Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1929)
- Date
- 1929-09-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Nr. 37 Der Israeli! 12. September 1929 Korrespondenzen « ßacbricbten. DeMches Reich. Rabbinerwahl in Mainz. mm Mainz, 9. Sept. Zum Rabbiner der Jsraeliiijchen Religionsgesellschaft in Mainz wurde an Stelle des Heimgegangenen Dr. Jonas Bondi Herr Rabbiner Dr. Mojes Bamberger, zweiter Sohn des Herrn Rabbiner Dr. Bamberger, 5ti!iii> gen, fast einstimmig gewählt. Herr Rabb. Dr. M. Bamberger hat sich sein talmudisches Wissen zum größten Teile auf litauischen Jeschiwaus erworben und wird allgemein als wie als Mann von reifem profanen Wissen und innerem Feuer für n.ivrxi niin geschätzt. Kundgebung der Iewish Agency in Deutschland. Berlin, 6. Sept. Die deutschen Mitglieder der „Iewish Agency für Palästina" haben für Donnerstag, den 5. Sept., abends, nach dem Bachsaal, Lützowstraße, zu einer Kundgebung anläßlich der Ereignisse in Palästina geladen. Im Bachsaal eröffnete Direktor Oskar Wassermann die Kundgebung mit der Aufforderung, der jüdischen Märtyrer, die das Opfer unprovozierter. Angriffe geworden sind, zu gedenken . Die Versammlung erhob sich und verharrt eine Minute lang in Schweigen und Andacht. Es sprachen dann Rabb. Dr. B a e ck, Oskar Wassermann, Kurt B l u m e n f e I d , Prof. Franz Oppenheimer, Dr. B r o d n i tz , Dr. Alfred Klee und Alfred L i s s e r , Vorsitzender der Hamburger Repräsentantenversammlung. Zur gleichen Zeit fand im Schwechte nsaaI eine Massenversammlung statt, in der außer den Genannten auch noch Herr Alfred Berger sprach. Mendelssohn-Feiern. Dessau, 7. Sept. Die Mendelssohn-Feiern in Dessau begannen am 6. September, der 200. Wiederkehr des Geburtstages Moses Mendelssohns, mit einer Festvorstellung des „Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing, dem Mendelssohn als Vorbild für seine Nathangestalt diente . Die Vorstellung, die die Stadt Dessau zum Andenken an iftren graften (3oftn gegeben hatte, wurde mit einem Prolog von Arnold Zweig eingeleitet und hatte große Form. Der Schauspieler August Eichhorn gab die Rolle des Nathan in der Maske Mendelssohns. Es fand ferner eine Morgenfeier und ein Bankett statt. Berlin, 9. Sept. Bei der Mendelsfohnfeicr nahmen der Gemeindepräsident K a r e s k i, der Reichsinnenminister S e v c, - ring und Oberbürgermeister B ö ß das Wort. Die Festrede hielt Rabb .Dr. Bäck. Handelskurfe für gesehestreue Handelsschülerinnen. Berlin, 37. August. Es besteht die Möglichkeit, mit Beginn des Wintersemesters bei den Handelsschulen für Mädchen der Industrie- und Handelskammer zu Berlin für diejenigen Mädchen, die auf Schulbefreiung am Sonnabend und an jüdischen Feiertagen reflektieren, eine Sonderklasse ein-- zurichten, sofern eine genügende Teilnehmerzahl gesichert erscheint. Für die Sonderklasse gelten die gleichen Bestimmungen hinsichtlich Besuchsdauer, Aufnahme und Schulgeld wie für die übrigen Klaffen. Interessenten wollen sich sofort an das Büro des Verein für Stellenvermittlung „Schomre Schabbos", Berlin N. 54, Nosenthalerstr. 53 (Telefon: Norden 7436 Sprechstunde: 10—1 Uhr), wenden, wo nähere Auskunft erteilt wird. Letzter Termin am 5. September. Fast- und Trauerkag überall. Berlin, 5. Sept. Aus Jerusalem wird der Jüdischen Telegraphenagentur telegraphiert, daß die gesamte jüdische Bevölkerung des Heiligen Landes am Mittwoch, den 4. Sept., fastete, und daß die allgemeine! Trauer sich in dem äußeren Leben sehr stark ausprägtq. Alle Synagogen des Landes waren in den Esbetsstunden überfüllt. Die Rabbiner hielten „Hespedim" zum Gedenken an die Märtyrer. Wie am Tischa b'Aw wurden in den Synagogen „Kinoth" vorgetragen. Aus Warschau und den übrigen jüdischen Zentreu Polens wird mitgeteilt, daß dort der heutige Tag als religiöser Fast- und Trauer tag begangen wird. In den Synagogen wurden Trauerandachten für die Märtyrer abgehalten, die von den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde überaus zahlreich besucht waren. In den Städten Polens gibt der heutige Trauertag dem öffentlichen Leben das Gepräge. Aehnliche Mitteilungen liegen aus den übrigen Ländern vor. Auch in Amerika steht der 4. September im Zeichen der Trauer und des Gedenkens an die Märtyrer. In den gesetzestreuen Gemeinden Deutschlands wurde am Mittwoch, den 4. Sept., überall verbunden mit Trauergottesdienst abgehalten. Louis Marshall gestorben. Bei Redaktionsschkuh erreicht uns die Nachricht vom Tode Louis Marshall's, des Präsidenten der Iewish Agency. NnrnSrnen. Der rumänische Kultusminister über das Wesen der Orthodoxie. Bukarest, 19. August. Wie wir früher gemeldet habien, ist 'die rumänische Orihodoxiv aus dem Kumpf um das Kehiüogesetz sieg mich h-sroorgegangen. Wir geben hier einen Auszug aus der hochbedeutsam-en Rede des rumänischen Kultusministers Aurel Blad in der rumänischen- Kammer, der u. a. ausführte: Die jüdischen Partamen-tsv-ertveter werfen -ihm vor, daß er die Aenderung ohne Befragung und Anhörung der kompetenten jüdischen Kreise -eingebracht habe. Das sei aber ein Irrtum oder -eine Irreführung, denn er habe auf Grund des von den- Enqueten überkommenen Materials sich fein Urteil gebildet unddaher erst nach Anhörung und Ueberprüfung der oerschied-enen- Meinungen entschieden. Die Behauptung, daß auf dem ganzen- Erdenrund außer Ungarnkeine Zweiteilung der Gemeinden bestehe, 'ei auch keine hundert-prozentige Wahrheit, -denn auchin Deutschland bestehe schon seit dem Jahre 1878 ein Austritbsgefetz, das mit der Chimäre der Einheitsgemetnde aufgeräumt habe. Me Richtigkeit eines Gesetzes bestehe aber durchaus nicht in der großen Anzahl der Analogone, er hätte diesen- Paragraphein -kraft der ihm innewohnenden Wahrheit auch -danngeschaffen-, wenner nicht au-s dem ungarischen und deutschen Muster die Richtigkeit seiner Auffassung und die fegensveich-e Auswirkung eines öl-chen Gesetzes in der Praxis erfahren hätte. Es fei einfach unerfindlich-, warum die Siebenb-ürger Juden ein Vorre-chr genießen solltenvor den- Juden aller anderen Provinzen. Wenn die Juden Transsylvaniens selbständige orthodoxe Gemeinden bilden bikf-m, damit sie nach ihrer alten- Tradition und nach dem Diktate ihres Gewissens ihre Religion ausüb-en können, warum sollte den im übrigen Rumänien lebenden Jud-en nicht das gleiche Recht z-ustehen? Wo gibt -es noch -einen Rechtsstaat. der in gleicher Sache mit zweierlei Maß mißt? Unser Bestrebe-n ist doch die vollkommene Unifizierung der an-geschlossenen Geb-ie-te mit dem Mutterlande, warum ollten wir nun in Siebenbürgen regwnalistische Gesetze zurücklasstn? Die Einheitlichkeit des Staates erfordert einheitliche Gesetzgebung und da die erworbenen Rechte der transsylvanischen Judenheit nicht geschmälert werden dürfen, so müssen sie eben logischerweise auf die ganze Juden,heit ausgedehnt werden-. Was nun die in allen Reden der jüdischen Abgeordneten und Senatoren stereotyp wieder!ehrende B-ehauptu-n-g, betreffe, d«ß es innerhalb des Judentums keine dogmatischen Differenzen gebe, sei er im Verlaufe seiner dieser Frage geopferten Vorstudien zu einer gegenteiligen Ueberzeugung gelangt. Er wage es zu behaupten- und könne es beweisen, daß zwischen der griechisch-orientalischen und der katholischen Kirche noch lange keine solch tlefe-inschneidenden- Unterschiede bestehen, als zwischen neologen und orthodoxen- Juden. Unverbrüchliche Anerkennung der Göttlichkeit von Bibel und Tradition auf orthodoxer, und die Leugnung derselben auf neologer Seite. Was dem einen- Teile Heiligtum, ist dem anderen Torheit, was demeinen» Fortschritt, ist dem anderen Verbrechen. Gibt es einen» klasfenderen G-egenfatz auf Erden? Rabbiner, Kanzel, Liturgie- und Schule des -einen Teiles bedeuten für den anderen den schrecklichsten Gewissenszwang. Die beredtesten Beweise -der ernsten Ueberzeugung seitens der orthodoxen Juden für die Unerläß-lichk-eit der Separation sind die -ungeheuren Opfer, die der orthodoxe Jude für feine Gesinn-ungtagtäglich darbringt. Auf d»em Altar-e dieser religiösen Ueberzeugung, opfert er wöchentlich den siebenten Teil seines Erwerbes^ feiti-e Bequ-emlichkM, feine Gesundheit-, indem -e-r auf wochenlangen Touren mit trockener, einförmiger, sozusagen Gefcmgenenkost sich begnügt, während die der Neologie angehörenden Juden keinen- Sabbat und keine Speisegesetze anerk-MMN». Auf die Einwendung der jüdischen. Deputierten, daß nur -die tvcinarität der Juden Großrumänien-s orthodoxer Auffassung feien, hab-e er nur zu erwidern-, daß er als guter Christ -es vor seinem Gewissen nicht oeran-two rke n -könne, in» Glaubens fachen eine n o ch so kleine Minderhe it majorisi'eren zu lassen. M-ajoritätsbeschlüsse und Mehr-heitswillen haben nur -dort Sinn und Berechtigung-, wo der Wahlkörper -auf einem Boden steht, gemeinsame rdfgiöse Ueberzeugung hat. Kann denn etwa ein religiöser Abfall aufhöre-n, Abfall zu fein, weilein-e Maj-oriW-t ihn übt? Darf 'denn einean Bibel und TradNon inunverfälschter Weife sich klammernde Minderheit der Willkür und der Laune einer Majorität preisgegeben werden, die sich über Fundamentalg esetz e der Religionhi-nwegsetzt, weil sie eine -anti- oder areligiöse Weltanschauung Hai»? Er sei dessengewiß, daß -die Zukunft ihm Recht geben werde unddaßfein Nameim Zusammenhang mit diesem Trennungsgesetz, das überhaupt keine Trennung anordne, sowde»rn -eine solche nur -ermögliche, gesegnet sein würde. CtScmeti* Ministerpräsident Woldemaras bedauert. Kowno, 19. August. Ministerpräsident Prof. Woldemaras empfing eiwe Abordnung der Föderation Kallifchsr Inden Amerikas, die aus Anlaß -des- Staatsj-ub-Wums nach Kowno gekommen war. Woldemaras unterhielt sich mit den jüdischen Delegierten über die Lage der Juden in Litauen und sprachfein Bedauern über die antijü-disch-en Exzesse in den Kownoer Vorstädten- Slaibad-wn und Sanca-inam 1. und 2. August aus. Der Ministerpräsident Woldemaras -ersuchte die jüdischen Delegierten-, ihn am 21. August zur Fortsetzung der begonnenen- Besprechungen wiederum zu besuchen. Die jüdischen Delegierten au-s Amerika hi-elten eine Beratung mit dm, Leitern von- 39 jüdischen OrganisMonen Litauens ab. Es wurde die kulturelle und soziale La-ge d-er litauischen» Juden besprochen. Die Schilderungen der V-erirete-r de-r Ju-d-enin Litauen machten auf die amerikanischen Gäste -einensehr deprimierenden EiN»druck. Die litauische MilLärzensur hat die letzten Nummern be;r großen- Mgaer jlWfchen Dageszeitung- „Frtmvrgn", die Aufsätze von W. Latzky-BarlhoWi über die Pogrome m Kowno enthielten, in den Postämtern beschlagnahmt und zum Teil nach Ritza zurückgesandt. Die litauischen Juden in Amerika für ihre Brüder in der Heimat. Kowno, 21. August. Die aus Anlaß des litauischen Staatsjub-iläums gegenwärtig! -in Kowno weilende Abordnung de-r Födsra- Sarantiert nur aus reinen t"Pflanzenölen hergestellf 100 Gramm-Stück 15 Pfg. 200 Gramm-Stück 30 Pfg Verlangen Sie beim Einkauf ausdrücklich MhMLche Alleinige Hersteller, GünfheriHdussmM Chemniti -foppd mm