Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1929)
- Date
- 1929-10-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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10. Oktober 1929 Schweiz. Der Wilnaer Raw in Montreux. Montreux,, 22. Sept. ' ©ei'ct 'ßiimiigjcn Tagen weilt Rabbi! Eyajim Ofer Grodzenski, der Raro von Wilna, mit seiner Gattin M der Schweiz,: Aus die Ku-Nde von txar. Ankunft Rabbi! 'ChchlM Oslers im Montreux geriet «die.-doMgö Jefcht-- wcch begrefflicherweHe ingroße Begeisterung, da ss für alle Bachurim -einer Talmudschlllle ein Creitzniis sondergleichen bedeutet, einen Thorafürsten v-on der Grütze Rabbi Chajim Osers zu Gast zu haben. Rabbi Chajim Ofer HE tsi-ks zur Erholung Monkrenx «!fs Aufenthaltsort gewählt, teils aber auch, um Zeit zu gewinnen«, wichtig« Deschuboch (halachische Gutachten) auszuarbeiten, da er in seinem Heimatsort vor Arbeitsüberlastung nicht mit der nötigen Ruhe daran gehen kann. Vergangenen Sonntag war die orthodore schweizerische Judenh-eii bereit, dein großen Gaon würdigzu empfangen. Don St. Gallen, wo der Rabbi! einige Tage zugebracht -haWe, ging die Fahrt Mer Zürich, wo hervorragende Derkveier der Gemeinden und viele Interessierte den Gast ehrfurchtsvoll begrüßten, und Baden, wo sich der R>aw mit feinM Daiömidtm nebst vielten GemeiNde- MitgliedWn am Bahnhof «ingefunden hatten, nach- Montreux. Hier herrschte festliche Erwartung!, da auch der Rasch Jeschi-wah, Herr Botschko, nach kurzer Abwesenheit mit -dem Gaon von -der K-enessi-o eintreffensollte. Eine Delegation der Jeschiwah war den Gästen -en-tgegsngesahrsn, während alle Bachuirim auf dem Bahnhof von Montreux in fvsudiger Spannung Spalier bildeten, den hohen Gast stürmisch b-egirüßt-en und ihn mik Gesang und Tanz Nach der Wohnung, von Herrn Botschko geleiteten. Dort ergriff der Rosih Jeschiwah -das Wort, um feine Bachurim wieder zu h-egrüßen undden hohen Besuch mit hem Schchechi-onu-Ssgenherzlich Willkommen .zu heißen. ErschMertein s«iWr feierlichen Rede das hohe Ansehen, das der Rabbi unter allen Thoragelehrteri der Gegenwart genießt und die höchst geachtete Stellung, die -er durch fein tiefes Beherrschen des babbimfchen Schrifttums und fsmr -a-ufopfer-n-des Wirken für Klal Israel! als oberste Au-to-Mät in der gesamten Judenhe-it «innimmt. Sodann gab Herr Botschko feiner gro-? tzen FrÄiid« Ausdruck' darüber, Latz' der Rabbi trotz zahlreicher -Einladungenfeiner Schweizer Verehrer gerade Montreux, wo bfife Thora ihre Burg besitzt, als Aufenthaltsort wähÄe. In seiner AnAvvirtrede drückte Rabbi Chajim Ofer feine freudige Ueberraschung aus, in Montreux eine junge und schöne Jeschiwah im Westen besuchen W? können, in der ein so -tiefer und vorbildlicher Geist -herrscht -wie in den berühmten Thorastäöten des Ostens.. — Cs herrschte bös spät in die« Nacht hinein «ine gehobene Föststimmung, getragien von ftem Bewußtsein, einen «der bedeutendsten Thorag-eWhrten unserer Zeit zu Gast zu haben und der Hoffnung, von feinem Motzen Thoralicht bestrahlt zu werden. Tschechoslowakei. Die Zionisten vor den Parlamentswahlen. Prag)!. Oktober. In einer -gemeinsamen Sitzung Der poMschen Reichskommifsi-on für di« Dschechostowcrlkei und de-s Landeskomitses des zionistischen Zenirakvorbandes ist beschlossen worden, gmseinsam mit dem „Polst Sviazek Lu>- dovsk-i", sowie mit der -polnischenfozialidem-okratffchen Arvchterparchei in die nunmehr -offiziell für 'den 27. Okto-- berausgeschriebenen Wahlen -öinzutmten. An dieser Liste beteiligt sich auch die jüdische soziialdem-o-ßvMsch« Arbatrepartei „Poale Zion", die bisher in allen. Wahlen gesondert vorgiing, sowie der „Misrachi". Mit der „Jüdischen Partei" in der Slbwabei schweben , noch die BerhanDLungen wegen -eines gemeinsamen Vorgehens. Me ein füihvender jüdischer Politiker dem JTA-Dertreter erklärt, liege in dieser Kombination eine Möglichkeit, im zweiten- Skrntinium 3 bis 4 jüdische ALgieordnetenmantzate erzielen, sobald es gelingt, inr ersten Wahlgang ein Mandat zu gewinnen. Dieses Mandat ist durch die Stimmen der polnischen Gruppen gesichert. Italien. Faschistische Presse gegen Schomre Schabbos. Rom, 4. Oktober. Die halboffizielle „V-ervtas" in Rom und der „DöMfch-e Beobachter" in Münchenbefassen sich in längeren- Ausführungen mit dem Schomre Schabbos-Welwerband und D e r Israelit_ dem kommenden' S-abbatko-ngreß. Sie kommentieren die Tatsachen, ldatz in Amerika 35000 Juden am Sabbat arbeitsfrei geworden sind, daß Agudas Jisroel und der WeMund Mischer Frauen ihre Sympathie für den Schomre Schabbos-WMtv«vban>deiNdeMg ausgesprochen haben, dahin-, daß. „in nächster Zeit eine sehr ernste Die Woche. Berlin. Am 26. September fuhr die zweite Gruppe d-euifch-er Chaluzim nach Palästina ab. Sie bestand aus - 35 Chakuzim und Chaluzo-th, in der Hauptsache Mitglieder des zweiten Kibbuz „Chernth". Die übrigen Ehaluzirn und Chaluzoch, -für die Zertifikate durch das Palästina-Amt bereits erteilt sind, werden im Verlauf des Monats Oktober die Reise nach Palästina antreten. — Die R-e-präsen'tantsnvers-ammliuny der Jüdischen Gemeinde hat auch dieses Jahr der „ Gesell'schaf t z u Gesundheitsschutz unter den Juden „Ose" eine Subvention von Mk. 3000.— bewMgt. Dessau. Im Rathaus zu C o s v -i -g (Anhalt), der Gsburtsstadt Hermann Cohens, wurde am Sonntag Me vom Berliner Bildhauer Jllemann geschaffene Bronzeplakette!des großen Marburger Philofophen enthüllt. Die Plakette zeigt im Ausmaße von 75 Zentimetern im Quadrat den Kopf Hermann Cohens, um den- Kopf herum die Inschrift: „Hermann Cohen, Neuerer der Ideenim <Änne Pliatos und Kants, Professor der PMosophte an der Universität Marburg- 1872-—1912, geboren in Coswig 4. 7.1842, gestorben in- Berlin 4. 4. 1918". Beuthen. Der Jüdische Par-- lamentskkub hat den polnischen Innenminister ersucht, Maßnahmengegen die im polnischen Teil O b -e r s ch l e s i-e n s üb-erhandnehmvnde antisemitische Presse-Hetze, befo-nders die -des „Verbandes für soziale SelbstverteiA-- gung" und seines Organs „Do Czinu", zuergreifen. Wien. Zwischen der spaniolisch-jü-dischen Gemeinde Wiens und der wissenschaftlichen Akademiie Rumäniens in Bukarest kam es hinsichtlich des Legats des vlsrstorbenen spamo-lischen Juden- El-i'as zu einem Bergleich, demzufolge dis AkadE-e der Spantolen-GemMde eine Summe von 60.090 Schilling als Mfertigiung zahlt und die gesamten Prozeß? osten trägt. Me SpMvidlen- Gemeinde -wird 'diese Summe -als ständigen Elias-Fonds zum Bestender KMurinstiitution der SpanioLen vn-Vegien-. Prag. Im Wintersemester 1929/30 werden an der Karlsuniver.sli'tät i-n Prag, Seminar für fermlis-che Sprachen, Vorlesungen und Uevungen in Neuhebräisch stattfmden, u. a. wird das Mischna-Trwktat Kiduschin über das altjüdffche Ehswcht durchgen-o-mmen-. London. E-in-em vor kurzem herausgegebenen Veracht der englischen Bibelgesellschaft ist zu entnehmen, daß im ^letzten Jahre -etf Miil-lto nen Exemplare d-er Bibet v-erkauft wurden. Hierzu kommen ' vier Millionen der schottischen!, neun Millionen der -amerikan-ifchen und zwei Millionen von anderen Geslellschaften; M-sglesamt wurden in diesem einen Jahre 26 Millionen Exemplare der Bibel verkauft. Warschau. Das meist von Juden bewv'hnte Städtchen Slupia Nvwa, Kreis Ki-ekce, '! wurde jdurch Me Feu-ersbrunst fast gänzlich 'vernichtet. 70 Wohn,Häuser und zwei Synagogen brannten bis auf den Grund ni-eder. 300 jüWchö FamWM- Md obdachlos geworden. Unter den Geschädigten sind mehr als 80 Proz. Juden. Jerusalem^ Zwei jüdische Polizisten^!die sich weigerten,, unbewaffnet im arabischen Mertel Menft zu tun, wurden entlass-M -und verhaftet. Dahingegen werden arabische Polizisten -m jüdischen Vierteln überhaupt nicht verwendet. — Im Hafen von Jaffalud am 2. Oktober ein Dampfer 300 Juden, darunter 120 ChaluziM, aus-. Newyork. Bis zu Roschhafchono waren in den Vereinigten Staaten eine Million 806 000 Dollar für den Palästi-na-Hilssfonds zusammengekommen. Kanada sammelte Dollar 100.000. — Dem britischen Premiermin-ister Ramsay Macdonald wurde auch von jüdischer Seite in Amerika ein feierlicher und herzlicher Empfang bereitet. Jüdischen Deputationen gegenüber sprach er dis Ansicht aus, daß nicht das arab-ifche Volt, sondern die arabischen Großgrundbesitzer die ergenibichen Feinde des jüdischen Aufbaus in Palästina sind. öffentliche Kampagne für den Sabbat und gegen dM Sonntag zu erwarten' fei." Es ist überflüssig, zu- -erklären-, daß die ans -reliWösen Motiven entstandene Sabbatb-ew>egung sich niemals ge- Nr. 41. Seite 5 EINE VORZÜGLICHE Q AA H O L Z FRAN Kfll B T-A-fl-GEG B :184J gen ein« religiöse Institution wie den Sonntagwenden kann und wird; die von Schomre Schabbos propagierte Fünftagewoche erstrebt überdies die Ausdehnung -der allgemeinen- Son-niagsru'he auf den Sonnabend. Rutzland. Die Sowjeiregierung und der Iomkippur. Moskau, 7. Oktober. Die Sowjetregierung hat für den 14. Oktober Men „Tag der Kollektivität" proklamiert; an diesem Tage sollte überall gearbeitet, der Ertrag dieser Arbeit sollte zugunsten der Verwirklichung -der Idee der Kollektivifierung i-m Sinne des Komm-umismus verwendet werden. Dadurch, daß der 14. OMber auf den jüdischen Versöhnungstag fällt, gerietendie Mischen Kolonistem ingroße Verlegenheit, da -die jüdischen Kommunistendafür agi-, ti-ert-en, daß die Ju'den sich von ihren nichtjüdischen Genossen -nicht äbson-dern' und gemeinsam mit ihn-en am 14. Okt-ob-e-r die Feldarbeit bestellen sollen. Als -ab>er das ZentralexekuOvkomitse der Sowjetunion nachträglich erfuhr, daß -auf den 14. Oktober der jüdische Berföhnungstag fällt, wurde beschlossen!, mit den Juden eine Ausnahme zu machen. Der Mzepräsident -der Sowjotregierung, Herr Smrdowibs-ch, versandte heute auf telegraphischem Wege eine Jnstrukbi-onan die Rög-verung der Krim -und Ukraine die kautet: „Sollte der Arbeit am „Dag der Kollektivität" in den Mdischen Kolonien Schwierigkeiten begegnen,, so hat das ZentrNlexekuiivk-omitee nichts dagegen, 'daß für die jüdischen Kolonisten -ein anderer Tag für die Arbeit zugunsten der Kollektivität bestimmt werde. Me RegierungM der Krim und -der Ukraine mögen die ihnen un° tersteü'ten Organe dahin informieren, daß die Juden an ihrem Bersöhnungstage von der Arbeit zugunsten der Kollektivität befreit werden sollen." Diese vom Zentralex-ekutivkomibse getroffene Anordnung ist -ein schwerer Schlag für diejenigen Kreise, die gegen die jüdischen Feiertage agitierten-. Me Moskauer Zeitung „Emeh" fordert die Mischen Kolonisten auf, trotz dieser Anordnung am Jom Kippur zu -arbeiten. Dabei gveift -die Zeitung nochmals den Moskauer KorrefpondentMi der JÜWchen DelegrapyM-Ag-eniur sehr heftig an, weil er die Aufmerksamkeit der Oeffen-tlichbeii und der kompetenten Stellen -daraus gelenkt har, daß die jüdischen Kolonisten -dadurch, daß der „Tag der Kollektivität" mit dem Jom Kippur zusammensällit, in Verlegenhei-t gebracht worden sind. Valästtna. Die Höhe der jüdischen Schäden in Palästina. ' Jerusalem, 24. Sept. Me Ansprüche, die die Jeschiwah von Hebron -als Ersatz der Schäden- -cm Leben und Eigentum der Jeschkwah-An-gehörigjen erhebt, 'betreffen- Me Summe von 60.300 Pfund; darinsind als Schadenersatz für die Angeh-örigen jedes der Getöteten 2000 Pfund enthalten, mit Ausnahme -der getöteten -amerikan-lschen -und litauischen Staatsbürger^ deren Angehörige durch ihre Staatenindividuelle Anfprü-che -erheben. Der Schadenersatz, -der von 'geschädigten- Ju-denin Haifa insgesamt beansprucht wird,, b-eÄäuft sich aus rund -0.000 Pfund. Das Komitee der Geschädigten der Kolonie Artuss überreichte dem Oberkommi-ssar Si-'r John Chancellor -ein Memorandum-, in welchem die einzelnen Schäden genau verzeichnet 'und -die Gesamtsumme des beanspruchten Schadenersatzes gen-cm-nt wird. -i-De Kolonie fordert von der Reg-ie-run-g Möglichkeit des Wiederaufbaues und Sicherheit für Die Zukunft. Laut dem in Palästina früher zur Anwendung gebrachten ottoman-ffchen Religions- und Zivilrecht hätte manfür M,en Getöteten 250 Pfund und fiir den Verlust ein-es Gliedes ei-ne-n vom Gericht zu ermessenden Betrag bis zur Maximalhöhe von 250 Pfund zu beanspruchen. Es hat den Anschein, daß sich die Rechtssachverständi-gen der Regierung auf dieses Gesetz noch stützen