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Der Israelit · 1929-10-03 · Heft 40 (3.10.1929) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 40 (3.10.1929)
Date
1929-10-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3. Oktober 1929 Der Israelit Nr. 40 Seite 3 Me orgamsievte Gesellschaft sie ausübt? Und muß nicht auch hier trotz Verdrängung durch Völker- oder Staatenbund von Zeit zu Zeit eine Gewalt-Explosion in Gestalt emies Krieges eintreten? Von all diesem will die Judenheit sich und die Welt mit ihrer Lehre vom kollektiv-organischen Aufbau der Menschheit erlösen. Jeder Valksorganismus muß feine ihm und nur chm eigenen lebendigen Bewegungen zum Schwingen bringen, je kräftiger, desto lebendiger und auch körperlich kräftiger der Organismus, desto lebendiger und auch, körperlich kräftiger jede Zelle des Organismus, jeder Mensch. Oie lebendigen Bewegungen' werden dem Organismus bei seiner Geburt, bei seiner Berührung mit dem Nur-Lebendigen, mit Gott, einverteibt. Mit ihnen lebt er: ohne sie muß er sterben. Sie bleiben unveränderlich sein ganzes Leben lang. Ms Beispiel solcher Bewegungen! beim individuellen menschlichen Organismus seien das Atmen und der Herzschlag erwähnt. Solche lebendigen Bewegungen besitzen alle Organismen, also auch die kollektiven menschlichen Orgam-smen. Die lebendige Bewegung des jüdischen Volkes ist die Thora. Diese ist dem jüdischen! Organismus in seiner Geburtsstunde (Pessach und Schowuaus bilden zusammen mit der dazwischen liegenden Zeit die Geburtszeit des jüdischen Volkes), bei seiner Berührung mit dem Nur-Lebendigen, bei ferner Kollektiv-Offönbarung einverleibt worden. Kollektiv-Offenbarung ist eben die Begegnung eines organischen Kollektivs mit Gott; bei der Jndividualoffenbarung kann das Geoffenbarte nur lebendige Bewegung des individuellen Ossenbarungsempfängers, des oder der einzelnen Menschen werden. Solche Offenrbarung kann nur als tote Lehre weitergegeben werden. Ms lebendige Bewegung endet sie mit dem Tode des Ofsenbarungsempfängers. Auch bei der Kollektiv-Offenbarung ist es nicht anders; nur daß das Kollektiv unabhängig ist vom Wechsel seiner Menfchen-Zellen, daß seine lebendige Bewegung als solche nicht mit dem Tode derjenigen Menschen stirbt, die grade Zeugen! der Offenbarung gewesen sind-. Je lebendiger daher das jüdische Volk in den Bewegungen der Thora schwingt, je weniger die Thora Gesetz und Symbol, je mehr sie lebendiger Rhythmus ist, je weniger die Thora verstandesmäßige oder gewohnheitsmäßige Uebung, je mehr sie die innerlich erfühlte Gesamtbewegung des jüdischen Volksorganismus ist, in der jede einzelne jüdische Zelle, falls sie eine gesunde jüdische Zelle ist, unwillkürlich mitschwingt, desto gesunder, lebendiger, lebensstrotzender wird' das jüdische Volk und jeder einzelne Jude als Zelle des jüdischen Organismus, desto gefunldier auch die Menschheit fern. Diese wird unbewußt von einem gesunden jüdischen Organismus im Sinne Mer Kultur des Organismus suggestiv beeiin!- flußt werden. Denn nichts hat mächtigere Wirkungen auf alles Lebendige als die Kraft, die von löler bewegten Lebendigkeit eines gefunden Organismus ausströmt. Das wird die Erlösung sein, die das jüdische Volk sich und der Menschheit bringen wird. Umkehr bedeutet also: Los von der Kultur der Organisation, der europäisch-amerikanischen Kultur, zurück zur Kultur des Organismus, zur jüdischen Kultur. Umkehr bedeutet die Erkenntnis, daß es ein Irrweg g-ewefenist, als Paulus die vermeintlich engen nationalen Fesseln des jüdischen Organismus abstreifte und nun gezwungen war, den Universalismus auf dem Wege künstlicher Organisation anstatt auf dem des natürlichen Organismus zu erreichen. Der Glaube, daß nur die jüdische Kultur des organischen Aufbaus der Judenheit und der Menschheit Judenheit und Menschheit zu erlösen vermag, daß ihr die Zukunft aller Kultur und Geschichte gehört, daß sie einst alle Gewalt und alles Unrecht auf Erden vernichten und ewigen Frieden aufrichten wird, dieser Glaube ist der jüdische Kollektioglaube, der uns begeistern! kann und soll, der Berge versetzen wird, der unser Unbewußtes, unser lebendiges Innere suggestiv im Sinne der Thora und der Zukunft beeinflussen wird. Mit Inbrunst zu glauben, immer an den Glaubensinhalt zu denken, ihn in allen! Lebenslagen, in Haus und Beruf, in Religion und Tat zu verwirklichen, ist die Grundlage der jüdischen T'schuwoh! Israel, kehre um! lvochenrundschau. Englands Schuld. Wir haben Wochen gebraucht, um dieses Wort auszusprechen, denn wir sagten uns: Es ist leicht, Anklage zu erheben, und was in Stunden der Panik gesagt wird kann nicht 'immer vollwertig für eine objektive Beurteilung ins Gewicht fallen. Nun aber muß es doch gesagt sein: England DieM Jugendorganisation und Angestellfenbund erhalten bei jedem Versicherung«-Abschluß wesentliche Vergünstigungen durch die Lebensverlicherungsgelellfcjiaft P H DN IX Viertgrößte Gesellschaft des Kontinents Versicherungsbest. 1,2 Milliarde GMk. »Mitarbeiter zu günstigsten Bedingungen u. zwar Gehalt, hohe Provision, Altersversorgung, gesucht Bewerbungen an Phönix, Berlin, Meinekestr. 10 ist nicht unschuldig an dem vergossenen Blute in Palästina, zum mindesten nicht Englands Verwaltung in Palästina, und ganz gewiß nicht der Mann, der die unselige Aufgabe hatte, in der kritischen Zeit den Hochkommissar Chancellor in Palästina zu vertreten, Luke. Ob und' wie sMe Vorgesetzte Behörde ihn zur Rechenschaft zieht, wissen wir nicht, vor dem Weltgewissen und vor der Geschichte steht er als gerichtet da. Nach Wochen ruhiger Ueberlegung darf man es sagen, ohne sich einer ungerechten Uebertreibunig schuldig zu machen. Unter der Korrespondenz, die uns täglich von Freunden und Mitarbeitern in Palästina über die Ereignisse wie über ihre Nachwehen und Nachwirkungen zugeht, wirkt besonders erschütternd der Privatbrief einer Dame in einer galiläischen Kolonie. Kleine Angriffe wiederhole sich in der Kolonie und Umgebung immer noch. Ruft man die Hilfe der Engländer an, so stehen sie kühl bis ans Herz hinan und sagen mit einem an Zynismus grenzenden! Lächeln, man werde die Sache prüfen. Bor ihren Augen werden! Dolche gezückt, es fließt Blut, der vom Völkerbund bestellte englische Hüter der Ordnung raucht seelenruhig feine Zigarette und sagt, er werde prüfen . . . Inzwischen machen die Araber nirgends ein Hehl daraus, daß sie die Engländer als Schutzpatrone ihrer Greueltaten betrachten. „Es wird uns nichts passieren", sagen sie. „tifymicellor madfi uns md)is, Luke aber ist unser Freund." Juden werden entwaffnet und' verhaftet, sobald sie irgend eine Abwehrmaßnahme treffen, die Der gleiche Rabbi Levi Jizchot pflegt an den hohen Feiertagen selber vorzubeten. Da geschah es, daß er einmal mit dem Schofarblasen etwas länger wartete als üblich. Nach dem Grunde gefragt, sagte er: „Da unten sitzt ein Mann, der sein Lebtag im Dorfe unter Nichtjuden lebte, er kann nicht beten, so steht er unten und weint und sagt immer und immer wieder, was er kann, nämlich: die einzelnen Buchstaben des Oles-bes. Man ist oben im Himmel damit beschäftigt, die Buchstaben zu Worten und die Worte zu einem Gebete zusammen zu stellen, warten wrr noch ein wenig." * , * * Eisik Meier Dick, einer der sympathischen und noch zur Tradition haltenden Maskilim im vorigen Jahrhundert, geachtet und gefürchtet wegen seines beißenden Humors, war der Vorsitzende der sogenannten „Chorschul" in Wilna. Wie einmal Jomkippur zu Ende gegangen war. bestieg er das Almemor und machte bekannt-: „Meine Herren, der Beginn des Gottesdienstes am n ä ch st e n Jomkippurabend ist aus 5,30 Uhr angesetzt!" Die erstaunten Gesichter in der Schul heiterten sich auf, als er dann hinzufügte: „Es sind so viele hier, die sich bis zum nächsten Jomkrppur nicht blicken lassen. Wie sollten sie sonst wissen, wann sie nächstes Jahr zu Kol Nidrs zu kommen haben?" Baron E i n z b u r g wünschte am Rüstetag zu Roschschono dem großen Dichter Juda Lob G o r d o n eine „Kesiwo wachasimo tauwo". „Zunächst, Herr Baron, einmal die „gute „Chasima" (Unterschrift), die „Kesiwa" will ich mir schon selber besorgen", antwortete der Dichter. Rabbr Mosche Jizchok, berühmt als der K e l m e r M a g i d, weilte an Rasch haschono in London. Ungeahnt geriet er in eine Synagoge, die vom neuen Geiste angehaucht war. Wie groß war sein Schrecken, als er beobachtete, daß der Tokea ganz bartlos war. Von dem Vorsitzenden aufgefordert, eine Ansprache vor dem Schofarblasen zu halten, bestieg er die Kanzel und erzählte folgendes Gleichnis: Da geschah es mit einem Wolf, daß er Nacht für Nacht in eine Herde einbrach und ihr die besten Schafe raubte. Der Hirte sann auf Mittel, den Wolf zu verscheuchen, und Freunde rieten ihm, einen Ziegenbock mit großen Hörnern vor die Herde zu stellen. Der nächtliche Einbrecher sah das gehörnte Tier, erschrak und lief davon. Nach einiger Zeit ging der nützliche Bock ein. Der Wolf kam bald und wiederholte seine nächtlichen Einbrüche in die Herde ungestört. Besann sich der' Hirte, und kleidete den Hund in das Fell des Ziegenbocks ein.' Der Wolf sah das struppige Fell und die Hörner und lief davon. Im Laufe der Zeit aber fielen dem Fell die Haare aus/ Er sah sehr schäbig aus. Und wie eines Nachts der Wolf kam und sich das Untier etwas näher ansah, merkte er wohl, was dahinter steckte und sprach: „Du Hund, hast keinen Bart, wie kommst Du dann zum Horn? . . ." Die Luachblätter der Agudas Iisroel. Just in der Kenessio-Woche hat die Wiener A. I.- Jugendgrupps ihren Mitgliedern und Freunden ihre Luachblätter zum Jahre 5690 aus den Tisch gelegt. Der Wiener Agudakalender hat sich in den früheren Jahren so gut eingeführt, daß man schon sehnsüchtig aus ihn wartete. Die Erwartung wurde nicht enttäuscht. Ist auch der schöngeistische Teil dieses Mal stark zu kurz gekommen, so bieten die Blätter in einer großen Reihe von Aussätzen politischer, literarischer und wissenschaftlicher Natur einen bunten Lesestoff und eine Fülle von Anregungen auf allen Gebieten des jüdischen Lebens. Dr. P. Kohn schreibt über soziale Fragen; ein weites Kapitel und immer von neuem interessant, wenn man die neue Sozialgesetzgebung an der Maaser-Jnstitution.der 'Thora und dem^Armenrecht im Talmud gemessen beurteilt. Zwei Aeuherungen großer Führer über jüdische Politik, des verstorbenen Rabbr Feiwelsohn aus Kupisky und "onrfy des Gerrer Rebbe gibt Dr. L. Deutschländer wieder. Die ewige Frage des '121 ii> shi pnx kann zwar auch Siegmund Forst in seinem tiefgründigen und ausgiebigen Aufsatz nicht lösen, aber immerhin eröffnen sich uns hier ein paar neue Gesichtspunkte. Wolf S. Jacobson bespricht das Isaak Breuersche Buch „Programm und Testament" und nimmt dabei Veranlassung, Grundsätzliches zur Ideologie und Tätigkeit der Aguda zu sagen. Oskar Stroh bespricht die Wandlungen im westlichen Judentum unter dem neuesten Schlagworte „Im Westen nichts Neues". Zur besonderen Beherzigung empfehlen wir die pädagogischen Exkursionen Moses Auerbachs als „Gedanken zur Erziehungskonferenz der zweiten K. G." Ueber I i r a macht sich D. Ullmann-Kassel seine eigenen Gedanken, die weitere Verbreitung verdienen. Als Berufener referiert Direktor Elias-Frankfurt a. M. über das Problem von 7-1« 111 oy fi^nh Eine eingehendere Würdigung als in diesem Rahmen möglich, würde auch der Aufsatz von Rabbiner Dr. Unna über „Völkerbund und Völkersrieden" verdienen, ebenso eine Betrachtung über die Gewalttrennung in der Versassungsgeschichtedes jüdischen Volkes von Dr .CH. Biberfeld und ein Artikel von Rabbiner Breslauer über „D a s und W a s". Aus dieser Registrierung allein ist schon zu ersehen, wie reichhaltig der Wiener Aguda-Luach sich dieses Jahr präsentiert.

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