Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1929)
- Date
- 1929-10-17
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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17. Oktober 1929 Der Israelit Nr. 42 Seite 3 arbeitungen des Golem werden scharf eindringend analysiert. Parallelen aus Talmud und Midrasch werden zum Vergleich hecangszogen. Beiträge zur Geschichte der Automaten aus älterer Zeit geben interessante Einblicke in die Darstellung solcher anscheinend belebten, in Wirklichkeit nur mechanisch in Bewegung gesetzten Figuren. In einem Essay wird die Bedeutung des „Schem ha mephorasch^ wie sie dem Autor, erscheint, in völliger Ehrerbietung vor der jüdischen Religion erörtert. Die Gebiete des Okkultismus und Spiritismus werden gestreift, manches aus der Kabbala ausgiebiger behandelt. Ein weiterch Erkurs beschäftigt sich mit dem seltsamen Problem des Doppelgängers, den Held als einen „vom Mutterkörper abgespaltenen (geistigen) Körper (Astralleib)" bezeichnet. Die Spaltung des Doppelgängers geschieht entweder willkürlich oder unwillkürlich (bewußt oder unbewußt). Cr versuchte diese Theorie durch eine Reihe von Berichten über Doppelgänger (also gleichzeitig in zweifacher Form, manchmal sogar an verschiedenen Orten auftretenden Wesens zu erhärten und möchte auch den Golem in diese Kategorie, mithin als eine Art Doppelgänger des Maharall von Prag eingeroiht wissen. Wir bedauern, daß wir nicht im Stande sind, den Ergebnissen von Helds Untersuchungen Gefolgschaft zu leisten. Er fußt zunächst auf zu gewagten Voraussetzungen. ES ist Nicht angängig, alle agadischen Erzählungen wörtlich zu nehmen, sie können auch nur Symbol, Verkörperung von Begriffen sein, die uns nicht faßbar sind. Ein noch weniger entzifferbares Geheimnis bleibt uns der unaussprechliche verborgene Eottesname. Ebenso vermögen wir uns nicht zn entschließen, auch nur eine der vom Verfasser mitgeteilten Doppelgängergeschichten als verbürgte Tatsache anzusehen, und halten die Eingliederung des Golem in diese Rubrik für abwegig. Unseres Erachtens gibt es für dessen Betrachtung nur drei Möglichkeiten. Entweder man nimmt die Gestalt gläubig so hin, wie sie der Volksmund überliefert hat. Oder man hält sie für eine bloße Ausgeburt erregter Volks p ha n - t a s t c. Oder ^schließlich kann diese einen mit außergewöhnlicher Körperkrast. vielleicht auch mit zuweilen aufblitzender besonderer Intelligenz ausgestattrten Menschen zu einem übernatürlichen Wesen emporgetürmt haben. Trotz dieser Ablehnung der Anschauungen des Autors bleibt das Buch in mannigfacher Beziehung interessant und lesenswert. —r. Joseph, Erzählung aus dem Lande der Pharaonen, Von Johs. Le dr o i t. Verlag EnM Roth, Gie ßeu. Eine hübsch und ansprechend gebaute Erzählung, die wohlig gefüllt, kulturhistorisch bunt verziert und von glanbbaren Menschen bewohnt ist. Nur sind die Brüder Josephs gründlich verzeichnet. Ihnen, die mit zu den reinsten und höchsten Trägern des Monotheismus gehörten, andichsten, daß sie im Sinnen- und Weinrausch mit den Kanaanitern die Bildnisse von Baal und Astarte umtanzen und dadurch frevlen Götzendienst betreiben, heißt die Grenzen der sonst gerne zugestandenen dichterischen Freiheit unerlaubt weit überschreiten. So glatt liegen die Dinge dann doch nicht aus der Oberfläche, der Haß der Brüder hätte viel tiefer, reicher und ihrem wahren inneren Bilde gemäßer motiviert werden müssen. Aber von diesem Vorbehalte abgesehen, liest sich das Buch angenehm und fesselnd. Gedenkschrift anläßlich des 275 jährigen Bestehens der Portugiesisch-Jüdischen Gemeinde in Hamburg, mit Aufzählung der portugiesisch-jüdischen Rabbiner in Hamburg und der in Hamburg, Altona und Glückstadt gedruckten Bücher portugiesisch-jüdischer Autoren. Von Also n so Eassuto, Amsterdam, Hertzberger 1927, 31 S., 8°. Israel auf der Flucht, Israel zum Zwist durch das Galuth erzogen, Israel unter Zwangstaufe, Scheinchristentum und Bekehrungswut — die finstersten Kämpfe des Mittelalters beim Anbruch der Neuzeit, kleinbürgerliche Judenfeindschaft im streng lutherischen Norden — das alles auf 30 «Seiten wissenschaftlich und zugleich populär dargestellt zu haben, ist das unbestreitbare Verdienst des jugendlichen Forschers, der sich hiermit zum ersten Male in die Oeffentlichkeit begibt. Was sein, Unseren Lesern durch wertvolle historische Beiträge zum Mainzer Jahrbuch wohlbekannter Großvater n"? sichtend UNd suchend begonnen, formt sich hier zu einem wohlgelungenen wirklichen Jubiläumsgeschenk für seine Gememde, das trotz der gründlichen aktengemäßen Belegung jedes Berichtes auch der äußeren Ausstattung in keiner Hinsicht entbehrt. Hier lebt ein Stück jüdischer Geschichte neu auf, in welchem sich gleichsam der ganze gefahrvolle Prozeß der Eingliederung Israels ins moderne Staatsleben nochmals zusannnendrängt zu grandiosem, doch schmerzverzerrtein Bilde spiegelt. Dem in so gefeierter Gemeinde beheimateten Leser werden die hinzugefügten Gotteshaus- und Friedhofsphotographien eine besonders willkommene Beigabe fein. Dem jugendlichen Verfasser ist zu wünschen, daß seine weiteren am Schluß (22) erwähnten Entzisferungs- und Forschungsarbeiten noch mehr für die heutigen Kümpfe der Judenheit aktuelles Material zutage fördern möge. Am Zarenhof während des Weltkrieges, Tagebücher und Betrachtungen des ehemaligen französischen Botschafters in Petersburg. Von Maurice Palsolo gue. 3. Auflage. Mit einer Einleitung von Benno v. Siebert. 2 Bände, 986 Seiten. In einem Leinenband Mk. 15.—, in Ganzleinen gebunden Mk. 16.50. Diese politisch wie kulturhistorisch gleich ergiebigen Memoiren gehören zu den wenigen Werken der Weltkriegsliteratur, deren Lektüre uns innerlich bereichert. In einem großen, langen Fresksnzyklus zieht das untergehende zaristische System an uns vorbei. Mit dramatischer Wucht wird der Niedergang einer verfaulten und verdorrten Welt geschildert. Aus unzähligen Einzelzügen der Literatur und der Kunst, des Klimas und der Landschaft, aus der Schilderung vor allem der elementaren Kräfte der Religion und des Volkstums fügen sich ergreifende Bilder — wie auf düsterem Goldgrund gemalt. Je mehr sich die „nächtliche Seele" Rußlands dem Westeuropäer verhüllt, um so bedeutsamer ist der geschichtliche Kommentar, mit dem der letzte französische Gesandte am Zarenhof den Niederbruch des Reiches und die Geburtswehen einer neuen und doch der alten, tief verwandten Gesellschaft begleitet hat. Untersuchungen über Quellen und Komposition des Schöbet Jehnda, Von Fritz B a e r. Veröffentlichungen der Akademie für. die Wissenschaft des Judentums, historische Sektion, 2. Band. Schwetschke u. S o h n , B e r l i n. Das Buch „Schebet Jehuda" ist eine am Anfang des 16. Jahrhunderts von Salomon ibn Verga verfaßte, von seinem Sohn Joseph b. Verga mit Zusätzen versehene Sammlung von Geschich'en und Disputationen, die von jeher gern gelesen wurden und noch heute das besondere Interesse des Historikers erwecken, ohne daß bisher eine Lösung der in ihnen enthaltenen Rätsel gelungen wäre. So beginnt der Verfasser seine Untersuchungen, die zunächst in sechs Kapiteln die Berichte des ibn Verga mit dem Werk von Samuel Usque Consolai^am as tribula-?oens de Israel vergleichen und ihre gemeinsame Quellen erörtern. In weiteren sechs Kapiteln werden einzelne Teile des Schebet Jehuda einer besonderen Untersuchung unterzogen, so die Disputation zu Tortosa, die Zeitgeschichte unbekannter Quelle, und recht eingehend Jbsippon und Abravanel im Schebet Jehuda. Ein Schlußkavitel widmet sich dem Verfasser des Sch. I. und der Bedeutung seiner Schrift. — Die Anführung sehr reicher Zitate veranschaulicht recht bequem die Vergleichung und beleuchtet die Tendenz der Verga'schen Schrift. Dem Verfasser ist die Literatur sehr gut bekannt, er weiß sich ein selbständiges Urteil zu verschaffen. Man wird sein Resultat wohl annehmen können: „In Wirklichkeit ist das Buch Schebet Jehuda die Schöpfung einer einzigen, und zwar einer ganzen Persönlichkeit, deren Gestalt ihrem Volke wiederzugewinnen, die Aufgabe dieser Untersuchungen ist." Die sFreitagabeudZebete, Uebersetzt sowie sachlich und sprachlich erläutert von Dr. A. P o s n e r , Rabbiner in Kiel, Selbstverlag 1929. Sonderabdruck aus Jüd. Presse Bratislava 1926. 12. 60. Hier wird die in sehr vielen Eebetbuchkommentaren vernachlässigte Aufgabe, den Hymnen des Sabbatempfangs Smn und Seele abzulauschen, aufs glücklichste gelöst. Mit der ihm eigenen Gründlichkeit und Kürze führt uns der Verfasser in die Heimatländer und Entstehungszeit der behandelten Gebete. Auch die schwierige Frage ihres Zusammenhangs mit dem Sabbat als solchem wird ausgiebig erörtert. Geradezu ergreifend versteht er als die spezifisch jüdische Art der Gottesverehrung den Gehorsam mit den Worten des 95. Psalms neb^n (9) die Demut zu stellen. Die messianische Heimkehr wird mit den Worten der Ueberlieferung aus dem mm des Psalms herausgelesen. Diese Bilder der messiamschen Zukunft werden (16, 21, 32) ganz zutreffend als Mittel bezeichnet, mit denen der Sabbateingang unsere Gedanken fabbatlich erhellen und aufheitern will. Auch das stimmungsgemäß schwierige sn hup findet hier (20) seine ausreichende Deutung. Das snn des Psalm 98 erscheint hier als vorwegnehmende Prophetie, als Loblied (30) des einst erlösten Israels erklärt. Ganz eigener Reiz konzentriert sich in den Bemerkungen zu Psalm 29. Die „Erquickung der Seele", welche Posner (33) von den Kabbalisten in den Anfangsworten der genannten Psalmen angedeutet findet, bezieht sich nach allgemeiner Auffassung auf die Sabbatseole nim deren erstes Stadium w'mkim myZ des Freitagabends erreicht wird. Der Gegenstand der im Lecho Daudi empfundeneil Zukunftsstimmung des oav dt» wird' sonst immer gemäß dem bekannten Ausspruche des scharf von der eigentlichen messianischen Erlösung unterschieden. Die besonders schwere Einbürgerung des Lecho Daudi, das ja am Mittelmeere noch heute nicht zur Gebetordnung gehört, ist anschaulich, aber an eigenartiger Stelle (51) geschildert. Ganz zum Ziele der in der Tradition üblichen und z. T. von Hirsch neu aufgezeigten Auffassungsweise des Sabbatpsalms führt Posners gründliche und doch im besten Sinne allgemeinverständiiche Untersuchung über die Frage, wie der vom Problem der Theodozee erfüllte Inhalt des Sabbatpsalms mit seiner sabbatlichen Ileberschrift und Bestimmung in Einklang zn bringen sei, wobei Mischna (Ende T»nr) und Talmud völlig als Wegweisung dienen. Auch die Glossen zu den häuslichen Sabbatgesängen vereinigen gründliche Quellenkunde mit leichtfaßlicher Darstellung. Die wenig bekannten Verse 5—8 und 10—11 von m dt» hätten auch als Tertbeidrnck ei. e i guten Zweck erfolgt. Diese Einzelbemerkungen haben nur das Ziel, dieses hervorragende Schriftchen Posners als Quelle vielfachster Anregung zu allgemeiner Verbreitung zn empfehlen. Es sollte, zumal es billig und sauber ausgestattet ist, am Sabbattische jedes Juden zu finden fein, der sich auf den Sabbat innerlich und wirksam vorbereiten will. Auch sprachwissenschaftlich Hallen Posners Deutungen jeder Kritik stand. C. Büchereingänge. '3S nVm Arber den geistigen Nachlaß S. R. Hirfchs. Von Rabd. P h. Fischer, Frankfurt a. M. 1929. Sänger u. ^Friedberg. B'WNiTi rmpa bmvr 'im -üVlsr vp JVD’bn innwin mmn. Von Rabb. I. E. Hirschowitz, Kaunas 5683. S. I o e f s e l o w i tz. Eine Schicksalsfrage des jüdischen Volkes. Von Mar B l a t t, F r a n k f u r t a. M. 1919. M. A. W o h rm a n n. Die Rückwirkungen der wirtschaftlichen Entwicklungen auf die Heiligung des Sabbat. Von D o c e n t Dr. S. Erünoerg, Berlin 1929. Weltverband derSchomreSchabbos. mzw»1? ro^n MW2 'löp'?« tnnn* Von Rabbiner Dr. Frankfurter, Berlin. Selb st verlag. Die Lehrbarkeit der Religion. Von D r. E m i I Schorsch, Langensalza. £ am. Beyer Söhne. Die Geschichte um Mendele Rosenbusch. Von Ilse H erlin g e r, Mähr. O st r a u. D r. R. Färber. Psalmen. Ausgewählt und erläutert. Von D r. M. S p a n i e r , B e r I i n. C. A. Schwetschke u. S o h n. Jahrbuch für die jüdischen Gemeinden Schleswig-Holstein und d er °H an s a st ä d te. H e r a u s g. v o m E emei ndevorstand, Hamburg 5690. Ackermann u. Wulff Nachf. Soncino-Vlättsr. Beiträge zur Kunde des jüdischen Buches. Band 3, Heft 1. Berlin. Soncinogef e l l f ch a f t. Moses Mendelssohn. Zur 200jährigen Wiederkehr seines Geburtstages. Herausgeg. v. d, Encyclopaedia Jndaica Berlin. Verlag Lambert Schneider. Das Erbe im Blut. Roman. Von Ludwig Lewisohn, Leipzig. Paul Li st- Verlag. Die Schächtsrage, unt'r Berücksichtigung der neuen psychologischen Dorschungen. 2. erweiterte Auslage. Von Dr. med. Jacob Levy, Berlin. Philo - B e r l a g. Dcks Erziehungswerk der gesetzeslreuen Juvenheit. Referat Über den Keren Hathora, erstattet der zweiten Kenessio Eedaulo. Von Dr. Leo Deutschländer,Frankfurt a. M., 1929. Hermon - Verk a g. Preis 2.— M. Nach Handschriften herausgegeben von Michael Hieger, New Pork 5689. Bloch Pubk. Comp. Allerlei Geschichten. Maafse-B uch v. 1723. B e - arb. o. Bert haPappen heim, Frankfurt a. M. 1929. I. Kauffmann-Verlag. Om man» pabtitt ffunt. Meine China -und Tibete x p e & 118 o tv. 1925—28, 2. Ausl. Von Wilhelm F i l ch n e r, Leipzi g 1929. F> 2l. Brockhaus. Gleichnisse und Erzählungen. Zeitgemäße Betrachtungen zu allen Fest- und Feiertagen des Jahres. Von Rabb. D r. Felix Kante r , M ä h r. O st r a u. D r. F ä r b e r. 7N2X1 '127. W 'iVtP 01D3V5* Von Rabb. S. I. Lerv>itan, Warschau. Verlag V. Hutner. Die Welt auf der Waage. Von Colin Roß, Leipz i g 1929. F. A. B r o ck h a u s.