Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1929)
- Date
- 1929-10-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 40 Der Israelit seitbald einem Jahve amti-enend-en High-Commissivne-r Aerodrom -m' iki Nähe von Ka-l-enA-cch abg-efaht wunde, erhielt 12 Monate Gefängnis z-u-AM-ert. Drei arabische junge Leute in TuKavem, die ohne Erlaubnis ber Polizei eine Kund-gebun-g venanstwltet ha-t-t-sn, wurden mit einer Geldbuße von je zwei Pfund verurteMt. Sie Wurden von drei, prominenten arabischen Anwälten verteidigt, di«e gegen das Urteil Berufung -omle-g-ien. Vergiftete Nahrungsmittel. — Wirtschaftliche Katastrophe. — Die Situation. Jerusalem, 19. Sept. Die Araber sind in PaliästinawefenOch -die Produzenten und Großhändler der landw!irtschaDichen Produkte. Gegenwärtiig zög-er-t die jüdische Bevölkerung noch, Menschen abzukause-n, von denen sie nicht weiß, ob sie mit jüdischem Wut besudelt sind, — und man verzichtet lieber auf Obst und Gemüse. Dadurch ist sicherlich vieles in Fäulnis übergegangen-. Jmmerh-ön haben einige Inden schon wieder bei Arabern gekauft, — und im ebnem solchen. Falle wurde in Tel-Awiw die Bespritzung von Wei-nt-raubenmit einer Giftkösung festgesteW. Auch von Jerusalem wird ein noch rechtzeitig entdeckter Fall non vergifteter Milch berichtet. Die schwache wirbschaMche Position des größten Teils der pctlästin^<lsischen Juden-, die nur — echtes Pi-onier-tum — durch ein Leben äußerster Selbstbesch-etdung haltbar war, hat durch Ae Atzten Wocheneine schwere Erschütterung erfahren. Arbeitslosigkeit, Mangel an Verdi-eNstmö gtichkeit sind außer der Börnichtung von Hab und Gut nundie Parolendes Tages geworden-, während vorher -das Wirtschaftslebensich fortschrettend, wenn auch langsam, gehobenhM-e. Auch /ist der Hunger eMemisch geworden. Hunderte junge Deute, Ae m dem Selbstschutze in -denletzten- Wochen ihr Lebenaufs Spiel gesetzt hatten, stehen jetzt oerzweiselt da. Was bedoute-n bet diesen- Zuständen die .Sammlungen des Auslandes-? Auch läßt der Hunger njicht warten,— und bei den Sammlungsmethoden! heißtes warten -und warten-. Cs fehlt übrigensim Lande -eine großzügige, umsichMche disztplinberte Organisierung der Hilfe. Dieser Mangel! an der Kunst des Organisierens ist ja sM Anfang des Aufbaus zu- -konstaWeren,, und er hatte z. B. die vierte Altjah ich Jahre 1925 zum Scheitern gebracht und Mi-llionen Pfund jüdisches Vermögenzerrieben, zum DM zugunsten der Araber, Ae -für das- Anwachsenihres Wohlstandes jetzt -den Juden die Quittung überreicht haben. Dis Stimmung der Juden -ist sehr gedrückt. Das lebensfrohe Tel-Awiw -ist z. B. nicht wiederzu-erkenmen; Stille herrscht -in der ganzen Stadt. Von 7 Uhr abends andarf niemand mehr Ae Straßenbetreten. Zu den Maßnahmen der Regierungfaßt man k-ein rechtes Vertrauen, da sie in der Stunde der Gefahr versagte. Me sich die Zukunft gestalten wi-bd, das ist die bange Frage eines jeden — trotz des Willens, auszuhalten. Wenn Ae Regierung nicht -endlich den arabischen Wilden- -die starke Hand zeigst, wile es die türkische Regierung jederzeit v-erstan-den hat, wenn sie die dis kreditierten o-eraNtwoMchM Beamten nicht befestigt undwenn sie nicht endlich in Wahrheit' den Sinn des Mandates verwirklicht, wenn -Aes alles nicht geschieht, dann ist der Aufbau Palästinas aufs schwerste gefährdet! Zofe al Zion. Situationsbericht aus Palästina. Jerusalem, 15. Sepb. Tiefste Be-rzweiflun-g lastet auf -der Judenheit Palästinas. All die Zehn'taufende von Juden, Ae seit der Balfour-DeklarMon gekommen sind und Ae Entsagungen des Pioniertums in dem verödeten, verwüsteten Lande aus sich genommen haben-, fühlten wenigstens Vertrauen auf die von dem England der Balfour-Deklaratzion sing-esetzbe Regierung in sich. Wir Inden, haben schnell einen En-thusiasmus der Dankbarkei-t. Auch find wir zu menschlich, als daß wir unsin die skrupellosen- Schachzüge kaltherziger PoWtiker hineinzuversetzen vermögen. Schon von Anfangan-, schon unter -dem jüdischen Hi-gh-Commissioner, ereigneten sich Dinge, die uns stutzig hätten machen sollen. Die Behandlung der jüdischen Begimäve, bk Bor-snthaltung der Staatsländereien-, die Behandlung unserer Einwanderung. die Pogrome 1920 und 1921, deren Protektor, ein hoher Regi-erungsbeam'der, später nach oben besö-rdert mürbe, zeigten schon ebne Kluft zwischen Londons Verpflichtung und Jerusalems Ausführung. Doch all das war ein Kinderspiel gegen das, was sich jetztunter dem vorbereitete und während seiner Abwesenheit in der letzten Augustwo-che zur schrecklichen Ausführung, kam. Wir Juden- Palästinas befindenuns -heute lnder seelischen Verfassung v-on Menschen, dieman -in eine M o r d f -a l l e gelockt hat. Die Balfour-DeklarMon zog uns nach dem Lande unserer Ahnen zurück. Wir opferten Gesundheit, ZivAisMon, Vermögen, — und nun? Jerusalem, Chewron, Sasfed und eine An-zahl unserer Kolonien geben die Antwort! Alles», was man von den höchsten Regier-angsb-e-amten vor und während den Stunden der Metze-leien und Plünderungen sah, war ein untätiges Zufch-auen, das die aufgehetzten Mo-rdbanden -nur -ermuntern konnte. Wo man- -einmal al-t-iv wurde, wie bei der Evakuierung mehrerer jüdischer Siedlungen, da hatte man keine Vorsorge gegen Ausräubung und Ni-ederbvennung Mstrofsen — und so wur-den sie ausgeraubt und niedergebrannt. Drei- Wochen sind heute feit dem -blutigen- Crew Sabbat und Sabbat „Ekew" dahingegangen. Was wir seitdem erlebt h-ad-en, ze-ig-t eine -einheitliche Tendenz: das Grausige des Tatbestandeszuverwischen, die SchulAgen zu entlasten und -den unfchuDigen Opfern möglichst etwas anzuhängen. Die verantwortlichen hohen Beamten sind nicht, wie -es bei. -emem Kulturstaat-e selbstoerständM-ch sein müßte, bis zur Klärung zur Dispositiongestellt worden, — und sie können -ihren Einfluß weiter -ausüben-. D-en in ihrem Loben bedrohten Judenhat man die Waffen konfisziert, hat sie -eingefperrt und mit hohen Geldstrafen belegt. Die arabischen PW-nd-erer dageg-e-n, - die man unter anderen Verhältnissen erschossen hätte, sind in den b-vshsrigen. Urte-Wsn mit -etlichen Monaten- Gefängnis soptgekommen. Als ein Beamter des amer-ikan-ffchen Konsuls die besti-Msch verstümmelten Leichen in Chewron photographierenwollte, >da zerbrach ihm -ein Polizist seinen Appara-b. Jetzt nach fast drei Wochen kam endlich eine Kommission zur Feststellung nach Chewron und konntenatürlich an den verwesten Körpern (die Körper liegen Per direkt -in der Erde, dazu die Hitze), nichts mehr konstatieren. Niederschmetternd hat auch der Vorgang Donnerstag Nacht int „Doar Hajom" auf Ae paläftinensis-che Judenheit gewirkt-. Der Polizetchef von Jerusalem er-, schien plötzlich, warf Ae Drucktypenaus den Platten und versetzte dem anwesenden Redakteur Ohrfeigen. Das ist die gsegenwärtige Atmosphäre von PMsti-n-a. Dazu seit den verhän-gni-sv ollen Tagendas vvllstänAge Stocken des Wirtschaftslebens mit ihren Folgenvon Hunger und Not. Tm Juden- Jerusalems, die ilandwivtschafUch von Arabern versorgt wurd-en, von denen sie jetzt schon aus Angst vor Vergiftung nicht kaufen^, müssen sich mit Brot und Kolonialwaren behelfen und hatten dies-M Sabbat zum -ersten Male Mieder Woisch. Aber auch -in Tel-Awiw kauft manmejist nur vom Ausland -e-mg-eführdes Obst und Gemüse (Kartoffeln Zentner dreizehn Mark, Aepsel 50—80 Pfg. das Pfund), und bei dem Tnang-elnden Verdienst fehlt das- Geldhierfür. Doch das sind Kleinigkeiten gsgenübre unsererpoMfchen Situati-on. Was soll werden? Zofe al Zivn. Die ärabische Boykott-Propaganda. Jerusalem, 25. Sept. Arabische Agitatoren in den Städten Palästinas führen die Boy-kott-Propagcrnda gegen Handel und Industrie der Juden ungehemmt fort. Die Moslemitisch-Ehristliche Gesellschaft hielit in Jaffaeine Sitzung, -ab, in -der Pläne e-ines -allgemeinen Boykotts der Juden» in Zusammenarbeit mit -der arabischen Handelskammer erörtert wurden. Die arabische Zeitung „Meraat el Shark" pro-testtert -dagegen, daß die Regierung 9000 jüdische Flüchtlinge ernährch, sie drückt ihr Erstaunen darüber aus, warum nicht die Versorgung der Flüchtlinge mit Nahrungsmittelnaus den Mitteln geschieht, Ae durch Ju-den in der ganzen Welt aufgebracht werden. Die arabische Propaganda in d-en Palästina benachbarten Ländern scheint im Abflauen be-g-riffen zu sein. In Damaskus z. B., wo in den Tagen der palästinensischen Unruhen Massendemonstrationenfür die Araber in Palästina stattgesunden -hatten, wurde bis heute für den Fonds zugunsten der palästinensischen Araber im Ganzen ein Pfund aufgebracht.. Haftentlassung von 33 Haifaer Inden. Jerusalem, 26. September. Die 33 jüdischen Arbeiter, die in den Tagen der Unruhen in Haifa in den Grand Moulins (Rothschilds- Mühlen), wo sie sich zu ihrer Selbstverteidigung verschanzt hatten, von der Polizei verhaftet, dann unter'der Beschuldigung des vorbedachten Mordes in die Zitadelle von Acco gebracht.und bis heute festgehalten worden. Noch immer einzelne Angriffe. Jerusalem, 26. September. Die in Jerusalem noch immer herrschenden unsicheren Zustände werden durch den folgenden Fall illustriert: Ein alter 'Jude wurde in einer einsamen Gegend unweit der Häuser des Witteuberg-Kolel in der Nähe der St. George-Kathedrale vvon unerkannt gebliebenen Tätern erstochen. - Am Mittwoch, den 25. September, gegen 6 Uhr abends, versuchten arabische Marodeure-, die Dreschtenne in der Misrachi-Kolonie Nachlath Jaakow im Tale Jezreel in Brand zu stecken. Der Wächter der Kolonie wurde rechtzeitig auf den Anschlag aufmerksam und schlug Alarm. Daraufhin ergriffen die Räuber die. Flucht. Das angelegte Feuer konnte sofort gelöscht werden. Lin Wächter ermordet. - Jerusalem, 24. September. Schlome Sandler, der Wächter der Kinderkolonre „Kfar Jeladim", ist in der gestrigen Nacht von arabischen Plünderern ermordet worden. Die Räuber, die zuvor die Telesondrähte durchgeschnitten haben, raubten vier der Kolonie gehörende Maulesel. Eine Stunde nach dem geschehenen Raub traf Militär aus der Kolonie Merchawia^ etwas später Polizei aus Nazareth in Kfar Jeladim ein. Eine Spur der Raubmörder konnte bisher nicht gesunden werden. Das Kinderdovf iun-d- Ae Umgebung wirbjetzt von Militärpatrouillen stark bewacht. Der ermordete Sandler stammte aus Tiberkas. Erregende Szenen bei der Gerichtsverhandlung gegen die Teilnehmer an den Waffakres in Hebron. . , Hebron, 26. September. Die Vernehmung der 13jährigen Judith Reizmann und ihres 12jährigen Bruders durch das Gericht in Hebron war sehr reich an dramatischen Momenten. Judith Reizmann schilderte in schlichten Worten, wie ein heulender arabischer Pöbel ihren Vater, ihre Mutter und ihren Onkel verfolgte und wie sie nachher die Leichen der Eltern und des Onkels im Rinnstein fand. Colonel Marion von der walisischen Garde und andere Hohe britische Offiziere und der Gouverneur von Hebron, Valley, wohnten persönlich der Vernehmung bei. Judith Reizmann erkannte unter den ihr vorgeführten arabischen Gefangenen sofort die Mörder und wies auf Ibrahim Abd el Assiz, einen jungen arabischen Kaufmann aus Hebron, der ein Nachbar ihres Vaters war, als auf den Rädelsführer hm. Sie sprach den Mörder an und fragte ihn: „Ibrahim, wie konntest Du das tun, wo Du doch in meinem Vater einen Freund hattest?" Der junge Araber senkte voll Scham das Haupt. Mr. Bailey, der neue Gouverneur von Hebron, hatte bei dieser Scene Tränen in den Äugen, viele ändere. Anwesende schluchzten laut auf,- auch General Marion wurde von Rührung übermannt, ging zum Fenster und starrte hinaus. Judith erzählte weiter, alä die Araber an die Vordertüre ihres Hauses hämmerten und sie' schließlich einbrachen, habe ihr der Vatex -zugerusen, sofort einen Baum im Garten zu erklettern und sich in den Zwergen zu verbergen. Das gleiche tat auch ihr Bruder. Von der Baumkrone aus sah sie, wie die eingedrungenen Araber Vater, Mutter und Onkel vverfolgten, die sich durch Ueberklettern des Gartenzaunes zu retten versuchten. Ibrahim Abd el Assiz war mit einem gezückten Messer dicht hinter ihnen her und schrie ebenso wie die anderen Verfolger: „Wir werden Euch die Kehlen durchschneiden!" Was hinter dem Gartenzaun egeschah, sah sie nicht mehr. Aber als sie dann aus die Straße trat, sah sie die Eltern und den Onkel leblos im Rinnstein liegen, alle drei wiesen zahlreiche Messer- und Dolchstiche auf. Dem Vater war der Kops säst vom Rumpfe abgetrennt. Der 12jährige Knabe Reizmann machte seine Aussagen in esiiem vollendeten Englisch, Arabisch und Hebräisch. Er schilderte die Vorgänge bei der Ermordung seiner Angehörigen eindringlich, aber ruhig. Nach Beendigung seiner Aussagen sah sich der Richter im Kreise der Juristen, Beamten und Militärs um und sagte: Ich glaube nicht, daß irgend jemand hier über gleiche sprachliche Talente verfügt. Die arabischen Anwälte, die die Verteidigung der angeklagten Araber innehatten, versuchten, den Knaben durch ein Kreuzverhör zu verwirren, was ihnen aber nicht gelang. Der Richter beendete das Kreuz-