Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1929)
- Date
- 1929-10-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 2. Nr. 20 Der gsraeltr Blatter 10. Oktober 1929 woche einzutreten, sodatz Sabbat und Sonntag freibleiben, wie dies bereits vielfach in Amerika der Fall ist. 8. Es ist Pflicht der orthodoxen Schulen und Fortbildungskurse, in ihre Lehrpläne regelmäßig das Studium der Sabbat-Vorschriften auszunehmen, auch Pflicht jedes einzelnen Zehudi ist es, jede Woche mindestens eine Stunde sich mit den Dine Schabbos zu beschäftigen. 9. Auf den pünktlichen Beginn der Sabbate und Festtage sollte jedermann besonderen Wert legen. Der Höhepunkt der Kenessio Gedaulo. Don Rabbiner Dr. 2. Alerzbach m Darmstadt. Von den vielen Eindrücken einer der stärksten: der Höhepunkt der Keneffio am Montag Abend. Aber nicht die Begeisterung der Massen, nicht das Umjubeln Mer Führerpersönlichkeit, nicht die Kraft des Wortes des Redners, der ja nur Sprachrohr des Rabbinischen Rates an diesem Abend war, auch nicht die — von minn irn getränkten — Beschlüsse und Aufrufe des Rabbinischen Rates waren es, was ich als Größtes empfand, sondern — das wortlose, einstündige Schweigen und Lauschen der Tausende, n’saw ‘vnxm snvri iwv nrmnw nsmn) •(Dn’rmix? an1? rrnpn Vpip1? Denn dieses Schfyeigen war mehr als ein Schweigen der vielen Einzelnen, es war das Schweigen der zur Einheit des nnx» des ‘wiur ^zusammengeschweihten Massen, die auf das Wort der onin, durch die Gesamtheit ihrer Vertreter übermittelt, lauschten. Es war die Stunde, in der Agudas Jisroel sich zu ihrer Wesens aufgabe bekannte, mehr als der Zusammenschluß aller Thoratreuen, als eine Agudas Je reim zu sein; in der sie als Agudas Jisroel, als *vnX' als einheitliche Gemeinschaft, als nur von Gott und der Dauroh geleitetes Ganzes dastand, in dem jeder Einzelne nur Teil des Klall ist. Meine Erwartungen hinsichtlich der Zukunft? Erwartungen als Voraussage der Entwicklung oder als Hoffnung zu äußern; ist sinnlos: als K’ai sich zu geben, ist nicht unser Ehrgeiz, und tidfte ein jeder zu Haschem. Aber Erwartung als Forderung, als gebieterische Forderung der Kenessio an die Thoratreuen darf ausgesprochen werden: diesen Gedanken zu erkennen und zu b e kennen, wo es auch sei, daß Jisroel als Einheit, als Ganzes zum Gottesdienst zusammenstehe, daß Grundlage der jüdischen Gemeinschaft nichts als der Wille, n zu dienen, ist. Denn so wie ein Minjan von zehn Jisroeilim mehr ist als zehn Einzelmenschen, wie in ihm eine rnjT' eine Gemeinschaft dasteht, die Gott dient und in die darum Gottes Majestät einzieht, da sie dort als Majestät anerkannt wird, und nun mmp dort gesprochen werden darf; so wie eine Sühne für friie Sünden sämtlicher Einzelner (fürbx-nv' durch nbnwnn tw) nidft ausre'ufyt, sondern noch eine Sühne für die einheitliche Gott dienende Gesamtheit (für nm durch nnro ’ua u. a.) notwendig ist, (stehe diesen Unterschied: n"v D’nnt #om ); — so genügt es nicht, daß die e i n z e l n e n Thoratreuen Gott dienen, es müssen ihre Gemeinschaften und Organisationen, ihre Gemeinden und Verbände als Ganzes, als Einheitliches, als tos als Gott d iene n d e E i n Herten gegründet und geführt werden; das offen und mutig zu bekennen ist die Konsequenz der Montagsfeierstunde der Keneffio Gedaulo. Einen Schritt dazu sind die deutschen Freunde der AgNdas Jisroel in ihrer beachtenswerten einmütigen Erklärung am Schluffe der Keneffio Gedaulo gegangen, als sie — einstimmig — ihre Achtung vor den dieses Ideal verwirklichenden Gemeinden bekannten und deren Förderung a l l s e i t r g als Aufgabe der gesamt e n thoratreuen Judenheit erklärten. (Nebenbei: Gleichzeitig forderten sie ebenso einmütig, daß ungeachtet des sachlichen Kampfes jeder die subjektive Absicht jedes Thoratreuen als D’btp vwb gedacht anerkennen und demgemäß werten muffe.) Diesem Grundgedanken der Agudas Jisroel überall mit den Waffen der Wahrheit upd der Geradheit des vsi nvro» und des fn zum Siege zu verhelfen — das ist die Forderung, die Agudas Jisroel und ihre Keneffio Gedaulo in diesem Augenblick an uns richtet. Vor und nach der keneffio Gedaulo. Von- Dr. L. Sch. <5 e m m e r t n - g , *]Vyi trax: Eine gewaltige Summe von geistiger Kraft und Taurohweishett, von Welterfahrung und Führererprobung, von Begeisterung und Arbeitswillen für Goff und feine Tauroh, für Jisroel und sein Land hielt acht Tage lang in eindrucksvollem Rahmen der K. G. die Herzen gefangen. Vielleicht haben 8 Tage der Einsamkeit in der freien Lust der Berge ausreichend- Distanz geschaffen, das was dort geschehen ist, aus der Nüchternheit des Alltags zu betrachten. V o r der Tagung war der Gedanke aufgetaucht, die Weltagudo in einen losen Konzern von Landesagudaus umzuformen. Der Verlauf der Tagung jedoch hat ein so starkes Emhsitsbewußtsem und einen so festen Einheitswillen offenbart, daß alles Derartige indiskutabel war. Ferner, die Divergenz in der Einstellung der verschiedenen Länder zu wichtigen Fragen hat der im engen Gesichtskreis des eigenen Landes befangene Agudift als Hindernis für die Verwirklichung der A. I. empfunden, auf der Tagung hat sie sich jedoch als ein Moment erwieen, das die Entfaltung des Aguda-Jdeals in feiler Eigengesetzlichkeit fördert und von geschichtlich oder milieumäßig erklärlichen Einseitigkeiten — Uebertreibungen so gut wie Einschränkungen — befreit. Vor der Tagung war die Diskussion beherrscht von § 4 und der „Agency". Freilich konnte der § 4 und der Kampf um ihn nur den Wert eines Symptomes beanspruchen, eines Symptoms für den allgemeinen Spannungszutand, der aus der Idee der Agudo einerseits, welche auf dien reinen Taurohwillen gestellt ist, und gewissen zeitgeschichtlichen oder lokalen Gegebenheiten andererseits resultiert. Die Lösung dieser Spannung wird allmählich und in demselben Maße erfolgen, wie das thoratreue Judentum — das in der Aguda organisierte, wie das noch draußen verharrende — sich des agudistifchen Ideals in feinen Einzelheiten bewußt wird. In der Natur der agudistifchen Idee, welche in ihrem Kern die Herrschaft des Thorawillens bedeutet, liegt es, daß sie, einmal von der Seele ausgenommen, sich zur Richtschnur für alles macht. Vor der Tagung hielt die Frage „Agency und Agudo" die agudistifche Welt in Atem, und auch in anderen Lagern wartete man gespannt auf die Entscheidung. Da brach das furchtbare Geschick über Erez Jisroel undunsere dortigen Brüder herein. War das der Agudo ein Fingerzeig der göttlichen Vorsehung, war es der „historische Moment" — der K. G. war es das Gebot der Stunde, der tief kn Herzen gefühlten Verbundenheit mit der Sache unserer Brüder auch inheißen Worten Ausdruck zu geben und ferner mit eindringlichen Worten allen, die den Willen haben, zu hören, Klarheit zu geben, daß erstens zwischen der Agudo als solcher und der Agency in ihrer heutigen Verfassung nichts steht als nur die Wahrung der Thoralehre' und ihre Erhaltung für unsere Müder, daß es zweitens dem Willen der Agency anhermgegeben ist, diesen Drfferenzpunkt aus der Velt zu schaffen unddaß drittens eine Jewifh Agency -ohne Agudo nicht das ist, was sie sein oll, eine Vertretung des gesamten jüdischen Volkes. Der durch die rrnnn »Vto nxsna einheitlich ausgesprochene Taurohwille hat die Versammlung in diesen zwei Fragen zu einheitlichen Beschlüssen geführt. Vor der Tagung war das Ungenügende der Leistung seit der ersten K. G. zu einer Art von communis opinio geworden, selbstverständlich abgesehen von manchen — übrigens garnicht unwichtigen — Gebieten. Die Tagung Hat mit dem auf dem Boden solcher Unzufriedenheit gern wuchernden Pessimismus aufgeräumt; man ist an die Probleme mit ernstem Arbeitswillen herangegangen, auch schon vor der Tagung in vorbereitender Arbett. Agudobank, Sicherung für die Finanzen und manche andere für das Thorajudentum wichtige Angelegenheit ist der Realisierung zugeführt. Unddie auch bisher schon stark aktiven, von der Agudo ins Leben gerufenen Organe, wie Keren Hatorah und Baijs Jakauw stehen vor weiterer Ausbreitung und Vertiefung. Die Erez Jisroel-Arbett, insbesondere der dorttge Chinuch werden den Verhältnissen gemäß erneut in Angriff genommen. B'xna *jajr '21L' Vielgestaltig sind die Anliegen unseres Voltes.- Und überreich war das Programm der Tagung. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen nicht im Machtkämpfe sondern -rm Lichte der Thora den Ausgleich suchen und die Agudo wirddie Institutionen dafür schaffen. Unseren Frauen und Töchtern soll ihr Recht werden und die Möglichkeit, auf ihrem Posten ihre so unersetzbare Arbeit zu leisten, und für unsere so rührige Jugend wird der Platz geschaffen werden. Die gewaltige Autorität, die sich im_ rabbinischen Rat verkörpert, wird feinen Proklamati-onen nachdrückliches Gehör verschaffen. Vor der Tagungunterlag die Form der Leitung einer scharfen Kritik. Auf der Tagung hat Mansich darauf beschränkt, sie nach nur praktischen Gesichtspunkten umzuformen, angepaßt den bedeutenden- Persönlichkeiten, die eine gütige Vorsehung uns geschenkt hat. Diese KonsoMierung, einschließlich des Schaffens einer OrganisattonsabteiluM, wird der Fülle der Aufgaben gerecht werden können. Der.Reichtum an allg e m e i n anerkannter Autorität, der sich in der Nim 'bini nxyiavereinigt, macht die -auf der Tagung verkündete, formelle Konstituierung desselben zu einem bedeutungsvollen Ereignis, besonders -angesichts der überragenden Stellung, welche die Agudas Jisroel 'ihrem großen Rabbinischen Rat verfassungsmäßig und in Uebereinstimmung mit ihrem Grundgedanken gibt. Vor der Tagung hat die Leitung ihrerseits an der agudistifchen Welt scharfe Kritik deswegen geübt, weil sie — von höchst rühmlichen Ausnahmen abgesehen —, von ihr finanziell im Stich gelassen worden fei. Der Verlauf der Tagung läßt auch den Schwarzseher erwarten, daß hierin Wandel eintritt, daß die Gelder für das^Funktionieren der Zentrale wie des Großen Rabbinischen Rates nicht mehr fehlen werden unddaß die auf der Tagung gestreute Saat fruchtbar aufgehen wird. . Ein Gleichnis. Alljährlich pflegten die Kinder an einem' vom Vater bestimmten Tage alles, was sie - an Sorgen und Wünschen hatten, dem Vater mitzuteilen, damit ihnen der» Vater die Mittel gebe, bis zum nächsten Jahre -entweder schlecht und recht, oder aber gar sorgenlos ihr Dafein zu fristen. Vorher aber hatte der Vater seinen Kindern gesagt: wenn ihr mir eure Wünsche vortragt, dann müßt ihr auch meine Wünsche inbezug auf euer Verhalten-erfüllen. .Ihr müßt dem alten stolzen Namen, den ihr tragt, Ehre machen und vor allem sollt ihr-auf die Erfüllung eurer Wünsche nur dann hoffen, wenn ihr untereinander euch als Brüder fühlt und betätigt. Solange ihr etwa unter euch Streit habt, oder der eine, dem es bester geht, achtlos, an der Not des -anderen vorbeigeht, solange sollt-ihr nicht daran denken, euch an mich zu wenden. Der größte Teil Kinder war im Laufe der Jahre durch widriges Geschick aus dem Paterhause. vertrieben und mußte sich in fremden Ländern den Unterhalt suchen. Wenn sie sich aber an diesem Fa-milientag versammelten, da sprachen sie. davon, wie wundersam einstens der Tag war, als, sie noch alle im Vaterhaus versammelt waren, sprachen davon, welche Sehnsucht sie empfinden, wieder dahin zurückzukehren, um dort dem Vater näher zu sein als in den fremden Ländern; Ein , kleiner Teil der Kinder war