Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1929)
- Date
- 1929-10-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Nr. 41 Der Israelit 10. Oktober 1920 gleich durch zweckmäßig angebrachte Fenster. Aus gleichem Grunde empfiehlt sich auch ider weiße Jnnenanftrrch der Wände, wenn man -es Nicht vorzieht, überall weiße Decken ringsum cmzubringen. Wieviel der Reflex ausmacht, weiß jeder zu beurteilen, der einmal statt einer dunklen Tischdecke -e-imie weiße auflegt. Sofort merkt man die leuchtende Helle. Da wir in der N3iv ein grünes Dach haben, also auf den Widerschein von oben überhaupt verzichten müssen, so sollen wenigstens die Wände das Ganze etwas heben. Die ganze Wohnzimmerhelle w!ird> ja trotzdem kaum zu erreichen fein. — Ein besonderes Augenmerk ist dem Schließdach zuzuwenden. Es soll uns die Möglichkeit verschaffen, nach vorübergehendem Regen sofort wieder bernzio ni’tp’ ms» obliegen zu können. Es fei also gut und leicht handlich zugleich. Die beste und praktischste Form ist üte mit einfachem Tuch überspannte Holzrahme, durch deren Mitte zwei Griffstangen laufen, die nach dem Herabdrücken an den Seltenwändender rDio mittels emies Riegels festgelegt werden. Dieses Schließdach ist so leicht, daß ein- Kindvon 7 oder 8 Jahren mühelos das Oeffnen und Schließen besorgenkann. Es ist das Satteldach zu empfehlen, d. h. zwei Dächer Lezw. Halbdächer, die beim Schließen in der Mitte etwas übereinander greifen, nicht das einseitige Lehmdach. Dieses übt einen einseitigen- Druck aus zum Nachteil des ganzen' Baugefüges. Beim Halbdach verteilt sich der Druck gleichmäßig nach zwei Seiten-. Auch ist die Möglichkeit geboten, bei recht kühler Witterung den einen Laden zu schließen und sich unter die offene Sukkohälfte zu setzen. Falsch wäre es, die Rahme mit doppeltem Tuch zu bespannen; hier setzt sich erst recht das Wasser hinein. Wie beim Regenschirm so ist auch hier nur einfaches Tuch zu verwenden. Die stramme Spannung ist das Wesentliche. — Da zur Herbstzeit auch mit Wind und Sturm zu rechnenist, sind die Schließdächer mit herabhängenden starken Schnüren zu versehen, die man gegebenenfalls an dafür angebrachte Haken oder Ringe befestigt. So kann der Schließladen vom Wind nicht in die Höhe getrieben werden. Es ist ratfam, dies allabendlich beim Verlassender rniv vorzunehmen. Niemand ist sicher davor, daß während der Nacht sich nicht starke Winde einstellen. — Die Dachgitter seien nicht zu groß und nicht zu klein bemessen. Wir halten 20X20 Zentimeter für eine wohl entsprechende Größe; sie bietet eine praktische Tragfläche für das Lauüdach und auch vielfältige Gelegenheit zur Anbringung des rniv *u» des Sukkoschmuckes. Zur Belaubung sind Tannen- und Fichtenzweige zu empfehlen; sie find wohlriechend und dauerhafter als Laubblätter. Beim „Decken" richte man sich die Zweige handnicht daran, etwa nur in der Vergangenheit mit seinen Erinnerungen zu leben. Er lebt ganz in den Kämpfen- und Bestrebungen des Heute. Er kennt Pallrere, schätzt Lippmann und spricht mit Hochachtung von der Entwicklung des Judentums, die im ganzen Westen einschließlich Deutschlands und Frankreichs sine Heimkehr bedeutet. Kein Wort des Stolzes über den heimisch orthodoxen Gottesdienst seiner Synagoge, dem er noch allabendlich beiwohnt, kein Wort der Einschätzung seiner mühsam aufgebauten Gemeinde. Ein Mann, der sechs Jahrzehnte der gleichen Gemeinde gedient und sie durch schwerste Zeiten geführt, — ein Rabbiner, d m auch jetzt im 93. Lebensjahre talmudische und profane Wissenschaft noch gleichermaßen stisch und vertraut sind und der die Großen der heutigen Literatur so herzlich und gründlich schätzt wie die seiner Jugend, — man scheidet von ihm mit dem Wunsche, dah'seiner Kehilla solcher Führer weitere, lange, glückliche Jahre hindurch und ihm selbst ein befriedigender Lebensabend beschieden sei. C. Wochenkalender. v. 12. — 19. Okt. 1929 u 8. — 15. Tischri 5690 Samstag 12 ■: 8 Sonntag 13 9 “-1D3 DV 21S Montag 14 10 11V2 VN Dienstag Okt. 15 'Ivo 11 Mittwoch 16 12, Donnerstag 17 13 Freitag . 18 ,14! :;v N12V ms Samstag 19 15 'K’DV ftW "s lich her; sie 'dürfen nicht gegen das Tuchdach bauschen, sonst wird letzteres leicht beschädigt, auch laufen Regentropfen gern! an den Zweigen herab. Selbstredend wirdman das Dachgitter in grüner Farbe halten, der Farbe des Laubes -entsprechend. In mehreren Winkeln Eckbrettchen anzubringen, ist sehr zu empfehlen, sogar einige übereinander. Man kann da allerlei ablegen, vielleicht auch d'en Leuchter mit den „Zündlichtern" dort abstellen, falls er nicht gut auf dem Tische Platz findet. Wegen Feuersgefahr ist oben darüber ein Metalldeckel anzubringen, grün -angestrichen. Diese Vorsichtsmaßregel gilt auch da, wo noch düe altehrwürdig Schabboslampe von der Decke herabhängt. Leitet man das elektrische Licht in die fwiö' so verwende man den Steckkontakt, bei dem man nur die Birne zu drehen braucht. (Am tr> selbstredend nur durch Richtisraeliten). Ein Schalter ist nicht nötig. Roch ist über den Standort der nmo etwas zu sagen. Auch das gehört zum ganzen Bauplan. Die Sukko muß „NV3 stehen". Am ungeeigneten Platz ist selbst die schönste Sukko ^ivs. Es ist vor allem den religionsge fetzlrchen Forderungen zu genügen: nicht in der Nähe einer Dungstätte oder von ähnlichem, auch -niicht in einer Atmosphäre übelriechender Ausdünstungen*) aber bestimmt oder höchst wahrscheinlich auftretender störender Hindernisse elementarer Natur oder sonstiger Gefahr. Im Zeitalter „'deutscher" Friedhofsschändungen muß der -offene Straßenraum als ungeeignet zü-m Sukkobau bezeichnet werden. Der stille, allseits umschlossene Hof ist der idealste Platz für eine hdid. Dort ist sie auch äußerlich ein Bild Israels, des Friedens und Ruhe atmenden Stillebens im freudigen undbeglückenden Dienste Gottes. Will man dem Bilde auch äußerlich noch einen schöneren Rahmen verleihen, etwa durch ein freundlich wirkendes Blumenarrangement vor dem Eingang oder an den Seiten nzn aiv no' desto besser und angenehmer. Wir haben im Vorstehenden die Mahnung ergehen lassen, frühzeitig an Mizwas N3iv zu denken und haben einige Fingerzeige für die praktische Ausführung angefügt. Man muß sich in der Tat wundern, wie viele Leute noch den Widersinn, nicht begreifen, Sukkaus ohne nmo zu feiern. Gibt es ein Konzert ohne Musik? Einen- Wald ohne Bäume? Eine Stadt ohne Wohnstätten? Freilich hat nicht jeder — namentlich in Großstädten — Raum und Gelegenheit zum Sukkobau. Wo es aber möglich ist, da sollte jede Familie ihre Sukko besitzen. Und welchen Anreiz bietet der Aufbau gerade für die Jugend! Tritt doch die ms» im Gewände der Schönheit uns entgegen und bietet dem jugendlichen Schaffensdrang willkommene Gelegenheit, sich „künstlerisch" und erfinderisch zu betätigen. Sollte man solch fruchtbares Ackerland unbenutzt liegen laßen? Was denkt man sich eigentlich beim Machsorlesen am Sukkosfesie, wo die Laubhütte und der Feststrauß m den höchsten Tönen dichterisch verherrlicht werden: '3 frya N3iv ms» *nn mmpn m rms» *?3 „Laß das Hüttengebot nicht gering geachtet sein in deinen Augen, es ist dieses Gesetz so reichhaltig als sämtliche Gebote." (Festgebet vom 2. Tag.) Man hat Geld übrig für Reifen, Radi-oeinrichtung, Grammophon-platten, Vergnügungen aller Art, Luxusgegenstände, Zeitungen und Romane, bringt aber keine 8 oder 10 Mark -aus, um sich einmal, nur einmal im Jahre den Sukkosfeststrauh, die a*r» srmx anizuschaffen. Dabei gilt Nicht einmal die billige Ausrede, beides feien „nur" rabbin-ifche Anordnungen. Ausdrücklich und unzweideutig ist sowohl das msiv -Gebot wie die Mizwah des Lulof in der mm ausgesprachen: »'»' nyaizri3i2m rvoiöi' Wohnet sieben Tage in Hütten, ^rrlV'3 mtNri jeder Eingeborene %t Israel' wohne inder Hütte. (3: B. M. Kap. 23). Ebenso üdV »nnj?Vv nehmet euch die vier Pslantzenarten. Spricht man nicht über bei¬ *) Eine Scheidewand, auch eine provisorische, gilt als Trennung von Dungerstätte, wenn, nicht Ausdünstung stört. des das freudige ii'NNV? Nur Tage trennen uns vom schönen Hüttenseste. Mögen die Lauen und Wankelmütigen sich aufraffen, sich jetzt noch -ermannen zum großen Werk. Es bildet nach dem Wort der Weisen ein starkes Plus auch für den Bersöhnuuigst-ag, der dem maio vorangeht. Der gute Wille macht alles. Ihm fällt Nichts schwer. ps*i 'N' ist -eine ständig im Gebete wiederkehrende Bitte an den himmlischen Vater. Wenden wir sie -auch einmal ernstlich aus uns selbst an. Korrespondenzen « Nachrichten. Deutsches Reich. Ariedenskimdgch-mg Wischer Araum in Berlin. Berlin, 1. Oktober. Der aus Vertret-e-r-mnen sämtlicher jüdischer Frauen-- ovgamsation-en zusammMg«efetzte F r a u>e n a u s f chu tz des Jüdischen- Friedensbu-ndes v-eraustaktöte Sonntag, den 29. September, vorin. i-nder Hochschule für Musik, Lha-rlottsuburg, eine Fr-i-sdeu-skundg-sbuugvon fsierlichem Ehamkte-r. Nach einem eindrucksvo-ll-en, durch Käthe Franken vorgechrageuen, Prolog von Fn-eda Mehl-er legte die Vorsitzende des Frauenausschusses,. Ernestine Eschelbacher, ingroßen- Zügen -die Ausgaben des Jüdischen Friedensbnndes und die besondere' Friedensbe-rufung der Frauen dar. Direktor Oscar Wassermann sprach als Vertreter des Präsidiums den „Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden" von dem Verhältnisdes Jüdischen Fvieden-sbun-des zur Arbeitsgemeinschaft!. Im Namen des Jüdischen Fri-edensbundss begrüßte D-r. Alfred N o f f i g die Friedensbewegung der jüdischen Frauen als Teilerscheinung des Wektringsn-s der Frauen um den- Frieden. Das gehaltvolle Referat der Chemikerin' Dr. Claudia Löwe schilderte die Schreckendes kommenden Gaskrieges und gi-pfel-te in der Feststellung: Ein wirksamer Schutz gegen Gasangrisfe ist unmöglich-; die Abrüstungs-- bemühungen des Völkerbundes b-ei gtsichz-Mger Vorbereitung des Gaskrieges sind eine Illusion. Rettung, kann nur die Aenderunig! der menWKchen M-eut-M-M durch die Erz-iehung b-rmg-en-. Das- Schicksal der Welt liegt in den Händen der Mütter. Die übrig-M- R-e-dnerr-nnen erbrachten den Bewe-is, daß die großen Mdifchen- Orgänifationen aller Richtungen sich auf dem Bodendes Fri'edensgedankens veveinig-en-. Einführung des Mainzer Raw. .Mai-n-z, 7. Ok-tober. ■ Am 27. Elul wurde der a-Ls Nachfolger unseres unver-geßlichen Rabbiners D-r. Bond-i b"Lr gewählte Herr- Rab-bmver Dr. M. L. Vamberger aus Va-d Kissingen in sÄerbch-em Gottesdienst -in sein Ami eingesührt. Die festlich erleuchtete. Synagoge der Jsmelitischen Religi-ons-- geföllschaft. wcvr fast bis aulf den Letzten- Platz gefüllt. Nach dem Chorg-escm-g v-on i2iv o» wurde das Mmchoh-Gebet verrichbet -und darnach -der Rabbiner vom Gesinntvorstand feierlich hevÄng-esührt und -an- -seinen mit Blumen ge-- schmückben Platz g-ele-itet. Der Do-rsitzende, Herr Dr. Sch-lessinger, begrüßte inherzlichen Worden den nsu-ge-mählten geistigen Führer der Gemeinde und erfle-hts Len Beistand des Höchstenfür -Lessen Wicken-. Darnach bestieg Herr Rabbidner Dr. Bamberger die Kanzel, um in formvolle-ndeter Rede feinen Gefühlen des Dankes gegen den Allmächtigen- -und für die-Gemeinde Ausdruck zu geben. Cr ge-lobbs, an -die Erfüllungfeiner - Aufgabe nach dem Vorbi-D fsinsr -großen Vorgänger Dr. Lehmann und Dr. Bond« V'xt mit hingebungsvoller Treue heranzu-gehen. Nach dem Maari-w-Geb'st und dem Gesang von Ps-alm 150 schloß die stimmungsvolle Feier, der außer den Eltern des' Rabbiners auch die Herren RabSinsv Dr. Ansbacher, Mesbadäi, and Dr.. M -e r z b a ch, Darmstadt, b-siwo-hn-tert.