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Der Israelit · 1929-10-31 · Heft 44 (31.10.1929) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 44 (31.10.1929)
Date
1929-10-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seilte 6. Nr. 44 Der Israelit 31. Oktober 1929 bungen von Israeliten aus der Vorkriegszeit enteignet wurden. Graf Bethlen kam auf die Unruhen an den Hochschulen zu sprechen und stellte fest, daß die Universitätsbehörden energisch einschreiten, und daß der Rektor der Technischen Hochschule vom Kultusminister ausgesordert worden ist, die nachdrücklichsten Mittel in Anspruch zu nehmen. Aus einen Zwischenruf bemerkte Bethlen, der Staatsanwalt hätte nicht einschreiten können, weil die zuständigen Faktoren der Hochschulen die Personen, gegen die das Strafverfahren eingeleitet werden mühte, nicht zu eruieren vermochten. Die Regierung wird, falls sich die Exzesse sortsehen, die Polizei ermächtigen, ihrer Pflicht auch im Bereiche der Hochschulen nachzukommen. Fürs Zweite kann die Regierung die Hochschulen solange geschlossen halten, bis Garantien der Ordnung gegeben sind. Vorläufig vertrauen wir darauf, dah es der Energie des Rektors gelingen wird, die Ordnung wiederherzustellen. Ich bitte, zur Kenntnis zu nehmen, dah die Regierung ihre Pflicht auch in diesem Belange erfüllen wird. Abg. Peyer ergriff noch einmal das Wort und erklärte, der Minister des Innern verfahre Juden gegenüber i. B. in Repatriierungsangelegenheiten ganz anders,- als anderen gegenüber. Die Antwort nehme er nicht zur Kenntnis. Graf Bethlen stellte entschieden in Abrede, dah bei Repatriierung spezielle Regeln für Juden bestehen. „Es handelt sich hixr darum, dah wir die Einwanderung von Galiziern nicht zu fördern wünschen. Und ich behaupte, dah auch die patriotischen ungarischen Juden nicht dafür sind, dah diese Einwanderung gröhere Dimensionen annehme". Litauen. Vor der Gründung eines jüdischen Konsistoriums? Kowno, 27. Oktober. --In den letzten Tagen nun hat die neue litauische Regierung dem Rabbinerverband mitgeteilt, dah sie die Auszahlung der staatlichen Rabbinergehälter einsteM und alle Rabbiner, die noch nicht das 32. Lebensjahr vollendet haben, vum Militärdienst einberufen wird, weil der Rabbinerverband unÄ' die Rabbinate keine legalen Körperschaften sind. Die Regierung macht gleichzeitig den Vorschlag, eine Konferenz aller litauischen Rabbiner zwecks Schaffung eines Konsistoriums etnzuberufen. Die Regierung erklärt sich sogar bereit, die Kosten dieser Konferenz zu decken. Sie verspricht ferner der I e s ch i - wah in Slabodka gewisse Privilegien zu Mähren und zum Bau eines Hauses für das Rabbinat, sowie zum Bau von Synagogen beizusteuern. Man ist in der jüdischen Oessentlichkeit Litauens über den Zweck und Nutzen dieser versprochenen Konzessionen in dieser Stunde sehr geteilter Meinung. Tschechoslowakei. Die Wahlen in der Tschechoslowakei. Bratislava, 29. Oktober (Telegr.). Die Parlainentswahlen fanden im ganzen Lande letzten Sonntag statt. Weder Zionisten noch Aguda hatten diesmal selbständige Listen ausgestellt, erstere vielmehr ein Wahlbündnis mit den Polen geschlossen, letztere mit der Handels- und Gewerbe Partei. Von zionistischer Seite ist Dr. Singer gewählt. Bei der Handels- und Gewerbepartei ist der Listenführer, ein Nichtzjude, gewählt mit Hülse von 37 000 orthodoxen Stimmen. Wegen eines jüdischen Mandats für den zweiten Wahlgang schweben noch Verhandlungen. Mit der. Handels- und Gewerbepartei sind seitens der Orthodoxen schriftliche Abmachungen wegen Vertretung der jüdischen Interessen getroffen worden. Schwerz. Von der Ieschiwah „Lz Lhaim", Montreux. Montreur, 16. Oktober. Die dem Jom-Kippur unmittelbar vorangegangenen Tage haben für die Bachurim dieser Anstalt ganz besondere Bedeutung gehabt, denn es galt, sich zu einem „Verhör" (Eramen) vorzubereiten, das durch keinen geringeren als den gegenwärtig in Montreur anwesenden bekannten Thorafürsten Rabbi Ehajim Ojser Grodszunski uns Wilna vorgenommen werden sollte, und manchem von den ca. 50 Zöglingen mag das Herz gepocht haben, als er vor der ehrwürdigen Gestalt des greisen Gaons stand, um Zeugnis von seinem Wissen abzulegen. Um so größer war dann auch die allgemeine Freude, als Rabbi Ojser sich nicht nur von den Leistungen sämtlicher Gruppen hoch befriedigt und angenehm überrascht erklärte, sondern seinem Lob noch hinzufügte, dah die Leistungen der Jünger dieser Ieschiwah. insbesondere die der dritten Gruppe dem der Schüler der litauischen Lehranstalten, die die gleiche Anzahl Semester absolviert haben, nicht nachstünden; wahrlich kein kleines Lob aus so berufenem Munde und gleichzeitig der. beste Ansporn für unsere lernbegierige Jugend. Der Jom-Kippur wurde besonders feierlich begangen und wird allen, die ihn erleben dursten (auch ein großer Kreis auswärtiger Gäste hatte sich eingestellt) unvergeßlich bleiben. Nach - Ausgang folgten sämtliche Dozenten, Gäste und Schüler der Einladung ihres „Rebben" Herrn R. E. Boischko, der es sich nicht nehmen lassen wollte, die zum ileinen Teil die Ieschiwah ganz verlassenden, zum großen Teil aber nur in die Herbstserien ziehenden Schüler zu einem vergnügten Abschiedsabend zu vereinigen, wobei feine stets so überaus gastfreie Gattin dafür sorgte, daß die Entschädigung für die körperlichen Entbehrungen des Tages an reichbesetzten Tischen nicht ausblieb. In seiner Abschiedsrede legte der Ieschiwahleiter, Boischko, besonders den ausscheidenden Schülern ans Herz, stets der hohen Verpflichtungen, die ihnen schon aus der Tatsache allein, daß sie Jeschiwahschüler gewesen sind, fürs Leben erwachsen, eingedenk zu bleiben und vorbildlich mit der Thora für die Thora zu wirken. Für die Gäste war es ein hoher Genuß, Zeuge der Liebe und hohen Verehrung zu fein,' die die Schüler für ihren Lehrer und auch für die ihn assistierenden Dozenten hegen und die innere Verbundenheit der an der Ieschiwah Montreur studierenden Jugend mit ihrem Meister ist von all dem Schönen, das die Thoralehranstalt bietet, vielleicht das Erhebendste. Wenn auch die Anmeldungen für das Anfang November beginnende Wintersemester die letzte Zahl schon überschreitet (aus allen Teilen des Landes regt sich das Interesse für dieses Unternehmen), so wünschen wir doch der Ieschiwah noch weit größeren Erfolg, der ihr angesichts ihrer edlen Bestrebungen sicherlich nicht versagt bleiben wird. Wir Schweizer Juden dürfen wahrlich stolz sein, ein solches für ganz Westeuropa mustergültiges Geisteszentrum zu besitzen. B—ig. Palästina. Die Unlersuchungskoinmission in Palästina. Jerusalem, 27. Oktober. Die Mitglieder der britischen Untersuchungskommission, Sir Walter Shaw (Vorsitzender), Sir Henry Betterton (konservatives Mitglied des Unterhauses), R. Hopkins Morris (liberales Unierhausmitglied) und 'Harry Snell (arbeiterparteiliches Unterhausmitglied) sind, wie schon kurz mitgeteilt, am 23. Oktober auf dem Wege über Aegypten in Jerusalem eingetrofsen. Sie wurden auf dem Bahnhof vom Chessekretär der Palästina-Regierung und dem Bürgermeister von Jerusalem, Nashashibi, empfangen. Der Bahnhof warr durch britische Truppen abgesperrt, nur Journalisten und Pressephotographen war der Zutritt zum Bahnsteig gestaltet. Nach einer kurzen offiziellen B.egrühungszeremonie begaben sich die Kvmmissionsmitglieder in das ihnen von der Palästina-Regierung zur Verfügung gestellte „Fastotel". Schon am 24. Oktober nachmittags hielt die Kommission im Jerusalemers Gerichtshaüse ihre erste Sitzung ab, dis im Gegensatz zu den folgendenöffentlich war. Der kleine Gerichtsraüm war dicht besetzt von Journalisten, auswärtigen Konsuln, Mitgliedern der zionistischen Exekutive und des Wand Leumi, sowie von Mitgliedern der arabischen Exekutive. Als einziger Vertreter der Palästina- Regierung war der. Gehilfe des Oberstaatsanwaltes R. H. Frayton erschienen. Unter den Zuhörern bemerkte man auch Herrn M. M. llssischkin, Leiter des Jüdischen Nationalfonds. Die Rechts-Berater und -Vretreter der Juden find Sir Boyd M e r r i m a n und Viscoun E r l e i g h ,. die von der Iewr'fh Agency in London entsandt wurden, Ionah I. Gold stein, der den amerikanischen Teil der Iewish Agency vertritt, ferner die Anwälte Harry Sacher und Horovitz von der Zionistischen Exekutive. Sir Walter Shaw erösfnete die Sitzung mit einer längeren Ansprache, Zn der er die' tragischen Ereignisse und ihren Eindruck in der Welt besprach. Heber'das Verfahren führte Sir Walter Shaw aus: Wir sind nicht hier, um eine öffentliche richterliche Untersuchung: dürchzusühren, auch haben wir nicht die Befugnisse eines Richterkollegiums. Wir sind nur beauftragt, gewisse Ereignisse Zigarren Zeii 49 Wolf Telel. Römer 930 zu prüfen und dieserhalb Vorschläge zu unterbreiten, um auf diese Weise die Regierung Seiner Majestät darin zu unterstützen, innerhalb der Bestimmungen , des Mandates Richtlinien für ihre zukünftige Politik äuszuarbeiten. Obwohl wir von der Palästina-Regierung Befugnisse einholen muhten, die sich aus die Vernehmung von Zeugen beziehen, üben wir hier unsere Funktion keineswegsim Namen der Palästina-Regierung, auch nicht im Namen der Regierung Seiner Majestät aus. Am alle diejenigen, die von der Untersuchung berührt werden, in die Lage zu versetzen, ihre Fälle restlos darzulsgen, haben wir entschieden, dah den drei hauptsächlich interessierten Körperschaften,. nämlich der Palästina-Regierung, der palästinensisch-arabischen Exekutive und der palästinensisch-zionistischen Exekutive, gestattet werden soll, Vertreter zu stellen, die dem Verhör der Zeugen beiwohnen und das Vsweismaterral beleuchten sollen. Diese Rechtscertreter haben die Befugnis, die. Zeugen der'anderen Partei einem Verhör zu unterziehen, um deren Glaubwürdigkeit zu erproben. Wir setzen das Vertrauen in die Vertreter der interessierten Parteien, daß sie ihr Aeuherstes tun werden, um die Untersuchung auf den eigentlichen Gegenstand zu beschränken und uns darin zu unterstützen, dah die Untersuchung in einer Weise geführt wird, dah nicht .weitere Erbitterung entsteht. Die Kommission hat entschieden, dah sie ihre Ziele am besten erreichen wird, wenn die Oefsüntlichkeit und die Presse beim Verhör der Zeugen nicht zugegen sind. Wir werden uns freuen, wenn außer den Vertretern der erwähnten drei Parteien auch andere Personen Veweismaterial über die zu untersuchenden Dinge zzur Verfügung stellen. Der Regierungsanwalt Kanelm P r e e d y erhob Einspruch dagegen, dah Sir Walter Shaw die Palästina- Regierung als.-eine der Parteien bezeichnet hat, gegen die „Beschuldigungen" erhoben werden. Sir Walter Shaw erklärte, er ändere das Wort „Beschuldigung" in „Bechwerde" um. Kenelm Preedy brachte den Wunsch zum Ausdrucks daß die Verhandlungen so zusammengepreht wie mögliH sein sollen und schlug vor, den stellvertretenden Kommandanten der Palästina-Polizei, Saunders, als ersten Zeugen zu vernehmen, .der auch die Berichte. seiner Untergebenen in den verschiedenen Bezirken unterbreiten solle,, damit nicht mehrere Polizeiofsiziere von ihren Posten weggeholt werden mühten. Sir Boyd Merriman, der Anwalt der Zionistischen Palästina-Exekutive beantragte, daß sich die Kommission so schnell wie möglich in die verwüsteten Orte begibt. Sir Walter Shaw erwiderte: Wir werden diese Orte besuchen, unter der Voraussetzung, daß jeder Partei gestattet wird, die Kommission auf ihrer Reise zu begleiten.- Das Urteil im Prozesse gegen den Scheich Taleb Alarkah. ■ J e rusale m , 27. Oktober. Das Gericht in Jerusalem verurteilte den Scheich Taleb Abdul Nahem Markah, der beschuldigt ist,Me Niedermetzelung der Juden angestiftet zu haben, zu zwei Jahre n G e s ä n g n i s und' z u 50 Pf und G e'^d - b u ß e , sowie zur E r st äst iu n g .d e.r G e picht s - ko sten. . . '' Auch der letzte Tag des Prozesses war reich an dramatischen Momenten. Ein britischer Beamter erkannte unter den Zuhörern zwei Araber als diejenigen, die a n d.e n Mafsacres in. Hebron teil genommen haben; sie wurdest sofort verhaftet. Ein Entlastungszeuge, Abdul Ab Scheich, wurde von Richter Defreitäs ein Lügner genannt, als 'er versuchte, für Taleb .ein Alibi zu erbringen, das aber kläglich mißlang.. Seine und des Angeklagten Aussage standen in scharfem Widerspruch,zu einander. Der Zeuge Ahmud El Z a r ü, der 22 Juden in seinem Hause ausnahm und;.sie dadurch vor dem Tode rettete, hat^ nicht gesehen; •, wie Taleb den Mob .gusstachelte, er. gab aber zu, daß der in seinem Hause während der' Unruhen sich verbergende Israel Labe die Möglichkeit hatte, die Tätigkeit Talebs aus der Gasse zu beobachten. -Nach. L^/zstündiger Beratung sprach der Seniorrichter E o r r i e im Beisein des Richters Defreitas den Scheich Abdul Nahem Markah Unter großer' Spannung der Hunderte Zuhörer, unter ihnen zahlreiche Juden aus Hebron, des schlechten Betragens, schul bi g und verhängte, über ihn die

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