Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1929)
- Date
- 1929-09-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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12. Septemb-sr 1929 Rr. 37. SeÄe 3 Damit soll-stibstverständlich nicht gesagt sein, daß wir selbst, der Aufgabe überhobsnsind, uns gegen die Uebergriffe der Religionsfeinde zu wehren. Erstens wirkt ja die Vorsehung in der Menschengeschichte . in der Rsgel. yiitielbar, d.. h. durch Menschen, und . zweitens ist, Zumindest nach der Anschauung des Judentums, speziell für die Beziehung zu Gott dem Menschen die persönliche Verantwortung. zugeschrieben>. Hakaul bijedej schomajspr chuz mijiras. schomajim. Alles hängt von Gott ab,.nur die Gottesfurcht nicht.. . , Die Aufgabe, ist natürlich nicht leicht- Schon das Sammeln der.ganz Treugebliebenen zur organisierten Abwehr ist bei dep Neigung frommer Menschen-zur. Beschaulichkeit, die oft. .in eine Art religiösen Egoismus ausartet, mit großen Schwierigkeiten verbunden.^ Noch schwerer ist es, SchwankendM Weder festen Halt in der angestammten. Religion zu geben, sie aus dem Anziehungsbereich des wohlfeilen, aber, gerade deshalb bei der Masse um so wirksameren Unglaubens zu entfernen. Am schwierigsten, ganz verloren Geglaubte zurück - zu..gewinnem Zu.solchen Leistungen gehören Menschen, die den reinsten und innigsten religiösen Enthusiasmus mit tiefer' MerlschkNkenntnis und Menschenliebe, sowie mit einemBttck verbinden, der in die Tiefen der Ewigkeit und dadurch auch in die Weiten der Zeit schaut, um' dovt Me' zeitlichen Borbedmgungen zu erspähen, an deren Schaffung gearbeitet werden muß,- wenn den Massen das Ahnen der Ewigkeit leichter erhalten oder wiedergegeben werden soll. Es scheint, daß es solche Menschen schon gibt, und daß... unter dem Drucke der Notwendigkeit noch mehr von ihnem> erstehen werden. Jedenfalls ist in den Lagern der Religiösen der verriebenen VekennWsse die Verblüffung, die durch die Ueberreynung . seitens der Gottlosen hervorgerufen war^,sängst überwunden. Der Widerstand ist eröffnet. Man sammelt die Treugebliebenen, man wirkt auf die Schwankemden und man hat nicht nur die Genugtuung, Verlorene aus eigenen Stücken zurückkommen zu sehen, sondern bringt auch selbst welche zurück. Mit einem Wort: Sa furchtbardie heutige, i nr Z e ich ende s Z e i t g e i st e s st e h e n d e, religiöse Menschheitskrise ist, — dieer ft e n Schr-i tt e nach ihrem glückl i ch e n E n d e h i n s i n d g e t a n. Die weiterem werden folgen — so lange, bis in die verführten Massen Gottergebenheit und. religiöse Zucht zurückkehren werden. Wenn nun aber aus der Allgemeinheit ein Volk, Israel, herausgehoben werden soll und die Frage gestellt wird: Wie steht Israel zur religiösen Krise der heutigen Menschheit? Wie weit standeskrast mit aufrichtiger Jiraß Schomajim in sich vereinen. ’ ' Als ich einige Tage später mit Rabbi Chajim Sonnenfeld '"J über die „Slobotker" sprach^ da sagte der greise Thorafürst: „Diese jungen Menschen sind „Mekarew die Geuloh". . Max Löwy, Bratislava. Rabbinifche Worte. - Be siech ün g.. > - Eine Witwe kam zu Rabbi Weisels in Lodz und weinte ihm ihr Leid. Sie klagte gegen einen reichen Mietsherrn, der ihr Unrecht getan hätte. „Will sehen, ob ich Euch helfe", sägte der Rabbi, „aber Richter in dem Prozesse kann ich nicht sein. Tränen sind Bestechung." Darf man die Schechino bemühen? Ein Holzhändler klagte vor dem Baalschemtow, er hätte durch Ueberscbwemmung sein schwimmendes Holz verloren, fei ruiniert, verzweifelt. „Höre", sagte der Rabbi, im Talmud heißt es: Wenn der Menfch leidet, weint die Schechino mit ihm. Willst Du wegen der paar Hölzer die Schechino" züm Weinen bringen? : (Ein Totgemeldeter kommt wieder.) Vor demL o dzer Rabbi nathiielte sich "dieser Tage eine erschütternde TragööSe ab.7^Bef^Krkegsaüsvruch würde Morde chäi Br o d l:: emgezogen.:/Er -mußte - seine' Frau Feige Liebe upd sein einjähriges Kind verlassen- und aus einem glück- Mesi FMllWlMn gn^dieMönt' zlehem? Rach, einiger Mib hMbest- 'die' BÄöfe Äüs^ dem Felde'' Ms, 'un8' später Mnhte- W LüVz° AN Brief Mnes ^ÄümeräÄen eiW dÄ bezeugte? dciß: MyrKechak Brodi gefalWr .und auf eknM vk-ii *v. "• »•-! Der Is ra eiit________ ist es an ihr, wieweit, an.den Bemühungen! beteiligt, sie im Sinne der Bejahung Gottes und im Sinne religiöser Disziplin zu überwinden? — so lautet die Antwort auf diese Frage verschieden, je nachdem, wie man auf Israel blickt. Wenn man durch ein Vergrößerungsglas diejenigen Juden betrachtet, die als Vorkämpfer und als Ptasie in der Weltarmee des Atheismus dienen, wenn man die nichtjüdifchen Soldaten dieser Armee und die Tatsache übersteht, daß bas jüdische Volk von Haus aus von religiöser Verneinung nichts wußte und sie erst anderen absah, dann ist man freilich geneigt, Israel für die religiöse Krise, in welche die Menschheit jetzt eingetreten ist, verantwortlich zu machen. Anders, wenn man diesem Irrtum nicht verfällt, aber sozusagen nur mit statistischen'Augen die Verhältnisse, wie sie sind, sich ansieht. Dann glaubt man nicht, daß die Juden-für die' jetzige Religionskrise eine größere Verantwortung als die anderen Völker oder gar die alleinige Verantwortung tragen. Noch anders jedoch, wenn man, über die Statistik sich erhebend,; an die großen geschichtlichen Gegebenheiten. sich hält und Israel als das nimmt, was es seinem innerstey Wesen nach ist, als eine ge s chi cht l i che E injh eit vom Tage s eine sM er d en s am Berge Sinai bis an „das Ende der Tage",- als eine ge schi chtl iche Einh eit mit einem ihr immanenten ei n heit l i ch e n S in n — ganz unabhängig davon, ob zeitweise mehr oder weniger schwächeren, unjüdischen Einflüssen zugänglichen Menschlein jüdischen Stammes dieser Sinn fremd geworden ist.. Dann kann, man nicht glauben, daß,diesem Volke, das noch heute eine so sehr auf das Religiöse und Religiös-Disziplinäre eingestellte, durchaus konservativ gerichtete Kernmasse ausweist, wie sie nirgends mehr vorhanden ist, der. moderne Gottes- und Religions- Haß mehr liegt, als emiem anderen Volke oder einer anderen Religionsgemeinschaft. Dann erkennt man den Gedanken als absurd', daß ihm, dem klassischen Volke der Religion, durch einen zeitweiligen Sturm atheistischer Banalität sein Grundwesen aus der Seele gerissen worden, eine besondere Anlage für Irreligiosität, für Zeitgötzendienst, für Zerstörung von Menschheitsfundamenten an geflogen sein kann. Nein, Israel, das ewige, ewigkeitdurchdrungene Israel hängt heute -wie ehedem mit heißer Liebe an seinem von ihm zuerst erkannten Gotte, am allmächtigen und allgütigen Gotte der ganzen Welt. Israel, das ewige, ewigkeitdurchdrungene Israel, läßt, allen Modeworten und Modelockungen zu Trotz, nicht von feinem traditionellen Leben, das es in täglicher, in stündlicher Verjüdischen Friedhof begraben seiDieFrau hielt die sieben Traüertage und' sah sich als' Witwe7 Kürz daraus heiratete sie wieder einen Mann aus Radom, mit dem sie ein friedliches Leben führt. An einem der letzten Sonntage kam der frühere Gatte plötzlich ins Haus. Er war verwundet in die Gefangenschaft geraten und dann nach einem Orte Sibiriens verschlagen worden, voy wo er keine Möglichkeit hatte, fortzukommen oder zu schreiben. Die Frau mußte nun von beiden Männern geschieden werden, und das ging unter Szenen vor sich, die die Anwesenden aufs tiefste bewegten. . . (Ein jüdisches Kind bei Zigeunern.) Im polnischen Städtchen Kraschew, einer bekannten Sommerfrische bei Lodz, hielt sich dieser Tage eine vorüberziehende Zigeunerbande auf. Jüdische Sommerfrischler entdeckten dabei einen kleinen Jungen, der so markant jüdisch'aussah, daß sie der Sache auf den Grund gehen wollten. Eine nähere Prüfung ergab, daß der Zunge das Milozeichen Hatte. Die zur Rede gestellten Zigeuner gaben ausweichende Antworten! Als sie merkten, daß man zur Polizei ging, packten' sie rasch ihre Sachen und führen rpid ihren Wagen-eiligst weiter. Aus Lodz und Warschau haben sich einige Männer bereit erklärt, mit. Hilfe, der Polizei der Bande nächzusetzen und der' Sache auf den Gtünd zu gehen. ' ' " ' ' ' /; (Der Höhenflug im Midrasch.) König Salomo, so wissen, die .Erzähler des Targum Scheni, schickte einen F lug t'e:p pW nach - dem Lande Kusch,: damit. die vielge» lfeE'K ynkg.lnW.qbb'd,.fvie"aufAdlersflügetn, zu ihm nach Jerusalem^elle. 7' 7 Di^ser'FluWftpich Hder^Flllg'Mä'nkek-spielt-' Mch sbnft7noch-eine .hervorragende Rolle im Salomo Mythos 17:.,J.. ,-.4v “ Die Mitqlieder der Agudah Jugendorganisation und Angestellten bund erhalten rbei jedem Versicherungs-Abschluß wesentliche Vergünstigungen durch die lebensverficherungsgefeilfcbafi ix Viertgrößte Gesellschaft des Kontinents -• Verslcherungsbesf. 1,2 Milliarde GMk. »Mitarbeiter zu günstigsten Bedingungen u. zwar -Gefault, hohe Provision, Altersversorgung, gesucht Bewerbungen an Phönix, Berlin, Meinekestr. 10 knüpfung mit Gott erhält. Israel, das ewige, ewigkeitdurchdrungene Israel, spürt die seelischen Unbilden!, die ihm von den Gotteslästerern und Religjonsseinden. angetan werden, viel schmerzlicher als die Unbilden an Leben, Leib und Ehre, die ihm sonst und auch gerade nicht im kargen Mäße blühen. Israel, das ewige, ewigkeitdurchdrungene Israel, steht in der Trauer über die Schmach der streitbaren Gottes- und Religionsfeindschaft nicht nur keinem anderen Volke nach, sondern es stellt mit seiner ganzen Existenz und seinem ganzen Wesen, einen einzigen gewaltigen Verwahrungsschrei dar aus der göttlichen Urtiefe der menschlichen Seele gegen die unerhörten An-- maßungen und Ausschreitungen der modischen Gotteslästerer und Religivnsverächter, sowie gegen die Anbetung des Götzenzeitgelstes überhaupt.. Israel, das ewige, ewigkeitsdurchdrungene Israel, will mithelfen, den Ungeist der Gottes- und Religionsgegnierschaft,. der sich heute in der Welt breit macht, zurückzudrängen. Allerdings, die von den jüdischen Kämpfern für Gott und für die GottesebenbildlichkeiL des Menschen zu überwältigenden Schwierigkeiten sind womöglich noch größer als diejenigen, dieihre Kampfgenossen bei den anderen« Völkern und Religionsgemeinschaften zu bewältigen haben. Es .sind. Schwierigkeiten, die sich aus Verhältnissen ergeben, an denen das jüdische Volk letzten Endes am allerwenigsten Schuld trägt. Hierher gehört vor allem der unselige Umstand, daß die Sorge um ihre Sicherheit und um ihre Menschenirechte die Juden viele Generationen hindurch immer wieder gerade mit jenen Grupder altjüdischen, arabischen, wie amharischen Literatur de Abessinier und Falaschas. Man ist aber nicht wenig überrascht, eine talmudischagadische Sentenz zu finden, die die messianische Erlösung, das Wettenheil und den Anbruch des goldenen Zeitalters sozusagen mit der letzten Vervollkommnung des Flugzeuges und der vollen Beherrschung der Luft in engste Verbindung bringt. So lesen wir im „Jalkut Schimoni": Heißt es da im Schlußkapitel von Jesajas (66): „Und es wird sein, daß an jedem Neumonde und Sabbat für Sabbat alles gleich hinkomme, um sich niederzuwerfen vor mir, so spricht Gott". Wie wäre das zu bewerkstelligen, daß aus allen Ecken und Enden der Welt die Menschen Sabbat für Sabbat nach Jerusalem wallen, wo doch ber Weg von Pol zu Pol so weit ist und die Menschen die Woche über daheim ihrer Arbeit nä'chgehen müssen? Einfach so: Die Wolken kommen und nehmen sie auf. Sie verrichten dort morgens ihre Gebete und eilen dann im Fluge wieder heimwärts. Wie es ja heißt (Jesajas Cap. 60,8) „Sie fliegen wie die Wolken, wie die Tauben in ihren Schlag. — — —" Unterstrichen wird hier noch, daß sich diese letzte Heilesbotschaft nicht allein auf Israel, sondern auf die ganze Mensch h e it, auf „alles Fleisch" bezieht. Auf alle Fälle' llingen diese Perspekttven der alten Propheten und Lehrtzr schöner, als die Berichte, die heute aus dem.heiligen Lande auf uns einstürmen..." tr-antMoMch. .für . de« «llgemeMr« ^ptt und da». Fruilleto» .'Tchachvowitz/Fralttfurt a. R.; S«srraie i. B.r Äßchach» no«jttz.^beyda,.— Für dtevAnraoglUe Bettagek Lptzrer?-» St auf mann t» Sprepdltvgrn lNr. Otzeubach). — Brrla»