Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1929)
- Date
- 1929-10-10
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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©eite 4. Nr. 20 Devtoesidef Hguda-Ollapfoen * Lrkattliek in allen Ortsgruppen. gliederschaft der Frauen- und Mädchen-Aguda im Vortragssaal ein. Sie durfte einen Gast begrüßen, dem in der orthodoxen jüdischen Frauen- ' weit der gute Ruf und> die allgemeine Bewunderung längst voranging. Frau Sarah Scheulerer aus Krakau, diese schlichte, einfache Frau aus dem Polte, die mit weitem Blick m die Ferne ein Erz'iehungswerk ersten Ranges an der weiblichen Jugend in mustergültiger Weise eingeleitet hat, und ihre Mitarbeiterin, Frl. Laca S c z care NS k a , gaben der Einladung ihrer gleichstrebenden Mitschwestern in Preßburg Folge und versprachen, einiges von ihrer Arbeit zu erzählen. Die PräsWentiin! der Frauengruppe, Frau S ch l e n g e r, hieß die Gäste in einer freundlichen Ansprache herzlich willkommen. Was Frau S ch e n i e r e r dann in einem einstündigen' Vortrag über die Zustände erzählte, in die sie mit ihrer erzieherischen Arbeit umwälzend eingriff, war nicht nur wegen der einfachen jüdisch-deutschen Sprache, deren sie sich bediente, und der bescheidenen Art, mit der sie jedes eigene Verdienst zurückstellte, sondern hauptsächlich wegen der in ihr sich offenbarenden Größe einer jüdischen Frauenseele, die die geistige Rot ihres Volkes erfaßt und aus quellendem Herzen heraus sich zur helfenden Tat aufrafft, tief ergreifend und erbauend wie ein inniges Gebet und zugleich schwungvoll zur Rachahmunig aneifernd, gleich einer Heldentat. Frl. Sczcarenska ergänzte ihren Vortrag mit Einzelheiten aus der Praxis des Unterrichtsbetriebes in anschaulicher und sympathischer Weise. Frau Rabbiner H i r s ch l e r brachte den beiden Damen den Dank der Versammelten und ihre aufrichtige Bewunderung in bewegten Worten zum Ausdruck. Roch war der tiefe Eindruck dieser Vortragsveranstaltung nicht verhallt und schon — am nächsten Tage — füllte derselbe Kreis von Frauen und Mädchen, vermehrt durch zahlreiche Gäste aus der Provinz, den großen Saal des Hotel Royal bis auf den letzten Platz, um den Worten einer Agudistin aus dem Westen zu lauschen. Schon dte Auseinandersolge der Rednerinnen an diesen beiden Tagen» zeigt, wie sehr die Aguda- Arbeit das jüdische Weltbild unserer Frauen und Töchter zu erweitern und in gutem Sinne zu beeinflussen vermag, zumal sie übereinstimmend den gleichen Idealen dient und den gleichen Zielen zustrebt. In der geographischen und kulturellen Mitte zwischen, Ost und West werden unsere Frauen den richtigen Platz zu ihrer eigenen Betätigung im jüdischen Sinne nur finden, wenn sie ihren Standpunkt einhalten und auch fortan die Brücke bilden zwischen den Erziehungsrichtungen der großen Siedlungen im Osten einerseits und den ringenden Einzelnen im Westen anderseits. Sie werden von beiiden lernen müssen, um ihren Eigenwert zu steigern, und sich zu Mittlerinnen jüdischen Frauenadels emporzuentwickeln, wie sie thoratreue jüdische Zukunft ohne Zweifel dringend benötigen wird. Das mochten die Hunderte jüdischer Frauen und Mädchen, die im Royalsaal versammelt waren, wohl noch niemals fo deutlich empfunden haben als m der Stunde, da sie enthusiasmiert den Gedanken der zündenden Rednerin, Frl. Judith Rosenbaum aus Frcmikfurt a. M., folgten. Präsidentin Frau Schlenger vermochte eine tiefe Rührung nicht zu unterdrücken, als sie in ihrer Vegrüßungsansprache sich einer jüngeren Frauengeneration gegenübersah, die es im Gegensatz zu den jüdischen Töchtern der jüngsten Vergangenheit grundsätz¬ Der Israelit Blätter 10. Oktober 1929 lich verabscheut, hinauszuschielen aus dem Rahmen, den die Thora der jüdischen Tochter für Leben und Wirken gezogen hat, und pries sich glücklich, zum Aufblühen der wahren orthodoxen Frau auch selber noch beitragen zu können. Frl. Rosenbaums Vortrag wirkte auf die ganze Zuhörerschaft wie der unwiderstehliche Ruf einer Prophetir.,. Satz an Satz, Gedanken an Gedanken rerblten sich geschlossen wie die Ringe einer Kette, die die jüdische Frauenseele fest umklammert und sie — als gelte es für eine Ewigkeit — im Banne hält. Was sie lehrte und mit feuriger Glut vertrat, war das a l t e Judentum der Thora und ber Mizwos und dennoch, in ihrem Zauber, in der Bündigkeit und Bestimmtheit ihrer überzeugenden und begeisternden Darlegungen erschien! alles -leu, als ob man sich erst jetzt zum ersten Male dessen bewußt werde, wie sehr die thoratreue jüdische Frau eine Schatzhüterin des Judentums sein müsse. Es herrschte lautlose Stille im Saale und es schien, als ob man mehrere hundert Herzen in einem Akkord pochen hörte, da die Rednerin von der heiligen Aufgabe der Frau im Judentum sprach und die Wege wies, auf denen die nächste Frauengeneration für diese Aufgabe vorbereitet werden sollte. Frau Lazar K o h l - m a n n sprach aus dem Herzen aller Anwesenden, als sie der Rednerin den Dank in beredten Worten zum -Ausdruck brachte. Frau Rabbiner H i r s ch l e r und Frau Philipp Benedikt schlossen sich ihr an und konnten auch schon die Mitteilung tnacheri, daß in nächster Zeit in Bratislava ein Bes-Jakob-Kurs für schulentwachsene jüdische Mädchen eröffnet wird. So wirkt sich das Aufleben der orthodox-jüdischen Gesamtheit in der Welt der jüdischen Frau aus — wenn s i e j ü d i s ch e s Wollen begreift und es f ü r f i ch z u deuten weiß. Aus der Bewegung. Hannover, 4. Oktober. Generalversammlung der Agudas Jisroel, Orts- und Jugendgruppe am 29. Sept. 1929. Bei einem vollbesetzten Saale eröfsnete der Vorsitzende die Generalversammlung. Einleitend gedachte der Vorsitzende der in letzter Zeit vorgekommenen Schandtaten im heiligen Lande, worauf sich die Versammlung zum Zeichen der Trauer für eine Minute erhob. Zu der Tagesordnung übergehend, erstattete der Vorsitzende Bericht über die Tätigkeit des Vereins. II. a. wies der Vorsitzende daraufhin, daß der Verein in der kurzen Zeit seines Bestehens (etwa 31/» Monate) von allen Seiten und ohne Altersunterschied zufriedenstellend den Zuspruch erfahren hat, und gab dem Wunsche Ausdruck daß dieses Interesse auch fernerhin in noch größerem Matze gewahrt werden möge. Sodann verlas der Vorsitzende den Arbeitsplan.und tonnte mit Genugtuung berichten datz die Schiurim, die u. a. von Sr. Ehrwürden, Herrn Landrabbiner Dr. Freund und Herrn Veermann fen. geleitet werden, stets reichlich besucht wurden. Das Stattfinden der im Arbeitsplan ferner vorge° fehenen Sphmaibenbe ftettbe ber Vorsitzende für die Zukunft in Aussicht, da dieses bisher in Ermangelung eines Vereinslokales nicht möglich war. Der Kassierer erstattete dann Bericht über den Vermögensstand des Vereins, wonach das Vereinsvermögen insgesamt 229,41 M. beträgt. Zu Punkt 3 der Tagesordnung übergehend erklärte der Vorsitzende, daß der ursprüngliche Name „Tiseres Bachjurim" nicht beibehalten werden kann, da ein gleichnamiger Verein bereits in Hannover besteht. Es wurde daher einstimmig der Name „Agudas Jisroel, Orts¬ und Jugendgruppe", der vom Vorsitzenden vorgeschlagen ist, angenommen. Lt. Beschluß der Generalversammlung sind unter Punkt 4 der Tagesordnung die Paragraphen 1, 4. 7 und 12 abgeändert. Nach erfolgter Entlastung des alten Vorstandes sind lt. Beschluß der Generalversammlung einzeln per Akklamation gewählt: 1. Vorsitzender, Samuel Tugendhaft; 2, Vorsitzender, S. Zlotogurski; 1. Kassierer, Jakob Brand; 2. Kassierer, Moses Perelmann; Schriftführer, Mar Tager; 2 Beisitzende, Lehrer Joelson und Markus Beigel . Bei der Diskussion unter dem letzten Punkt der Tagesordnung wurde u. a. dem Vorstand anheim gestellt, sich für die im Arbeitsplan vorgesehene Turnstunde einzusetzen und ebenso zu einzelnen Veranstaltungen des Vereins ältere Mitglieder zu laden, damit das Interesse für den Verein somit gesichert bleibt. Sodann wurde die Versammlung geschlossen. Darmstadt. Am 25. September versammelten sich im Vortragssaale des Hotels „Stadt Frankfurt" eine stattliche Anzahl von Damen und Herren, um aus dem Munde der Herren Rabb. Dr. M e r z b a ch und Rabb. Wassermann einen Bericht über die 2. Kenessio Gedaulo in Wien zu vernehmen. Das Interesse für den' Vortrag war stark, der Saal bis zum letzten Plätzchen gefüllt. Dis beiden Referenten, Delegierte auf der K-eNefsio, teilten sich das weite Gebiet des zu Berichtenden. Herr Rabb. Dr. Merzbach schilderte in packenden Worten die besondere Eigenart und Struktur der aus den verschiedenen Ländern kommenden Gedaulim, den litauischen, ungarischen Raw und polnischen Rabbi, auf der anderen Seite aber die gemeinschaftliche Basis der .irrmi min, aus der sich alle als Glieder einer großen Familie fanden und fühlten. Der Redner sprach alsdann über die großen Probleme, die der Kenessio Vorlagen, und über ihre teilweise und völlige Lösung (Jewish Agency, Erez Jisroel, Agunoth-Frage). Seine Worte wurden mit gespanntem Interesse von den Zuhörern verfolgt. Es war schon vorgerückte Abendstunde, als Herr Rabbiner Wassermann zum Rednerpult trat, um über fern Gebiet zu referieren. Mit großer Begeisterung sprach er über die schönen Erfolge des Keren Hatauro und die glänzenden Triumphe der Bais-Jakauw-Bewegung. Unter der Parole „rettet das jüdische Kind" ist uns beiden Gebieten Gewaltiges geleistet worden. Zum Schluß ließ der Vorsitzende, Herr Dernburg, den „Brief des o"n ysn an die Kenessio" verlesen, der in stiller Ergriffenheit angehört wurde. Es war ein vollgelungener Abend. Ist in uns allen doch das Bewußtsein gestärkt worden, daß die Agudas Jisroel-Weltorganisation schon recht Fruchtbares geleistet hat und daß sie als Organisation mit einem Rabbinischen Rat an der Spitze zur Durchführung ihrer hohen Aufgabe der Sympathie und der Mithilfe aller Orthodoxen bedarf. Bakanzliste der Agudas Jisroel- und Schomre Schabbos- Stellenvermittlungea in Berlin. Kaufmännisch: 2878 Metalle, Berlin, 1 Anfängerin. 2698 Textil Engnos-Expoot, Berlin, 1 Lehrling. 2899 Metalle, Berlin, 1 Lehrling. 2905 Lederbekbetdungs-Fabrik, Berlin'. 1 Lehrling m. gut. 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