Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1929)
- Date
- 1929-10-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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3. Oktober 1929 Der Israelit Nr. 40 Seite 7 fmg des Numerus clausus; es darf nicht geduldet werden, daß sich innerhalb und außerhalb der Hochschule SzkMNi abspieten, die Ungarn in Borruf bringen. Der Artikel schließt: „UnMäWch W «s, >daß Aas Warmbeck diesier Zwiflchmsälle, der Numerus clausus, besMiigt werde. DeshaG*. Fort mit dem Numreus civaufus!" Rutzland. Kollektwifation am Iom Kippur. Moskau, 23. Sept. Die Regierung der Sowjet-Union hat den 14. Oktober als „Dag der Koltektivtfadiion" proklamiert; <m> dtesem 'Tage sollen «alle Mmern der Sowjet-Unilon zum Besten der Koltektloifierung der Landwirtschaft in Sowjetrußland arbeiten,, d. h. lden Ertrag dieses Arbeitstages einem Fonds ftir Kollbetivifierungzuftthren. Da der 14. Otto-- der au!f den jüdischen Bersöhnungsbag (Jom Kippur) fällt, sind die jüdischen Kolonisten ineiNe große Verlegenheit geratm. Sie fÜrch-M!, daß die jüdischen Kommunisten Mit allen Mitteln oersnchon werden, die ArbM aus den Feldern der jüdischen Kolonien zu -erzwingen, -damit die SoltdarMt -mit domallgemeinen Bauerntum gewahrt Wird. — Die Kampagne der jüdischen Kommunisten gegen -dis hohen jüdischen- Feiertage hat sich in den letzten Tagen Verschärft. Ueberall wird die Forderung nach Wegnahme jüdischer Bethäuser -für ArbeilterklUbs -erhoben. Die frommen Juden errichten in der Nähe der Synagogen große Holzbaracken, um für den Fall der BöschlaWvHme der Synagogen Wer -eine Andach-tsfEtt-e LU verfügen. „Iewfekzia" erläßt ein Manifest. M o s k a u , 20. September. Die jüdische kommunistische Sektion in der Ukraine hat ein Manifest an die jüdischen Kinder erlassen, in welchem diese aufgesordert werden, das Fest des Roschhaschono und des Jomkippur nicht zu halten und, statt die Synagogen zu besuchen, zugunsten sozialer' Zwecke zu arbeiten. Die Kinder werden aufgefordert, bei ihren Eltern zu agitieren, daß auch diese an den hohen Feiertagen ihre Arbeit tun sollen. Das Manifest enthält 12 Punkte, in denen die Kinder aufgefordert werden, den Kampf gegen die Religion zu führen und den Eltern den "Gehorsam zu verweigern, wenn diese sie zu religiösen Handlungen aufsordern. (ITA.) Schweiz. Israelitische Religionsgesellschaft za Basel. Basel, 30. September. Die Israelitische Neligionsgesellschaft zu Basel, aus dem Vereine „Schomre Schabbos" hervörgegangen, hatte ihre Eriftenz vor Jahren mit einem kleinen, von dem inzwischen nach St. Gallen verzogenenHerrn S ternb such gegründeten Minjan begonnen. Herr Konsul Sally Gugg e n h e i m nahm sich des Minjans mit besonderer Liebe an, und viele Freunde der jüdischen Sache schaarten sich um ihn. So wuchs sich der Kreis allmählich zu einer Gemeinde aus, einer Religionsgesellschaft. Sie konnte am letzten Sonntag ihr Werk mit der Einweihung einer C y n a g o g e krönen, die, vom Architekten Bischofs erbaut, einfach und schön, doch allen derzeitigen Ansprüchen vollauf genügt. Für weitere Entwicklungen ist neuer Bauplatz vorhanden, auch für eine eigene Schule. Die Israelitische Religionsgesellschaft zu Basel, nach Zürich die zweite in der Schweiz, ist eine Tatsache. Zu der Einweihung am letzten Sonntag Nachmittag hatten sämtliche Kultusgememden m der Schweiz ihre Delegierten, bezw. ihre Glückwünsche geschickt. Auch die RelW-ansgesellschaften Frankfurt -a. M., Karlsruhe, Straßbürg, Stuttgart usw. waren vertreten. Neben den Mitgliedern der Religionsgesellschaft füllten viele Gäste aus Basel und der ganzen Schweiz den heiligen Raum, um Zeugen des ersten denkwürdigen Gottesdienstes zu sein. -Ein Chor sang kunstgerecht alle üblichen Gesänge und Herr F i n k e l aus Köln sang als Ehrenkantor mit wohlklingender Stimme die Sologebete. Die Herren Rabbiner Dr. P. K o h n - Wien und S. Brom- Luzern hielten vorzügliche Festreden, auf die Helligkeit und Bedeutung eines Gotteshauses, und gar einer solchen Heimstätte der Andacht für einen Kreis von mit trefflichen Worten und Bildern aus der Zeit der ftaitwii nn’Vo hinweisend. Zwischendurch richtete nach den Rundgängen und dem Einheben der Thorarollen Herr Sally Guggenheim eine Ansprache an die Gemeinde, in der er eingangs der Vorgänge -in Palästina und der HMgen Märtyrer gedachte. Ein stimmungsvolles B'»m «Vö 'k begleitete die stille Trauerkundgebung, worauf das Licht der ewigen Lampe aufleuchtete. Um 7 'Uhr abends fand man sich im Hotel „Metropol" zu einem Festmahl. Bei! Speise und Trank und guter Geselligkeit hörte man eine Reihe zum Teil ganz., vorzüglicher Reden an. Herr Konsul S. Guggenheim leitete den Reigen mit einer Begrüßung der Gäste ein. Herr Rabbiner Dr. Lewenstein überbrachte mit sinnvollen Worten warme Wüns:e der Züricher Gesinnungsfreunde. Herr Dr. W. H o f m a n n entbot mit einem Worte der Erklärung von S. R. Hirsch die Grütze der Frankfurter Khal Adatz- Jeschurun. Die Kultusgemeinde Zürich ließ durch ihr Vorstandsmitglied, Herrn Entmann, ihre Glückwünsche ausdrücken und ein Geschenk überreichen. Dr. Willy Weil für die Religionsgesellschaft in Karlsruhe unterstrich die Tatsache, - datz diese Gemeinde im. Schotze des Vereines für Sabbatheiligung entstanden ist. Rabb. Dr. P. K o h n sparch einige grundsätzliche Worte zur Gründung der Gemeinde und den Voraussetzungen ihrer weiteren Entwicklung. Red. S. Schachnowitz überbrachte in einer Rede heiteren und ernsten Inhalts die Grütze der Frankfurter I es ch i w a und der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel. Herr Gabriel Plaut gab in launigen Worten den Gefühlen der Mitglieder der Religionsgesellschaft Ausdruck. Für die Züricher Religionsgesellschaft sprach ferner Herr Mannes, Herr Messing er war ein guter Dolmetsch der Segenswünsche der Berner Kultusgemeinde.' Herr' Emanuel Ka u f m a n n grüßte im Namen der württembergischen Religionsgesellschaften. An eine Botschaft vom zurzeit in Montreux.wellenden Rabbi Chajim Oser knüpfte Herr B o t s ch k o einen feurigen Appell an Alt und Jung, das „beständige Licht" der Thora zu pflegen. Mit schönen Thoraworten wartete uns Herr S ternb u ch - St. Gallen auf, und Herr Willi Guggenheim- Berlin beschloß kurz vor Mitternacht die lange Reihe mit einer Danksagung. Unter den Gästen sah man auch Herrn Oberrabbiner Weil aus Kolmar. Eine große Anzahl von Depeschen und Glückwunschschreiben wurde verlesen. Auch dem Baumeister wurde Dank votiert, den er in herzlichen Worten an all seine treuen Helfer weitergab. Die Fever istverklungendas Fest für die Baseler Religionsgesellschaft beginnt erst in und mit der Synagoge. Möge aus diesem neuen Hause neuer Ansporn für die im Wachsen begriffene Orthodoxie in der Schweiz ausgehen. Eine englische Erklärung. Genf, 21. September. Nachdem Professor Nansen in der 6. Kommission den Bericht über Palästina erstattet und die Resolution zur Verlesung gebracht hat, ergriff Frau Swansick (England) das Wort zu folgender Erklärung: Meine Delegation hat mich beauftragt, den Dank der britischen Regierung für die Art auszudrücken, in der die Versammlung die tragischen Ereignisse, die sich in Palästina abgespielt haben, behandelt hat. Der Premierminister und der Minister für auswärtige Angelegenheiten meines Landes haben sich zu diesem Thema bereits geäußert. Wir betrachten das Mandat, das uns anvertraut ist, als ein heilig Gut, wir werden es in dem Geiste anwenden, in welchem es uns anvertraut worden ist. Wir erachten es als unsere Pflicht, die in diesem Mandatsterritorium lebenden Völker einander näher zu bringen, und wir sind der Meinung, daß, solange es nicht möglich ist, diese verschiedenen Völkerschaften miteinander zu versöhnen, die Aufgabe, ihnen eine freie und autonome Regierung zu geben, aus unbestimmte Zeit verschoben werden muß. Wir haben in unserem Lande so viele Freunde der arabischen Rasse und so viele Freunde der israelitischen Rasse und Religion, daß wir hoffen können, sehr wohl in der Lage zu sein, diesen Zwist zu beenden. Nach dieser Aussprache verkündete der Präsident der Kommission, daß der Bericht und die Resolution einstimmig zur Kenntnis genommen worden sind. Amerika. Ein Marfhall-Gedächtnisfonds von 5 Millionen Dollar. New P o r k, 27. September. Wie vom Jüdischen Theologischen Seminar mitgeteilt wird, soll die von Julius Rosenwald für einen Louis Marshall-Gedächtnisfonds am Jüdischen Theologischen Seminar gespendete Summe von 500-000 Dollar den Gurndstock bilden zu einem Fonds von 5 Millionen Dollar, der den Namen Louis Marshalls tragen wird. Palästina. Die klagemauer an den hohen jüdischen Feiertagen. Jerusalem, 28. September. Im Hinblick auf die bevorstehenden hohen jüdischen Feiertage haben die Behörden die Bedingungen für die jüdische Andacht an der Klagemauer auf das Peinlichste festgesetzt und sie den jüdischen Gemeinden mitgeteilt. Für d.ie hohen Feiertage zugelassen sind ein einziger Waschständer für das rituelle Waschen der Hände, ein kleiner „Aron Kodesch" (Thora-Schrein), ein kleiner Tisch für das Lesen der Thora. Verboten sind Stühle jeder Art, die Auftichtung einer Wand, zwischen-den männlichen und weiblichen Andächtigen u. a. m. Wie verlautet, stimmen die jüdischen Behörden diesen Einschränkungen, solange die Festsetzung des Status quo in der Schwebe ist, zu und stellen als einzige Bedingung, daß während der Eotttesdienste jeder Durchgangsverkehr vor der Klagemauer verboten werde. Die Bilanz der Palästina-Unrrchen: 60 jüdische Waisenkinder. Jerusalem, 27. September. Die Angriffe der Araber auf den jüdischen Jischuw in Palästina und die Vernichtung vieler jüdischer Menschenleben hattten zur Folge, daß 60 jüdische Kinder - verwaist wurden, und zwar find 43 Kinder ohne'Vater geblieben, 17 Kinder sind Vollwaisen geworden, nachdem sie Vater und Mutter durch die Metzeleien vverloren haben. Allein in Hebron zählt - man 29 Waisenkinder, ferner 13 in Safed, 11 in Jerusalem, 4 in Beer Tobiah, 3 in Tel Awiw. Auch sind 23 jüdische Frauen Witwen geworden. Zur Versorgung dieser 60 Waisenkinder und der 23 Witwen bis zu einem Zeitpunkt, wo sie sich selbst erhalten können, ist ein Betrag oott *-18 000 Pfund notwendig. Drei Araber aus Hebron, die unter Gefahr des eigenen Lebens 14 Juden, unter ihnen Rabbi Frank, während der Masfacres in ihren Häusern verborgen hielten und sie dadurch vor dem sicheren Tode retteten, waren einige Zeit lang Gäste der jüdischen Stadt Tel Awiw. Sie wohnten im Hause von Elkana, der während der Massacres in Hebron weilte und von einem der drei Araber gerettet wurde. Die großen jüdischen Organisationen Tel Awiws haben die drei heldenhaften Araber durch besondere Delegationen begrßt. Die drei Hebroner Araber erzählen, daß sie schweren Bedrohungen seitens anderer Hebroner Araber wegen ihres freundschaftlichen Verhallens gegenüber den Juden ausgesetzt sind. Jerusalem, 15. September. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß in den ersten Tagen der Bedrängnis die Amsterdamer Pe - kidim, wie in der guten alten Zeit, die ersten waren die in der Altstadt Brot, Milch und geldliche Unterstützungen verteilen ließen. Die Hilfe aus Amerika kam nach 3—4 Tagen. Amerika hat bereits 40 000 Dollar geschickt. Auch Agudas Jisroel hat rasche Hilfe geleistet. In den Armen- und Pilgerhäusern Bot he Machse (Deutscher Platz) herrschte in den Unglückstagen bewegtes Leben. Aus verschiedenen Stadtteilen und auch aus der Umgebung haben sich viele dorthin geflüchtet. Jeder Einwohner auf dem Deutschen Platz beherbergte 2—3 Flüchtlinge. Nunmehr sorgt die Regierung für die Obdachlosen, Die Arbeit der Gerichte. Je r u f aile m,, 26. Sept. Wie die palästinensische Presse nrnlfteiflfi, wurden seit Beginn der Unruhen bis zum 19. September 500 Araber und Juden wegen Teilnahme an den Unruhen Strafen in verschiedener Höhe verurteilt. 374 Araber und 39 Juden wurden PoliM-strafen zudiktiert, 85 Araber und 14 Juden wurden von den Disßriktsgerichten abgeurteW, 7 Araber und 1 Jude wurden wegen schwerer KrimmaiideblLbe bestraft. Ein arabischer Hausbesitzer in Haifa, «bei dem eine große Menge des Juden geraubten Gutes * gefunden, wurde, wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Araber- -der in einem' jüdischen- Haufe m der Nähe von Nes Aonmit einem Revolver bewaffnet ertappt wurde, ift zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Ein Araber, der, mit -einer Handgranate bewaffnet, beim