Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1929)
- Date
- 1929-10-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 40 Der Israelit 3. Oktober 1929 die daher allmählich, gleich einem Schwerkranken den Schinui Haschem, die Namensänderung „Liberalismus" vornehmen mutzte. Doch trotz diesem Bankrott der Reform sei es Sache jedes gesetzeslreuen Einzelnen und jeder gesetzestreuen Organisation, sich dessen bewutzt zu bleiben, datz noch drei grotze Gefahren dem westeuropäischen Judentum drohen. Die Indolenz und die vollkommene A p-a th-i e allen volig-iösen Bestrebungen gegenüber, verbunden mit einer Unwissenheit in jüdischen Dingen, welche den Tod alles jüdischen Lebens bedeutet, ferner die Uebertragung der neuen Sachlichkeit aus dem Gebiete der Technik auf das Gebiet der W-elinnschauung., was mW der Ertötung ideeller Bestrebungen g-loichzufetzen -ist, und die nur den Gradmesser der Nützlichkeit auch für geistige Bestrebungen an Stelle des jüdischen Idealismus anerkennt, endlich die Vermählung des sogenannten Liberalismus mit dem Zionismus. Liberalismus und Zionismus unterscheiden sich nur darin, datz elfterer die Assimilation des Individuums, letzterer die Assimilation des Volks ganzen an die Methoden des unjüdischen Nationalismus darstelle. Die Verknüpfung beider wie sie beispielsweise bei der Berliner liberalen Konferenz zu Tage trat, ist die moderne Auflage der alten Reform mit dem Unterschied, datz zu den Negationen der Reform noch ein unjüdischer positiver Inhalt hmzugesügt wird, welcher jeder religiösen Grundlage entbehrt. Nur der Weg von Rabbiner Samson Rafael Hirsch kann hier Rettung bringen, Selbstbesinnung auf die eigene Würde, Anerkennung des von Rabbiner Hirsch geprägten Organisations-Gedankens der selbständigen Orthodoxie in Gemeinde und Landesorganisation. Auch diejenigen, die diesen Standpunkt nicht teilen, auch diejenigen Gesetzestreuen, welche in gemischten Gemeinden den Standpunkt der Thora zu vertreten versuchen, werden zugeben müssen, datz sie ihre eigenen Erfolge nur der Tatsache verdankten, datz das machtvolle Gebilde selbständiger Orthodoxie ihnen den Rücken stärke. Die Erkenntnis und die Anerkenntnis der Thora als das konstituierende Prinzip der jüdischen Gemeinschaft mutz daher die Parole der jüdischen Gesetzestreuen unserer Tage sein. In den Dienst dieses Gedankens auch die Kultur der Moderne zu stellen, ist gut jüdische Tradition. Trotzdem die Ausführungen des Redners weit über eine Stunde in Anspruch nahmen, verstand er es, durch packende Beispiele aus dem Leben und der Literatur, die Zuhörer bis zur letzten Minute zu fesseln und sichtlich für die von ihm gezeichneten Ideale zu begeistern, wie dieses in eindrucksvoller Weise der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Merzbach, zum Ausdruck brachte. Dr.-n. Jüdische Arauenvereimgung & V. Der Ausruf der Jüdischen ^vawmo'&veün^iung (£. 23. um abgedegbe Kleider hat manchen schönen Erfohg gehabt. Eine ganze Anzahl von Spenden an gut brauchbaren Sachen ist eintgegangen, die 'gerade jetzt für den kommenden Winter gute Verwendung finden und manche Sorge verscheuchen mer&ew. Wien Spendern fei an dieser Stelle nochmals h-srzlichst für ihre Gaben gedankt! Gleichzeitig möchtenwir unsere Bitte wiederholen! Wenn erst die Kälte einsetzt, wird die Nachfrage nach warmer Kleidung und Unterwäsche weit größer sein als unser Borrat. Deshalbsind uns weitere Zuwendungen sehr -erwünscht. (Schütz-enstr. 1. pari.) Auf iÄ-öfomschsn- Anruf GPa-rote 44 217 lassen wir gerne -die Sachen -im Haufe abholen-. Thoralehranstatt Ieschirva Wie üblich endet das Semester mit -einem halachischen Vortrag des Rektors. Herr Rabbiner Dr. Joseph Breuer '"2 wird ihn über die i.“v n»v>) nr» ’sn veio am N21Dm«? nachm. 4.45 Uhr halten. Wegen der Umbauarbeiten m der Jefchiwa findet er ausnahmsweise in den- Räumen des Vereins „Mekor Ehajim", Langestraße 18, statt. Erklärung. Das Kuratortum der Thoralehvanftalt Jeschiwai, Frankfurt a. M.. Rückertstraße 39, schreibt uns: In letzter Zeit ist uns wiederholt zur Kenntnis gekommen, daß Sendboten angeblich für unsere Jeschiwa Gelder sammeln. Wir erklären^, daß es sich in solchen Fällen um einen groben Betrug handelt und -ersuchen, die Personalien festzustellen, die Legitimation zurückzuhalten und uns gefl. in Kenntnis! zu setzen. Die- Vertretung der Interessen unserer Jeschiwa geschieht lediglich durch die ehrenamtlichen Mitglieder unserer Verwaltung. Jloäf einmal die Riederhofheimsche Schul. Zur Notiz in der jüngsten Numimer wird uns gefchrvüben: „Es wird den Nachkommen, von Reb Binjomm Ninderhofherm schwer fallen,, den Namen unseres Minjans „NiederhofhÄmfche Schul", -den es über 70 Jahre trägt, und der heute jedem Kinde in Frankfurt geläufig ist, durch Erklärungen ausmerzen zu wollen. Die N-iedsrhofhsimfche Schul» wirdtrotz dieser „Erklärungen" und -trotz entgegengesetzter Gerüchts, in iihren neuen, schönen- Räumen als -die alte Niederhofhsimsche Schul weiter bestehen und fortgesetzt werden,. (Nachdem nun- Heide Teile zu Worte gekommen sind, dürfenwir die Diskussion darüber als geschlossenerachten. Red.). Malerarbeit in dem Jüdischen Turnerbund. Das Winterprogrcrmm, b>ereichert durch zweii neue Kurse, HE -in dem Jüdischen Turnerbund E. B. -seinen Anfang -genommen-. Es finden Gymnastik-Spork- und Turn-kärse -Mx Frauen, Damen-, Mädchen, AAe Herren, Herren -und Knaben statt, die. alle .unter der bewährten Leitung erster Lehrkräfte stehen. Gäste, -die Mer Uebungsftunde -beiwohnen wollen, sind herzlich dazu MgMden. '' Ein Tag der Blindenhilfe. Dis Bkin-denv-eredNigung- Frankfurt a. M. veranstaltet Samstag und SonnÜag, den- 5. und 6. Oktober, einen B lumen t ag zugunsten -ihrer Mitglieder. 180 Blinde genießen die Fürsorge der Bereinigung. Die Gelder sollen zum Teil zum Ausbau -der Werkstätten-, zum Teile zur Unterstützung erwerbsunfähigsr Blinder verwendet werden. Wer ein Herz hat für -die Not der Unglücklichsten der Unglücklichen, denendie Voraussetzung aller Lebenskraft und aller Lebensfreude,, das Augenlicht, genommen -ist, der wird an -diesem Tage mit seiner Spende nicht zurückhalten-. Dienstag, den 8. Oktober 1929: DES 11 JAHR. PIANISTEN Ezra Rachlin Sichern Sie sich schnellstens Ihre Eintrittskarten Leser dieses Blattes erhalten 20 % Ermäßigung auf allen Plätzen bei Pianohaus J. Neumann Frankfurt a. M., Zeil 29 Gegen den Alkohol. Aus dem am 13. September 1929. im Großen Saal des BolkshMungshsims ftattgehabten Begvühungsab-end des deutschen Vereins gegen den Alkoholmißbrauch nahm u. a. nach den Vertretern der christlichen Religionsgemeinschaften Herr Rabb. Dr. Horovitz als Verteiler des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes, der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, sowie der örtlichen jüdischen W o h l - sahrts stelle das Wort. Er führte nach stenographischer Aufzeichnung etwa Folgendes aus>: Aus den mehrtausendjährigen Erfahrungen der Geschichte des jüdischen Stammes darf ich Sie von ganzem Herzen zu Ihren Bestrebungen beglückwünschen. Das Judentum hat eine eigene Methode, einen ganz besonderen Weg in der Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs. Indem die jüdische Religion den Genuß des Weines unter ihren Schutz genommen hat, indem sie ihn in die Familie verpflanzte, indem sie ihre Besenner kehrt, die Sabbate und Feste durch ihn zu weihen und jedesmal einen Segensspruch zu sprechen, hat sie die jüdische Gemeinschaft vor all den schweren Ausschreitungen bewahrt, die anderwärts zu verzeichnen find. Und so sehr ein großer Teil der neuzeitlichen Juden sich von dem Segen des Gesetzes entfernt hat, in diesem Punkt ist wie in keinem anderen seine Wirkung spürbar bis auf den heutigen Tag. Ein Rabbi im Talmud meint, daß der Nasiräer, der dem Weingenuß freiwillig entsagte, darum ein Sühnopfer bringen mußte, weil er selbstquälerisch einen erlaubten Genuß von sich gewiesen hat. Diese Ausfassung ist aber nur zu verstehen im Zusammenhang mit dem ganzen jüdischen Gesetz, das durch 'eine Speisegesetze und nach so vielen Richtungen hin zur Mäßigung und zur Sekbstbescheidung erzieht. Ich habe darum gerade aus dem Geiste des Judentums heraus volles und warmes Verständnis für Ihre Vetrebungen, die dem ganzen deutschen Volke das uns gemeinsame Bibekwort in die Seele rufen: Sei nicht unter denen zu finden, die beim- WM prassen-. Ezra Rachlin ln Frankfurt. Wie -schon kurz berichtet, -ist -es -gelungen,, denlljährigen Pianisten Ezra Rachlin für M- M-mali-ges Konzert zu gewinnen. Bei Ezra Rachlin haben wir es nicht mit der üblichen WunderkinderfchMung zu tun, vielmehr -ist -der 11jährige Junge heulte schon M-o musikalisch hochstch-ends, künstlerische Pe-rföMchkeÄ, -wie das schon rein äußerlich das Programm zeigt. (Soarlatth, Beethoven, Schubert, Liszt). Csra Hai im In-- und Ausland bei Publikum und Presse sensationelle Erfolge erzielt. Das Konzert findet Dienstag, den 8. Oktober im großen Saalbau statt. Näheres siehe Inserat-. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Ehajim. Montag—Mittwoch morgens nach Schluß der Synagoge: Herr Dr. Sal. Ehrmann errat an. Montag und Mittwoch abend 7—8 Uhr. Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer: an- Jeden abend 83/4—91/2 Uhr. Herr Herz Holpern: trp« Lernen. Mittwoch morgens nach Schluß der Synagoge: Herr Red. S. Schachnowitz dis "n. Montag und Donnerstag morgens nach Schluß der Synagoge: rmrn Mitgliederlernen. Dienstag und Freitag morgens nach Schluß der Synagoge, nurm. Herr Dr. Elieser Posen. Jahrzeikssliftungen. Freitag, 11. Oktober. Moritz Kallmann-Stistung. Azudas Jisroel-Jugendgruppe. Am ersten und zweiten mpn vrri-Tage je 3^4 Uhr hält Herr H. Holpern einen Halachischen bezw. Mussaroortrag (Schwanenstraße). Täglich von 12—1 Uhr Dafjaumi-Schiur. Herr Herz Holpern. Sonntag, 8 Uhr vormittag (ebenso Mittwoch 9 Uhr abend) Chumisch. Herr Leopold Oppenheimer. Montag,'9 Uhr abends (ebenso Mittwoch) Mifchna. Herr Rechtsanwalt M. Katz. — 9 Uhr abends (ebenso rav nachmittag 3 Uhr) Gemoro. Herr Emanuel Wolf. — 9 Uhr abends (ebenso Donnerstag) Gemoro. Herr Gerson Schnerb. Dienstag, 3U9 Uhr abmbs (ebenso niw 3/45 Uhr) Gemor-o. Herr Leo Schnerb. — 3/«9 Uhr (ebenso ra® 3 Uhr nachmittag) Gemoro. Herr Dr. W. Hofmann. — 3U9 Uhr abends (ebenso mp 3/410 Uhr vormittags) Gemoro. Herr Dr. Js. Posen. Agudas Jisroel-Madchengruppe. Jeden Samstag nach Schul, iss '->r> Julius Lewin, Lokal Schwanenstraße 12. Sonntag,, 7—8 abds., Herr Dr. A. Merzbach, Jefajah Montag, 9—10, Herr S. Unna, Newiim, Uhlan-dstr. 68. Dienstag, 9—10, Herr Dr. D. We-ger, Trei Osor. Mittwoch, 8—9, Herr Lehrer A. Hirschberg, Dmim. Samstag, 4—5, Herr Lehrer A. Hirschberg, Tauroh. B. j. A. Mediziner ist Gelegenheit geboten, die Vertretung eines praktischen Arztes in einer mittleren Stadt Nähe Frankfurt a. M. für 4 bis 6 Wochen anfangs Oktober zu übernehmen. Zur Verfügung streng koschere Verpflegung, Auto mit Chauffeur. Umgehende Anstagen sind an das Wirtschastsamt der Vereinigung Jüdischer Akademiker (Leopold Deuffch, Hanauerlandstraße 25) Frankfurt a. M., zu richten. Gebetzeiken. •wn wm Freitag Morgen 4.30 Freitag abend 5.30 Morgen 5.55 predigt I. Tag Nachmittag 4.30 Samstagabend 6.45 Festesausgang 6.40 Wochengottesdienst: Morgens 5.15 Nachmittags 5.— Montag Morgens 5.— Montag Nachmittag 5.15 Tefillin-Legen am Morgen 5.30 Jamiliennachrichlen. G e burt e n: Eine Tochter, Religionslehrer Goldstein, Künzelsau, Württemberg. Varmizwo: Siegbert, 3. Sohn des Herrn E. Neuhaus, Hachenburg. ruu? ouv- Verlobte: Bertel Rothschild, Alzenau Ust., Ludwig Feldmann, Ladenburg, Nekar. Die Hee-Kinfnhr-Airma I. % ’&onnefetbt, Aranksurt a. M., gegründet 1825, bringt Teesorten in Originalpackungen in den Verkauf, die durch sachver. 'tändige Auswahl selbst dem verwöhntesten Geschmack Rechnung tragen. Die Liebhaber einer Taffe wirklich guten Tees mögen nicht versäumen, bei ihrem Lieferanten ausdrücklich Ronnefeldts Tee zu verlangen, er ist und bleibt der Beste. Dis un-srf-chöpfk-i-che M-ode der Zei-f bM&t m Form und Farbe des Damenschuhes un-g-ezählte Nuancen -und Bavi-a-lion-en-, so daß es der e-leWn-ben- Dame ein Leichde-s ist, ä-uch auf diesem Gediebe eine persönliche Note zu wahren. Cs sei -daher in diesem Zus-ammenhange allen -ernsth-äfien Jnleressen-linnen das nsu-e Eg-Gu-Fab-rikat „halbflufsig" in der Tube -au-s der Reihe der sonstigen weGb-ekannten Eg-Gü-Erzengnisse wärmstens empöhlen. Dieses wirklich voMommene und für das Leder völlig unschädliche Pfleg-emittel -hat n-iichtnur den- Vorzug -einer hervovragen-den Politur^Wirkung, sondern be- 'itzt -auch eine gute Rein-igungiskrafti, die besond-ers für üe gründliche Pflege hellfarbiger Leder von großer Bedeutung ist, _ Das jüdische Kinderheim in St. Moritz ist vergrößert worden, vor allem ist der geräumige Speiferaum eine begrüßenswerte Neueinrichtung. Da für den Winter bereits viele Anfragen vorliegen, wird um rechtzeitige Anmeldung gebeten. „Die Hirsch-Apotheke, Dr. Fresenius, Zeil 111, gegenüber der Hauptpost, hat nach wesentlicher Erweiterung ihrer Homöopathischen Abteilung ab 1. Oktober 1929 die- 'elbe unter dem Namen „Homöopathie-Zenstale" ihrem Betrieb angegliedert." Konzert