Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1929)
- Date
- 1929-09-26
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 19 Der Israelit Blätter 26. Sept. 1929 lästina-Zentrale in erster Lime ihr Augenmerk! überragendes Verständnis für Ordnung, Diszipdarauf gerichtet, die Stätten der Thora im alten lin und systematische Pädagogik aus. wie tm neuen Jifchmv nach Möglichkeit zu fördern. Während die radikalen Gegner unserer Anschauung ihre Kräfte dafür eingesetzt hatten auf dem Umwege über ihre Schulen die Heranwachsende Jugend dem alten jüdischen Geiste zu entfremden versuchte die Palästina-Zentrale — selbstredend nur im Einvernehmen mit dem Rabbinischen Rate der Agudas Jisroel in Erez Jis roel, an dessen Spitze Herr Oberrabbiner Sonnenfeld steht — bereits vorhandene Schulen vor dem Untergang, der ihnen drohte, zu retten und weitere Erziehungsstätten nach dem von den obengenannten rabbinifchen Autoritäten gebilligten Programm einzurichten. Um die Bedeutung dieses Schulwerks richtig zu würdigen, bedarf es einer kurzen Orientierung über die jüdischen Erziehungsanstalten überhaupt in Erez Jisroel. Auf Grund der neuen statistischen Unterlagen besuchen ca. 28 000 Kinder jüdische Schulenin ErezIisroel. Laut den offiziellen Ausweisen der Regierung besuchen außerdem über 500 Kinder christliche Missionsschulen. Es hieße, in den Kreisen der Agudas Jisroel Ueberflüffiges, zu betonen, wenn man zu dieser Zahl, welche besagt, daß 500 Ki-n'd er s y st e m a t i s ch j n Erez Jisroel dem Christentum zugeführt werden, noch einen Kommentar hingufügen würde. Von diesen 28 000 Kindern werden mehr als die Hälfte in den allgemeinen zionistischen Schulen und in denjenigen der Arbeiterorganisation sowie der Alliance unterrichtet, in welchen größtenteils bewußtermaßen die Kinder zu einer rein-nationalistischen Kultur ohne Thora und ohne jüdische Tradition erzogen werden. Ueber das Unterrichtsresultat der Misrachi- Schulen enthalten wir uns hier des Urteils. Inwieweit die Misrachischulen in ihren Bestrebungen den Intentionen ihrer Gründer selbst gerecht werden können und inwieweit sie durch die zionistische Organisation in ihrer Selbständigkeit gehemmt sind, läßt sich am besten aus den einschlägigen misrachistischen Publikationsorganen und den Debatten anläßlich des jüngsten Zionistenkongresfes entnehmen. Jedenfalls steht fest, daß mehr als die Hälfte der jüdischen Kinder in Erez Jisroel im Gegensatz zur Thora erzogen werden. Nach den Geschlechtern verteilt, zerfallen die Kinder in ca. 13 500 Mädchen u. 14 500 Knaben. Die unreligiösen Schulen werden von ca. 6700 Knaben und 7500 Mädchen besucht. Vor dem Kriege war das Verhältnis derart, daß B/io aller Kinder religiöse Schulen besuchten und nur */ die unreligiösen. Die angeführten Zahlet sprechen eine so beredte Sprache, daß es wohl keiner besonderen Begründung bedarf, wenn die Palästina-Zentrale ihre Kraft in allererster Linie für die Erhaltung und Gründung religiöser Erziehungsstätten aufwandte. Mit Rücksicht darauf, daß gerade die religiöse Mädchenerziehung am meisten bedroht war, fühlte sich die Palästina-Zentrale veranlaßt, sowohl in Jerusalem als auch in Safed und Tiberias Mädchenschulen einzurichten. Die erste Initiative hierzu gab der Gerer Rebbe anläßlich seiner ersten Erez Jisroelreise. Heute besteht die Mädchenschule in Jerusalem aus 5 Abteilungen mit zusammen 400 Schülerinnen. In Safed wurde unter Leitung einer aus Deutschland stammenden pädagogisch gebildeten Leiterin dem bereits bestehenden Kindergarten eine Mädchenschule angefügt, die nach dem übereinstimmenden Urteil unserer dortigen Gesinnungsgenossen geradezu eine Rettung der jüdischen weiblichen Jugend vor den irreligiösen Einflüssen darstellt. Die Mädchenschule in Tiberias zeichnet sich durch ein die anderen Mädchenschulen weit Eine ganz besonders wichtige Aufgabe erwuchs der Palästina-Zentrale durch die Sorge um die s e f a r d i s ch en Schulen. Die fefardische Bne Zion-Schule, die von ca. 500 Kindern besucht wird, zerfällt in 2 Abteilungen, die noch im Jahre 1924 ohne die Unterstützung der Palästina-Zentrale gezwungen gewesen wären, ihre segensreiche Tätigkeit aus Mangel an Mitteln einzustellen. Immer steigende monatliche Zuschüsse ermöglichten es, diese Schulen bis zum heutigen Tage — wenn auch unter den schwersten Opfern von Seiten der Lehrer — offen zu halten. Leider sah sich die Palästina- Zentrale nicht mehr imstande, ihre ursprüngliche Unterstützung der von den Pekidim en Amarcalim geförderten Talmud Thora Jeschiwas Zion und Apirjon aufrecht zu erhalten, während sie die Möglichkeit dazu gab, das Cheder für jemenitische Kinder in Jerusalem, welches 5684 bereits geschlossen war, wieder zu eröffnen. Es wurde weiterhin in der Berichtsperkode j eine Talmud-Thora in PetachTikwah gegründet, welche aus 3 Kläffen besteht und durch die wachsende Frequenz genötigt war, neue Räumlichkeiten zu beziehen, deren Kosten von unseren palästinensischen Gesinnungsgenossen selbst aufgebracht wurden. In T e l - A w i w hatten wir unter Leitung eines bewährten, aus Erez Jisroel gebürtigen und in Deutschland erzogenen Pädagogen eine Talmud-Thora eingerichtet, deren Bestand aber eider durch Mangel an Mitteln reduziert wer den mußte. Ein vollständiges Bild unserer Schulen ergibt ich aus folgender Statistik: Knabenschulen: Kinder Lehrer Vne Zion-Schule Abteilung A (Vucharim, Aleppo, Marokko) . Diese Talmud Thora ist im bucharischen Viertel Rechobod in Jerusalem. 2. Bne Zion-Schule Abt. B (Gursim) 130 6 neben dem Schaar Sch'chem. 3. Talmud Thora Temanim . . . 4. Talmud Thora Giwath Schaul . (Aschkenasimfchule in Jerusalem) 5. Talmud Thora in Tel-Awiw 6. Talmud Thora in Petach-Tikwah 7. Talmud Thora in Bne Brak Mädchenschulen: 1. Beth Israel, Jerusalem 2. Old City, Jerusalem . . 3. Kenesseth Jisroel, Jerusalem 4. Schaare Chessed, Jerusalem 5. Giwath Schaul, Jerusalem 6. Safed . 7. Tiberias . 1. 340 11 50 40 135 80 60 160 120 60 30 30 100 130 A. V. zusammen 1465 62 Unterrichtsgegenstände: Knabenschulen: T'nach, Talmud, Dinim, Lesen, Schreiben, Grammatik, Rechnen, in sefardischen Schulen auch Geographie und Geschichte. Mädchenschulen: Lesen, Schreiben, Rechnen, Tefilloh, Sidroh, jüdische Geschichte und Handarbeitskurse. Bei einer generellen Betrachtung dieses Schulwerkes muß offen zugestanden werden, daß es Zumindest quantitativ absolut unzureichend ist (über ben qualitativen Wert und die pädagogische Weiterentwicklung wird von Fachseite im Einvernehmen mit den rabbinischen Autoritäten Erez Jisroels zu beraten sein). Es ist kein Zweifel, daß unsere Schulen von mehr als der doppelten Zahl von Kindern, als sie aufweisen, besucht würden, wenn wir die materiellen Möglichkeiten zum Ausbau der Schulen hätten. Die Gründung einer Mädchenschule in Tel-Awiw, einer Talmud-Thora in Haifa ist eine unabweisliche Forderung, daneben aber auch die Erweiterung der bereits vorhandenen Schulen. Es ist geradezu niederschmetternd, daß gegenüber diesen Minimalforderungen die Palästina-Zentrale nur dadurch in der Läge war, das Bestehende zu erhalten, weil wir eine ideal gesinnte Lehrerschaft haben, wie. sie sonst kem Schulsystem in Erez Jisroel auftveist. Trotz schlechter und leider unregelmäßiger Bezahlung findet sich das Wort „Lehrerstreik" nicht im agudistischen Lexikon. Es wäre aber ein unverzeihliches Verbrechen, wenn wir unser Schulrverk weiterhin finanziell derartig schlecht fundieren würden wie bisher. Man kann über den größeren oder geringeren Anteil, welchen Erez Jisroel im jüdischen Pflichtleben einnimmt, verschiedener Meinung sein. Unabhängig von dieser Meinungsdifferenz bleibt aber die Tatsache bestehen, daß es wenige Pflichten der Gesamtheit gibt, Me so selbstverständlich sind wie die, dafür Sorge zu tragen, in Erez Jisroel jüdisch zu unterrichten. Ist doch nach dem Worte unserer Weisen die Schechina erst in diesem Momente von Erez Jtsrvel gewichen, als der Kinderunterricht aushörte. Ist doch nach dem Worte derselben Weisen die zukünftige G'ula an den Hauch jüdischer Kinder im Lehrhaus geknüpft und gibt es ja keine andere Möglichkeit, Kämpfer für die Gottessache aüszubilden, als jüdische Erziehung. Wie wird das zukünftige Erez Jisroel ausfehen, wie wird seine jüdische Struktur sein, wie wird „im Palast des Königs der König aller König respektiert werden", wenn das jetzige Geschlecht religiös verwahrlost? Wem Gottes Thora am Herzen liegt, wer in Erez Jisroel mehr sieht als ein Nachtasyl für den entwurzelten Teil des jüdischen Volkes, wer dazu beitragen möchte, daß das Golus der Schechina auf unserem eigenen Boden aufhört, könnte sich dem Ruf der jüdischen Eltern Erez Jisroels verschließen, den sie anläßlich der Kenessio Gedaulo an jeden! Agudisten richten: Rettet unsere Kinder, rettet unsere Schulen, faßt es als absolut agudistische Pflicht aus, durch fortdauernde systematische Unterstützung unsere Zukunft vor dem Untergang zu retten. Es mag sein, daß diese Ausführungen den trockenen Rahmen eines Berichtes überschreiten und vilemehr in das Arbeitsgebiet der Erez Jisroel-Kommissioni gehören, welche der Kenessio Gedaulo dementsprechende Vorschläge zu machen hat. Aber die Rot des Tages, die zermürbende ge, welche die verantwortlichen Stellen der Agudas Jisroel angesichts der Lage unseres Schulwerkes in Erez Jisroel jahraus jahrein bedrückte, soll durch diesen Appell an -die agudistische Oeffentlichkeit zum Ausdruck gelangen. Das Budget für die Schulen beträgt monatlich ca. Lstr. 600 bei einer Zahl von 72 Lehrern! Räumlichkeiten für eine Mädchenschule in Jerusalem und Safed stellten uns in dankensweri:er Weise die Pekidim en Amaroalim zur Verfügung. Ferner wurde uns durch testamentarische Stiftung des Herrn Aoldf Lewin f. A. in Halber- 'tadt ermöglicht, Räumlichketten für eine zweite Abteilung der Mädchenschulen in Jerusalem ohne Inkosten zu erhalten. An Geldern gingen für das Schulwerk ein: - 1924 . . . . Mk. 1925 .... „ 1926 1927 .... 1928 .... 1929 (bis 1. Juli) Aus beiliegender Aufstellung sind die tun gen der einzelnen Länder ür das Schulwerk zu ersehen. 24 302.38 20 643.86 60 618.19 132 275.77 89 404.79 39 585.82 L e i - u. a. (Fortsetzung folgt.)