Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1929-11-07 · Heft 45 (7.11.1929) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 45 (7.11.1929)
Date
1929-11-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450547-2450592--76444-2534021
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

L 7. November 1929 Frankfurt a. 2T1., den 4. March-schw-m ssgo Nr. 45 Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründe! von Dr. Lehmann in Mainz. mamernent ab 3uü 19S9; Deutschland 1.30 Mark monaMch; Ausland: Merteltahrpreise (entsprechend dem deutsche« Inlandspreis zuzüglich «osten des Streifband-Ber- . - - „ — — England 4 sh.; ab 1. Juli ien «Ll.l38.18 Lire; Jugo- _, . Lei; Polen 4 deutsche Toldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty'. Schweiz 8 Fr. Tfchecho-Slowakei SS Kronen: Ungar« Pengö 8 ab 1. Juli 1937; Dänemark 8. SV Kro».; Norwegen 8.80 «ron.; Schwede» 8.80 «ron. Einzelnummer vierzig Doldpfen-rige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 88 Goldpf. für die stebengespalten» Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Ktellengesuchen und Familienanzeigen nur 4V Pf. Die 78 mm breite Reklamezeile r letzte Tentseitr 3.— Mk.. vorletzte Teriseite 3.88 Mt.; Thissregebühr in Löie eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Inserataufträgen tartfm. Preiserhöhung tederz. Vorbehalt. Inseratenannahme,durch de« direkt an den Verlag aus Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 13883. — Au! Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. Vlll 7254 — Inkasso-Bank Rotterdam - " Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle Ein Problem der jüdischen Erziehung. Man schreibt uns aus den Kreisen der Jugend: In der heutigen Zeit, da man sich vielleicht mehr als genug mit der Jugend, ihren Problemen und ihrer Erziehung beschäftigt und auch in jüdisch-orthodoxen Kreisen viel von den Rechten und Pflichten der Heranwachsenden Generation die Rede ist, scheint es verwunderlich und traurig zugleich, daß man sich mit dem für die Jugend während ihrer Entwicklung wichtigsten Problem, der sexuellen Frage, noch nicht in wirklich tiefgründiger und offenherziger Weise befaßt hat. Es ist keine leichte Aufgabe, über dieses Thema zu sprechen, da man sich bewußt sein muß, auf den allerheftigsten und unsachlichsten Widerstand bei Behandlung dieser Frage zu stoßen. Allein das hohe Ziel macht es unbedingt zur Pflicht, diesen Problemkreis einmal aufzurollen, da es mit wahrhaftiger nxi', die alle Sphären des Ledens mit dem Geiste der nun praktisch durchdringen muß, unvereinbar ist, für die Jugend so wichtige Dinge einfach totzuschweigen oder mit phrasenhaften Ausreden zu umgehen. ijij;; Das, was ich im folgenden zu sagM habe/ist durchaus nichts Neues. Bereits vor 90 Jahren ließ Rabbiner S. R. Hirsch ^"21 im (Kap. 67, § 446) seine mahnende und anklagende Stimme vernehmen. Und doch muß jeder ehrliche Mensch zugeben, daß, wenn sich seit seiner Zeit etwas geändert hat, diese Aenderung nur zum Schlechten war. Biele haben! zwar sein Werk in ihren Schränken stehen; allein. die meisten, glauben, nicht an sie seien die flammenden Worte des großen Mannes gerichtet. Ein jeder redet sich ein, seine Erziehung sei so gut, daß nicht ihm die Mahnung gelte. Ja, besonders wenn man seine Kinder in eine jüdische Schule schickt, glaubt man ganz gewiß X2T zu sein und alles für ihr Seelenheil getan zu haben. Man will sich nicht bewußt werden, welch verhängnisvoller Täuschung man sich hingibt. Geradezu ruchlos ist ein solcher Optimismus! Wenn der Arzt einen - Kranken behandeln will, so muß er zuerst fein Leiden und dessen Ursache feststellen. Auch wir wollen in erster Linie untersuchen, woher es kommt, daß auch in unserer Äugend das Lasten der Selbstbefleckung, von dem unsere »-»»an sägen: mi'33? b3» ii»n m pw «rnratp leider eine häufige Erscheinung geworden ist. Es hieße, sich selbst betrügen, wallte man hier die schon, zur Genügeangeführten Argumente, mit denen man sich gewissermaßen für [eime Gleichgültigkeit und pädagogische Unfähigkeit zu rechtfertigen sucht, wieder auskramen, indem man von Verführung durch verdorbene Kameraden, schlechter Lektüre usrv., also Dingen, denen man doch beim besten Willen Niemals restlos Vorbeugen kann, als Ursachen spräche. Nein, darüber müssen wir uns endlich klar werden, all dies ist höchstens, und auch das in den seltensten Fällen, äußerer Anlaß, niemals innere Ursache. Um aber diese innere Ursache, d>en Kern des furchtbaren Elends, klar zu erkennen, dazu ist es notwendig, einmal alle althergebrachten Vorurteile abzustreifen und zu versuchen, objektiv an die Dinge heranzugehen. Das sollte uns um so weniger schwer fallen, als wir damit in Wirklichkeit wieder zu der ehrlichen und von jeder Verdunkelung reinen Auffassung der xim zurückkehren, die uns auch auf diesem Gebiet Maßstab und alleiniger Führer sein sollte. Wenn wir nur einmal mit Verständnis die Stelle: '121'» '!? '1X1 '12'» 'b 'IX. (X"D 111313) lesen, haben wir die Antwort auf unsere Frage. Nicht persönliche Schlechtigkeit, nicht Verführung durch andere sind die Ursachen des Uebels; sondern der 12' des Menschen, rein körperliches Bedürfnis wird befriedigt. Der Dreizehn-, Vierzehnjährige, er ahnt ja gar nicht, was er eigentlich tut, wenn er die Stelle der nb'»' deren wirkliche Bedeutung ihm — und das ist das ganze Unglück — sorgsam verschwiegen wurde, berührt und dabei ein angenehmes Gefühl empfindet. Wie sollte ihm auch der Gedanke kommen, daß er damit mi nmy *my ist; und wenn er verwundert den vir fliehen sieht, wie kaum er wissen, daß er ein v'»i “|D1V ist? Hieraus ergibt sich für uns die eindeutige und strenge Forderung/ Mache Dein Kind mit dem 121' bekannt, bevor es ungewappnet und schutzlos dem 12' anheimfällt. Denn daß es ihm sonst, bis auf wenige Ausnahmen, sicher anheimfällt, ist wissenschaftlich und erfahrungsgemäß festgestellt. Aber es gehört schon Mut dazu, dies auszusprechen, und mancher, der dies liest, wird unzählige Argumente bei der Hand« haben, der obigen Forderung auszuweichen; mag er auch sonst mach so sehr auf dem Boden von und trpoiö ftefyeTt, dieser schweren Pflicht des *pm möchte er sich entziehen. Man hat sich hier mit den verschiedensten Richtungen auseinanderzusetzen, die nichts so sehr als die geforderte rechtzeitige Belehrung bekämpfen. Zuerst, so hört man einwenden, sei es nicht richtig, dem Kinde seine Kindlichkeit und Harmlosigkeit zu rauben, indem man es mit so ernsten Fragen bekanntmache!? Welch törichte Auffassung! Ist denn das Leben ein Spielgarten, und sind junge Menschen etwa Puppen? Glaubt man im Ernst, seinem Kinde Gutes zu erweisen, indem man ihm feine Arglosigkeit läßt auf die Gefahr hin, es in m'3y und.ix»iv versinken zu lasten? Dann wundert man sich freilich vergeblich, warum der Musterknabe plötzlich störrisch und verschlossen wird und sich trotz aller Nachhilfestunden in der Schule derart verschlechtert, daß er das Ziel der Klassenicht erreicht. — Und vor allem, wird man es einst wagen, sich vor frapn mit dieser lächerlichen Argumentation zu rechtfertigen? — Ist denn die,112» 12 wirklich zu einer reinen Aeußertichkeit herabgesunken, oder bedeutet sie nicht doch noch den Beginn des ernsten, aber darum noch nicht düsteren Pflichtenlebens, das Verlassen des Kinderlandes, das Eintreten in den Kreis ernster Forderungen und Ansprüche? Sollte sich wirklich die jetzt folgende Periode von der vergangenen nur dadurch abheben, daß der,112» 13 nun auch als Mmjamnann fungieren kann? Dann soute man doch so konsequent sein, auch dieni2vi3-F e i e r um einige Jahre hm auszuschieben! Rein, unsere v'»3n haben schon gewußt, weshalb sie dem Heranwachsenden religiöse Volljährigkeit zusprechen niiM'tiV X'3Nw». Ihnen sind alle Schwierigkeiten bekannt gewesen, und sie geben ihrer Meinung klaren Ausdruck, wenn sie den Vater loben, der seine Söhne spisb ii»v unter die nvin führt. Eine andere, nicht weniger oberflächliche und verwerfliche Meinung äußert sich dahin, frühere Generationen seien auch allein mit diesen Fragen fertig geworden, warum sollte es nicht auch die heutige könnlen? — Ja, man frage doch nur, wie die früheren damit fertig wurden? Und anstatt aus eigenem Schiffbruch zu lernen, die Konsequenzen zu ziehen und es besser zu machen, läßt man alles im alten Schlendrian weitergehen. Ist das nicht gewissenlos? Wohl um die drohende Gefahr zu wissen und sie nicht Zu beseitigen? Auch heutzutage gibt es' wahrhaftig noch Leute, die so weltfremd sind, zu behaupten, diese Dinge existierten gar nicht oder in so geringem Maße, daß es sich nicht lohne, darüber zu spre-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.