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Der Israelit · 1929-10-03 · Heft 40 (3.10.1929) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 40 (3.10.1929)
Date
1929-10-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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3. Oktober 1929 Der Israelit Nr. 40 Seite 9 verhör mit der Bemerkung: Es ist nutzlos, diesen im Talmud geübten Knaben in seinem Denken zu erschüttern; er spricht die volle Wahrheit. Dieser Knabe -ist überhaupt Nicht fähig, eine Lüge zu sagen; sie ist seinem Wesen fremd. Der Knabe bestand darauf, alle drei Protokolle zuerst durchzulesen, bevor er seine, Unterschrift darunter setzte. Die arabischen Angeklagten bekräftigten ihrerseits die Protokolle durch Daumenabdruck. Die beiden Kinder Reizmann machten durch ihre außerordentliche körperliche Schönheit Eindruck auf die Anwesenden. Die Sitzungen des Gerichts wurden vertagt bis zur Einvernahme mehrerer wichtiger jüdischer Zeugen, die an ihren Wunden im Spitale darniederliegen und noch nicht vernehmungsfähig sind. Personalien. Höchberg, 80. Sepb. Am 4. Oktober begeht Herr Direktor St-e-in-hä-user sein 25. Amtsjuüiläu-m als Lehrer imä> rrachmaOgier Direktor an der Israelitischem PräparaindM^ und DürgerschNle Höchberg. Dieser Anilaß vervMts am 29. September Kuraloriuin, Lehvsr und« Schüler zu emey schlichten, Feier ki betv Räumen der Schute; eine größere Veranstaltung hatte sich der JubMlr beschsiderM'wsrse verbeten,. Im, Namen des Kuratoriums würAgiten, der Vorsitzende!, Herr Samuel Pfeuffer und Herr Friedrich Pfeusfer, im Namen des, Lehrerkollegiums Herr Präpavandenfehrer I. Ertebacher und für die SchWechchaft Präparand I. Cysue-r die verdienstvolle Tätigkeit des Jubilars als Lehrer und Schiullevter und zollten, ihm innige Worte des Dankes. Herr Direktor Steinhäuser kam 1904 als Lehrer an die Präparandenschnle Höchberg und übernahm 1913 die veranikwortungsvölle Leitung >der Schule. Er führte ein ständiges Ringen gegen -b-i« erdrückende Ifinangiells NoUage-, die die Schute dem Untergänge preiszuge,den drohte — stets beseelt von dem Gedanken, daß das Erbe des oereroigken Gründers!, Rabbi Clofor Otdensoser der jüdischen Welt erhaltenbleiben müsse. Es ist ihm gelungen, dieses zu vermirkMchie-n; die von ihm geleiiteite Schäle zsigjt ein erfreuliches Wachstum und ist heute mit 12 Lehrern, und ca. 80 Schülern die evnWe jüdische Prüparandenschüle Deutschlands. Der.Jubilar verstand es in den 26 Jahren seiner Tätigkeit durch rastlose und liebevolle Hingabe an seinen Pfliichtenkreis, sich die Sympathie von Lehrern und Schülern, das Vertrauen des Kuratoriums, Wertschätzung und AnerkMNUM 'der Behörden zu erwerben,, wovon die ihm dargjebrachten Ovationen beredtes Zeugnis vbkegten. Von Musikalischen und deklamatorischen Darbietungen der Schüler umrahmt, nahm die Feier einen erhebenden Werlaus, ,der den Teilnehmern' wvhik unausloschAich itn Gedächtnis bleiben wird. Gerührt dank^te der JuMar für die chm -erwiesenen Chrungenmicht ohne M seiner Bescheidenhsit den Erfolg seiner Tätigkeit auf diie eifrige Mitarbeit der Verwaltung, und des Lehrerkollegiums abzuwälzen. Möge es chm vergönnt fein,, noch! recht lange an der Heranbildung der Jugend zu ihr,em idealen, Berufe mvtzuwimken. 2211 ni'-mnt-i nn-m Vermischtes. Almbach, Krs. Schlüchtern, 22. Sept. Am SonntOg den 16. September weihte die Dorfgemeinde lUmbach ein schlichtes Ehrenmal für ihre im Weltkriege gefallenen Söhne ein>. Da auch zwei Juden auf. dem Denkstein verzsichnöd sinh, hatte das Festkomitee die kleine Jüdische. Gemeinde gebäerv, «inen GeffMche-n bet der Feier sprechen, zu Msen. Das Vorsteheromt der Jsraeliiten, zu Hanau Hatte, da der. Herr ProvinzialrObbiner dienstlich verhindert' war, Herrn Lehrer' Marx, Gelnhausen, gebeten, an 'dev Feier teilzunehMM'. Mvch der Weiherede des katholischen GeisMchen, der Verehrung und Hochfchätzung der Ddifchen Religion zollte,, sprach Herr Lehrer Marx ergreifende Worte des Gedenkens. Die großangelegie Rede machte einen guten Eindruck ' auf die große Tvcruergemeinde und 'dürfte wesentlich dazu beitrag,en, das gute Einoernehmen, das hier zwischen Juden und MchHuden besteht!, zu vertiefen und zu, befestigen. Bad Sissingen, 30. Sepf. Das GmniMück Therestem straße 11/12, auf welchem bis,her der Restaurationsbetrieb des Hotel Ehrenveich sich befand, geht am 1. Oktob'er in nichtsttdische Hände über. Der Gesamtbetrieb des Hotel Ehrenrsich wird von diesem Zeitpunkt an in dem nach Kriegsende erworbenen Grundstück TheresieNstraße 4 zusammengefaßt und von der Familie Jeidek unverändert weiitergeführt. Frankfurter Berichte, Die Einführung des Frankfurter Raw. Das gewaWge Interesse,, das in allen, Kreisen der Israelitischen. Röligionsgesellschast und weit darüber hinaus Ae Einführungsssier am Donnerstag Abend erweckte, wirkte sich schon eine halbe Stunde vor Beginn der Feier in einem zeitweise fast lebensgefährlichen Gedränge vor den Toren der Synagoge aus. Eine solche Menschenfülle sah die Synagoge seit ihrer Einweihung! im Jahre 1907 nicht mehr. Cs waren für die Mitglieder, und Platzinhaber Karten -aus-gegeben und «in ganzer Stab von Portiers und fvdmiMgm Helfern hatte schwere Arbeit, um den Menschenstrom reibungslos durch die Türen zu lassen und jeden „kn Frieden aus seinen Platz" zu. bringen. Aber alle fanden Platz, und' die Feiier konnte vor einem Auditorium von Tausenden bei festlicher Beleuchtung zur festgesetzten Minute pünktlich beginnen-. Ein Mah Dauwui - Gesang des- Chores leitete das Minchogebet, vorgetragen vom Herrn Oberkantor, ein. ^Nun geleitete der Vorstand den Herrn Rabbiner in feierlichem Zuge unter den- Gesängen des »2.11112 in die Synagoge und auf -seinen Platz. Voran 'der Herr Rabbiner, chm zur Linken Herr Rabb.-Ass. Gerson Pos e n und hinter ihnen -die V0rstandsmitgli'eder. Ein nrwt' um» des Chores beschloß den Cinzugsakt. Darauf betrat der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Naftali S ch w a b ach e r . die Stufen, der heiligen Lade, wo neben der Kanzel noch ein Podium, aufgestellt war, und richtete ein Wort der warmen- Begrüßung an den neuen Führer der Gemeinde im Namen des Vorstandes, des Gemeinderates, wie der ganzen Gemeinde. Mt heißer Sehnsucht habe man auf den Dag gewartet^ nun da -er gekommen,. sei Anlaß genug zum Feiern, „Me zwei bisherigen Rabbinen der Gemeinde hatten hervorragende Weltbedeutung, und ihnen sei es nächst, '"vn zu danken, daß die Gemeinde so groß geworden ist. Von gleichen Idealen beseelt, werden. Sie sich, verehrter Herr Rabbiner, Ihren Vorgängern würdig anreihen, und mit den Ihnen von Gott gegebenen Kräften und Fähigkeiten die Gemeinde zu einer weiberen- Aera des BMhens führen." Mit dem Worbe.psi mm das in der laufenden Sidm Mösles seinem Nachfolger Josua zurust, in, der Deutung, die S. R. Hirsch diesem Worbe gibt, begrüßt der Vorsitzende den, neuen Rabbiner, und ntit den weiteren Worten fw rrt>i -ja-p kV -jVrn 'tv Darauf besteigt ,unter lautloser Stille der tausendköpfigen Menge Herr Rabbiner Joses I. Horovttz die seit drei Jahren verwaiste Kanzel. Mit einigen Psalmzitaten drückt er zunächst -tiefen DOnk aus gegen, Gott, der ihn bis hierher geleitet, gegen Ae Gemeinde, die ihn an Ae Spitze gestelltund die Verwaltung, Ae durch den Mund ihres Vorsitzenden ihm heuteihr und der Gemeinde Vertrauen, .ausgesprochenhatte. Welche Gefühle ihn beherrschen, da er sich anschickt, Ae Führung in einer Gemeinde, in der in der Vergangenheit bis zuletzt so große Männer, Leuchten der Diaspora-, gewirkt haben, ließe sich nicht in Worte kleiden, so wenig wie das Lob Gottes, , das sich in Worten nicht erschöpfen kann, -und dennoch stets nach Ausdruck ringt. Mit dem Segensspruch, den man nach talmudischer Vorschrift beim Wiederaufbau jüAscher Häuser sprechen soll, 3'xn 1112 ,-u»Vk Vi:u mödjtbe er seinen ersten Dank zum Ausdruck bringen, in dev Hoffnung, in -der Erwartung, daß die schmerzliche Uebergangszeit für Ae Kehilla nunmehr überwunden fei' und -einheitLicher Friede eiNkehre. Er fei, sich des Pflichtenkreises, der seiner harre, voll bewußt, und es solle an seiner Kraft, an seiner -ehrlichen Absicht, an seinem Streben bis zur. Selbstverleugnung nicht fehlen. Der Erfolg wird von- Ihm, dem Herrn der WM, beschieden. Er selber wolle es mit soin'em großen Großvater hallten, der von sich bezeugte, D'»-on nK mmi -»anat? -r^iva kV »V» La er wie.dieser all -seine eigenen Interessen weit hintenan, stelle vor -den- Interessen der Gemeinschaft, die zu levtener berufen fei. Das Sechus seiner Väter, wie das der großen Väter der Kehilawerden zufam-menwirken, daß ihm die Fortsetzung des großen, Werkes feiner Vorgänger gelinge. Diesen Gruß- und Segensworiden schloß sich dann eine kurze Droscho an m rnitmüpfumg anden ersten Satz des Wolchenabschnittes "01 vsVis ovn o’asa onK- -'Die Weifen stellen diesem Verse Zeinen anderen aus Mischte gegenMer 2iav' v'x"'?L 71-21 oa->Ki v'vsi 2'v7i- Das Haus der ZadMm. das sei das Haus der Kehila. Abraham nannte Gott -Md seinen Dienst einen, Berg-, Jizchok ein Feld, Jakob ein Haus. War der erste Raw der Frankfurter Israelitischen Rsligionsgesellschaft ein Geistesheros v'0-n ragender Bedeutung, der ein gan-' zes Zeitalter zur Berges hö h e d er G o ttes erkenn tni>-s emporrief-, so hat sein Nachfolger Rabbiner Salomon Breuer^, seine ganze überragende Kraft darein gesetzt, das tw, den- Acker der Thora zu beftellen- und mit reicher Saat zu bedenken. SÄn-e, des R-e'dn,ers Aufgabe, werde es fein, die reiche Ernte, Ae die Lebensarbeit dieser beiden großen Meister gezeitigt, zu sichern, ins Haus zu bringen und die Mauern, dieses H -a u ses zu fe st ig e n. Die Vielfalt der Meinungen und Ideen sei go-ttgewoW und go-ttgegeben', darum auch die Brocho a’nn ödh wenn man Menschen-- mengen in -einer Reihe sieht. Darum sprich-t auch Moses zu Gobi ->»2 VaV nurnn 'piVrr n nipw „Gott der Geister für alles Fleisch". Das Fleischliche,, die körperliche Beschaffenheit ist im Ganzen bei allengleich, nur in wenigen Nuancen unterscheid'et sich leiblich der Mensch vom Menschen, so -ist es aber auch mit -der seelischen Beschaffenheit. Die Grundelemente der Seele sind b-ei allen gleich, bei Men Mt. Der Führer habe sie, so vielfältig und verschieden die menschlichen Meinungen sind, in einen Rahmen zu brin,gen, -damit auch die Brücke zu den früheren Generationen zu fralu-en. Der Führer setzt -Ae Arbeit seiner Vorgänger fort, wenn auch jeder Führer -seiner Jett Ae öig,ene Prägung ausdrückt. In Aesem Sinne seiten auch seine Sorge und seine Arbeiit dckhingemfydei, daß -das n’pns v'2, das Haus, aus verschiede- Tragen Sie die gute Auf Wunsch “UPD Verarbeitung -Kleidung nen. Bestandteilen sich zusammensetzend, doch em Emh-eit- -viches und Ganzes bilde. Und über das Haus hinaus. Alle, die noch außerhalb sind -und zu uns kommen, werden. Mit gleicher Liebs empfangen. Heißt es doch im Wochenabschnitt dieses Mal I'INV a-ij>a Ivrr yai- Der Fremde, der zu dir kommt, ist schon in deiner M-iiie. Und -ist es ein 2pv' rv>3 so werde er auch des Waisen- Wortes eingedenk bleiben: n'iwn apy Die Frauen, Ae Trägerinnendes Mischen Hauses sind, wirken zum Aufbau der Gemeinde mit. Die Tage, Ae uns Ae Selicho in die Hand geben, rufen uns zur Versöhnung aus, zur. Versöhnung b'is zum letzten, Reste *v>kpk ivrH ni>0K ’a So wird das Jakobshaus wachsen, und gedsihenc Mit dem Maarimgebet und dem Schlußakkord des Hallelujah schloß die denkwürdige Feier. Mögen all die Segensworte und -Wünsche des Abends voll in, Erfüllung gehen zum Wohlle und zum Gedeihen unserer Gemeinde und der Gemeinschaft. * * * Am Abend vereinigte ein Festessen im Hotel Ullmann den neugewählden geisti'geni Führer der Gemeinde und seine Familie mit den Mitgli'edern des Vorstandes, des Gemeinderates und den zahlreichen Gästen aus dem Osten, die zur Begleitung ihres Lehrers und Meisters mit nach Frankfurt Mkommen waren-. Es waren um vergeßliche Stundender Erhebung, -indenen manches herrliche Thorawort zur tieferen Erfassung der Bedeutung des AugenbKcks beitrug. * -■ Im Laufe der Woche hat dev neue Raw feine Tätigkeit bereits mit -einer Reihe von Mussarvorträgen an Hand des mnn^n min , die allabendlich stattfinden, begann neu und die, obgleiich ursprünglich für -einen engeren- Kreis bestimmt, infolge des ungeheuren Andrangs des Publikums aus dem Hörfaal in Ae Synagoge verlegt werden mußten. Diese Vorträge werden während der DeschU'wo-Dage fortgesetzt werden. * * * Vom Mek0 r C ha j i m wurde dem Herrn, Rabbiner Ae Ehren Präsidentschaft übertragen. Er hat für das Wintersemester Vorträge aus 0012« pa übernommen, über Ae noch Näheres bekannt gegeben wird. Die Woche. . „Entwicklungen im Judentum". Uebey-das Referat bei.-der Darmstädter Verbandstag,Mg. (siche Korrespondenz in Nr. 39) geht uns noch folgender Bericht zu: Das groß angelegte Referat von Herrn Schachnowitz behandelte zunächst in lichtvoller Weise das Problem» welches für den gesetzestreuen Juden mit der Persönlichkeit Mendelssohns verknüpft ist. In sehr einleuchtender Weise motivierte Redner die gegnerische Einstellung der großen Rabbiner der damaligen Zeit gegen die Bibelübersetzung Mendelssohns damit, daß Mendelssohn bei aller persönlichen Gesetzestreue nicht etwa die Bibel um ihrer selbst willen übersetzt habe, sondern um durch diese Uebersetzung dre westliche Kultur in den jüdischen Kreisen Deutschlands heimisch zu machen. Gegen diese Degradierung der Thora aber, sie als Mittel zu einem solchen Zweck zu benützen, wandte sich der Protest der damaligen jüdischen Führer. Das auf Mendelssohn folgende Zeitalter mit seinen ästhetischen Salons, seiner Taufseuche und völligen Abkehr vom Judentum wurde vom Redner als Vorstufe der Reformbewegung gezeichnet, die im Entsetzen über den völligen Abfall von der Religion zu retten versuchte was zu retten war, sich aber in diesem Rettungsprozeß damit begnügte, lediglich einzelnen Symptomen des Abfalls und dazu noch mit falschen Mitteln entgegenzutreten, so etwa den Gottesdienst durch die Orgel tei'Lveife zu erhalten u. dergl. Auf die Wurzel des Uebels ging sie aber nicht ein. Es blieb erst einem Samson Rafael Hirsch V"5ti Vorbehalten, das jüdische Deutschland und darüber hinaus Westeuropa wiederum für die Thora als solche in ihrer ungeschmälerten kompromißlosen Totalität zu gewinnen. In packenden Ausführungen schilderte Redner dann den Bankrott der Reformbewegung, die jeder Ideologie bar ihren eigenen Anhängern nichts mehr zu bieten vermochte, ihre Jugend unbefriedigt lasse und

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