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Der Israelit · 1929-09-19 · Heft 38 (19.9.1929) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 38 (19.9.1929)
Date
1929-09-19
Page
– (sequence 20)
Language
German
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©eite 2. Nr. 18 Der S « eaelii Blätter 19. Septembsr 1929' selbständige Gesinnungsgemeinschaften des alten, historischen Judentums in der Form der Gemeinde bilden können. Damit ist die Selbständigkeit der Orthodoxie gewährleistet, freilich für den Preis des nicht unbedenklichen Opfers, daß offiziell die Anhänger der Orthodoxie als Juden zweiter Klaffe behandelt werden. Der Erfolg ist aber infoferne groß, als eine über Erwarten gewaltige Menge ihre Loslösung van der bloßen Verwaltungsgemeinschaft aussprach. Es ist die vornehmste Aufgabe der Aguda, künftig dafür einzutreten, daß diese sogenannten „Edaus" früher oder später auch öffentlich-rechtlich als Gemeinden im Sinne einer Gesinnungsgemeinschaft anerkannt werden. Auch in sehr vielen Ländern Europas tagt es. Die von Kämpfen umtobtd Orthodoxie steht so Ziemlich am Ende der geschichtlich-denkwürdigen Zumutung, mit der Rolle eines Parias vorlieb zu nehmen. Vielleicht ist dies die reifste Frucht am Baume der Aguda. Es muß allerdings dabei festgestellt werden, daß es leider eine außerordentlich große Reihe ernster Orthodoxer gibt, die nach Erreichung des d. h. der mehr oder i^enWx Mkitätlschen Teilung der Führung ist jüdischen Dingen zwischen Religion und Religionslosigkeit, stillstehen und sich mit dieser Gleichwertung abfinden wollest-. Diese Kreise über dieses Stadium hinauszuführen, und sie für den Gedanken der Absolutheit der religiösen Forderung zu gewinnen, bedeutet die weitere Etappe zur Erfüllung der Ausgabe in § 2 b. § 2 c; D i e praktische Förderung des thoratreuen Lebens in allen seinen Anforderungen, die katk r ä f t i g e Fö r.w ß r u n g des Thorastu- -diums und der jüdischen Erziehung im Sinne der Ue de rite fe ru rtg. Für die Erfüllung dieser Aufgabe hat die erste Kenessio Gedaulo den Keren H a t h o r a geschaffen. Wenngleich diese Organisation einen eigenen Bericht erstatten wird, so kann sich doch die Leitung im Rahmen des Gesamtberichtes es nicht versagen, festzustellen, daß diese Institution sowohl nach der Auswahl der Personen, als nach der Durchführung ihrer Aufgaben einen außerordentlich glückverheißenden Anfang genommen hat. Man hatte sich in den Traum gewiegt, daß zum mindesten für die Aufgabe des Keren Hathora sich alle gesetzestreuen Kreise interessieren lassen würden. Wenn Keren Hathora natürlich auch vollkommen apolitisch ist, da er ja einen Ausgabenkreis hat, der von allem Wandel der Zeit losgelöst ist, so verlangten nichtsdestoweniger politische Fanatiker, daß Keren Hathora sich vollständig von der Aguda lösen solle. All solcher Anfeindung zum Trotz konnte Keren Hathora, der in der ersten Zeit mehr für die Jeschiwoth sorgte, in, späteren Jahren mehr die Heranwachsende Jugend zum Gegenstand seiner Betreuung gemacht hat, sich kräftig entwickeln. In engster Verbindung mit dem Keren Hathora und durch Personalunion ist V a j s Jakob, d. h. also -die Fürsorge für die weibliche Jugend mit Agudas Jisroel verknüpft. In allen übrigen Punkten verweisen, wir auf den Bericht des Keren Hathora selbst. Selbstverständlich war Keren Hathora intensiv beteiligt an allen Schritten zur Lösung des Chinuch-Problems, des schwierigsten im Bereich der jüdischen Aufgaben. Hier ist auch der Punkt gegeben, in dem die Autonomie der Ländher am wirksamsten und berechtigsten sich auslebt. Wir können nicht mehr tun, als die Lösung, welche die einzelnen Länder für ihre Zeit für richtig finden, materiell und geistig zu unterstützen, ängstlich bemüht, diese Autonomie zu wahren. Cs darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Leitung -im Bewußtsein ihrer gesamten Aufgaben des öfteren auch retardierend zu wirken sich veranlaßt sah. Gerade auf diesem Gebiete kan alles nur durch Evolution erreicht werden, selbst, so seltsam es klingt, die Intensivierung des Thoralernens. Bei dieser Gelegenheit muß mit hoher Genugtuung des Das jomi erwähnt werden, der 'in seiner Bedeutung nicht genug gewürdigt werden kann. Im allgemeinenkann in Bezug auf das Erziehungsproblem gesagt werden, daß fast überall die Berechtigung d-es Versuches anerkannt wird, die Thora als einheitliche Quelle für unsere Stellung zur Kulturwelt zu betrachten und daß in orthodoxen.Kreisen, ob Oft oder West, das Programm nicht mehr heißt Thora und Kutter, sondern daß man sich allgemein zu der einzig möglichen jüdischen Anschauung durchgerungen hat: Kultur aus der Thora. §2 fr: Die Förderung einer vom jüdischen Geiste erfüllten Literatu r und Presse. Fast in jedem Lande haben sich unsere Gesinnungsgenossen ihre eigenen Organe geschaffen, die allerdings hin und wieder an den Erschütterungen, des Wirtschaftslebens Rot gelitten haben. Dazu gehört auch unser AJPB., der infolge des Manges an materiellen Kräften Zeitweilig sein Erscheinen einftellen mußte. Wir rör«m aber feststellen, daß er m Bezug auf die Aufklärung über ügubistisches Wollen und Tun Ersprießliches tztzlhistet hat. Auf dsm Gebiete des Erziehungswesens sind Versuche gemacht worden, bm orthodoxen Anforderungen entsprechende Literatur zu schaffen; wir verweisen in dieser Hinsicht aus den Bericht des Keren Hathora. Eine großzügige Arbeit auf literarischem Gebiete scheiterte an dem Mangel der kapitalistischen Voraussetzungen. § 2 e : D i e Besiedlung des heilig e n L a n d e s i m G e i st e d e r T h o r a, a u f daß es eine Quelle geheiligten Lebens für d a s j ü ö i s ch e Volk werde. Wenngleich sich die Aguda unter Genehmigung der ersten Kenessio Gedaulo in der Palästina- Zentrale, mit dem Sitz in Frankfurt, eitt eigenes Organ geschaffen hat für den Zweck dieser Ziffer e, und dieses Organ Ihnen über seine Tätigkeit besonderen Bericht unterbreiten wird, so kann doch Ihre derzMtze oberste Leitung nicht umhin, auch in ihrem Bericht einige Worte hierzu zu sagen. Zum Teil durch die unsagbar schwierigen Bodenerwerbsverhältnisse im heiligen Lande, zum Teil durch den vollkommenen wirtschaftlichen Zusammenbruch in Polen, wo es vor 1923 viele Kauflustige für palästinensischen Boden gab, endlich auch durch den Mißerfolg in Amerika gegenüber der zionistischen „Konkurrenz", ist unsere Palästina-Zentrale im die denkbar schwierigste Lage geraten. Wir halten es für unsere Pflicht, zu erklären, daß die selbstlose, hingebende, opferfreudige Arbeit der leitenden Männer unferer Palästina-Zentrale ein besseres Schicksal verdient hätte. Wir hoffen, daß dieselben Herren, die bisher sich mit stärkstem Idealismus dieser Aufgabe gewidmet haben, trotz aller trüben Erfahrungen nicht erlahmen werden. Wir hoffen aber vor allen Dingen, daß in weiteren Kreisen der Orthodoxie die Liebe zu Erez Jisroel und das Pflichtbewußtsein gegenüber Erez Jisroel Made jetzt nicht versage. Die Welt wird eines 'Tages einsehen, daß es eine religionslose oder gar eine religionswidrige Besiedlung des heiligen Landes mit Erfolg nicht geben kann. In diesem Sinne gewinnt das Schulwerk der Palästina-Zentrale erhöhte Bedeutung. In relativ kleinem Umfang hat es Wunderbares geleistet für die Erhaltung des alten, unverfälschten Thorageistes im alten- Jifchuw und hat auch den neuen Jifchuw nach Möglichkeit eigens betreut. Z 2f: Die Besseru ng d er w i rtschaftlscheu Lebensbedingungen der jüdischen Massen in ben Säubern b er Rot, die geisti ge und materielle F ü r s o r ge für d i e E m i g r a n t e n u n d die V e r a n st a l t u n g von Hilfsaktionen jeder Art. In die Verichtsperiode fällt die Hilfsaktion für notleidende Kinder in Deutschland-, deren Durchführung vor allen Dingn uns die Hilfsbereitschaft unferer Gesinnungsgenossen in Oesterreich, Tschechoslowakei und Palästina ermöglicht hat. Es sind ungefähr 500 Kinder während der Tätigkeitsperiode verpflegt worden und konnten mit frischen Kräften die Heimreise antreten. Es wurde außerdem eine Aktion für Mikwoaus und Mazzothbeschaffung in S o w j e t r u ß l a n d unternommen, beides mit relativ günstigem Erfolg. Die Zentrale in Wien konnte sehr vielen Kranken und Armen, die Genesung und- Hilfe suchend nach Wien kamen. Ersprießliches leistem Im ganzen und großen fällt natürlich die- Aufgabe von Ziffer f in die Tätigkeit der einzeln e n L a n d e s o r g a n i s a t i o n,e n. Es genügt daher für diesen Bericht, lediglich darauf hinzuweisen, daß in Polen unter der außerordentlich wohlwollenden Förderung der hohen polnischen Regierung ein System von Kooperativbanken entstanden ist, welches geeignet ist, die Erwerbstätigkeit unserer Gesinnungsgenossen fördernd und hebend zu beeinflussen. In einzelnen Landesorganisatwnen haben Sektionen, die zu diesem Zweck gebildet wurden., Ersprießliches unß Wertvolles geleistet. Wir hof^,, ggtz es uns gelingen wird, mit dem- Nßu gegründeten Weltverband der Schmore Schabbos freunkMachbarlich gemeiusum zu arbeiten. Reue weitreichende Pläne üUf sozial-wirtschaftlichem Gebiete sollen die Kenessio Gedaulo beschäftigen; mögen sie opferbereite, energische Annehmer finden. In der Sache der K a l e n d e r r e f o r m haben unsere Vertreter gemeinsam mit dM Per-' tretern anderer Organisationen ersprießlich ge-' wirkt. Unsere Eingabe ist in den Rapport der betreffenden Kommission des Völkerbundes wörfs lich ausgenommen worden. Unsere Gesinnungsgenossen verstanden es, der von Amerika aufs neue drohende Gefahr einer fabbbatfelndlichen Kalenderreform wirksam zu begegnen, und es ist eine einfache Pflicht der Dankbarkeit, wenn wir dem Mitglied des amerikanischen Kongresses, Herrn Sol. Bloom, für fein zielbewußtes Eintreten in unserem Sinne unseren herzlichstem Dank aussprechen. Es hat sich ein engeres Komitee zur ständigen Behandlung dieser Fragen gebildet, dem mst Genehmigung, der jüngsten Plenartagung des G. A. auch die*beiden Herren angehören, die uns in Genf vertreten haben. Es ist im Rahmen dieses Punktes noch zu erwähnen., daß auch unser Kritzgswaiserrfonds nach wie vor wohltätige Arbeit leistet und« wir verweisen auf den besonderen Bericht, den diese Institution der AgudUtz Jisroel Ihnen unterbreiten wird.. ß 2g: Die Abwehr von Angriffen aufJudenheit und Iud e n.tum und die Pflege der Beziehung der j ü d i - fch eN Gemeinschaften i n d e n G o l u sl än d ern zu den Staaten, wie es d i Thora zur Pflicht macht. Es war unsere schwierigste Ausgabe, im gegebenen Moment an geeigneter Stelle Aufklärung über das Wollen des Judentums zu geben. Die Aguda hat auf Wunsch der mit der Aufgabe eigentlich betrauten Stellen auch in der Abwehr der Angriffe gegen die Scheck) i t a intensiv mitgearbeitet. Im übrigen haben wir auch in der Berichts- Periode streng an dem Grundsatz festgehalten» daß die inneren Verhälnisse der Juden in ihren jeweiligen Heimatländern nur in steter Fühlungnahme mit den bestimmenden und maßgebenden Faktoren ihres ganzen Landes geregelt werden können. Wir haben deshalb in politischer Beziehung es abgelehnt, uns auf Minoritätsrechts zu berufen und die politische Haltung unserer Gesinnungsgenossen in Polen hat das auf das strikteste bewiesen. Wir hoffen, daß auch die Kenessio Gedaulo auf Grund der Berichte ihrer poMschen,: Kommission dieses Prinzip auf das feierlichstebekräftigen wird. Es waren ernste Jahre voll schweren Wir- - kens, als deren Krönung wir die Kenessio Gedaulo betrachten. Die bisherige Leitung hat nunmehr die Kindheitsjahre der Agudas Jisroel nach a bestem Wollen und Können betreut. Sie hat die - Agudas Jisroel in die Geschichte des jüdischen Volkes eingeführt. Möge auch die Erörterung über diesen Bericht den Weg der Thora durch Israel und die Welt ebnen und so eine künftige,.

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