Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1929)
- Date
- 1929-09-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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SSM 4. Nr. 37 Der Israeli 12. &epkmber 1929 pen in Verbindung bringen mußte, die im Haupt¬ oder Nebenamt Religionsfeindschaft vorbereiteten oder betrieben. Es ist klar, daß die Beseitigung dieser Schwierigkeit nicht bloß von den Juden abhängt. Andere Schwierigkeiten sind die zunehmende Großstadtsiedelung der jüdischen Bevölkerung und der grade in den jetzigen Zeitläuften besonders fühlbar gewordene Mangel einer strammen geistlichen Führung. Aber schon macht sich eine steigende Erkenntnis für die Notwendig feit einer Berufsumschichtung innerhalb des jüdischen Volkes, namentlich zu Gunsten der Landwirtschaft, und für eine das ganze Judentum umfassende, gegliederte Allgemeinde und der Wille zu entsprechenden Taten bemerkbar. Israel birgt noch die Kräfte in sich, um allen diesen und den sonstigen Schwierigkeiten zu begegnen. Sie erwachsen ihm nicht aus irgend welchem peripherischem, blassen Modejudentum, sondern a u s d e m Judentum des Gesetzes mit seiner den jüdischen Menschen täglich und stündlich an Gott erinnernden Macht, aus seiner beispiellosen Disziplin. Dank diesen Kräften wird Israel das seiner einzigartigen religiösen Weltstellunc entsprechende Kontingent für den großen Kamps stellen und beitragen, daß die religiöse Krise der heutigen Menschheit so ende, wie sie ja enden muß: Mit dem Siege des Menschen als eines religiösen Wesens über eine aus dunklen Abgründen der Materie in ihm emporgestiegene Auflehnung gegen seine eigene Wesenhaftigkeit und gegen Gott, mit dem Siege der Gottesfurcht und der religiösen Zucht. daß in absehbarer Zeit sich diese Erkenntnis allgemein durchringen wird. Redner verliest die Namen der Toten feit der letzten Kenessio Gedaulo, zu deren Ehren sich die Versammlung erhebt. Er begrüßt die Vertreter der Regierung, Jer Gesandtschaften und Konsulate und hat dann warme Worte für den Rabbinischen Rat und für die Jugend. Aus und mit Israel wird eine neue Welt des Friedens aufgebaut werden. D i e 2. K e n e s s i o G e d a u l o i st e r ö f f n e t! Herr Oberrabbiner L e w i n - Rzeszow, Mitglied des obersten Rabbinischen Rates, sprach ein Wort der Weisen an den Rabbinischen Rat und an die Versammlung. Er berührt auch die Vorgänge in Erez Jisroel. Von dieser hohen Versammlung sollte ein Ruf des Protestes an die Kulturwelt ergehen. Unsere Aufbauarbeit in Palästina unter der Fahne der Thora wird 'durch die Geschehnisse nicht gestört werden. , Ein Vertreter der Kultusgemeinde Wien begrüßt nun die j.Versammlung. Darauf betreten nacheinander h^r Czortk.ower und' der Gerer Rebbe das Podium, um ihr den Segen zu' erteilen. Es wird dann ein Vegrüßungstelegramm vom Chofez Chajim verlesen. 1 Darauf -ergreift Herk' Dr. Nathan,. B i r n - b a u Nr "das Wort zu seinem Referate, das auf Lek ersten Seite, dieser Nummer im Wortlaut wiedergegeben ist. n. Sodann spricht Herr Jacob R osen h eim, von der Versammlung stürmisch begrüßt das Schlußwort. ■ In ergreifenden Tönen spricht er über die Katastrophe in Palästina.' Die Aufgabe der Agüdas Jisroel ist vgrgeschriebe'n. Ihre Palästina-Arbeit ist . in Mizmas Jischuw Erez-Jisroel begründet, frie unabhängig ist von allen Geschehnissen der Welt. Hie. jüdische- Drthodöxie. wird chr-en Bunh mit CreKiJisroMMemals. Äerleugnen, weil dieser mit 'H geschlossen ist'. Gegen 7% Uhr ist die Eröffnungssitzung zu Ende. Die Stimmung ist unbeschreiblich! ^r,|:' ' . *he^y: Wi Vor der kenessio. Wien, 10. Sept. Am Sonntag tagten: der Rabbinische Rat (mehr als 50 Teilnehmer), der Zentralrat, die Kommissionen sowie die Palästinazentrale. Am Montag trat die Weltjugendtonserenz zusammen, ebenso tagte die Keren Hathora- Zentrale. Der Rabbinische Rat hat sich bereits mit den Vorgängen in Palästina, der Frage der Jewish Agency und dem Agunothproblem befaßt. Für die umstrittene Verfassungsfrage ist ein Ausschuß eingesetzt worden, der bereits zu einer Klärung der Sachlage gelangt ist. Dow M a a j o u i aus Hebron, einer der lleberlebenden des Massacres, ist als Delegierter in Wien eingetrofsen. lli;; "SY Der jüdische Jischuw an den High Kommissionär. Wand Leumr (Jüdischer Nationalrat Palästinas), Hauptrabbinat und Agudas Jisroel in Palästina haben gemeinsam dem Oberkommissar Sir John Chancellor ein Memorandum unterbreitet, in welchem die Nöte und die Sorgen des jüdischen Jischuw in Palästina im Zusammenhang mit den letzten tragischen Ereignissen dargelegt, Klage gegen die Schuldigen erhoben und Sicherheit für die Zukunft verlangt wird. Nachstehend ein Auszug: Mir, die Repräsentanten des Jischuw, halten es für unsere Pflicht, gegenüber Eurer Excellenz anläßlich Ihrer Rückkehr in das Land, unserer Meinung Ausdruck zu geben: Seit langer Zeit wird eine offene und eine verborgene Propaganda in diesem Lande betrieben, in der zu Angriffen gegen die Juden, die einer Arbeit des Friedens und des Aufbaus obliegen, gehetzt wird. Im Jahre 1921 wurde der mohammedanischen Bevölkerung eingeredet, daß ihr Eigentum und ihre Frauen gefährdet seien. Jetzt haben die Agitatoren die Klagemauer zum Anlaß einer Hetze genommen, weil sie wußten, daß sie es auf religiösem Gebiete leicht haben würden, die Massen aufzuwiegeln. Einer der Haupthetzer bei den Jerusalemer Pogromen des Jahres 1921 war der später zum Chef des Council der moslemitifchen Bevölkerung durch die Regierung ernannte heutige Mufti von Jerusalem. Diesmal tritt er in der Rolle des Beschützers der heiligen Grundlagen des Moslemitentums gegen unsere vermeintlichen Angriffe auf. Diese Propaganda hat sich vor den Augen der Regierung abgespielt und wurde von einer gutorganisierten Behörde geleitet: die Regierung aber, die verantwortlich ist für die Ordnung ml Lande und für die Sicherheit seiner Vtwohneb,' h a f nichts ge tan, um diese gefährliche Propaganda zu -hemmen - und ihre Folgen zu verhindern. Diese, eigentümliche Gleichgültigkeit seitens eines: modernen und starken Regierung, die, wenn sie will, ihre Macht:; zu gebräuchest weiß, stärkt m uns die Ueberzeugung, d a ß f i ch i n R e g i er un g s k r.e i s e n Elemente befinden, d i e a n e i n e r s o l ch e n P r o p a g a n d a i n - t e r e s s i e r t sind, sowie auch daran, einen Zwiespalt zwischen den dieses Land böwohnendeu Völkern hervorzurufen. > , Seit derb Skandal an der Klagemaper am Versöhnungstage des letzten Jahres, der )die Empörung der gesamten jüdischest Welt, erbegt hat, weil sie in dieser auf Befehl des RoUv^rneurs von Jerusalem ausgeführten Handlung eiste ehlä-- ante Verletzung der religiösen Gefühle der Im' denheit erblickte, haben wir .immer wieder die Regierung vor der den Frieden des Landes bedrohenden Gefahr ggwarnt. Die- HaMstg des Jgnorierens Md der Beleidigung gegenüber den Juden hat den Mut des Beleidigers ^gestärkt. Hie Regierung erhöhte und beschleunigte die Gefahr, als sie die Erlaubnis erteilte, Bauarbeiten'an der Klagemauer aufzuführen und dann wieder erlaubte, eine neue Tür zu öffnen,'; dis den Platz vor der Mauer zu einem öffentlichen Verkehrsmachte. .(v anr\ f J £, *; .. -'.ft i'.'i U" h.-ii Rofch-ha-fchono-Glückwünsche können in drei Größen veröffentlicht werden: Größe I 10 Zeilen 1 spaltig zu Mk. 5.— Größe II 15 Zeilen 1 spaltig zu Mk. 7.50 Große m 10 Zeilen 2spaltig zu Mk. 10.— Die Beträge wolle man auf Postscheckkonto Nr. 19 802 überweisen, den Text durch Postkarte erntenden. Texte, dte bis zum 30. September in unserem Besitze sind, werden in der Rosch-Haschono-Nummer, später eintresfende m der darauffolgenden veröffentlicht. Wer seine Glückwünsche zu Gunsten von Erez Jisroel abzulösen und keine Anzeige zu veröffentlichen wünscht, wolle dem nach Belieben festzusetzenden Ablösungsbetrag eine Gebühr von 2.20 Mark für die Veröffentlichung von Namen und Wohnort im S a m m e l i n f e r a t beifügen. Frankfurt a. IN. Verlag des Israelit G. m. b.H. .na. . Die Regierung hat nicht das Geringste getan, — weder vor, noch nach den Ereignissen, noch bis zu diesem Tage — um öffentlich den Verleumdungen entgegenzutreten, die die Unruhestifter unter der arabischen Bevölkerung verbreiteten, und um der Wahrheit über die Haltung des Friedens und Respekts, die der Jischuw stets gegen* über dem arabischen Volke und ihren heiligen Stätten bekundet hat, zum Durchbruch zu verhelfen. In den ersten Tagen der blutigen Ereignisse war der ganze angegriffene Jischuw ohne jeden Schutz seitens der Regierung. Meist kam die Polizei zu spät, in vielen Fällen war sie passiver Zuschauer und mischte sich nicht ein. Auf alle Warnungen des Jischuw, auf jeden Hilferuf halte die Regierung nur die eine Antwort: Wir. beherrschen jetzt die Lage. Am Sonnabend, 6 Uhr vormittags, wurden in allen Stadtteilen gleichzeitig Schüsse vernommen. Der Angriff war darauf gerichtet, Kirjath Anawim, Beth Hawraa, Arza, Motza, Attargth und alle andern Siedlungen um Jerusalem zu Zerstören. In Talpijoth wurden mehrere Häuser geplündert, ebenso in Mekor Chajim, Bajith Megan und Rewej Schaanan; es wurde auch versucht, diese Siedlungen niederzubrennen. Die Stadt Jerusalem wurde hauptsächlich durch die heroische Haltung der Juden gerettet: ohne diesen Heroismus hätten wir in Jerusalem ein gleiches Maffakre gehabt wie in Hebron und in Safed. Bei dieser Gelegenheit soll den Oxforder Studenten und einigen britischen Beamten, die sich freiwillig der^ angegriffenen Juden annah- Men und die Verteidigung ' mit Aufopferung führten, Dank und Segen ausgesprochen werden. Die Regierung ließ es zu, daß die.Angriffe fortgesetzt wurden, und unternahm während aller dieser Taten n i ch t ein e n e i n z i g e n e r n fth g f t e n Versu ch -zum Schutze...unseres, Lebens und unseres Eigentums,' noch wurden jene^ die uns angriffen, irgendeiner Strafe zugeführt. Es wurden keinerlei Schritte unternommen, um das Hab und Gut der Juden zü schützen. Die Regierung, hatkeiM Mnzige Verhaftung vorgenornmen, noch auch , einen derjenigen: dieji die Häüptverantwortung für das Blutvergießen und die Zerstörung von jüdischem Besitz in den verschiedenen Zentren, getragen haben, dem Gericht übergeben.- Es kann kein Zweifel darüber Herrchen, haß die Regierungsbeamten für all das verantwortlich find, trotzdem sind.sie noch immer nicht, ihrer Aemter enthoben und; dem Arm: der Gerechtigkeit ausgeliefert worden, n ' Die , Schuld der Beamten ist:außerordentlich. ' ,/wenn man,im besondere die Abschütchtung der Ahdenin Hebron in Betracht, zieht.- Am Freitag zogen Schären.. von Arabern, durch die judffchest Vjett^l Hebrons, schmissen Steine iwDie lüdifchest Wohnungen und versuchten in die Häuer einzudringen. Es wurden trotzdem keinerlei Maßnahmen getroffen, um die Juden in- Schutz, zu nehmen. All das spielte sich vor den Augen rde^R^giElM^h^M MjstMhieMdmruevgMnK T :a i