Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1929)
- Date
- 1929-09-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 36 Der Isra e l r t 5. Sept. 1929 meisten hatten Tränen in den Augen. Botschaften von führenden Persönlichteiten der englischen Nation gelangten zur Verlesung. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, Dr. Chaim Werzmaun, erklärte in der Mass-enversanunlkung in der Wert Hall, er 'hege die Ueberzeugung, daß sich die Regierung ihrer Verantwort ung voll bewußt und entschlossen sek, das Notwendige zu tun. Er besteht aus einer peinlich durchgesührten Untersuchung, di>e sich nicht -allein auf die Frage der Verantwortung für den' Ausbruch der Unruhen, sondern — darauf lege er besondere Betonung — auchaus die Durchführung -der MandatspoMtik erstreckensolle. Die Wiederholten Anstrengungen der Araber, die das im Entstehen begriffene jüdische Nationakheim durch Gewaltanwendung vernichten' wollen, seien nur -dadurch zu verstehen, daß die britische Regierung esnicht vermag, den Arabern klarzu-machen, daß hinter der PoMk -des NaOonalheims der unerschütterliche Wille der Mandatarmacht stünde. Das jüdische Volk wird durch solche Gewaltanwendung nicht -in seinen' Anstrengungen wankend gemacht, sondern es wird das Tempo seiner Arbeit nach beschleunigen. Lord Melch-ett, der di-e Meson-Versammlung in der Alb-evt-Hüll leitete, führte aus, -er Asse es sich nicht e-rnredon, daß die Administration in Palästina nicht gewußt ha-b-ensoll, daß -es im Lands -gärt. Di« Mi-tgli-eder dieser Adiministratbon haben eine längere miWävifche Erfahrung hinter sich und unterhielten -engere Fühlungmit den arabischen Bewegungen. Sie hätten auch mannigfache Erfahrung bei Ausbrüchendieser Art, um die notwendigen Vorbeugungsmaßnahmen rechtzeitig 'treffen zu Können. Ihr Versagen -in diesem Punkte, hat den Glauben der gesamten zivilisierten Wett -an GrvHbMtMNiVNS Machtstellung erschüttert. Palästinaist der Schlüssel für das British Empire. Ohne Palästina kann keine Rede sein von einer Sicherheit des Empire. Schwäche in Pakästna ist ein- Signal für Revolte gegen- -die Herrschaft Britanniens in allen feinen Besitzungen überall m der Welt, hauptsächlich aber im- Nahen Osten-; noch mehr, wenn man die letzten Ereignisse in Aegypten -in Betracht zieht. Lord MeÄhott kriiisier-te das- Verhalten der loyalen Regierung in den fchärfften Ausdrücken- und sagte, was die Juden in zehn Jahren austz-ebaut haben, wurde von den Räubern und Mördern «in ihrer Zügellosigkeit vernichtet. Es scheint, fuhr er fort, «daß die britische Regierung ihre Pflichten als Mandätarma-cht mißversteht. Ihre Pflicht in Palästina ist es, nicht allein den Frieden im Lande zu erhalten, sondern auch aktiv tei'ltzunehmen an der Errichtung des jüdischen- Nationakheims. Er hätte nie von einer so absurden, ja lächerlichen Situation -erfahren, wie die, daß «die Balfour-Deklaration Leutenzur Durchführung anvertraut wird, die dieser Politik nicht nur mit Antipathie gegenüberstehen-, sondern- -ihr aktiv entgegenarbeiten. Melchelt appellierte andie britische öffentliche Meinung-. und an den Gerechtigkeitssinnder Engländer, das gegebene Ehrenwort zu halten-. Ungeachtet des durch« -die Mafsakres herbeigeführtsn- Rückschlags fei das jüdische Volk -en-tschloss-en, 'das« NaKonalheim mit noch -größerer Energie und mit verdoppelter Anstrengung aufzubauen. Dieses Nationalh-eim aber muß gegründet sein auf Sicherheit und Vertrauen. Diese Sicherheit und dieses Vertrauen müssenuns gegeben« werden, damit wir dort in Frieden und Glück -leben könn-en. Chief Rabbi Hertz vergleicht Ade Greuel in Palästina mit den -grausamen Metzeleiender Kreuzfahrer und den russischen Pogromen. Er -erhob «geg-endie Palüstina-Admi-nistration -die Beschuldigung, sie sei übovwollend, untüchtig, -unbeständig und führe eiN'e schlechte Verwaltung. Noch nie sei es vorgekommen, -daß sich eine britische Regieru«ng- DrohunWU giebeu-gt haben soll, wie es die Palästina-Negierung ge^Üan hat. Die Schuld trägt aber nicht alleindie Palästina-Rogi-erung, sondern auch gewisse untere Angestellte in Whi-behall (Regierungsstraße in London). D a s e i n z ig- -e V e r b r -e> ch -e -nd -e f f -e m fich die Juden Pa-lä sti-nasf-ch-uivdig gemacht haben, -lag d-a-rÄn, daß sie s-ich auf G r-o ß-br«itann ie-ns W«orte ver-lasfe-n haben. Der Reichsrabbiner kam dann auf «das Problem der Klagemau-er zu sprechen- und sag-te, die Steine dieser Mauer existierten 1500 Jahre, -bevor der Mohammedanismus entstand. Bor 800 Jahrenbetete dort schon Benjamin von Tudelo, und im Laufe der Jahrhunderte standen die Juden in- Gotbesverehr-ung vor dieser Mauer, ohne -belästig-t zu werden. Erst 1921 -begannendort die Unruhen, und heute beklagen wir mehr als- 100 Tate. An die Stelle dieser Toten — und -in Zukunft an die Stelle jedes einzelnen Getöteten- — werden- -gleich -am folgenden Da-ge Tausende andere -treten. Wir sind hier versammelt, nicht -um unsere Toten- §ubetrauern, sondern auch um zu «trauernüber das Versprechen Englands, das n-icht gehalten worden ist. D'Avig-dor G -o -l d s m -i d, der Präsident des- Jewish Board os Deputws, erklärte, daß die jüdischen! Rechte an d«er Klagemauer erst im Kriege einigeschränkt wurden; es sei -aber beschämend für Großbritannien, daß KBogsrecht zum Status quo gemacht wordensei. Nichtswird uns in unseren Bestre-b-nnge-n i-n- Palästinawankend machen. Dr. Moses G a st e r, Cha-cham der sephardifchen- Gemeinde, der vollständig erblindet ist, wurde zur Plattform geführt. Es -liegt eine besondere Tragik in dem Umstande, sagte -ex, daß -eine Woche -nach Konstituierung der Jewish Agency, in der sich die gesamte Ju-doNheN zum Aufbau Erez Jisroels zusammMgieschliosien HMefolche Vorkommnisse möglich werden «konnten. Wohin, rief Dr. Easter unter starker Bewegung der ganzen Versammlung aus-, sollen di-e Juden Palästinas g-e-hsn, wenn sie in ihrer Heimat massakriert werden-? Die Galuth- Länder haben, ihre Grenzengeschlossen. Bon Palästina gibt es nur einen Weg-: ins Meer. M'r sind der ©wie den-bock, der gegen das British Empire geschmiedeten verborgenen PWne. Wir müssen -unser Verantwortungsgefühl verdoppe«ln, wir werden Palästina zum Nationalheim unseres Volkes machen. , Colonel Wedgwood, Mitglied des Unisvhauses, wurde beim Besteigen der Tribüne von einer stü«rmffchen Ovation empfangen, die 15 000 Anwesenden erhoben sich wer ein Mann. Wäre ich Jude, führte er aus, so «Me es mir Seichter, von dieser Plattform herabzu sprechen; aber als Christ und britischer Bürger möchte -ich bas wisdercholen, - was Lord Melchstt schon gesagt hat: Der Schlüssel, zum British Empire ist Englands Ehre. Wenn aber waffenlose Juden nach Palästina im Vertrauen aus Englands Wort gehen, so steht diiese Ehre -auf dem Spie'le. Es ist unmöglich zu denken, daß soetwa-s wahr sein könnte. Kein Engländer, der -irg-ende-in-en Rang -in der britischen Regierungbekleidet, kann sich -mit -eitler solcher Feigheit absinden. Der gegenwärtige Kampf spielt sich nicht s-o sehr zwischen Juden und Arabern-, sondern vielmehr zwischen den Juden undder britischen- Administration ab. Di-e Juden Palästinas wollen ni'cht ander Klagemauer weinen, sondernsie wollm Mit der Waffe -in der Hand ihr Leben und das Leben ihrer Kinder verteidigen-. Es handelt sich hier Nicht um einen ve-l-igi-ösen, sondern um.einen politischen Kampf. Die Ara«ber möchten Palästina frei haben, frei- -für Rviub und Mord. Können wir Palästina den Händen der »sogenannten arabischen Gsnklemen" lassen, indem wir noch ihr Rückgrat stärken? Palästina kosttet denbrttischM- Ste-uerza-hier gar nichts, es -deckt feine eigenen Bedürfnisse und wirft -noch Zinsen ab. Die jüdische Polizei «in Palästina war die einzige, die ihr -gegebiene Befehle auKge führt hat. Mr sind nun des Lippendi-enstes satt und wollen Taten sehen. Wir forderntime 'bewaffnt jüdische Poltzei, die den Frieden erhalten' soll. Gegenwärtig spreche man für Palästina iM Namenvon 15 Millionen- Juden. Er wünsche es sich, eine g-eeinte jüdische Front von San Francisco bis Shanghai zu sehen, die mit mächtiger Sti-MMe Gerechdigk«eit für das jüdische Volk und -die Erfüllung des von England gegebenen Versprechens verlangt. Louis Lipsky, der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, erklärte, das amerikanische Judentum werde jetzt s-ein-e Wachsamkeit oerdoppeA -und -unentwegt die Erfüllung des Mandates -und der Balfour- DekbaraÄ-on aus bestem -und schne-llstem Wege fordern; das amerikanische Judsn-tum werde -seinerseits die Anstvengu-ngen für den Aufbau -des jüdischen Naiionalh-eiin-s bedeutend erhöhen. Dr. Chmm A«rlo so ro f f, der Führer von Hiüachduth, führte -aus, er -beneide Äüe Ka«meraden, -die nach Jahren fr-l-eÄfertiger Arbeit «im Lande nunmehr, im Augenblick der Gefahr, zu der Waffe greisen können, um die Siedlunge-n zu verteidigen. Er schäme sich, hier aus der Plattform steh-enzu -müssen, statt in den Reihen -des jüdischen Sölbstschuitzes in- Palästina zu stiehien. Er POGROM IM HEIL LANDE Unsere schwer betroffenen Brüder und Schwestern im heiligen Lande wenden sich in dieser neuen Not in erster Reihe wieder an uns, die 100 jährige Institution für Ärmenfürsorge und Hilfe« Jedoch unsere Kassen sind leer! Es zögere darum niemand, dem ein jüdisches Herz in der Brust schlägt, und sende seine Gabe, groß oder klein sofort an: Deutsch-Holl. Palästina-Verwalturig, Frankfurt-M. Postscheck Np. 9553 Frankfm. oder an den Gabbai sein. Bezirks, Brüder und Schwestern, wir rechnen auf Euch! ' Enttäucht nicht uns und die auf uns Hoffenden! DEUTSCH-HOLL. PALÄSTINA-VERWALTUNG (Pekidim und Amarkalim der isr. Gemeinden im heiligen Lande)