Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1929)
- Date
- 1929-10-31
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seide 2. Nr. 21 Der 8 » ra elt t Blätter 31. Oktober 1929 durchsichtig genug sind, um den ganzen Umfang der Katastrophe in ihren wirtschaftlichen Auswirkungen deutlich erkennen zu lassen, so war MM« sich doch darin einig, daß nur eine größere, umfassende Aktion wirksame Hilfe bringen könne. An der Leitung der Palästina-Zentrale ist es nun, die nötigen Maßnahmen hierzu unverzüglich ZU ergreifen. Diese Maßnahme kann in erster Reihe nur darin bestehen, an alle Agudisten und darüber hinaus an alle diejenigen, die für menschliches Leid und für die Erhaltung des *?xmrn px tiep Herz und Hand haben, einen warmen« Appell zu richten, in der Opferwilligkest nicht zu erlahmen. Eine minderwichtige Bedeutung kommt der Frage zu, die in der Kommission viel zu lange behandelt braucht. Rabbiner Tobias Horovitz schreibt folgendes: „1. An der ganzen Diskussion des Rabbinischen Rates über die Agency-Frage hat sich kein Mitglied der Aguda-Exekutive beteiligt. Der Referent der Exekutive hat lediglich über die bisherige Stellungnahme der Agudq objektiv berichtet und hat den Rabbmischen Rat aufgefor dert, bei der Beurteilung der Frage lediglich njn mm maßgebend sein zu lassen. 2. Bei allen weiteren Sitzungen, die der Rabbinische Rat der Frage gewidmet hat, war der Referent der Exekutive überhaupt nicht mehr anwesend. Kein einziges Mitglied des Rabbinischen worden ist, aus welchen Kreisen und Personen Rates hat in den Beratungen die Ansicht geäudas Hilfskomitee in px zusammengesetzt ßert, daß die Aguda der Agency i«n« ihrer heutigen sein soll. Das Auftauchen dieser Frage geht auf die Parteiungen zurück, die innerhalb der Orthodoxie in Vx*w px besteht, auf den politischen Gegensatz zwischen dem nivwxn Tp isn (Gemeinde Sonnenfeld) und der ^x*w* rm- Zu letzterer Gemeinde gehören die aus dem mix*? ijn oder noiD Ausgetretenen, (in Vx'-iep px als bezeichnet), die sich aber bislang dem '722VXN “pp *tjm nicht angeschlossen haben. Auch die zweite Frage, die des ppn' der Erhaltung und etwaigen Erweiterung des Schulwerkes der Agudas Jisroel, ist in der Kommission sehr gründlich behandelt worden. Es ist für die Agudo recht beschämend, daß es ihr bisher nicht gelungen ist, mehr als 1400 Kinder dem "pr>n im Sinne der mm zuzuführen. Wenn wir hierbei bedeuten, daß mehr als 12 000 Kinder des heiligen Landes einen religiös indifferenten- oder sogar antireligiösen Unterricht genießen, so müssen wir uns eingestehen, daß unsere Leistungen noch sehr der Erweiterung bedürfen. Noch schlimmer aber ist -es, daß wir kaum inder Lage sind, auch diese wenigen Schulen auf die Dauer zu erhalten. Bei der größte-n« Sparsamkeit, der weitestgehenden Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit der Lehrer sind zur Erhaltung der Schulen 6000 Mk. pro Monat nötig, von denen aber kaum die Hälfte als sichere Eingänge bezeichnet werden können Alle Mitglieder der Kommission sind sich dessen bewußt gewesen, daß es so nicht weiter gehen könne und dürfe. Man versuchte, den, Etat der Schulen auf die einzelnen Länder zu repartieren und stellte einen Schlüssel auf, nach welchem sie zur Erhaltung der Schulen beitragen sollten. Aber abgesehen davon, daß es nicht gelungen ist, den ganzen Betrag von 600 Pfund pro Monat auf diese Weise unterzubringen, ist ja keine Gewähr hierfür gegeben, daß die von den einzelnen Ländern zu leistenden Quoten auch wirklich eingehen werden. Es fand daher eine Anregung allgemeinen. Anklang, wonach speziell für die Erhaltung des prn eine besondere Kraft angestellt werden solle. Bei dem großen Interesse, das allerorten für Vx'W’ px besteht, öarf,maN hälfen, daß eine solche g eignete Persönlichkeit «das Verständnis und die Resonanz weiter Kreise finden würde. Es ist nun mal so, daß viele Menschen eher zu Opfern bereit, wenn sie persönlich und in angemessener Form darum angegangen werden. Es hängt nun viel davon ab, ob es der Palästina-Zentrale gelingen wird, diesen Plan, von dem der weitere Bestand und die Ausbreitung des 'Nin prn in ^xnw px ab hängt, auch der Verwirklichung eNtgegenzuführen. / (Schluß folgt.) Der Rabbinische Rat und die Zewish Agency. Im Warschauer „Jüdischen Tageblatt" veröffentlicht Rabbiner Tobias H o r o v i tz, der die Sekretariatsgeschäfte bei den Sitzungen des Rabbinifchen Rates während der Kenessio Gedaulo geführt hat, folgende AufklärMig gegenüber den Ausstreuungen Zionistischer Blätter, die behaupten, der Rabbinische Rat sei in der Agency-Frage zu gar keinem selbständigen Urteil gelangt, sondern die politische Exekutive der Aguda habe den Rat für . ihre eigenen politischen Zwecke miß-!Alter und hierauf die bekannte Schöpferin der ■ ''st - '.j.’p . ’ <0-. ‘ ..-li ■; ' Verfassung bedingungslos beitreten solle. 4. Dagegen wurden anfänglich viele Stimmen laut, die unbedingt gegen jede Teilnahme der Aguda an der Agency sich aussprachen, auch dann, wenn die Agency die Kultur-Angelegenheiten ausschließe. 5. Schließlich wurde einstimmig die bekannte Resolution angenommen, worin die Agency aufgefordert wird, sich auf die wirtschaftlichen und politischen Aufgaben, natürlich unter Wahrung des Religionsgeisetzes, zu beschränken, wodurch es der Aguda möglich gemacht werde, an der Agency teilzunehmen. Somit ist der Beschluß über die Agency vom Rabbinischen Rat einzig allein mm np m by und im vollen Bewußtsein, der eigenen Verantwortlichkeit gefaßt worden." Die Arauevkagung bei der Kenessio gedaulo iy Wien. Im Rahmen der Kenessio Gedaulo fand irr Wien die erste internationale Versammlung agudistischer Frauen statt. Da bisher nur die agudistischen Mädchengruppen, die Frauengruppen aber nicht organisiert waren, wurde diese Tagung durch den Geschafsführenden Ausschuß der Agudas Jisroel veranlaßt, der anläßlich der Kenessio Gedaulo den internationalen Zusammenschluß sämtlicher Frauen- und Mädche-ngruppen anregte. Der internationale Zusammenschluß der M ä d ch en gruppen hatte schon gelegentlich des Bundestages 1927 in Frankfurt a. M. stattgefunden, und hatte unter dem Namen „Internationale Arbeitsgemeinschaft der Agudas Jisroel-Mädchengruppen" in kultureller und pädagogischer Hinsicht Ariregungen zur Erneuerung und Verbesserung auf dem Gebiet der Gruppenarbeit gegeben. Die Zentrale war Zürich. ° In deren Namen und im Auftrag des G. A. eröffnete Frau F. Goldschmidt-Lewenstein, Zürich, als Vorsitzende die Tagung, und begründete deren Einberufung. Frau Ernestine Bondi, Wien, begründete, hierauf in eindrmglicher und warmer Weife die Notwendigkeit des. ZufaMmenchlusies agudistischer Frauen und. zeichnete das Bedürfnis der Gründung von Frauen- und- Mädchengruppen m allen Ländern. Sie schilderte in klarer Form die Unterschiede der Stellung der jüdischen Frau von heute als Gattin und Mutter, an die so viele andere Aufgaben herantreten als an die Frauen und Mütter der vorigen Generaion. Damit das Haus den Einflüssen der Zeit Widerstand biete, ist es erforderlich, daß auch unsere agudistischen Frauen sich zusammenschlie-;en, damit sie vereint neue Wege und- Möglich- 'eiten finden, der Jugend in der Wirrnis der Zeit Ratgeber und Leiter sein zu können, indem sie als Frauender Geistigkeit des Hauses die jüdische,! agudistische Note geben. Die entdringlich und in achlicher Klarheit vorgetragenen Gedanken waren Ausdruck für das, was schon von vielen anwesenden Frauenpersönlichkeiten inj allen Ländern gedächt und empfunden wurde. So war die Grunidstimmung eine -einheitliche, und dies kam nun lebhaft beim Publikum zum Ausdruck, als die Frau des Gerer Rebbe, Frau Mbbiinler Beis Jakob-Organisation, Frau Sarah Schenierer, Krakau, zu ihrem Begrüßungsreden das Wort ergriffen. Es war wertvoll für alle Anwesenden, zu hören, wie trotz aller Verschiedenheit, des Milieus und der Auffassung in unseren Frauenreihen überall neue Wege gesucht werden, um der weiblichen Jugend wieder die jüdische Lebendigkeit und Ueberzeugung zu geben, daß sie die Höhen jüdischen Frauentums -erreichen. Es erfolgten dann die. Begrüßungen durch die Vertreterinnen! der verschiedenen Länder. Die Ausführungen von Frau Rabbiner Hirfchler, Preßburg, gaben Kunde davon, wie viel auch in der Tschechoslowakei gearbeitet wird, und daß dieselben Probleme und Lösungsversuche -auch dort aktuell sind. Es sprachen Frau Irma Erlanger, Luzern, für die Schweiz;. Frau Lunzer, London, für England; Frau Rabbiner Kahcme, Newyork, für Amerika; Frl. Lotte Ratzersdorfer^ Antwerpen, für Belgien; Frl. Esther. Halpern, Amsterdam, für Holland; Frau -Betti Wreschner- Rothschild, Breslau, für Deutschland; Frau Meierowitsch, Riga, für Lettland. Frau Num, Wilna, für Litauen. Nach der Pause nahm Frl. Dr. Judith Rosenbaum, Frankfurt, das Wort zu ihrem Referat über: „Die Probleme der östlichen Mädchenerziehung mit dem Versuch der Lösung durch Bejs Jakob". Sie zeichnete den Konflikt,, welcher sich in den letzten 10 Jahren in den Häusern des jüdischen Ostens in Konsequenz der Erziehungsverhäl-tnisse und despolitischen Milieus ergeben mußten, schilderte die Gefahren; die durch, die neuen Lebensformen, Jugendbünde, jüdischpolitische Orgmsationen, durch zu starke Intellektualisierung entstanden sind. Männliche und weibliche Jugend lebt in zwei Welten, die nicht mehr zueinander finden. Ein Ausspruch des Gerer Rebben zeigt die Tragik der Tatsachen: Ich habe 10 000 Talmidim und weiß nicht, ob für sie 100 Mädchen, die ihnen menschlich und jüdisch kongenial sind, da sind. Solche Tatsachen genügen, um die Tragweite der bestehenden Verhältnisse erfassen zu können. Nicht nur, daß die Mädchen auf diese Weise ihre Aufgaben als Frau und Mutter verfehlen, die Entwicklung ist dahin gegangen, daß sie derart von den bolschewistischen Ideen gefangen genommen werden, daß sie, Tächter edelster jüdischer Geistesaristokratie, als politisch staatsgefährlich erfaßt werden. Red ne rin geht dann dazu über, Bejs Jakob, diesen großartigen erfolgreichen Versuch zur Beseitigung dieses Volksschadens in seiner historischen interessanten Entwicklung, aus eigenem Erleben in plastischer Skizzierung darzustellen. Es hat sich gezeigtdaß das Erstaunliche der intensiven Leitungen im Bejs Jakob-Schulwerk zum Teil,darauf zurückzuführen ist, daß die FräÜech' PLstlständig auf sich selbst anigewiesen, gMoHtjicharen, all ihre Kräfte zu aktivieren' und ^atz' dieser erste Versuch einer jüdischen Frauenbewegung^ die aus der Not der Lage entstanden ist, einen glänzenden Beweis bietet,-zu welch großen LeisMngen die jüdischen Frauen fähig sind, wenn sie rnitMut und Entschlossenheit ihre latenten . Kräfte realiiere-n! und in den Dienst einer Sache stellen, die ihr ureigenstes Gebiet ist: die jüdische Erziehung des Mädchens. - j; Als Korreferentin nahm nun die . Porsitzende des Abends, Frau GoldschmDt-Löwenstein, Zürich, das Wort zu ihrem Thema: „Me Lage der ' jüdischen Mädchenerziehung im Westen"? Sie egt dar, daß tatsächlich überall ehrliche Bestrebungen vorhandensind, die jüdische Mädchenetziehung zu fördern, daß jedoch die Resultate nicht im Verhältnis zum Kräfteaufwand stehenj. Wohl wird überall gelernt, jüdisches Wissen verbreitet, jedoch kann man aus der Tatsache, «daß es überall an Führerinnen fehlt, den Schluß ziehen, daß das Gelernte nicht zum seelischen Erlebnis wurde, nicht inneres Eigentum undl darum nicht persönlichkeiLsblldend: war. Es fehlt auch den) Wischest Mädchen die echte ms» Vtp nnaw, die so notwendig ist, wenn es gilt, gegen« Literatur; Sport und Vergnügungen. der jüdischen Lebensform das Primat zu geben.