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Der Israelit · 1929-10-10 · Heft 41 (10.10.1929) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 41 (10.10.1929)
Date
1929-10-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6. Nr. 41 Der Israelit 10. Oktober 1929 malten, obwohl für -dasselbe feine Grundlage mehr besteht. Ein Memorandum der Hebron-Flüchtlinge an den Oberkommissar. Jerusalem, 19. Sepr. Die in Jerusalem wntergebra^^ten jüdischen Flüchtlinge aus Hebron haben an den Dbertmnmi'fjar, Sir John Chancellor ein Memorandum gerichtet, iw welchem sie die Vorgänge in Hebron in bewegten Worten schildern. Sie betonen-, daß sie mit ihren mostemi-lisch-en Nachbarn stets in Frieden und Freundschaft gelebt haben und ihnen medizinische und soziale Hilfe hatten angedeihen lassen. Die Flüchtlinge erheben besonders ge- : gen die beiden Sche-ichs Muhamed El Jabri und Sabri Abdim, sowie gegen den VerwaMungs-beamten von Versheba Al Aares die Beschuldigung, Laß sie die Moslemiten in der Moschee und iw den Straßen zur Tötungder Juden ausgefordert haben. Iw dem Memorandum wird auch aus den Brief dse Großmnsti von Jerusalem an die Moslemiiten in Hebron hingewtesen, in welchem der Mufti seine Gläubigen auffordert, die Judenzu töten. Gegen den Mufti'» haben auch dte friedliebenden Mostemtten von Hebron Stellung genommen,. Der Verwaltungsoffizier von Hebron, Abdullah Kardus, an dew sich die Juden um Hilfe wandten, sagte ihnen, es fei nichts zu befürchten. Er hinderte die Juden, daran, sich mit Jerusalem -telefonisch iw Verbindung zu sehen. Am Tage des Gemetzels stand der Scheich Ta'leb Marka, der Leiter der moslemidischen Vereinigung von Hebron, in der Nähe der Moschee Bab El Zawia undrief ununterbrochen der Menge zu: „Allah und Mohammed befehlen Euch, die Juden zu töten!" Ander Spitze der Hu-ki-gans marschierte der arabische Lehrer Abdullah Pakub. Der Polizeichef Cafserata vertröstete die Juden damit, daß ihnen nichts geschehen würde, wenn sie nur ihre Häuser nicht verlassen. Doch unternahm der Polizeichef nichts, als Araber vor seinen Augen den Juden Leibe! Hatte! töteten. In dem Memorandum werden dann die Greuel, die die Moslemiten in den Häusern der Juden begingen, geschildert, ebenso die Entweihung der Synagogen. Zum Schluß unterbreiteten die Hebron-Flüchtlinge die folgenden Forderrmgett an den Oberkommissar: Den Verrvaltungsoffizier und den Polizeichef seines Amtes zu entheben und vor Gericht zu stellen; die gesamte Ortspolizei in den Anklagezustand zu versetzen; in Hebron soll eine aus Engländern und Juden bestehende Polizei stationiert werden; die Repräsentanten des Obersten moslemitischen Rates, die den Mob aufstachelten, sollen sich vor Gericht zu verantworten haben; die Teilnehmer an den Metzeleien sollen streng bestraft und zur Zahlung einer Entschädigung angehalten werden; die geraubten Thorarollen sollen zurückgegeben werden; gemäß der unter den Arabern herrschenden Sitte sollen alle Teilnehmer an dem Gemetzel zur Zahlung eines Lösegeldes verurteilt werden. Gegen einen arabischen Chauffeur in Hebron wird die Anklage erhoben, 19 Juden ermordet zu haben. Der Angeklagte selbst gab vor der Polizei zu, daß er 15 Juden getötet hat. - Streik, Boykott und Terror. Jerusalem, 1. Oktober. Der arabische Boykott gegen die Juden nimmt allmählich die Form eines unerträglichen Terrors an. Jüdische Angestellte einer Zigarettenfabrik, die einer arabischne Firma gehört, wurden, als sie sich heute morgen zur Arbeit einstell-te, durch arabische Postenaufgefordert, sofort ihre Arbeitsstätten freiwillig zu verlassen, da man sich sonst gezwungen feh-en werde, sie mit Gewalt zu entfernen. Dte Jerusalemer jüdische Bevölkerung mußte heute aus jede Fleisch-nahrung verzichten, weil die jüdischen Schlächter und Schächter aus Furcht vor arabischen Angriffen, vor denen sie vorher gewarnt worden waren-, es nicht wagten, das Schlachthaus zu betreten-. Vor einigen Tagen haben arabische Schlächter einen jüdischen Schlächter angegriffen und ihm schwere Verletzungen bei gebracht. Nachher erfuhr man, daß das Gerücht, von der Ueberfallsabsicht -arab,sicher Schlächter auf ihre jüdischen Kollegen übertrieben war, die Schlachtung von Vieh für den jüdischen Konsum wurde wieder auf genommen-. Der Kreis kommissar von, Jaffa, Major Campbell, empfing den Bürgermeister von Tel-Awiw, Dizengoss, und den Vize-bürgermeister Roca-ch, die wegen der arabischen Boykott-Propaganda und -der mangelnden, Sicherheit in den Grenzgebieten von Tel-Awiw -interventerten. C-ampbel erklärte, mit der fortschreitenden Vermehrung der Gendarmerie wird auch für die Sicherheit von Tel-Awiw iw einem erhöhten, Maße gesorgt sein. Die palästinensische Polizei hat alle vorbereitenden Maßnahmen getroffen, um die jüdischen Flüchtlinge -in die Lage zu versetzen, in düs verlasfeinen Heime zurückzukehren. Zu Roschhaschonoh sollten alle Mischen Flü chtlinge, mit Ausnahme jener aus Hebron, Moza und Giveath Sch-aül, in ihre Heime zurück-gekehrt sein. Der Jerusalemer Waad Hair (Jüdische Gemeindeverwaltung-) wurde von der Regierung ersucht, den Flüchtlingenmitzu-teiten, daß dte Behörden alle Vorkehrungen für ihm Sicherheit getroffen haben und daß sienunmehr getrost in ihre alten Heime zu-rückkehren mögen. Die Situation in Palästina. Jerusalem, 3. Oktober. Kleinkrieg! ist -die richtige Bezeichnung für die -derzeitige Lage. In der Nacht zum 1. Oktober wurde -in Jerusalem der aus dem Jemen stamm-ende 35jährige jüdische Schuhmacher Sdwwtn M o u h ajez von einer durch das Fenster in seine Wohnung abgeschosstnen Gewehrkugel schwer verletzt. Er war allein in seiner Wohnung. Seine Nachbarn hörten wohl -einen Schuß fallen, aber wegen des herrschenden, Belagerungszustandes, der ein Betreten -der Straße nach, 6 Uhr abends verbietet, magte es ntema-nd, das Haus zu viertel sse-n, um zuerkunden, was es mit dem Schutz für eine Bewandtnis hatte. So lag Soliman Monhajez aus einer schweren Kopfwunde blutend, eine ganze Nacht in seiner Wohnung, bis ihn Nachbarn, gegen 5 Uhr morgens in einer Blutlache liegend aiuffanben und -ihn ins Hadasia-H-Hospital transportierten, Sein Zustand ist hoffnungslos. Als dte Polizeiden, Führer der arabischen Boykott- Propaganda, Jarv-di- Al Hab ab, verhaftete und ihn in das Gerichtsg-ebäude eirtiDteferte, versammelte sich eine große Menge Araber vor dem Gerichtsg-ebäude. Einige Araber drangen in das Gebäude ein und versuchten, Habab zu befreien. Dader vor dem Gerichtsgebäude ausgestellte Polizeiposten gegenüber der Menge machtlos war, stieg ein militärisches Flugzeug in die Luft und gab Schreckschüsse ab, woraufhin sich dte Menge zerstreute. Jawdi Al Habab wurde nach seiner Einv-ernahme aus freien Fuß gesetzt. 32 arabische Einwohner des Dorfes Ttreh wurden zu je 5 Jahren Gefängnis, 5 weitere Araber des gleichen Dorfes zu je zwei Jahren Gefängnisverurteilt. Sie waren beschuldigt, am 26. August -einen Angriff auf Beth Galim, die jüdische Vorstadt von Haifa, versucht zuhaben. Die Angreifer auf Beth Galim wurdenmittels Aeroplan zerstreut -und o-on -einer MiMärabteilung, verfolgt, dte 50 der flüchtigen Angreifer festnahm. PolizeUnspektor Matson, der als erster an dem kritischen- Tage den Anmarsch der Angreifer sichtete, hatte sofort sein Motorrad bestiegen, um militärische- Kräfte he-r-anzuholen. Im Aieroplan, der gegen dte Arab,er au-fftie-g., befandsich als Beobachter der Richter Litt. Polizei-inspektor Fo-öey sagte vor Gericht ans, daß am 26. August die Lage für Haifa eine überaus ernste war; wäre -es -dem Mob gelungen, in die Stadt einzudringen, so wäre Haifa einschweres Schicksal beschi-ede-rr gewesen,. Inder- Begründung des Urteils sprach, der Richter dem Inspektor Matson hohe Anerkennung aus und sagte, ganz Haifa schulde diesem Beamten Dank; durch, sein -rechtzeitiges Eingreifen wurde -ein Blutbad vermieden. Auch die Verurteilten schulden ihm Dank, weil er sie an größeren Verbrechen behindert hatte, aus die die Todesstrafe steht. Währendder Gerichts^ Verhandlung wurde das Gerichtsgebäude von 50 Soldaten bewacht. Bor dem Gebäude hielt -ein Panzerauto die riesige Menge Araber in- Schach, die, als die Werurteilten iw Ketten geschmiedet herausgesührt wurden, in lautes Wehklagen ausbrach. Die Anklage wegen Ermordung der Familie Mattest in Moza wird gegen 12 Fellachen! aufrechterhalten-; alle 12 Werbern gemäß einem Artikel des Strafgesetzes abgeurtei-lt werden, der für solche Verbrechen, die Todesstrafe vorsieht. Auch ei« jüdischer Plünderer verurteilt. Jerusalem, 3. Oktober. Der Po'lizoirichter verurteilte den jüdischen Jugendlichen Abraham Michel, -der zugegeben Hai, am 26. August aus einem arabischen Hause Wertgegenstände entwendet zu haben-, zu sechs Monaten Gefängnis. Der Anwalt Michels führte die Jugend -des Angeklagten, dev durch die Unruhen aus dem Gleichgewicht gebracht worden war, ins Treffen. In M-ifchen Kreisen ist manüber die ' Tat des Jugendlichensehr -empört. Es ist dies der ersts unde-mMis Fall, daß ein- Jude wögen Plünderung bestraft wird-.. Eine Anzahl jugendlicher Araber, die sich an -der Plünderungder Mischen Kolonien Beer Tobia und Hulda, beteiligt hatten, und bei den-en aus den Kolonien -ent-- wende-te Gegenstände gefunden wurden, wurden zu verschiedenen Strafen, -von der Verabfolgung von sechs- Pei-sichenhieb-en bis zu einem Monat Gefängnis, verurteilt. 15 Araber, die sich, an der Aktion gegendte erwähnten Kolonien beteiligt hatten-, wurden -den Gericht ten gegenübergestellt. Die Bewachung der klagemauer in den Rosche Hafchanah-Tagen. Jerusalem, 7. Oktober. Während -der Rosch-Has-chanah-Tage war dte Klage-- man er, an der eine große jüdische Gemeinde betete, militärisch sehr scharf bewacht. Schon am Freitag!, den 4. Oktober, 10 Uhr vormittags, wurde eine mit Maschinengewehren und Handgranatenausgerüstete starke Jnsanterie-AbteAung zur Verstärkung der Polizeiwache an -bie Kl-agemauer beordert. Ste rückte vondrei Seiten an und -nahm an der David-Z-ktad-e-ll-e AuWellü-ng. Ws um 4 Uhr nachmittags die Juden sich zum Gebet andie Klagemauer begaben, -umsäümten Abteilungen Soldaten mit Stahlhelmendie zur Klagemaue-r führenden Stra-> ßen und Wege. Die kürzlich aus Aeglypten eing-etroffenen PanWmu-tos haben an den- Haup-t-dvr-en der Wsitadt strategische Positionen eingenommen. Am Freitag v-ormittag, wurde eine mili-tärische VerfÜMng betreffend -dte Mischen Gottesdienste an der Klagemauer v-erösfen,Mcht, -inder die Juden daran gemahnt werden, -daß -an der Klagemauer nur diejenigen Gegenstände benutzt werden können-, die iw der Versüß gung der Regie-rung umschrieben wordensind. Das von den Moslemiten neu geöffnete, zur Omar-Moschee führende Tor -ander rechten, Seite der Klagemauer bleibt während der Mischen Feiertage geschlossen. Auchwurde den Arabern verboten, ihre Maultiere an der' Kilagemauer vorbei zu treiben, wie sie dies anjüdischen Feie-rtagen in früheren Jahren zu tun pflegten-. Ueberhaupt wurde jeder Durchgangsverkehr an der Klagemauer während der jüdischen Feiertage v-erbutew. Der Marsch der Truppen, die Feldküchen- und Munitionsksiten mit sich führten, zur Klagemauer lockte große Menfchsnmassen aus den- Häusern auf -die Straßen, insbesondere auf die zur Altstadt führende Ja-sfa-Straße. In der Luft kreuztenmehrere Aeroplan-e. Es war offene bar Absicht der Regierung, die Militärische Kundgebung, so eindrucksvoll wie möglich zu gestalten. Amerika. Rosch-tzaschanah-Gruh des Präsidenten hoover. Newyork, 7. Oktober. Der Präsident der Vereinitz-ton Staaten, Herb-ert Hoover, hat durch -die Jüdische Teteg-r-aphen-Agentu-r einen Gruß an die amerikanische Judenh-ei-t aus Anlaß, des Mischen Neujahrs ergehen' lassen. „Das Ne-u-jahrsfeft des Judentums-, heißt -ssin der Botschaft des Präsidenten, ist allen Bürgern unseres Landes ein willkommsMr Anlaß, mit Ve-wunder-ung, und Dankbarkeit an dte von ganzem Herzen stammende Loyalität und die hochgesinnten Ideale des jüdischen- Teils der Bevölkerung zu denken. Ich begWckwünsche Sie nicht allein zu di-esen für -unser bürgerliches Leben so wertvollen Eigenschaften, sondernauch zu ihrer unentwegten Politik zur Förderung-der gegenseitigen Achtung unter den- Nati-onen, die immer mehr For-sichritt-e macht." Herr Franklin Roosevett, der G-eneralgonverneur des Staates Newyork, hat aus Anlaß des Rasch Haschanah durch dte Jüdische Te legräph eu--Age-ntur einen insehr herzlichen und anerkennenden Worten abgesaßten Gruß an dte Judenschaft des Staates Newyork ergehen 'lassen.

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