Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1929)
- Date
- 1929-10-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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17. Oktober 1929_' -Me ferroem Bacher V'st uinid Laß ityre Herzen sich ihm ebenso erschließen mögen, wie es seinem zauberhaften Worte gelungen war. — Die Grundlagen unseres Judentums^ so führte er weiter aus, fei^die Einheit von Gott, Thora und Jisroel. So wie es keinen Gott ohne Thora, fo gibt es noch keime Thora ohne Gott, wichtig, zu' betonen in einer Ze-it, La man die Wahrheit der Thora zu verfälschen suche, indem man sie als Tradtbton, Bolksglaube und ähnliche irdische Erschlsinungen hinstellen wolle. Aber eb>Mso, wie e,s kein Israel ohne Gott, so gäbe es auch keiinen Gott ohne Israel, keine wahre 't\ ohne t-niv' V27IN- Gerade in einer Gemeinde, wie der unseren, die Len Wert ihrer Selbständigkeit nicht hoch genug einz-uschätzen vermag und die dieser Selbständigkelt das große Opfer der Selbstisvlierung brachte, Lars die Gefahr, die hiövtu Liegt, nicht verkannt werden, daß das Verantwortungsgefühl für den Klall Jisroel verloren geht, die Vx-w nans zu kurz kommt. Anknüpfend an den Vers der Sidrah nai 22H2 avn D’a33 am rtef er Lide Mitglieder seines pi n->a. Verwaltung und Beamte der Gemeinde zur Mitarbeit auf und versprach, sein besonderes Interesse der Jugenderziehung zuwenden zu wollen. Denen, die von..ihrer Heimat vertrieben, sich in .unserer Mttte niedergelassen! haben., im» 21,22 ivrr 7121, wolle er die Gastfreundschaft vergelten, die er lange Jahre im Osten genossen habe, und wie für ihn schon .Lange die Mauern zwischen Ost- >und Westjuden gefallen seien, so wolle er auch in seiner Gemeinde die U/ebe rbrückung dieses Gegensatzes herbeiführen. Mit einem Hinweis daraus, daß die Erlösung des jüdischen Volkes .da sei, wenn alle einig zu einem Banner haltenwürden, schloß die Rede, die durch ihren programmatischen Inhalt und ihre vollendete Form Lei der feierlich' gestimmten Gemeinde einen tiefen- Eindruck hinterließ. Mit dem Maariw-Gebet schloß die Feier. Der Kardmak-Erzbischof, Dr. Schulte, die evangelische -Kirchenbehörde, der Regierungspräsident, der Oberbürgerm-eister, der Polizeipräsident, sowie eine weitere Anzahl von Behörden und Organisationen haben der Synagoaen gemeinde Adaß Jeschurun ihre Glückwünsche zur Ämtseinsührung ihres Rabbiners übermittelt. Erklärung gegen die „Erklärung". D r e s d e n , 11. Oktober. Bei einer Kundgebungin Dre-sdeu, wo Herr und Frau V a n d e r v e l d e wie in vielen hunderten Städten Deutschlands über das Palästinawerk und die politische Situation sprachen, wandte sich Oscar W a f s e r m a n n gegen die Angriffe der Gegner des Palästinawerks auf die deutschen Mitglieder der Jewish Agency. Unsere Ausga>be, sagte er, ist es, zu den Judenzu sprechen!. Cr wisse nicht, wer -legi-ti-miert sei, -den- Unterzeichnerndes 'Aufrufes zur „Hilfe durch Aufbau" zu unterstellen-, daß sie nicht das deutsche Judentum vertreten. Einige Organisationen hätten sich ab sentiert, gewiß, aber nicht die Organisationen stellen das deutsche Judentum dar, sondern seine anerkannte Vertretung, seine' jüdischen Gemeinden, von denen die Großgemvinden Berlin., Frankfurt, Hamburg und München in dem Initiativkomitee für di-e Jewish Agency vertreten sind. Er verstehe nicht, daß man immer wieder Hemmungen habe., das Werk in Palästna zu fördern. Für Judenin China zu wirken, sei man bereit, nur Juden in Palästina zu helfen, das widerspreche den Prinzipien gewisser Kreise. Wir treten für das Palästr-nawerk ein, weil -es uns Herzenssache ist und weil es die Sache des ganzen JudentÜms ist. Es -gibt kein deutsches Judentum, das als Ganzes dieses oder jenes tue, es gibt nur deutsche Juden, die sich zum großen Teile für Palästina entschieden haben. (Die Behauptung. daß die deutschen Agency-Mitglieder die deutsche Judenheit verträten, ist ebensounwahr wie die Erklärung der Assimilanten taktlos war. Red.) Aeberhandnehmen der Studentenunruhen in Budapest. Budapest, 12. Oktober. Die Rektoren und Dekane der Budapester Hochschulen kamen überein,, den- Ruhestörungen' wirksam zu begegnen. Zu Beginn der Vorlesungen am Donnerstag! brachtendie Professoren -ein Zirk-ularschreib-en zur Vorlesung, in dem die Studentenschaft aufmerksam gemacht wird, daß jedes gewalttätige Auftreten gegendie Hörer jüdische^ Konfession im Sinne der Universitätsstatuten strengstens bestraft werden wird. An sämtlichen- Fakultäten herrschte am Vormittag Ruhe, die jüdischen Studenten wohnten Der Israelit den Vorlesungen bei. Nur. in der Medizinischen Fakultät wurde ein jüdischer Student nach Schluß -einer Vorlesung von mehreren Kollegen auf dem Korridor infultiert. Besonnene Elemente der Hörerschaft nahmen ihn in Schutz und geleiteten den- Angegriffenen aus dem Gebäude. Später setzten auch an der Technischen' Hochschule Die Woche. | Berlin. Der Reichsbund Jüdischer Frontsoldat -gibt -ein Gedenkbuch für die j ü d -i s ch e n K r i e g s ge f a l -l e n s n heran s, das eine namentliche Liste der Gefallenen mit Personalien enthält. Naumburg. Das Schöffengericht verurteilte den völkischen Pfarrer I s k r u t, der in einer Wahlversammlung aus die „Judenrepublik" schimpfte und den 8 R-eichsautzenminister D-r. Stresemann einen „Judenknecht" nannte, zu einem Monat Gefängnis, umgewandelt in 300 Mark Geldstrafe. Güttingen. Am Sonntag!, den 22. September, wurde auf dem jüdischen Friedhof in GötKngen ein vom „Reichsbnnd jüd. Frontsoldaten" gestiftetes Ehrenmal für die 19 Gefallenen aus der Göttinger Jüdischen G e m e t n d >e emgeweiht. Wien. Die Wiener Israelitische Kultusgenreinde zählte im Juni d. I. 172 Geburten und 193 Sterbefälle, im Juli 115 Geb-uvten un d 210 Sterbefälle, im August 86 Geburten and 157 S ter be - fälle. In dem gleichen Vierteljahr waren 195 Austritte aus dem Judentum gegen 91 Eintritte, bezw. Wiedereintritte zu verzeichnen. — Am Sonntag, dem Rüstetage zum Versöhnungsfeste, wurde auf dem Israelitischen Friedhof im Beisein von Vertretern der Regierung und der Stadt ein K r i e g e r d e n k m a l enthüllt. Budapest. Der Vorstand der Pester Israelitischen Religionsgemeinde hat beschlossen-, für die Opfer der Palästina-Unruhen 10.000 Pengö (7300 Mark) zu spenden und anzuord- N'SN, daß NN den Feiertagen für den gleichen Zweck gespendet werde. Paris. Am 10. Oktober wurde Capitain Alfred Dreyfus, dessen „Affäre" einst die Welt erschütterte, 70 Iahte alt. Er lebt setzt als Oberst im Ruhestand in Paris. — Leo n a r d Cohen wurde zum Präsident und Salomo n N e i na ch zum Vizepräsident der JCA. gewählt. London. Die britische Parlamentarische U n t-e r s u ch u ng s k 0 m m i f f i 0 n unter Führung von Sir Walther Shaw ist am 12. Oktober nach Palästina abgereist. Minsk. Die jüdischen Kommunisten brachten es fertig!, daß die füdifchen Kind-er gezwungen wurden, am Jomkipp-ur die jiddische Schule zu besuchen. Am Vorabend wurden für die Kinder Schulkonzerte v-eranstaltet. Warschau. „Hechaluz" teilt mit, daß die britischen- Konsulate der verg schiebenen Länder bis zum 1. Oktober insgesamt 2296 Mitgliedern des „Hechaluz" ans Rechnung der für das Halbjahr April-September 1929 von der Palästina-Regierung bewilligten 2400 Elnreisezertifikate Visa -erteilt haben. Im Verlauf des Monats September begaben sich 626 Personen nach Palästina, im Oktober werden ihnenmehr als. 800 weitere Chaluzim folgen. Außer den Chaluzim-Zertifikaten wurden- 800 Visa an Verwandte von Palästina-Einwohnern., Fachleute usw. erteilt. Ferner wurden die Pässe-von 108 Palästina- Einwanderern. die über eigene Mittel verfügen, vidiert. Moskau. Die jüdischen Kolonisten des Rayons Kalinindorf. des -ersten jüdischen Verw-altungs-rayons inder Sowjetunion, haben. wie ihnen vorgeschrieben wurde, 310 000 Pud Getreide aus ihrer diesjährigen- Ernteden 8 Regierungsbehörden abgeliefert. Pessimistisch 8 gestimmte Kreise des Rayons geben der Be- 8 fürchtung Ausdruck, daß das zurückgebliebene 8 Getreide nicht aus-reichen wird, um die Bevölkerung des Rayons bis zur nächstjährigen Ernte zu ernähren-. Jerusalem. Seit 1. Oktober -erscheint „The Palestine Bulletin", die einzige -englisch geschriebene Tageszeitung in Palästina-, in doppelt vergrößertem Format und mit stark erweitertem' Inhalt. Die Zeitung informiert ihre Leser über alle Vorgänge in Palästina und der ganzen Welt. Newyork. Der bekannte Philantrop Julius Rof-enwald in Chicago hat zwei Preise von Doll. 15.000 und Doll. 10.000 für die besten-Aufsätze über die Zukunft der amerikanischen- Judenheit gestiftet. — Harry G u g g e n heim wurde zum Gesandten der Vereinigten Staaten auf Cuba ernannt. Tumulte ein. Nach der Vorlesung des Professors Kürfchäk wurden zwei jüdische Hörer auf den Wan-delgängen von mit Stöcken bewaffneten Studentenüberfallen und verprügelt. Einer der Insultierten erlitt am Kopf blutende Verletzungen und wurde von einem herb-eige-rufenen Arzt verbunden, der zweite kam mit Veu-len. davon. Nr. 42 oeite 7 Auch in den üb-rigM Lehrsälender Technik, herrschte sehr erregte Stimmung. Nach der Vorlesung des Professors Oltay erschienen Pedelle im Saale, unter deren Schutz sich die jüdischen Studenten durch die Souterra-i-ngänge entfernten. Im Gebäude wie vor dem Gebäude, wo Ansamnrlunig-on stattfanden, wurdm die jüdischen Hörer beschimpft. Am Nachmittag kam -es auch an der Philosophischen Fakultä-t zu lärmenden- Szenen., die jüdischen Hörer wurden verprügelt, einer von ihnen- -trug erhebliche Verletzungen davon. Die jüd-isch-en Studenten haben b-eschlossM, den Vorlesungen fernzubleiben. (ITA.) Rückkehr zum jüdischen Glauben in Ungarn. B u d a p e st, 9. Oktober. Aus Anlaß der hohen jüdischen Feiertage sind wiederum -in Ungarn mehrere Personen-, die in. den kritischen Srachkriegsjahmn den jüdischen Glauben oerlassM hatten, zum Judentum zurückgekehrt. „Egyenlöseg" veröffentlicht ei-nen detaillierten! Bericht über die Bewegung für Rückkehr zum Judentum. Von: 1. August 1919 bis 31. Juli 1929 sind 867 Männer, 481 Frauen und 88 Kinder zum Judentum zurückgekehrt. Von diesen 567 Männern waren 52 Gewerbetreibende, 121 Kaufleu.te, 193 Angestellte, 41 2l-erzte, 35 Rechtsanwälte, 27 Jngenvenre, 14 Landwirte, 6 Lehrer, 60 Schriststeller, 70 Studenten und 45 Angehörige anderer Berufe. Diese Zahlen betreffen allotn die Pester JeraeliÄ'sch-tz Kultusgemeinde. Aber auch die Ofner Kuttusgemeinde und zahlreiche andere Kultusgemelnden verzeichnen v-iele Rückkehrer. Polen. Eine Räuberbande überfällt am Rofch-Hafchanah eine Synagoge. Lemberg, 9. Oktober. Erst heute erfährt man in Lemberg über blutige Vorfälle, die sich am Sonntag, den 6. Oktober, dem zwsliten Rasch-Haschauah-T-age, in dem galizischen Städtchen Joriczew Rowy abgespielt haben. Während des Gotiesdvsn'stes in der Sbadtfyuagoge drang sine Bande von 10 jungen U k rain-eru in die Fraudn-Empore Mi, rief „Hände hoch!" und riß den festlich gekleideten- Frauen den Schmuck von Hals und Fingern. Es entstand ein ungeheurer Tumult, einige Frauen erlitten Nervenchoks und fielen ln Ohnmacht. Als PM-M vor der Synagoge erschien, flüchde-te -die Bande, die Polizist-ensandten ihr Schüsse nach, durch die v-ier Mitglieder der Bande getötet und zwei verwundet wurden-; nur vierengelang es, zuentkommen. Durch verirrte Kugeln der Räuber und der Polizei wurden auch einige jüdische junge Leute verletz t Aus Ruche überfielen um Dienstag, den 8. Oktober, junge Ukram-er eine Gruppe jüdischer Kaufleute und brachten einem von ihnen l-eben-sgefährli-che Verletzungen bei. Schweiz. Der Israelitische Gemeindebund der Schweiz und das Schächten in Liechtenstein. B e r n, 11. Oktober. „Der Bund" teilt mit: Das s-ei-nerzeiti-ge vom Israelitischen Gem-e'mdebund.der Schweiz -bei der Fürstlich Liechtensteinischen Regierung eingereich-te Gesuch für die Bewilligung zum Schächten in der Gemeinde Schaan ist dieser Tage vonden Gesuchstellern zurückgezogen worden. Damit ist auch die im März ds. Js. von rund 700 liechtenste-inischeu Bürgern -in die Wege geleitete Initiative auf Schaffung eines Schächtverbots in Liechtenstein gegenstandslos geworden, fodaß e-ine Abstimmung unterbleiiben konnte, da kaum anzuuehinen ist, daß diese Frage nochmals aufg-erollt wird. Rutzland. Alle Rlitglieder der Verwaltung der Jüdischen Gemeinde von Leningrad zu Zwangsarbeit verurteilt. Moskau, 11. Oktober. illa-ch einem Prozeß, der mehrere Tage andauerte, wurden sämtliche elf Mitglieder der Verwaltung der jüdischen- Gemeinde Leningrad von -dem Leningrader Gericht zu Zwangsarbeit von vier bis sechs Monaten verurteil -t. Unter den Verurteilten -ist auch der 77 Jahre alte hebräische Schriftsteller Leon Rabbinowitz, der Mstige Chefredakteur der großen hebräischen Tageszeitung „Hameliz".