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Der Israelit · 1929-10-10 · Heft 41 (10.10.1929) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 41 (10.10.1929)
Date
1929-10-10
Page
– (sequence 15)
Language
German
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10. Oktober 1929 D er Israelit -äB i ä i i « c Nr. 20. Sette 3 <abigr im Vaterhaus geblieben und Diesen ging es bitterlich schlecht. Nahrung fehlte ihtnien, ihr Leben war bedroht, die Reichen unter ihnen waren arm geworden, und unter des Lebens Enge litt alles, auch das Geistige. Und als dann wieder/die größte Sicherheit so den Streit der Meinungen dem Für und Wider des Alltags und der manchesmal demagogischen Kampfesform entzog — dieses war das größte Erlebnis der Kenessio Gedaulo, dieses ist jener Tag kam, an dem alle Kinder dem Vater ihre Wünsche vvrtrugen, da fragte sie der Vater: habt ihr ans Vaterhaus gedacht? Habt ihr an die Brüder gedacht, die dort sind? Habt ihr ihnen von eurem Ueberftuß abgegeben? Habt ihr eure Sehnsucht nach dem Vaterhaufe, die ihr in die alten Formen kleidet, wirklich lebendig in euren Herzen, oder ist es bloß Lippenwerk? Wollt ihr mich zum Vater.haben, dann müssen eure Brüder euch Brüder sein. Und habt ihr euch bis jetzt nicht oder nicht in genügendem Maße brüderlich betätigt, dann getobt es, fortan zu tun. Und wenn! ihr am Schluß des Familientages sprechet: „rasch sind wir fortgekommen von dem guten Lande, lange währen schon die Tage, . . . Verbannung folgte auf Verbannung, bis wir alle in Verbannung gezogen! waren, nun sind wir krank und dem Untergang nah und niemand', der nach uns forscht und uns aufsucht, die heilige Stadt und alle die Ortschaften find der Schmach und der Plünderung verfallen, alle seine Kostbarkeiten ihm genommen und entzogen und nichts ihm geblieben als der Wille und das Gesetz des Vaters" — wenn ihr so sprechet und darnach handelt, das tut, was in euren Kräften steht, dann will ich an diesem Tag auch eure Wünsche erfüllen-. Wer dieses Gleichnis liest und dem Vater die Antwort geben möchte: ich habe meinen Brüdern geholfen und werde ihnen weiter helfen, der sende seinen! Beitrag für die Opfer der Pogrome und für das Schulwerk in Erez Jisroel an die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel Postscheckkonto Nr. 53 900 Frankfurt a. M. Die schönste Stunde der Kenessio Gedaulo. 'Viele bedeutende und unvergeßliche Eindrücke hat die zweite Kenessio Gedaulo ihren Teilnehmern vermittelt: Die Eröffnungssitzung mit der Fülle hervorragender Persönlichkeiten, mit dem erschütternden Gedenkgottesdienst für die gen d>es heiligen Landes, die Keren Hatorah- Stuvde des Donnerstag Vormittags, die würdige, von tiefem Ernst getragene Diskussion über , § 4, die großartige Jugendkundgebung am Schab - bos Abend, die Jewifh Agency-Debatte mit dem Referat des Herrn Rosenheim «als Mittel- und Höhepunkt, die Schlußsitzung', die das Verdienst mit der Krone schmückte. Aber alle diese Eindrücke bleiben zurück hinter dem Erlebnis des Montag Abends, da dem Plenum die Konstituierung des Rabbintifchen Rates durch Oberrabbiner Schapira-Lublin bekanntgegeben wurde. Es war die hohe Stunde der Kenessio Gedaulo, Erfüllung des, Traumes^'den ' unsere Führer seit zwei Jahrzehnten geträumt. Der Rabbinische Rat der Agudas Jisroel ist nun nicht mehr eine Chance, eine Erwartung, er ist in die Welt der Wirklichkeit getreten, hat sich fest konstituiert, eine Leituriggewählt, eine Geschäftsordnung gegeben, um die Führerschaft in der Agudas Jisroel anzutreten. In den einzelnen Ländern wird' män in den nächsten Monaten Ergänzungswahlen« vornehmen, bis die Zahl seiner Mitglieder auf die klassische Zahl der 120 trapT erhöht ist. Diese 120 — sie werden in Zukunft in allen Fragen der Thora entscheiden, raten und-' führen. Und' alle Organe der Agudas Jisroel: Geschäftsführender Ausschuß, Zentralrat und Politische Exekutive, sie werden niur Vollstrecker des durch sie verkörperten Thorawillens sein. Ja, das war die größte Stunde der KMessio Gedaulo. Und daß nicht politische Argurüente und Erwägungen, sondern Sachliches, aus den Tiefen der Halacha Geschöpftes die Cntscheidun-- Zukunift. und Beruhigung für die W.S.J. Kenessio-Nachklänge m der Frauen-Aguda. Von Jacob Joel Braun m Bratislava. Aus der großen Lichtquelle der 2. Kenessio Gedaulo, die vor kurzem von Wien aus nach allen Weltrichtungen ihre Strahlen entsandte, fielen einige Strahlen auch nach Preßburg. Sie ließen auch demjenigen, der nicht Gelegenheit hatte, an der Kenessio Gedaulo persönlich teilzunehmen, eine Ahnung aufstvigen von der mächtigen Wirkung, die von ihr aus das ganze orthodoxe Judentum ausgehen könnte, wenn unsere jüdischen Zeitgenossen alle mehr Sinn hätten für die Forderungen der Stunde im jüdischen Leben. Wir hören allenthalben Klagen Wer Lässigkeit und Schwäche im orthodoxen Judentum, über Abnahme der Gesinnungstreue und Schwinden der alten Schwungkraft. Die zweite Kenessio Gedaulo hat vor aller Welt das Gegenteil bewiesen und einem jeden Teilnehmer die unbezwingbare Ueberzeugung aufgedrängt, daß die.Ges amtheit der thoratreuen Juden auch in unseren Tagen noch Energien genug birgt, um den alten Glanz zu bewahren und manche Schäden, die dem Judentum während eines Jahrhunderts der geistigen Weglosigkeit zugefügt wurden, wieder auszugleichen. Es hängt nur davon ab, ob wir auch den Willen besitzen, den aufrichtigen und entschlossenen Willen, uns in den Lichtstrom, der von der Agudo als geistigem Kraftzentrum ausftrahlt, derart einzufchalten, daß feine wohltuende Wirkung unseren ganzen Organismus erfaßt und unser Volksleben in allen seinen noch unverwitterten Teilen ausfüllt. Wir haben damit durchaus nicht etwa eine sensationelle Entdeckung gemacht, sondern nur eine einfache Wahrheit ausgesprochen, die seit Jahren bereits tausenden bekannt ist und jetzt weiteren tausenden erneut aufleuchtete, als sie auf der großen Versammlung in Wien erfuhren, was das orthodoxe Judentum sein könnte, wenn alle seine Teile nur richtig wollten. Nehmen wir als Cxempel den Teil der orthodoxen Judenheit, dem gerade in unseren Tagen aus Gründen, die wir in diesem Zusammenhang unerörtert lassen wollen, eine größere und verantwortungsvollere Aufgabe zufällt als je zuvor: die orthodoxe jüdische Frau. Wer kümmerte sich bisher darum, daß der geistige und moralische Typus der früheren jüdischen Frau, wie ihn unsere Mütter und Großmütter darstellten, in wenigen Jahren fast völlig geschwunden ist und mit chm all der Segen, all das Glück, das er Jahrtausende hindurch in unermeßlicher Fülle für das jüdische Volk in sich trug. Allerdings, die Besseren unter uns beklagten ebenso wehmütig wie untätig die Gebrechen der Zeit und den Niedergang der neuen Generation. Aber auch sie wie die anderen, die nichts merkten oder nichts merken wollten, fanden sich allmählich mit dem Charakterwandel der jüdischen Frau und' der jüdischen Tochter ab und nahmen ihn als bejammernswerte, aber unabänderliche fatale Tatsache hin. Cs erstanden aber Männer und Frauen in unserer Mitte, deren orthodoxer Bekennermut in den letzten Jahren durch die Agudas Jisroel und durch den Weckruf der nrrimi minn der von der Kenessio Gedaulo an das ganze jüdische Volk erging, gestärkt wurde. Sie haben von der Aguda noch rechtzeitig gelernt, der bequemen und katastrophalen Ausrede des i>rri 2V NVNN den Niedergangserscheinungen gegenüber jede Berechtigung abzusprechen, und stemmten sich gegen den Strom, der bereits die innersten und heiligsten Zonen des Judentums zu überschwemmen drohte. So entstanden in Polen und gen des Rabbinischen Rates bestimmt'und auch Erez Jisroel die Bewegung der „Bnos Agudas auf dieser Kenessio Gedaulo bestimmte, — und! Jisroel" mit ihren „Bes-Jakob-Schulen", bei uns ml der Slowakei die „Agudas-Iisroel-FrauenuNd Mädchengruppen", in Wien die blühende „Agudas Jisroel-Mädchengruppe" und« auch in Deutschland und in den anderen Ländern des Westens Ansätze zu einer Bewegung, der die gleiche Tendenz innewohnt. Sie alle wollen! die jüdische Frau und die zukünftige jüdische Mutter zur bewußten, mit ihren Pflichten vertrauten Trägerin und Pflegerin der traditionellen jüdischen Frauenideale und Frauentugenden erziehen und sie mit der moralischen Macht des organisatorischen Zusammenschlusses der Gleichgesinnten freihalten und, wo nötig, fteimachen von den verheerenden Einflüssen entgegengesetzter jüdischer und allgemeiner Bewegungen und Moden, die auf das Frauengemüt geradezu überwältigend einwirken. , Es ist das ein furchtbar schweres Unternehmen, bei dem mit der größten Vorsicht und Umsicht vorgegangen werden muß. Es berührt das Zarteste und Feinste im jüdischen traditionellen Leben. Da gilt es einerseits, große und tiefeingenistete Fehler auszumerzen und dabei anderseits aus der Hut zu sein vor bleuen Versündigungen an der Seele der jüdischen Frau und Mutter. Denn noch haben wir was zu verlieren. Ein überlautes Schlagwort, die leiseste kritiklose Angleichung an parallele Erscheinungen und' Bestrebungen in anderen Kreisen, ja eine einzige wohlklingende, aber hohle Phrase könnte Welten zerstören, anstatt zu bauen, wenn die Leiterinnen und VorkämpseMnen dieser Bewegung, Gott behüte, nicht verständen, auf dem Instrument der Organisation richtig zu spielen, oder den Versuch machen würden, ihm Töne zu entlocken, die über die Hörweite der wahren jüdischen Frau hinausreichen. Das NQ'is ra mms ist ein teures Gut des Judentums und verleiht der jüdischen Tochter einen edlen Schmelz, der um keinen Preis >der Welt hinweggescheucht werden darf. Im Sinne der Agudas Jisroel sind gerade die Führerinnen der orthodoxen Frauenbewegung berufen und verpflichtet, Hüterinnen dieses Seelengutes zu sein. Sie sollen aus der Tiefe ihrer heiligsten Gefühle heraus künden und programmatisch ihre Schwestern lehren, selbst unter den! größten persönlichen Opfern ein modernes Europäertum weit von sich zu weisen, das von der schlichten Größe der jüdischen Frau und ihrer historischen Bedeutung keine Ahnung hat und keine Ahnung haben kann. Mitten drin im der Gegenwart stehend, hineingewachsen in sie und beeinflußt und gerüttelt von ihren Schwingungen und Schwankungen, soll die agudistifch organisierte jüdische Frau die „Organisation" selber nicht übertreiben und sie in ihrem frauentümlichen Wert auf keinen Fall überschätzen, sie vielmehr als die notgedrungene Wirkungs- und Ausdrucksform für eine Gemeinschaft betrachten, die in allen ihren Gliedern die bewußte Abkehr von der thorawidrigen geistigen und moralischen EUtwicklungslinie des jüdischen Weibes und den a kt wen und Mobilen Widerstand gegen sie bedeutet. Ins Praktische umgesetzt, ergibt sich aus dem Gesagten eine ungemein subtile und von der ganzen Schwere der moralischen Verantwortung erfüllte Arbeit für alle, die bei der Heranziehung der Frau an der Regenerierung des gesetzestreuen jüdischen Gemeinschaftslebens Mitwirken. Im gleichen Maße steigt aber auch das Verdienst derjenigen, die sie mit gutem Erfolge vollbringen. Die Würdigung und Anerkennung, die diese Arbeit erst jüngst auf der Kenessio Gedaulo im allgemeinen und bei uns in der Slowakei im besonderen vom Anfang an gefunden hat, zeigt zur Genüge, daß sich die Bewegung in den! rechten Bahnen hält und ermutigt, aus dem Stadium der tastenden Versuche hinauszutreten und. auf dem begonnenen Wege weiterzuschreiten. Den Auftakt hierzu bildeten die glänzenden Vorträge, die am letzten Schabbos und am Sonntag, gleichsam als Abglanz der Wiener Kenessio Gedaulo, in der Preßburger Agudas Jisroel- Frauen- und Mädchengruppe gehalten wurden. Am Schabbos-Nachmittag, in der Zeit der regelmäßigen allwöchentlichen Vorträge, fand sich fast die gesamte nach hunderten zählende Mit-

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