Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1929)
- Date
- 1929-10-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seiche 4. Nr. 44 31. OLtobev 1929 Der Israeli: Luft für die Untersuchungsarbeil der Kommission geschussen. Nichtsdestoweniger wird von den höchsten arabischen Stellen der Boykott g e g e n die U n t e r s u ch u n g s k o m m i s s i o n selbst in Form von Generalstreik und Zeugnisverweigerung gepredigt. Hier sind die Agitatoren aus der großen politischen Linie leider nicht zu fassen. Man hat aber das Gefühl, daß das Eintreffen und die ersten Sitzungen der Kommission schon ein wenig beruhigend auf die Gemüter gewirkt haben. Wir haben nur den einen Wunsch: Möge die Untersuchungskommission, die nicht zu ahnden, sondern nur f e stz u st el l e n hat, die geladene Atmosphäre so gründlich entgiften, daß nichts von dem angehäuften Haß und Mißtrauen übrig bleibt und der Grund reingefegt wird für eine friedliche gedeihliche Arbeit zum Aufbau Palästinas und zum Besten für Judoni und Araber. Das jüdische Volk schreibt sich elfte min ivv« Wiederum entsprang der leuchtenden Weisheit des Pietrkower Raw, Rabbi Meir Schapiro, ein origineller Gedanke, der sicherlich überall helle Begeisterung Hervorrufen wird. Dieser Mann der eisernen Energie und glutvollen Liebe hat es abermals verstanden, die Mische Welt in den Bann seines erfinderischen Geistes zu ziehen, der wie ein Lichtstrahl der göttlichen Herrlichkeit die jüdische Volksseele durchleuchtet. Wiewohl dieser Gedanke halachischen Ursprungs ist, zeugt er doch von des Schöpfers durchschlagender Einsicht in die Zeitläufte unserer Geschichte. Noch nie zuvor war das jüdische Eigenwesen von solch einer Gefahr der Verfälschung umnebelt, wie heute im Zeitalter der Säkularisierung. Nun gilt es, die Götzen der Zeit zu zerschmettern, ihren gefährlichen Einfluß aus dem Leben des jüdischen Volkes restlos zu bannen. Die Thora ist nicht nur Religion des Individuums, sie ist auch Königin in Israel, dis ihre absolute Herrschaft über das Volksganze ausbreitet. Das jüdische Volk ist ein Volk Gottes, ein Volk Seiner Thora, ein heiliges Volk. Jede Volks- oder Staatsgewalt geht von der Thora aus, sie ist richtunggebend nicht nur für das individuelle Leben, sondern auch für das nationale Leben des jüdischen Volkes. Denn das jüdische Volk ist ein Volk der Thora. Aus diesen Motiven heraus mußte sich der jüdische König, der die Volks- und Staatsgewalt inne hatte, eine nun iav schreiben und diese nav seinen Meschorarim. Der Wanderchasen mit seiner Kapelle war eine bekannte Erscheinung. Er ersetzte im Städtchen, wo der Drang nach Kunst nicht minder groß war als in der großen Welt, alles: die Oper, das Theater, das Konzert, ohne daß darunter die Andacht irgend gelitten, die Heiligkeit des Gebetes entweiht wurde. „Lechodaudi" in Walzermelodie, Keduschoh mit Marsch oder Opernouve rture voran, bleiben heiliges Lied, solange die Hörer vom Walzer und der Opernouoertüre keine Kenntnis haben und sich somit keine trübende Vorstellung in ihre Andacht mischt. 2. Mit der Aufklärung in Deutschland, die über die Ostgrenze hinübergriff und dort sich in der Ha Skala auswirkte, entstand dort das jüdische Theater. Der Vater des jüdischen Theaters ist Abraham Goldfaden, der Vater des modernen jüdischen Volksliedes Eljokim Zunser. Die jüngere Welt war von diesem primitiven Theater, das in Ställen und Scheunen oder aufgestellten Buden, wie die Schmieren bei uns, spielte, entzückt, hingerissen. Aber das Theater von Goldfaden hatte schon eine eigene jüdische, fast nationale Note: Sulamith, Bobe Jachne, Bar Kochba waren Stücke von einigem Nivau. Die Lieder aus diesem Theater fanden bald den Weg in die Gaffe und wurden zu Volksliedern, die sich bis auf den heutigen Tag halten. 3. Andere Zeiten, andere Vögel, andere Lieder. Das moderne Theater mit seinen modernen Weisen blühte in Amerika. Der Regenerator des jüdischen Theaters ist Gordin, die modernen Bühnsnschriftsteller neben ihm Pinsker, Asch, Anski usw. Und in dieser letzten Entwicklungsphase steigt das Niveau bis zur „Habima", den Wilnaern und Granowski. Hier hat es eine Höhe der Kunst erklommen, die auch den verwöhnten Westen in Erstaunen setzt. Alte Bestandsteile wurden übernommen und kultiviert. Ich erinnere an das „E l i j a h u H a n o v i" im Golem. Auch chassidische Weisen wurden von der; mw immer mit sich tragen. Sie bedeutete für ihn Programm, Weg und Ziel. Wie eine Feuerwolke leuchtete die Thora über den dornigen. Weg des jüdischen Staates und wie eine unverwüstliche Felfenburg umgab sie ihn mit ihrer schützenden Macht. Auch der jüdische Staat ist nur Werkzeug Gottes, der Seinen Willen im Leben der Nation zu verwirklichen hat. Aber auch das jüdische Volk ist verpflichtet, wie der Pietrkower Raw halachifch nachgewiefen hat, sich eine min *iao schreiben zu lassen. Auch das Volk muß bekunden, daß es mit der Thora unauslöschlich verbunden ist, zumal heute, da uns unser Staat geraubt ist und wir weder König noch Priester haben und von vielen Seiten der Versuch unternommen wird, das jüdische Volk seines göttlichen Charakters als Thoravolk zu berauben und es den anderen weltlichen Völkern der Erde gleichzustellen. In dieser Zeit ist der Ruf nach Erfüllung dieser sinnvollen Mizwah von ivd. min nao nama brrmL" bbs die das Eigen,wesen des jüdischen Volkes so symbolhaft und so kraftvoll charakterisiert, fast von größter historischer Bedeutung. Gilt es doch nach innen wie nach außen, nach links wie nach rechts, das jüdische Volk vor jeder Verwischung seines wahren Charakters zu schützen und feiner ewigen Verbundenheit mit der Thora machtvollen Ausdruck zu verleihen. Also lautet nun der Ruf des Pietrkower Raw an die Gesamtheit Israels, der wie eine Siegesfanfare das schwererprobte jüdische Volk durch-! zittert: schreibe dir eine nnln *i a o» Wie soll sich das jüdische Volk eine mm nso schreiben? . Da ist die Antwort einfach und — originell. 600 000 Seelen, die damals das gesamte jüdische Volk ausmachten, haben die Thora am Sinai perföMch empfangen. Thora und Volk sind ja eins, eine unzertrennliche Einheit, über welcher der Schöpfer des Alls thront. Wir haben sie mitempfangen, wir sind in dieser Summe der Seelen mitenthalten. Auch wir sind mit der Thora persönlich verbunden. Jeder Jude kaufe sich nun einen Buchstaben von dieser nun nav des K l a l l Jisroel und damit bekunde er seine Verbundenheit und die Verbundenheit des K l ü l l I is r o e l m i t der Thora! Wer diese Verbundenheit noch persönlicher zum Ausdruck bringen will, kann sich seinen ganzen Namen, wenn dieser in der nun nao vorkommt, oder die Buchstaben seines Namens, oder nur den Anfangsbuchstaben seines Namens und neuen Bühne mit gutem Nutzen verwendet. (Dybuck). Es gab einen gewissen Austausch zwischen Bühne und Haus, wo das jüdische Volkslied gedeiht. Das Haus bezog das Lied von der Bühne und lieferte ihr wiederum. Eine eigene Spezies bilden die ausgesprochenen Goluslieder, die Lieder von Weh und Schmerz, von Armut und Unglück, von Pogrom und Austreibung. All dieser Kategorien hat sich die moderne Kunst bemächtigt, deren viele verewigt, und mit Hilfe der Technik auch dem Westen übermittelt. Wir müssen diese Lieder und Melodien mit eigenen jüdischen Ohren hören, wenn wir sie erfassen sollen. Muten ihrer manche in Reim und Rhytmus, Lyrik und Musikalität naiv, so sind sie doch zum größten Teile so unmittelbar aus dem jüdischen Leben geschöpft, daß sie uns mehr zu geben haben, als nur Volkskunst oder Volkskunde. Hier spricht zu uns eine Stimme aus einer anderen Welt, aus einer anderen, die aber dennoch uns nicht fremd ist und im innersten unserer Seele viele verwandte Saiten anschlägt, ja die Stimme unseres Blutes Mitschwingen läßt. (Die Gebetmaschine in der Johannisstraße). Wie der I. T."A. mitgeteitt wird, bedarf die von Karl Westermeyer im „Berk. Tageblatt" abgedruckte Wertung des Schallplatten-Gottesdienstes im Tempel der Jüdischen Reformgemeinde einer Richtigstellung: Die Schallplattenmaschinerie^ttat nicht während des normalen Jom Kippur-Gottesdienstes, sondern während des Jugendgottesdienstes in Funktion. Wir meinen, die Jugend in ihrem Streben nach Lebendigkeit wird zuerst die moderne tibetanische Gebetmühle richtig einschätzen. (Kausale und statistische Gesetzmäßigkeit.) Aeber dieses Thema hielt Prof. R. v. Mises- Berlin aus dem vom 15.—21. September in Prag stattgehabten „Deutdes Namens feiner Frau und Kinder erwerben, damit alle, ja alle in das Buch des Lebens und des Segens eingetragen sind. Zu diesem Zweck wird ein goldenes Buch angelegt, das den Titel trägt, in welches die Namen der Erwerber und die Zeichen der Buchstaben zu ewiger Ermnierung eingeschrieben werden. Der Erlös dieser Volksaktion, wie die nun nav selbst ist für die Welt-Jeschiwah in Lublin bestimmt, welche von der ersten Kenessio Gedaulo der Agudas Jisroel beschlossen und vom Pietr> kower Raw unter kräftiger Unterstützung des Keren Hathora ins Leben gerufen worden ist. Diese Jeschiwah, welche eine zentrale T h o r a st ä t t e für das gesamte jckid i s ch e Volk bilden soll, geht nun ihrer Vollendung entgegen. Nach dem Beschluß des Rabbinischen Rates soll die feierliche Eröffnung dieser Zentral-Jeschiwah, in welcher der jüdischen Jugend aller Länder die Möglichkeit gegeben wird, sich in der Thora zu vervollkommnen und sich zu Oman 'im^n Rabbinen und Thoralehrern auszubilden, am 15. Jjar dieses Jahres stattfinden. Aus dem Erlös dieser Aktion für las nama ^2 njn min sollen nun die Schlußarbeiten an dem prachtvollen Bau der Jeschiwah gemacht und die Zentral-Bibliothek der Jeschiwah, die be-., veits eine große Zahl von omao besitzt, vervollständigt werden. Der Rest der Eingänge bleibt für den Fonds der Jeschiwa reserviert, aus wekchem das laufende Budget der Jeschiwah bestritten werden soll. Wir sehen nun, daß diese Volksaktion, außer ihrer halachischen und moralischen, noch eine un«- geheuer eminente praktische Bedeutung hat. Eine jüdisch-nationale Aktion also im wahrsten Sinne des Wortes. Nun erwerbe ein jeder einen oder mehrere Buchstaben der min isv des Klall Jisroel, damit er vor allen Dingen durch seine Beteiligung die mxa v o n i?9a iya mm isv nama erfülle und gleichzeitig seine V e r b u n d e n h e r t u n d d i e V e rb u n d e nh ei t des jüdischen Volkes mi t der Thora dokumentiere und dadurch auch die Errichtung e i n e s H e i l i g - tums für das gesamte jüdische Volk unterstütze. Der Preis eines Buchstabens beträgt 1 Dollar. Den Verkauf für Deutschland hat die Keren Hathora-Zentrale, Hamburg, Bornstraße 2 (Postscheckkonto Nr. 24 753). schon Physiker- und Mathematikertag" ein Referat, ttt dem er betonte, daß auch die klassische Physik nicht zu einem strengen Determinismus geführt habe. Deswegen habe Laplace in die Atomistik große Hoffnungen gesetzt ,weil er von ihr eine konsequente Durchführung drs Determinismus erhofft habe. Doch gerade die Atomistik hat uns den Wahrscheinlichkeitscharakter der Naturgesetze gelehrt. Stützt man sich auf einen streng mathematischen Wahrscheinlichkeitsbögrifs, so bedeutet ein Naturgesetz ja immer nur eine Aussage über Meßergebnisse, also über Zahlen — noch so verfeinerte Meßgenauigkeit gibt ja immer nur eine endliche Stellenzahl der zu messenden Größe. Ein Naturgesetz bedeutet nun die Aussage, daß bei einer Häufung von Beobachtungen, die wegen geringfügiger Verschiedenheiten der Begleitumstände immer etwas verschieden ausfallen werden, einem ganz bestimmten Meßwert besondere „Wahrscheinlichkeit" im mathematischen Sinne zukommen müsse. Daher sei, streng genommen, jede Gesetzmäßigkeit in der Natur eine Wahrscheinlichkeitsaussage. (Siehe den Leitartikel der heuttgen Nummer.) Wocheukaiender. v. 2. — 9. Nov. 1919 o. 29 Tischri bis 6. Marcheschwan 5690 Samstag Soanta« 1 nnn » /i’b>n*i2 2 3 29 30 Mauled Samstag früh 8 Uhr 20-,° Mtn. DIN StKTT 'R QT> " " '3 DT» UXoKtög . 4 1 vienstag Nov 5 2 Mittwoch 6 mm» 3 Donnerstag 7 4 Freitag 8 5 Samstag 9 6 ru.