Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1929)
- Date
- 1929-09-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2450547-2450586--76335-2533906- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Nr. 39 Der Israelit 26. Sept. 1929 rnud, sondern der Gelehrte jpt yx6 denn, das sei nochmals betont, treue Tradition, Ueberlieferung, ist der Gesichtspunkt, von dem aus das ganze Autoritätssystem eingestellt ist. Er, der Gelehrte, ist schlechthin lebendiges Glied jener Kette, die uns mit Sinai verknüpft. Dort hörte Israel mit eigenem Ohr, ohne Mittler, Gottes Wort. Es selbst war Zeuge, unmittelbar, gleich Mosche/) Mosche überlieferte dem Josua, dieser den Aeltesten usw.; treue, unfehlbare Träger von Geschlecht zu Geschlecht. In palästinensischer Zeit wurde durch das symbolische Han-dcruslegen vom Lehrer dem Schüler die Autorisierung als Meister erteilt, die Semicha, wie es schon Mosche dem Josua getan hatte. Es wurde gewissermaßen vom Geiste des Lehrers, der sich von der sinaitischen Generation herleitete, auf den Schüler übertragen. Er wurde damit gültiges Glied der Ueberliefe rungskette. Als der Ueberlieferer par excellence aber muß uns natürlich vor allem der Lehrer gelten. Unsere Zukunft trägt er in der Hand. Der Wert seines Wortes wirkt sich bei uns in fernste Zeiten aus. Jedes Wort aus seinem Munde, das uns verloren geht, ist uns verloren, für alle Zeit. So muß unsere Erziehung von zartester Jugend an schon darauf hinzielen, uns empfänglich zu machen für die Aufnahme des Lehrerworts. Die Ehrfurcht muß Auffassung und Gedächtnis stärken helfen, daß nichts von dem kostbaren Lehrgut verloren gehe; denn nicht unser Eigentum ist es, was wir hier erhalten und behalten dürfen, sondern wir sind nur verantwortungsvolle Mittler. Wir sind ja „ein Volk von Priestern", Lehrnation, Gleichnis der Völker. Da der Vater und die Mutter gemeinhin die Lehrer des Kindes sind, zum mindesten den Boden schaffen für den folgenden Lehrer, haben sie Anrecht auf höchste Verehrung. Dies kommt besonders zum Ausdruck durch die Erwähnung des Gebotes der Elternehrung im Dekalog. Dies ganze System der Verehrung ist, wie wir ja schon erwähnten, einzig der Tatsache untergeordnet, für die Tradition den sichersten Boden zu schaffen. So leuchtet es ein, daß entgegen der gewöhnlichen Anschauung im Falle eines Zwiespalts der hervorragende Lehrer das Vorrecht genießt vor dem ungelehrten und unbefähigten Vater. (Die Anschauung über die Achtung vor König und Richter, die für unsere Betrachtung hier keine Rolle spielt, können wir beiseite lassen. Sie ist nicht so mit dem Wesen des Judentums speziell verknüpft, sondern mehr allgemein menschlicher Natur). Ist unsere Theorie von der Begründung Des Autoritätsprinzips im Offenbarungscharakter des Judentums richtig, wie wir sie oben darlegten, so muß diese Tatsache in der Praxis, in diesem Falle in der Halacha, ihren Ausdruck finden. Selbstverständlich können, wir hier nur das halachifche Gerüst bringen, das unsere vorausgehenden Behauptungen stützen soll. Lassen wir nun die Halacha sprechen: „Vor dem greisen Haupte stehe auf/) zeige Ehrerbietung dem Angesicht des Alten und fürchte dich vor deinem Gotte", sagt die min?) Nach unseren Weisen deutet der Hinweis auf den, Ewigen am Schluffe des Gebotes an. Daß man durch Ehrung der Alten zur Ehrung Gottes gelange. Selbst vor dem ungelehrten Greise, wenn er unbescholten ist, besteht die Pflicht, aufzustehen. Sogar der junge Gelehrte erhebe sich vor dem weniger wis senden Greise. Die nichtjüdische Nationalität be freit uns nicht vor der Ehrungspflicht des Alters/") (Schluß folgt.) °) i"s rrn 'n D":m Korrespondenzen « nacftrichten. Deutsches Reich. Zollermäßigung auf Lulowim und Hadaffim. Halberstadt, 20. Sept. Auf Antrag des „Landesverbandes g-ssetzes-tireu-er preußischer Synagogengemeinden" und der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxem' Judentums" hat der Rsichsminister disr Finangen unter Z. 1270— 10028II durch Verfügung vom 11. September ds-. Js diie Präsidenten der LandLsfiinanyämter ermächtigt, die zum Wesjähriigen Laub'HMsnsest e-LngMhrtien! Myrten zw et ge iwvb abge-fchnWenen- bis zur Spitze noch ge- Wosfenen Palmzweig,e unter Zollsicherungausnahmsweise aus Billig-keitsg,rundenzum Satz von Mk. 75.— für ein Dtzd. verzollen zu Affen:. Auch werdendie Zollbehörden von dem Wunsche Kenntnis erhallten, di« rn Rohrkö-rben verpackten Palimzweige zur Vermeidung von Beschädigungen möglichst nicht auspacken zu' lassen Der Minister bemerkt, daß er die Zollveirgünstigung, noch einmal gewähren zu sollen glaubte in Berücksichtigung dessen, daß die Gemeinden sich aus auf sie nach dem Vorgang in -den letzten drei Jahrenbereits eingestellt haben>. Cr werde sich, jedoch zu seinem Bedauern nicht in der Lage sehen,, die Vergünstigungin Zukunft rveiiter zu bewilligen, da 108 der Reichsabgabeordnung, nur f ü r einzelne Fälle und vorübergehend Abga benerlerchtevungen zuMßt, nicht aber dauernd. Die Ermäßigung soll den Konsumentenzugute kommen. b) ■pan-rp ) n a-’ia-r und mehr 8) v"' «ip'i 9) mpr Wochenkalender. v. 28. Sep. bis 6. Okt. 1888 f v. 23. Elul bis 1. Tifchri 6888 Samstag Eep 28 23 B’asa Sonntag 29 24 Montag 30 25 vienstag Okt. r 26 Mittwoch 2 27 n~rsB mivn Donnerstag 3 28 Freitag 4 29 ‘»'Tran s'in nje^n wn an? Samstag 5 1 rr bi* ru&n »m Verbandsversammlung des orthodoxen hessischen Landesverbandes. Darmstadt, 23. Sept. Der Hessische Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden hielt am Sonntag im Fürstensaak seine diesjährige Verbands Versammlung unter großer Beteiligung, ob. Herr Rabbiner Dr. M-erzbach, ixm wir bei dieser Gelegenheit wiedre einmal als einen Mann von. besten Führerquakitäten kennen gÄernit haben, Miete bfte Verhandlungen über manche Klippen- bis zu einem recht harmonischen und'versöhnlichen Abschluß. Zwischen den kräftigen Worten der Begrüßung morgens und dem schönen- Schlußworte gegen Abend gingenstundenlange, zum Teile heftige Verhandlungen über ernste Fragen der gesetzestreuen Juden'hett und des ThorajuÄentums m Hessen-. Auch diese hessffche „Kenessiv Ktano", wie ein Redn'er die Versammlung nannte, hakte ihren strittigen Paragraphen und die Frage des „Ei-ntriUs". Im Mittelpunkt der Diskussionen stand nämlich wieder einmal die Frage' des Anschlusses an den Mainzer Verband, der unter -der Marke „neutral" um die Gemeinden Hessens wirbt. Ein Antrag Be ns heim wünscht kategorisch, alle Woge zum Anschluß zu -ebnen, -und diesen zu vollziehen-. Me Vensheimer erklären Ehren Austritt ans dem Darmstädter Landesverbänd für den Fall, daß der Anschluß nicht zustande kommt. Die Bensheimer, die in großer Zahl in Darmsladt -erschienen waren, vertraten mit Elan und bewundernswertem. Geschick, und nicht ohne immer -und immer wieder ihre Sympathien für die Orthodoxie zu erklären, ihren Standpunkt. Man darf aber annehmen, 'daß die Herren aus dem Rechenschaftsberichte des Vorsitzenden, wie aus den Erklärungen im- Laufe der Debatte -darüber belehrt wurden, wo die Schuld am Schottern 'der Anschlußverhandlungen 'liegt. Der Darmstädter Landesverband, das konnte mit Daten -und Dokumenten Ais zur Evidenznachgewiesen werden, war bis zum äußersten gegangen, um eine Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiete zu ermöglichen. Die Rosch-ha-schono-Glückwünsche können in drei Größen veröffentlicht werden: Größe I 10 Zeilen 1 spaltig zu Mk. 5.— Größe II 15 Zeilen 1 spaltig zu Mk. 7.50 Größe III 10 Zeilen 2 spaltig zu Mk. 1Ü— Die Beträge wolle man auf Postscheckkonto Nr. 19 802 überweisen, den Text durch Postkarte ernsenden. Texte, die bis zum 30. September in unserem Besitze sind, werden in der Rosch-Haschono-Nummer, später eintreffende in der darauffolgenden veröffentlicht. Wer seine Glückwünsche zu Gunsten von Erez Jisroel a b z u l ö f e n und keine Anzeige zu veröffentlichen wünscht, wolle dem nach Belieben festzusetzenden Ablösungsbetrag eine Gebühr von 2.20 Mark für die Veröffentlichung von Namen und Wohnort im Sammelinserat beifügen. Frankfurt a. IN. Verlag des Israelit GmbH. van, Darmstadt aus -gestellten, Bedingungen -erstreckten, sich, aus -die -religiösen Bolan,g,e, aus deren Kontrolle die gesetzes-treuen Raübinen nach Recht und Billigkeit nicht verzichten können. Alle von Darmstadt gestellten- Bedingungen und geschaffenen Voraussetzungen: wurden! von Mainz aus glatt, zuletzt sogar mit einem schroffen- Schreiben abgelehnt. Trotzdem ist der Hessische Landes verband nach wie vor bereit, sich an den- Verhandlungstisch zu setzen, sobald dies von, Mainz aus gewünscht wird. Von Darmstadt kann di« Jni-tliät-i-oe dazu nach dem jähen Abbruch nicht mehr ausgehen-. Nach dieser Klärung der Dinge darf man Höften,, daiß Bensheim, eine Gemeinde mit wertvollen, gut jüdisch eingestellten Elementen, im Landesverband« noch weiter die schwer« Arbeit der Gesetzestreuen Hessens unterstützen wird. Von dieser Arbeit -entwirft! der Tätigkeitsbericht -ein klares Bild. Man hat sich bemüht, durch ein sigenss Zeitungsorgan Thora -und Emunah zu verbreiten. Bei allenfinanziellen Schwierigkeiten!, wurden KaschrusinstatuU-onon unterstützt und Religionsu-nterrtcht in manchen Gemeinden eingerichtet. Auf Staatszufchuß kannin, absehbarer Zeit weder der eine noch der andere Verband Hof fein,. Kleine Subventionenw-urden gelegentlich verteilt. Eine Stellenvermittlung 'Dr sabbathMenide Angestellte wurde in Mainz errichtet und soll demnächst auch in, Starkenburg ins Leben gerufen werden. Es wurde auchmanches Dr Mkwobäder getan-. Ms mustergültig darf die Mikwo (neben der Sygnaoge) in Dieb argherv-o-rgehoben werden. Zur Vertei-di-gung der Schechi,ta, gegen die auch in Hessen' gchetzt wird, wurden vom Verbände alle Schritte getan. In einer Gemeinde konnte der altejüdische Friedhof wenigstens' zum größten Teile vor der Enteignung! gesichert werden-. Das Miniffterium erkennt den Landesverband de factoan und re-chn-et mit ihm, wenn auch die Anerkennung de jure bei den Verhältnissen! noch nicht möglich ist. Die Ei-nnahmen im letzten Jahre üibertresfen 'die im Vorjahre -um 23 Proz. Ein kleiner U-eberschuß wird sü-r Subventionen verwendet werden. Vor Eintritt indie Diskussion, wird der -neue Mai ne r Ra w, Herr Rabbiner Dr. Bamberg er, b!e- -grüßt, der später anstelle des oerstorbensn Dr. Bondt -in den Vorstand gewählt wird. In der weiteren Diskussion- .entwickelt sich -eine kurze Aussprache über die Presse und, -wie schoneingehend erwähnt, eine -ehr lebhafte Auseinandersetzung über 'den Anschluß an den Mainzer Verband und den Bensheime-r Antrag. Die Diskussion schließt mit Erteilung von- Entlastung an den Vorstand und mit einer Mahnung, zu Frieden und zur Arbeit. Den Vorsitz führte neben Herrn- Rabbiner Dr. Mergs buch, Herr Hugo C a h n - Mainz. Es waren außer ben vielen Lchrern und Ba-ctlebattim aus allen Teilen Hessens auch Ehrengäste Mwes-end, u. a. Rabbiner Wassermann-Darmstadt, -der >beh der gemeinsamen! Mittags-» tafel iene Begrüßungsrede an die V-ersammeilben -richtete. Von Frankfurt waren vertreten Verwaltung -und Gemeinderat der Js-raekitischen Religion-sgee/l-lschaft, Jeschiwa und Freie Vereiniun g. Schöne Begrüßungsreden hieltendie Herren M. Meier -für R-eligionsgesellschaft Darmftadt; Lehrer aufmann-Sprendlingen Dr Keren Hathora