Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1929)
- Date
- 1929-10-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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g. Oktober 1929_._ . dieses großen ^Mannes huldigenden Ausdruck verliehen. Ein Zeichen der Zeit. Vor Jahren wäre eine solch warmherzige, brüderliche Teilnahme ^ckcht denkbar gewesen, bezw. so ostentativ nicht zum Ausdruck gekommen. Doch -bei> d i esem Punkte gebührt es sich aus zeitgefchichtlichen Gründ-eN länger zu verweilen. Ueber vier Jahrzehnte hatte die Landeszentrale der Kongveßgemeinden bei jeder neuen Kultusregierung um die Aushebung der orthodoxen Autonomie, die im orthodoxen Organisationsstatut verankert war, bezw. um die Einberufung eines neuen einihei.-tlichen Ko-ng x e s s e s petitioniert. C i n heit t i> ch e sJu - de nt um, einheitliche Autonomie, waren die Schlagworte, mit Äeren Hilfe man eine gewaltsame „ U n i f i k a t i o n " erzwingen wollte. Nach langen Irrungen unid unglückseligen Kämpfen vereinbarten die Notabilitäten der beiden' Organisationen eine gemeinsame Konferenz, in der die im Kampfe gegen die Orthodoxie ergrauten Führer feierlich erklärten, daß sie den Jahrzehnte hindurch geführten ungerechten „UnisUMonskampf" endgültig aufgeben. Von niun an wollen sie di>e Verfassung der orthodoxen Gemeinden auch ihrerseits respektieren und nichts unternehmen, was an diesem Rechtszustand einseitig rütteln könnte. In jener dsnLwürdigen Konferenz wurde mit der Politik selbstherrlicher Machtgelüste, gegenseitiger Bekämpfung und heilloser Kräftezersplitterung endgültig gebrochen. Seither finden sich die beiderseitigen Führer in gemeinsamen Beratungen zusammen, so oft es sich um praktische Interessen nach außen«, insbesondere gegenüber den Regierungsbehörden handeli.. Die Eingaben an die höchsten Regierungsstellen tragen ein einhieitliches Gepräge. Ein freundlicher und friedlicher, brüderlicher Geist hat feine Schwingen über beide Parteien ausgebreitet. — Das ist die Signatur der Tage, die heute im jüdischen Gemeinschaftsleben in Ungarn gelebt werden. ~ rwsaa a’jjmx nrpa* Der Tod der Gerechten hat immer versöhnende Auswirkung. Sollte nicht dieses Beispiel auch in Deu«tschta-n«d, oder in anderen Ländern, wo die weltanschaulichen Gegensätze nun einmal vorhanden sind, endlich wohltuende Nachahmung finden? Und vor allem Erez Jisroel! Haben nicht auch die jüngsten blutigen Ereignisse uns gelehrt, daß es dort gemeinsame Aufgaben gibt, die nur von der wirklichen Ges amt h eit des ganzen jüdischen Volkes betreut werden können? Auf der jüngsten Kenefsio Gedaulo wurde es neuerdings proklamiert, daß der Eintritt in die Jewish Agency in ihrer „jetzigen Form" unzulässig: sei. Warum wollen denn die--Machthaber nicht die. „richtige Form" erfassen? Als mir vor zehn Jahren! die ehrende Aufgabe zuteil wurde, mit dem Gerer Rabbi nach Jerusalem zu reisen, um in gemeinsamer Beratung mit Rabbi Disk in b"xr und v"nn pa!nnnI? mit Oberrabbiner Sonnenfeld rr"v'bV7 über diese Frage zu beraten, wurden folgende Richtlinien gutachtlich fixiert: Es sei geboten/ einem äußeren Zusammenschluß beizupflichten, durch Klarstellung der absoluten Selbständigkeit nach innen, zu einheitlichem Zusammengehen in wirtschaftlich-politischen und koloni-- satorischen Fragen, unter Wahrung des Religionsgesetzes. — Zehn Jahre sind seither verstrichen. Die Saat der friedlichen Verständigung ist auch in Erez Jisroel noch nicht aufgegangen. Die große Mahnung mußte auf der jüngsten Kenessio Gedaulo wiederholt werden. Vor nicht langer Zeit besuchte ich den illustr^n Meister in seiner freundlichen Bhausung. Er war gerade in einer Unterhaltung über '"X mit dem bei ihm weilenden verehrten Oberrabbiner Fuchs von Großwardein vertieft. Mit der bei ihm gewohnten Herzenisgüte sagte er mir bald, wie es ihn freue, Mitglied der Jerusalemer Gemeinde zu sein. Wenn wir die '’dt haben werden, nach zu kommen, finden wir bald unsere intimen Freunde, unsere eigenen Kehila. Es war ein gesegneter Gedanke unserer Frankfurter Freunde, Der Israelit __ die Zugehörigkeit zur Jerusalemer Gemeinde auch für auswärtige Mitglieder durch Beitritt zuaibw" a^Vi^möglich zu machen. Rach diesen« Worten schrieb er eigenhänldtg einige hebräische Zeilen folgenden Inhalts: „Ich betrachte es als große Mizwah und rechne es mir zur Ehre i an, Mitglied unserer Jerusalemer Gemeinde mit einem Pfund Jahresbeitrag zu sein. Möge jeder Thorafreund in Liebe'zu '»« sich dieser großen Mizwah befleißigen." Der anwesende verehrte Oberrabbiner von Großwardein hat diesem Beispiele sofort Folge geleistet. Zu Beginn des scheidenden Jahres hat der verehrte Meister V'XT an den heiligen Tagen noch seine offziellen Halacha- und Agada-Vorträge abgehalten. In der großen Synagoge vor einem tausendköpfigen Zibur hat er noch seine nV’yj nV’sn als Scholiach Zibur verrichtet. Sein letztes Schlußgebet am jüngsten Versöhnungstage, seine letzten Vorträge, die Labsal und Erhebung für Tausende Hörer und Hörerinnen bildeten! Nun ist der Mund dieses Zadik verstummt. Doch 7a^n *naan kVk tpnon ü’pnsnb n«nn a'p'mr.i pa pa Nur das Sprachvermögen hat aufgehört, der Zadik lebt weiter. Man wird! hungern« und dürsten nach dem Worte Gotts, das aus diesem nie versagenden Munde floß. 1M>' dieser Hunger wird noch lange «nicht gesättigt, dieser Durst noch lange nicht gestillt werden können. btn®' bs irVy p' miat* Auch in seinem engeren Familienleben war unser Patriarch reich gesegnet. Er sah alle Söhne und Töchter seines Hauses eigene Häuser gründen — 4 Sühne und 3 Eidame amtierende Rabbiner, wie auch seine Brüder alle angesehene Rabbiner waren — und auch noch Enkel-Rabbiner zu Trägem seines Geistes heranreifen, •arma o*an masni am *aa a’jpT mos; Das Äutorikätsprinzip im Judentum und feine Träger. Von Dr. Jos. Levi in Mannheim. Meiner verewigten Mutter kn Liebe und Ehrfurcht gewidmet. (Schluß.) Mehr Ehren noch als der Greis hat der Gelehrte zu beanspruchen, denn er ist Träger der Tradition. Allerdings muß mit der Gelehrsamkeit Hand in Hand ein makelloser Lebenswandel gehen, sonst ist ja die Persönlichkeit wertlos als Glied der Ueberlieferungskette: „Sein Inneres fei wie sein Aeußeres"") heißt die Formel für ihn. Ja, vor jedem fernsten Verdacht soll er sich hüten, denn mit seinem Ansehen schädigt er das Ansehen feiner Anschauung, deren Träger er ist?'') Besondere Verantwortung lastet auf den Gelehrten, deshalb werden ihnen Versehen angerechnet, wie Absicht.") Er achte auf sein Aeußeres. Flecken am Gewand, die ihm Mißachtung einbringen, bedeuten, für ihn schwere Schuld.") Es steht seiner Würde nicht an, aufgeputzt zu gehen oder in ungebildeter Gesellschaft zu verweilen.") LHsfentlich beleidigt, hat er nicht das Recht, eine Verunglimpfung auf sich sitzen zu lassen.") Tut er dies, so ist es strafbar, denn er hat die Thora zuschanden gemacht, heißt es bei Maimonides. Auch der sonst so hoch geschätzte Familien,rang muß zurücktreten vor dem Range der Wissenschaft. In Unehre Gezeugter, wenn er gelehrt ist, geht vor dem ungelehrten Hohepriester.") Sogar vonseiten der Gemeinde hat der Gelehrte Anspruch auf Ausnahmerecht, wo es seine Ehre gilt; denn in ihm wird ja das Gesetz geehrt. Wenn er sündigt, hat man nicht das Recht, ihn zu beschämen.") Alt und wider seine Macht seines Wissens entblößt, steht ihm noch jede Ehrung zu. Denn so lautet die Begrün- K"S> «ttl» ,s) vn Jvni2 13) v,x? »"2 H) 712V 15) >"J3 711212 w) s. früher n) 2"' ’S 712» '»11’ 1S) B7liruö"1 Nr. 40 Seite 5 düng: „Tafeln und zerbrochene Tafeln lagen gemeinsam in der Lade".") Untereinander sollen die Gelehrten sich die Ehre erweisen, die sie von anderen zu beanspruchen haben. Der Lehrer werde auch der Ehre des Schülers gerecht?") Ein wunderbares Beispiel sowohl für die Disziplin des Schülers als für die des Lehrers, berichtet die Mischnah. Nach Berechnung des R. Jehoschua siel der Neumond auf einen anderen Tag als nach der Berechnung des R. Gamliels, des Vorsitzenden des Bes-Din. Da sandte dieser zu R. Jehoschua mit dem Befehl, mit Stab und Geld vor ihm zu erscheinen, an jenem Tage, der nach seiner Berechnung Jom Kippur war. Mit dieser Handlung sollte die überragende Autorität des Bes-Din dargetan werden. Rach schwerem inneren Kampfe erschien Rabbi Jehoschua am bestimmten Tage rm vorgeschriebenen Gewände. Da erhob sich R. Gamliel, küßte ihn aufs Haupt und sagte zu ihm: „Komme in Frieden, mein Lehrer und mein Schüler, mein Lehrer an Weisheit, mein Schüler, weil du meine Worte angenommen hast."'') Im Prinzip dasselbe wie für den Weisen, nur. potenziert, gilt für die Ehrung des Lehrer s?') Er wird der geistige Vater des Schülers genannt?-) Wie . die Schüler Kinder heißen, heißt der Lehrer Vater. „Wer den Sohn feines Genossen unterrichtet, ist, als wäre er der leibliche Vater".") Der Lehrer, darf.sich in keiner würdelosen Situation vor dem Schüler sehen lassen. Mit der Ehrfurcht vor Gott wird die Ehrfurcht vor dem Lehrer verglichen. Der Vater, als der hauptsächliche Lehrer, wird Rabbi gerufen. Der Schüler, der ein Wort seines Lehrers mißachtet, von, dem heißt es, er schafft Gottesferne für Israel?") Wenn der Schüler merkt, daß er mit feiner Frage dem Lehrer Verlegenheit bereitet, so unterlasse er sie. Wer gegen den Lehrer streitet, streitet gegen Gott. Ergibt eine Situation die Ueberlegung, zwischen Vater- und Lehrerehrung zu entscheiden, so hat der Vater nur dann den Vorrang, wenn er auch Lehrer ist; denn, sagt das Wort der Weisen: Sein Vater hat ihn in diese Welt gebracht, fein Lehrer läßt ihn teilhaftig werden am künftigen Leben?") Fassen wir kurz zusammen. Naturgesetzliche Wahrheiten, zu denen auch die logischen und ethischen gehören, sind relativ, dem Absoluten angenähert, und zwar je nach dem höheren und niederen Intellekt, der sie erfaßt; geschichtliche Wahrheiten sind bei treuer Üeberlieferung absolut, unabhängig von der Intelligenz ihres Empfängers. Das Gesetz zu einer historischen Tatsache machen, wie es durch die Offenbarung geschah, hieß, es außer Diskussion zu setzen. Jedoch mußte hierzu wieder ein Apparat geschaffen werden, der die treue Üeberlieferung der Lehre garantierte. Dies geschah durch Erziehung im Allgemeinen zur Achtung vor der Autorität des Geistes, im Besonderen vor den Mittlern der Ueber- ( lieferung, dem Greife, dem Weisen, dem Lehrer^ und den Eltern. Wer gegen irgend eine Stelle dieses Autoritätssystems Sturm läuft, läuft letzten Endes gegen das Fundament des Judentums Sturm. Er schafft aus einer göttlichen Religion eine menschliche Weltanschauung. ' 7n 711212 i"o 7ii3K u. früher zit. mai - 21) 13"n 2"a m *0 X"0 1"S 71 "71 M Q"2»n *9 priTlKI ’IBO 24) 2«, -p-nnao “9 71"71 'H D"2»1 ■1 K"’D 1"P’1 Wachenkalender. v. 6. — 12. Okt. 1929 p. 1. — 8. Ttschri 5689 Samstag - 5 1 'N ni’ na»n »rri So.inta g 6 2 'a di* na»v »rri Montag 7 3 nsipn dis vienstag Olt. 8 '1»71 4 : , Mittwoch 9 5 Donnerstag 10 6 Freitag 11 7 Samstag 12 8 N2i» 7i2» irmn