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Der Israelit · 1929-09-19 · Heft 38 (19.9.1929) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 38 (19.9.1929)
Date
1929-09-19
Page
– (sequence 21)
Language
German
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19. September 1929 Der Israelit ia tut Nr. 18. Seite 3 mit reicheren Kräften ausgestattete Leitung mit neuer Arbeitsfreude erfüllen, auf daß Klall Jisroel sich bis zur dritten Kenessio Gedaulo um die Fahne der Thora einmütig schare. Geschäftsbericht der Palästina- Zenkrale der Agudas-Zisroel. vorgelegt der Kenessio Gedaulo 5689. Die auf der ersten Kenessio Gedaulo aufgestellten Satzungen der Agudas Jisroel bezeichnen als einen der Zwecke der Weltorganisation „das jüdische Volk im heiligen Lande geistig und physich zu stützen, durch die Besiedelung des heiligen Landes im Geiste hßr Thora, auf daß es eine Quelle geheiligten Lebens Mt das jüdische Volk werde." Der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel wllroen vom Geschäftsführenden Ausschuß der Agudas Äisroel als Aufgabenkreis hie Chinuch-i und Wirtschaftsangelegenheiten für E'rez Jisroel zur selbständigen Bearbeitung zügewiesen, während die politischen Angelegenheiten als Aufgabe des Geschäftsrührenden Ausschusses erklärt wurde. 2'teser Bericht hat somit über die Entwicklung der agudistischen Chinuch- und Wirtschaftsangelegenheiten in Erez Jisroel Rechenschaft zu geben. » Einleitend sei folgendes vorausgeschickt: Es ist ein tröstliches Bewußtsein, daß im Grunde genommen die treuen Bekenner der Thora, bk orthodoxen Juden, wie man sie heute nennt, daran gewöhnt sind, ihre nationalen Gedenktage in tzcher Weise zu begehen, wie es wohl bei sonst wenigen Völkern üblich ist. Das klare AewiMein dessen, was uns fehlt, worin wir unrecht getan haben, wo wir es an der aufopfernden Tat fehlen ließen, ist ja der Grundgedanke demjenigen Institutionen, die uns unser Golus stets vor Augen führen soll. Fasttage, Erinnerungen an Zion sind im Grunde genommen Nichts als Dokumente, daß das jüdische Volk Nicht seiner Pflicht nachgekommen ist. Wenn es wahr ist, daß jedes Geschlecht, in welchem das 'Beis Hamikdosch nicht aufgebaut wurde, jenem Geschlechts gleicht, in welchem das Beis Hamikdosch zerstört wurde, dann ist jede Schilderung unseres Golus nichts anderes als ein mahnender Antrieb zur Erfüllung unserer Pflicht. So liegt auch der sittliche Wert eines Berichtes über Erez Jisroel niemals in der Aufzählung des Wenigen, was man erreicht, sondern in der Hervorhebung des Vielen, was man nicht erreicht hat. Es gilt ja nicht, uns selbst und die jüdische und nichtjüdische Umwelt darüber zu täuschen, daß wir erst in den Anfängen unserer Arbeit stehen und NUr tastend versuchen konnten, Grundlagen für eine gedeihliche Wirksamkeit aufzubauen; Fehler, die wir gemacht haben, sind dazu da, um voll ihnen zu lernen. Mißerfolge, die wir gehabt -haben, sind auf ihre Quellen zu prüfen und nur "ein solcher Bericht dürfte darum den Anspruch -daraus haben, die Aufmerksamkeit der Kenessio 'Gedaulo zu erwecken, welcher ungeschminkt die Dinge so darstellt wie sie sind im Gegensatz zu dem, wie sie sein sollten. Das Ideal, welches die Palästina-Zentrale sich seit Beginn ihrer Tätigkeit stellte, war, die weitesten Kreise der Orthodoxie — zunächst aber die Aguda selbst — für den Gedanken einer intensiven selbständigen agudistischen Tätigkeit in Erez Jisroel zu gewinnen Diesem Zweck der Organisation und Propaganda diente die Herausgabe einer Reihe von Schriften, von denen wir als die wesentlichsten benennen: „Agudas Jisroel und Erez Jisroel" von Rabbiner Dr. Moses Auerbach; „Aufbau Palästinas und der Orthodoxie" von Rabbiner Jonathan Horovicz; „The Attitüde of Orthodox Jewry to the Constitution of the Baad Leumi" von Rabbiner Jonathan Horovicz; „Der Keren Hajifchuw und feine Entwicklung" von Dr. Salomon Ehrmann: „Das jüdische Nation,atheim" von Dr. Jsaac Breuer (deutsch und englisch): „Unsere Einstellung zu Erez Israel" von Jakob Landau; „Die Palästina-Konferenz der Agudas Jisroel in Berlin". Es erschien ferner eine Monatszeitschrift „Moriah" von Schwat 5685 bis Adar 5686. Außer diesen Publikationen orientierte die Palästina-Zentrale die einzelnen Länder und Gruppen über die Lage in Erez Jisroel durch zwanglos erscheinende „Mitteilungen". Neben dieser Propaganda durch Schrift und Druck wurden von einzelnen Mitgliedern der Palästina-Zentrale wie auch im Auftrag der Palästina-Zentrale von Gesinnungsgenossen in Erez Jisroel die Landesorganisationen und größeren agudistischen Gruppen in folgenden Ländern besucht: Amerika, Belgien, Beßarabien, Tschechoslowakei, Dänemark, Deutschland, Aegypten, England, Holland, Jugoslawen, Lettland, Litauen, Norwegen, Oesterreich, Polen, Rumänien, Schweden Schweiz. Bei der Bearbeitung der einzelnen Landesorganisationen zeigten sich Erscheinungen, an denen im Interefte einer sorgsamen. Selbstkritik nicht achtlos vötbügegängen werden kann. Auf dek.MtzN Seite muß mit Bedauern, konstatiert Görden, daß die zionistische und misrachistiW Organisation auch die Tätigkeit der PalästiM-Zentrale, obwohl diese mit Politik nichts p tun hat, mit schelen Augen angesehen, ja, sie sogar geradezu bekämpften,. Es wäre denkbar gewesen, daß die zionistische Organisation sich freudig mit dem Gedanken vertraut gemacht hätte, daß bei aller prinzipiellen Verschiedenheit zwischen agudistischer und zionistischer Einstellung doch hier Kräfte am Aufbau von Erez Jisroel sich beteiligen, die zwar von der zionistischen Organisation nicht zu erfassen sind, aber immerhin vm glühender Ehibas Hoorez erfüllt, für Erez Jisroel arbeitennunmehr aus begreiflicher Scheu vor den, Folgen einer nationalistischen Einstellung jede wirtschaftliche Tätigkeit in Erez Jisroel mit Mißtrauen beobachtet wird. Es läßt sich mit Evidenz Nachweisen, daß längst, bevor es einen Zionismus gab, die Mizwas Jifchuw Erez Jisroel von orthodoxer Seite erfüllt wurde. Die Palästina-Zentrale hat in ihren Publikationen darauf hingewiesen, daß nicht weniger als 32 städtische Quartiere in Jerusalem vom orthodoxen alten Jischuw gebaut wurden, daß im Jahre 1878 bereits die heute noch größte Kolonie Petach Tikwah von ungarischen orthodoxen Juden gegründet wurde. Aber durch die ängstliche Sorge, zionistische Kultur nicht in die eigenen Kreise eindringen, zu lassen, welche verständlicherweise gerade in manchen Zentren gesetzestreuen Lebens ältere Generationen erfaßt hatte, wurde auch die Palästinaarbeit der Agudas Jisroel vilefach negligiert, wenn nicht ganz angefeindet, Postscheck - Konto der Landesorgaoisation: LiWSleSöt-jjanisation der „Agudas Jisroel“ in Deutschland, Hamborg: No. 50 204 Hamburg. 1 Diese Einstellung fand sich sehr selten; das Gegenteil war der Fall. In jenen Ländern, in denen die Aguda noch nicht richtig Wurzel gefaßt hat, wie beispielsweise in Amerika, wurde von vornherein nicht etwa auf Grund von Mißerfolgen der Aguda die gesamte jüdische Presse gegen die Aguda mobil gemacht und ein systematischer Feldzug gegen, den Keren Hajifchuw geführt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Als ein Kollege aus dem G. A. in privaten Angelegenheiten von Frankfurt nach Rom gereist war, erschienen in amerikanischen Zeitungen ellenlange Artikel darüber, daß Agudas Jisroel Erez Jisroel an den Nachfolger von Titus, an Mussolini verkaufe. Ein Dementi, welches die ungeheuerliche Lüge zurückwies, wurde nicht ausgenommen. Man versuchte mit allen Mitteln des Boykotts und der Ber leumdung, Saalabtreibung usw., die Arbeit zu sabotieren. Dieses zur Illustration der Schwierigkeiten, die wir von links hatten. Eine ganz andere Hemmung unserer Tätigkeit bestand darin, daß umgekehrt ein nicht unbedeutender Kreis orthodoxer Juden in der Agudas Jisroel solange einen verkappten Zionismus erblickt, s olange die Agudas Jisroel sich überhaupt mit Erez Jisroel beschäftigt. Es war aus diesem Grunde beispielsweise nicht möglich, in Kar- Es ist vielleicht Trotzdem also auf der einen Seite die Gegnerschaft links, auf der anderen Seite die Gegnerschaft rechts die Palästina-Zentrale in ihrer Arbeit hemmte, wäre eine erfolgreiche Arbeit möglich gewesen, wenn nicht eben die Palästina- Zentrale — und das liegt im Wesen unserer Organisation begründet — naturgemäß nur einen Teil der Tätigkeit der Agudas Jisroel ausmacht. Man hat freilich da, wo es gilt, die Agudas Jisroel zu bekämpfen, ihre Einstellung zu Erez Jisroel vornehmlich betont. Da wo es aber gilt, die Agudas Jisroel zu fördern, vor allem in den eigenen Reihen, konnte immer darauf hingewiesen werden, daß eine orthodoxe Organisation ebenso wie das orthodoxe Einzelindividuum noch eine Fülle anderer jüdischer Aufgaben zu bewältigen habe als bloß Jischuw Erez Jisroel. Wie jede Wahrheit kann» auch diese Wahrheit natürlich übertrieben und als bequemer Vorwand benutzt werden, um Untätigkeit und Indolenz zu bemänteln. Auch diese Schwierigkeit mußte die Palästina-Zentrale auf ihrem Wege öfters antreffen. Es gibt genügend Agudisten, deren Palästinainteresse sich darin erschöpft, andere Organisationen zu kritisieren, ohne zu fühlen, daß diese Kritik allein nicht genügt, vielmehr die negative Einstellung, wenn sie mehr als rhetorische Floskel fein soll, gleichzeitig die positive Hingabe an ein wirklich jüdisches Erez Jisroel erfordert. Eine ganz eigentümliche Schwierigkeit hat sich tm Laufe der wechselnden wirtschaftlichen Palästina-Konstellation dadurch gezeigt, daß mcm insbesondere in den Ländern des Ostens, vielfach beeinflußt durch die zionistische Ideologie, in Erez Jisroel eimwirtschaftliches Eldorado erblickte und nunmehr von der Palästina-Zentrale verlangte, daß sie helfen möge, den durch den wirtschaftlichen Druck entwurzelten Massen) eine neue Heimat in Erez Jisroel zu verschaffen. Etwa um die Zeit der sogenannten 4. Alijah zeigte sich ein starker Heißhunger nach Boden in Erez Jisroel, dessen Stillung man von der Palästina-Zentrale forderte. Trotz aller Hinweise (von agudistischer und von nichtagudistischer Seite), daß ohne genügendes Kapital und ohne Fachkenntnis nicht daran zu denken wäre, in Palästina eine wirtschaftliche Existenz gründen zu können, traf dann doch der wirtschaftliche Rückgang in Palästina die .Bodenkäufer als schwere Enttäuschung. In der ersten dieser Perioden, eben in jener Zeit des Boden-Heißhungers fiel es der Palästina-Zentrale schwer, die agudistischen Kreise für den Gedanken zu erwärmen, daß rein privatwirtschaftlicher Bodenerwerb der Aguda noch nicht die Mittel gibt, um kulturellen Aufgaben in Erez Jisroel gerecht zu werden, und daß man auch nicht von Agudas Jisroel dann einen imponierenden Keren Hajifchuw verlangen kann, wenn jeder einzelne Agud'ist seine privaten wirtschaftlichen Jnreresten im Auge hat. In der zweiten Periode — während des wirtschaftlichen Rückganges in Erez Jisroel — bestand die Schwierigkeit wieder darin, der breiten Maste klar zu machen, daß gerade m Zeiten einer Boden- und Wirtschaftskrise es doppelte Pflicht pathoruhland Wurzel zu fasten die tiefbedauerlichste Folge des Zionismus, daß fei, dasjenige in Erez Jisroel zu retten und' äusi i

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