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Der Israelit · 1929-10-03 · Heft 40 (3.10.1929) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 40 (3.10.1929)
Date
1929-10-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 40 Der Israelit 3. Oktober -1929 Korrespondenzen « Mricbten. Deutsches Reich. Von den Falaschas. Berlin, 27. September. Einem JTA.-Vertreter berichtete Herr Prof. F a i 1 - lovitch, der zurzeit in Deutschland weilt, er kehre jetzt von einem lömonatigen Besuch in Abessinien zurück. Lr habe jetzt einen starken Fortschritt auf religiösem und kulturellem Gebiet feststellen können. Die Falaschas, denen vor ihrer Entdeckung das Hebräische vollkommen unbekannt war, beherrschen jetzt zu einem großen Teil die hebräische Sprache, in der die Gebete gesprochen werden; der Opferdienst hat fast ausgehört, jüdische Ueberlieferung im rabbinischen Sinne wird hochgehalten, die Falaschas fühlen sich eins mit dem gesamten Judentum. Die Falaschas leben in ihrem eigentlichen Bezirk als Bauern und Handwerker; ihre soziale Entwicklung ist durch den allgemeinen Fortschritt in Abessinien bedingt. Da gegenwärtig ein starkes und freies Regime m Abessinien herrscht, ist namentlich den Gebildeten unter ihnen Gelegenheit gegeben, auf der sozialen Leiter emporzusteigen. Der Njegus Tafri von Abessinien, der zu Prof. Faitlovitch freundschaftliche Beziehungen unterhält, ein vornehmer und geistig hochstehender Herrscher, ist ein Freund der Falaschas, ein in Europa erzogener junger Falafcha ist ifret ihm persona grata. Der Njegus unterstützt die Falascha-Zentralschule in der Hauptstadt. Diese Schule und die in Europa ausgebildeten Falaschas haben sich als Kulturträger im besten Sinne bewährt. Von ungeheurer Wichtigkeit wäre es, wenn weitere junge Falaschas in Italien, Deutschland, Frankreich usw. und zwar nicht nur als Lehrer, sondern auch als Aerzte ausgebildet werden, da es in Abessinien an Aerzten im europäischen Sinne fehlt, und eine jüdische Aerzteschaft das jüdische Ansehen und die jüdische Position in Abessinien sehr festigen könnte. Bezeichnend für die Erstarkung des Falascha-Iudentums ist es, daß viele Gruppen Marannen- Falascha, die noch vor Generationen den jüdischen Glauben verlassen haben, jetzt zu jüdischem Bewußtsein zurückzukehren beginnen. Noch, schloß Pros. Fautlovitch, ist das Falascha- Judentum nicht für alle Zukunft gesichert, noch ist es notwendig,. an das Weltjudentum zu appellieren, daß es weiter zur religiösen und kulturellen Erhaltung dieses isolierten Teiles des Judentums beiträgt. Notwendig bleibt es, die Falascha-Gemeinden mit religiösen Schriften zu versorgen und weiterhin junge Falaschas in Europa ausbilden zu lassen. Es würde sich empfehlen, ein Falascha- Heim in Palästina zu schaffen. Mit dem Problem der Ausbildung der Falascha-Iugend steht und fällt die Falascha-Bewegung. Damit verbunden ist auch die Frage der Schaffung von Möglichkeiten für europäische Juden in Abessinien. Prof. Faitlovitch schloß mit einem Ausdruck des Dankes an deutsch - jüdische Persönlichkeiten, die für die Sache der Falaschas Wertvolles geleistet haben, und sprach die Hoffnung aus, daß die deutschen Juden sich ihrer Pflicht, zur Erhaltung einer großen jüdischen s Gemeinschaft beizutragen, bewußt bleiben werden. Appell des Weltverbandes Schomre Schabbos an die Rabbiner. Berlin, 27; September. Der Weltverband der Schomre Schabbos richtet durch die Jüdische Telegraphen-Agentur den dringenden Appell an alle Rabbiner und Prideger, in ihren Reden am kommenden Roschhaschono auf die Bedeutung des Sabbat und einer überparteilichen Organisation zu seinem Schutze nachdrücklich hinzuweisen. Besonders geeignet für diesen an die Oeffentlichkeit zu richtenden Aufruf erscheint der erste Tag Roschhaschono, der in diesem Jahre auf einen Sabbat fällt. Eine jüdisch-arabische Auseinandersetzung in Berlin. Berlin, 29. September. Ein in Berlin bestehendes „Arabisches Komitee" hat für Freitag, den 27. September, abends, nach den Johann Georg-Sälen in Berlin-Wilmersdorf zu einer Kundgebung eingeladen, in der der Standpunkt der nationalen arabischen Freiheitsbewegung zu den Ereignissen in Palästina dargestellt werden sollte. Die arabische Kolonie in Berlin war in dem ziemlich gut besetzten Saal nur sehr schwach vertreten. In einer weit größeren Zahl waren die zionistischen Kreise und andere jüdische Kreise Berlins, deutsche Araberfreunde und mehrere Zuhörer, die an dem Gegenstand nur sachlich interessiert waren, erschienen. Die vom arabischen Komitee gestellten 6 Redner begnügten sich damit — mit Ausnahme des zur Moslem- Pie Woche. Berlin. Am Samstag frenn 28. September, früh, ist Israel B elii'nd im Krankenhaufe der Jüdischen Gemeinde zu- BerkiN gestorb-en. Belkind gründete -als junger Student mit anderen StiMengenofsenden- Verein- D abiu (Dabber e>l Bne Jisrael wa jifs'u-), derspäter zum Verein B il u (Bet Ja-akob L'chiu we nslicha) wurde, und der. der -erste Verein -für persönliche Teilnahme am Aufbauwerk von Palästina überhaupt geworden ist. Riedersteilen. Die letzte Friedhafsschändung trifft die jüdische G-em-siUde zu Niederstetten, bet Mergentheim. Die Täter begnügten sich damit, 14 jüdischen Grabsteinen das Hakenkreuz auszudrücken. Wien. Laut dentymibe veröffentlichten amtlichen Ziffernwarenim ckbgelaufenen Studienjahre ca. 11000 Studierende, unter «ihnen 2300 Inden, -an der Wiener Universität m&- k-ribb-ie-rt. Etwa zwei Fünftel der jüdischen Hörerschaft bekanntensich zur jüdischen- Bo-lksgugehör-igkeich, der Rest bekannte sich zu anderen Nati-onM'täten, vorwiegend zur deutschen und ungarischen Nationalität. Budapest. Der Minister für Volks woh-lfahrt hat zur Unterstützung , der durch die Inflation geschädigtenjüdischen Wo hlfahrtsi-nst,it-u>ti'o-n-en 5000 (?) Pergö bewilligt. Bukarest. Die letzten Studentenansfch-reitungmiro Rumänienhabenzu eline-r Intervention des Vertreters des amerWantsch-jüdischen K-ongr-efsse -bei der -rumänischen Delegation (ihre Genf geführt. Die Dekeg-akion erklärte im Einvernehmenmit dem rumänischen Innenminister, daß alle Schuldigen strengstens bestraft werden. — Nach einer VerfüM-W des Ministe-riums dürfen Staatsbeamte in Rumänien fürderhinanÄsenmtffchen OrgaNifationennicht angehören. Jerusalem. T e l - Ä w i w erlebte am 28. September das größte Schadenfeuer feit dem Bestehen der Stadt. Ein von einem elektrischen Motor abfp ringender Funks verursachts -einen Brand in der Wsbersiabteilung der »Loüzja"-Fa-brik. Me Weberei brannte vollständig ab. Der Schaden beträgt 15.000 Pfund. — 45 jüdische Familien der -in den -ersten- Tagender Unruhen evakni-erden Jerusalemer Vi-llenvvrstadt Talpivt sind -in «ihre Heime zurückgekehrt. — Mehrere Jngensimre. und GeschöHMube in Dek-Awi-w haben- 'sich zu einer Gruppe zufammengeschkoffen, -die die Aufgabe aus sich! nimmt, in T e l - Awtw -eine Radio-Sendestatko-n in sehr großem Ausmaße zu errichten. Die Station wird die arabische Welt mit authentischen Nachrichten aus . Palästina versorgen und der. beunruhigenden Leg-endeNbikdung entgegen-mi-rken. Außerdem wird die Station -ein rsichhaMges Untsrhal-tungsprog-ramm verbreiien und auch einen finanziellen- NachrichtendieUst einrichten-. — „Al Namieh el Arabia", -das HM>- offizielle Organ -der arabischen CxetM-o-e, und dis von einem Christen geleitete arabische Zeitung „Mere-at -el S-Hark", sind wegen- Veröffentlichungaufreizender Artikel für die Dauer einer Woche verbotmworden. — Der Distri-ttsk-ommifsa-r von Jaffa hat die Auflösung der Partei der Linken Poale Zionversügt. Warschau. Eine von den rechten Po-ale Z i o n- -im Skala-Theater veranstaltete Kundgebung aus Anlaß der Palästina- Ereignisse wurde von Komm un> ist -e n und L u nd-isten gestört. Nach! der Versammlung wurden Poale Zion-isten überfallen; 30 von chnen wurden erheblich verletzt, einerist seinen Verletzungen- -erlegen,. Die linken- Poale Zion nennen in- -einem Allsrius die Kommunisten „Freunde -dev arabischen Pogrom-Anstifter". Religion übergettelen Deutschen, Dr. Hosfmann, der die Ziele der arabischen Freiheitsbewegung auseinandersetzte—' nur das aus dem Kreise des Mufti aus Jerusalem stammende Material zuverlesen-, undin diesem Sinne waren auch die Reden gehalten. Die Redner formulierten die Forderungen der Araber, die sich auf Zurückziehung der Balsaur-Deklaration, Entfernung der Zionisten aus Palästina und Bildung eines einheitlichen arabischen Reiches beziehen. Einer der Redner griff den Reichsaußenminister Dr. Strefemann deswegen an, weil er in der Sitzung des Völkerbundrates in Genf die Erwartung ausgesprochen hat, daß die englische Regierung die Ruhe wieder Herstellen und den Frieden zwischen den einzelnen Völkerschaften in Palästina zu erhalten wissen werde. Dr. N. Goldmann von zionistischer Seite gab Antwort und stellte den Behauptungen der Araber die wahre Sachlage gegenüber. Oesterreich Der Halsmann-Prozeß. W i e n, 27. September. Der Halsmann-Prozeß wird am 16. Oktober vor dem Innsbrucker Geschworenengericht weitergeführt werden und in zwei bis drei Tagen beendet fein. Die medizinische Fakultät in Innsbruck hat bereits mit der lleberprüfung des Gutachtens begonnen. Eine Zurückziehung der An» klage, wie dies von den Verteidigern beim Justizministerium gewünscht wurde, ist abgelehnt worden. Das Vorgehen antisemitischer Kurorte in Oesterreich gegen jüdische Kurgäste verfassungswidrige W k e n, 27. September. Der letzte Akt der soeben zurückgetretenen Regierung Streeruwitz war die Erledigung der Beschwerde der österreichischen israelitischen Union gegen antisemitischeQ Gemeindeverwaltungen östecreichischer Kurorte und Sommerfrischen, die jüdischen Kurbedürstigen Aufenthalt und Kurgebrauch verweigern. Die vom -Vizekanzler gezeichnete Antwort der Regierung lautet dahin, daß diejenigen Gemeinderäle, die Juden den Aufenthalt in ihrem Gemeindegebiet verbieten, gegen die Verfassung der Bundesrepublik und gegen die Bundesgesetze handeln. Der Union wird empfohlen, gegen solche Gemeinderäte die Klage vor den zuständigen Verwaltungsbehörden (Bezirkshauptmannschaften) zu erheben. Die Negierung müsse es ablehnen, eine allgemeine Verfügung gegen den Sommerfrifchen-Anlifemitismus zu erlassen und empfehle die fallweise Anrufung der zuständigen Behörden gegen gesetzwidrige Verstöße. Sind Schächter hvhergebildete Beamte oder Handarbeiter? Wien, 25. September. Der Verwaltungsgerichtshof der österreichischen Bundesrepublik befaßte sich mit einer Klage der Wiener Israelitischen Kultus gemeinde gegen das Ministerium für soziale Fürsorge auf Anerkennung der jüdischen rituellen Schächter als „höhergebildete Beamte" und deren Einreihung in die höhere Versicherungsklasse der staatlichen sozialen Fürsorge. Das Ministerium erkannte die Schächter bloß als Handarbeiter an und reihte sie in die Versicherungskategoriemit geringeren staatlichen Pflichtbeiträgen ein. Der Verwaltungsgerichtshof gab der Klage der Kultusgemeinde statt, fodaß von jetzt ab die Schochtim als höhergebildete Beamte zu gelten Haben-. (Diie Frage ist auch fü-r Deuifchifarcb von größter Bedeutung. Red.) Ungarn. „Fort mit dem Numerus clausus!" B -u d a> p e st, 23. Sept. Unter -der Ueberschr'ift „Fort mit dem Numerus Mmfus" schreibt „Pester Lloyd" im SvnMags-LeÄartikek u-. -a.: „Erstaunlich ist bloß, daß -er nochbesteht, dieser un-» glückselige Numerus clausus, der Ungarns guten Ruf i-m Auslände geschädigt Hat und noch, immer schädigt-.. Welche Kräfte sind am Werke, um den Numerus olaiuisus noch bestehen zu -Affen-, den kein Staatsmann von Rang und Ansehen-, kein- Politiker von Einfluß -und Wert und kein Bürger von Einsicht -und Erfahrung bWigen kann-. Daß man an -den maßgebenden- Stellen die Nutzlosigkeit, ja Nichtsnutzigkeit dieser Maßnahmen längst e-ins-ah, beweist nichts deuWHer -afe daß M Jahr und Dag herumgedoktert wird, um -die. Wirkungen -des Numerus olaufus -einzufch ranken-, unddaß der Un-terrichtsminister -immer wieder VerMgungen -trifft, um die Ungerechtigkeiten zu -bese-itig!en oder -doch zu mildern-, M-it der Abänderung von 1928 ist kein Mensch zufr-ieden-. Die zunächst Jn-ierefsierten, die sei-t 8 Jahren -unter der Geißel des ungkücklicheu Numerus clausus zu Leiden hatt-en>, betrachteten das Gesetz als einenmacchiaveWstifchen Schachzug, der wohl der äußeren Form nach weniger erniedrigend ist, als die Lex Haller, im Wesenaber keine Milderung bedeutet. Die Zeitung warnt die Uniuerfitätsjugend vor Störung der Ruhe und Ordn-ung für den! Fall der Abschas-

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