen Bedeutung des Meisters eine Trübung in kleinerem oder größerem Maße erfahren könnte. Doch sind es eben die klassischen Schriften unseres großen Meisters, die in fast beispiellos reicher Fülle die herrliche Ideenwelt desselben aufs unwiderlegbarste wiederspiegeln und aus denen ein vielfach andersgeartetes Bild von der geistigen Wesenheit und den Strebezielen S. R. Hirschs uns entgegentritt. Ein anderes strahlendes Bild, dessen verständnisvolles Bettachten uns keinesfalls Hallelujahs zu dem in den Hintergrund-Drängen der „Hirschideologie, dieses geistigen Fundaments oer Regeneration" anzustimmen gestattet. Ja, wir wollen an der Hand unwiderlegbarer Stellen aus dem geistigen Nachlasse des Meistere jene Ausführungen einer Berich ttgung unterziehen. Aber schon im vorhinein muß der Schreiber dieser Zeilen in aller Bescheidenheit bemerken, daßer sich keinesfalls anmaßtden in seinen Ausführungen zum Ausdrucke gelangenden Gesichtspunkt in der Betrachtung und Bewertung der unvergänglichen Bedeutung der historischen Persönlichkeit S. R. Hirschs, voll und ganz auszuschöpfen. Solches könnte nur im Rahmen einer umfangreichen Abhandlung geschehen, keinesfalls aber mit diesen kurzen

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