Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1929)
- Date
- 1929-09-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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5. Sept. 1929 Der Israelit Nr. 36 Seite 9 An alle jüdischen Gemeinden in Polen wurde appelliert, alle Anstrengungen zu machen, um dem jüdischen Jischuw zu helfen, sich wieder aufzubauen. Von der 17 Millionen zählenden Iudenheit der ganzen Welt wird erwartet, da„ sie den Jischuw aufbauen hilft. Eine amerikanische Spende. Newyork, 29. August. Der berühmte amerikanisch-jüdische Milliardär und Philantrop Julius Rosenwald hat der Hadassah in Palästina für schnelle medizinische Hilfe einen. Betrag von 5000 Pfund telegraphisch überwiesen. Eine politische Rede Sokolows. Zürich, 29. August. In Zürich wurde am 29. August eine vom Sck/weizerischen Zionistenverband veranstaltete öffentliche Kundgebung abgehalten, in der der Präsident der Zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, der Hauptredner kvar. Die Kundgebung fand in dem gleichen Saale statt, in dem die Jewish Agency sich konstituiert hat. Der Saal war dicht gefüllt. Gleich nach Beginn der Versammlung forderte Nahum Sokolow die Anwesenden, unter denen sich Abordnungen der schweizerischen Judenschaft außerhalb Zürichs befanden, auf, sich zum Zeichen der Trauer und zur Ehrung der jüdischen Märtyrer von den Sitzen zu erheben. In tiefer Ergriffenheit verharrte die Versammlung eine Minute lang im Gedenken an die jüdischen Märtyrer. Nahum Sokolow führte dann aus, die Angriffe auf den jüdischen Jischuw in Palästina gehen das ganze jüdische Volk an. Nie habe ein Jude in Palästina die Hand gegen einen Nichtjuden erhoben, nie habe ein Jude einem Moslemiten auch nur einen Zoll Boden zu Unrecht weggenommen. Es gäbe kein arabisch-jüdisches Problem; man wolle künstlich ein solches Problem schaffen. Die Juden wollen in ihrem eigenen Interesse Freundschaft mit dem arabischen Volk halten. Die Zusagen, die den Arabern gemacht wurden, seien gehalten, Arabien sei geschaffen worden. Palästina aber ist für Kolonisation bestimmt worden. Erez Israel braucht Menschen. In einem Kolonisationslanbe könne es nicht eins Frage der Majorität oder Minorität geben. Die Juden sind in Palästina ein Vorbild für die Araber geworden. Die Juden sind stolz darauf, daß Jerusalem die Metropole von drei monoteistrschen Religionen geworden ist. Selbst besitzen sie nur ein Fragment zur Andacht in Jerusalem: die Klagemauer. Seit undenklichen Zeiten ist dieser Platz eine heilige Stätte der Juden. Die bestialischen Taten, die sich jetzt in Erez Israel ereignet haben, werden das jüdische Volk nicht einschüchtern, wir werden leiden, aber nicht gurückweichen. Die Londoner Regierung hat die besten Absichten, aber die Administration in Palästina hat schwer gesündigt. Wir verlangen die Anerkennung des verheißenden Landes. Wir sind zur Freundschaft mit den güten Elementen des arabischen Volkes bereit. ok > Nach einer Rede des 'christlichen Theologen Prof, u.:. Ludwig'Köhler und'des Rabbiners' Dr, Littman, der die ö! Hilfsbereitschaft des 'Judentums zum"'Ausdruck brachte/ erklärte Sokolow, die LMte, die die 'Juden hmg'emetzelt' -haben, kamen--aus der Wüste Und 'häb'en' kein Heimatgefühl.- Velden Juden besteht "stets/'die Bereitschaft, .mA den Arabern Frieden zu halten. ' Eine Botschaft des Präsidenten Hoover an die jüdische Massenversammlung in Newyork. / / N ew y ork, 30. August. Im Madison Square Garden zu Newyork, der mehr ... als 25 000 Personen fastt, wurde.: eine Massenversamm- ... lung der Newyorker Juden abgehalten, um gegen die arabischen Greuel in Palästina und gegen das.Verhalten . der britischen Administration vor denn und während der Unruhen zu protestieren. Den Vorsitz führte. Samuel Untermyer. - . . Zu Beginn der. Versammlung wurde eine Botschaft / des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Herbert/ Hoover, „an. die. Versammlung verlesen. ' Präsident- Hoovgr .. erklärt, daß die Regierung der Vereinigten Staaten durch die Ereignisse in Palästina tief beunruhigt ist. -Er;; der o . Präsident^ ist dahin.sinsormiert/ daß die britische Regie» rung strenge Maßnahmen unternimmt,'Um die Ruhe" und Sicherheit in Palästina wieder herzustellen: Die Ausbrüche des Fanatismus, in .Palästina sindeine schwere Belastung. „Ich hege aber die Hoffnung, schließt die Botschaft des Präsidenten Hover, daß aus diesen tragischen Ereignissen eine erhöhte Sicherheit und Festigkeit für die Zukunft Palästinas und für die jüdische Heimstätte erreicht werden wird." Senator Borah, der einflußreiche amerikanische Politiker, Vorsitzender des Komitees für auswärtige Angelegenheiten im Senat, war einqr der Hauptredner der Versammlung. Borah erklärte, die bestialischen Taten gegen die Juden in Palästina werden schwer lasten auf das schuldbeladene Gewissen derjenigen, die für diese Taten verantwortlich sind. Man muß sich jetzt fragen, ob Palästina das jüdische Nationalheim wird, wie es versprochen und bekräftigt wurde, oder eine internationale Schamlosigkeit? Die Ereignisse in Palästina haben ein Schwinden des englischen Prestige zur Folge. Die Aufgabe zur Begründung der jüdischen Heimstätte in Palästina wurde von Grostbritannien nicht richtig verstanden. Es must nun anders werden. Nach Senator Borah sprachen Samuel Untermyer, der Vizegouverneur des Staates Newyork Oberst Herbert Lehman, der Leiter des United Jewish Campaign David A. Brown, Mar Shulman, Rabbiner Margolies u. a. m. Die Worte der Redner machten einen tiefen Eindruck auf die fünfundzwanzigtaufendköpfige Versammlung. Viele Anwesende wurden von Rührung übermannt und brachen in Tränen aus. Prominente amerikanische Juden haben sich zu einem Komitee für Schaffung eines Rothilfsfonds für Palästina zusammengetan. Der berühmte Philantrop Julius Rosenwald fl! Chicago erklärte sich bereit, die ihm angebotene Ehrenpräsidentenschaft des Fonds anzunehmen. Dem Komitee gehören noch an der weltbekannte Philantrop Nathan Strauß, sowie die gegenwärtig in Europa weilenden Herren Felix M. Marburg und Louis Marshall. Eine bewegte Auseinandersetzung zwischen den Vertretern der Jewish Agency und den Ehefs der britischen Administration. Caiiiro, 31. August. Soeben wHvd, rvite I. T. A. bevichttet, der fo%enibe Bericht über erörue Zusammenkunft zwischen -den Vertretern der Jewish Agency in Palästina, Herrn Hoo fien und Advokat H o r o wrtz, m# dem 'britischen HM - Commifsioner, Sir John Chancellor und dem ChefsvkveÄ-r der Palästtna-Regiernngj, Herrn Luke, telefonisch nach Cairo durchgegebM. Die Urvtevrednng vertief sehr bewegt und hatte einen geradezu tragischen Charakter . Hoofien und Horowitz erklärten nach dem Verlassen des Regiierungshaufes, sie seien über das Ergebnis dieser Zusammenkunft in h ö chstem Grade enttäuscht. Sie hegen als Er» gebnts der Unterredung! die schwersten V efü r chtu Nigem hinsi chtlich der Haltung der RegierunH gegenüber dem jüdischen Jischuw in dieser Zeit der Gefahr. Der Oberkommissar wie der Eheffekvetcir der Palästiya-Regver-unF wichen in ihrer Erwiderung auf die in sie seitens: von. Ho ofien und Hororvitz gestellten Fragen geradezu den brennendsten- Problemen aus und verrtieiten in ihren . Aeusterungen eine vollkomnten falsche Auffassung ichrer;.Wichten aingesichts -der.fetzigen Katastrophe. Aus,)der. UDterredunT find ÄSö folgenden-TaifachW. bemerkenswert: -Ir - : , Horowitz legte Protest ein gegen Ne von Htemi Luke getroffene Maßnahme 'der Entwaffnung der jüdischen Polizisten, die im Moment der Gefahr von der Regierung selbst 'bewaffnet worden waren und erklärte, die Gefahr sei nicht vorüber and die Entwaffnung der Mischen Polizisten, unter ihnen sogar britische, .StaatsanMhörig'e, während gleichzeitig nichtjüdische britische Staatsamgehörige Ne Waffen behalten dürfen^ —, sei als , ein oMsielles-. Mißtrauen gegenüber 'den- Juden aufzufafsen'.; i k Oberkommlssar Chancellor fand Ne AMvn von Luke geMnüber den Juden dadurch gerechiferil-gi, daß die .rnoslemßtWen- Führer gedroht habM, sie sÄenmcht W der Loge, Neerreg-ten! Massen- -zu meistern, bevor nicht .die.JudeV Etwaffnet sind. DarMs entgeguete"Hödsieg,.. dies bedeute, daß man sich dem Terror beuge/-Met Re» gievung vergegenwärtige sich offenbar nicht Ne Datfachö, daß. NebJüd'en die Angegriffenen, während Ne Arab-er 'Md - A ngrei f-enben find/' Sie/sicht Nur Doei Schkachtlätzer und fücht sich gerade E 'Mische Minderheit heraus, um sie zu entwaffnen. Darauf erwiderte Chancellor, er habe einm> Bevrcht aus' Safed bekommen, der dahin tautst, bah der Aufruhr in dieser Stadt davon' yerrührt, daß die Juden zweimal in arabische Gruppen feuerten. Hoofien wies diese Behauptung als verleumderisches Machwerk entrüstet zurück und führte als Beispiel das grauenvolle Gemetzel in Hebron und das in Moza an, die ohne die geringste Ursache veran» staldet wurden, da nicht ein einziges arabisches Dorf irgendwie belästigt worden war. Mt wollen nicht wie die Schafs abgefchlachtet werden, rief Hoofien, und eine solche Abschlachtung geschah in Safed. Chancellor bemerkte, er habe Safedjetzt unter seiner Kontrolle. Daraus erwiderte Hoofien, Ne augenbKcMche Lage könne nicht maßgebend sein, die Gefahr neuer Metzeleien besteht noch immer. Nun -ist auch Dibveias bedroht. Wenn wir schon sterben müssen, schloß Hoofien, so wollen wir mit den Waffen in den Händen dem Tod entgegenbUcken>. Warum wird den Juden, statt, daß man «ihnen ausreichenden Schutz gibt, auch noch die Möglichkeit genommen, sich selbst zu wehren. Ihre Selbstwehrdruppe wird verboten, in den jüdischen Häusern wird nach Waffen gesucht, obwohl die Juden doch für ihr nacktes Leben kämpfen. Die Angreifer aber werdennicht angeiaftet, sie dürfen die Waffen behalten. Als Beispiel führte Hoofien die Kolonie G e de nah an: Dort haben bitte jüdischen Kolo» nisten mit den Waffen in den Händen alle Angriffe' der Araber abgewehvt. Als der Angriff schon zurückgeschlagen war, erschien die Polizei und beschlag-n ahmte dieselben Waffen, die die Kolonie eben gerettet hatte. Diesen Worten Hoosien-s folgte ein S ch weige n, das mehrere Minuten andauerte. SchÄeßlich nahmen die Vertreter der Jewish Agency wieder das Wort und stelltenan Ne Chefs der Regierung die bündige Frage, was gegen die Behörden! 'der Stadt Hebron unternommen wird, die Ne jüdische Gemeinde, Ne um Schütz gebeten hat, verführt durch falsche Zusicherungen, vertröstet haben und dann, als das Gemetzel anstngj, keinerlei Anstaltentrafen, die Angegriffenen zu schützen. Auch darauf erfolgte keine Antwort. Schließlich erklärte Chancellor, es müsse überlegt werden, wie man den in Not geratenen Juden Hilfe bringen könnte. Dazu bemerkte.Lute, es fei ihm bekannt, daß die Juden große Fonds aufbringen." - -- Auf Verlangen der Vertreter der Jewish Agency erklärte sich schließlich Chancellor bereit, ein Statement an den Jischuw zu erlassen. Eintrekende Beruhigung. London, 2. September. Aus Jerusalem wird gemeldet, daß am Sonnabend und am Sonntag in ganz Palästina im allgemeinen die Ruhe nicht gestört war. Die Londoner Zeitungen haben Mitteilungen gebracht, wonach es am Sonnabend in Jerusalem zu einem Zusammenstoß zwischen Juden und Polizei gekommen war, nachdem die Juden ihrer Entwaffnung durch die Truppen Widerstand entgegengesetzt hatten. Dabei sollen mehrere Juden getötet, mehrere andere verwundet worden sein. Wie von der Jerusalemer Jüdischen Telegraphen--Agentur aus eine Anfrage der Londoyey-.ITA telegraphisch mitgeteilt wird, sind diese Nachrichten erfunden. Es 'kam zu keinerlei. Zusammenstößen zwischen Juden und Militär. Auch die Meldung des berliner Ullsteindienstes, wonach in Tel Aviv neuerdings ein schwerer Kampf stattgefunden hat, ist ohne Grundlage. In Tel Aviv war die Ruhe seit mehreren Tagen nicht gestört worden. Die Zeitungen erscheinen wieder. Maßvolle Kundgebung der englischen Iudenheit. flonbon, 2. September. rr Zu einer machtvollen Kundgebung der Iudenheit gestaltete sich die' -am Sonntag, den 1. Septembqr, abends, in der Albert Hall statttzefundene Versammlung, in der zü den Ereignissen in Palästina Stellung genommen wurde. Der /Riesensaal, der 5000 Personen faßt, wyr gedrängt voll,--mindestens die gleiche Zahl Menschen stand aufder Straße und wartete vergeblich auf Einlaß. Den-Vorsitz-führte Lord-Melchett; Ansprachen hielten der Oberrabbinet des britischen Reiches I. H. Hertz, d'Avigdor Goldsmid, Louis Lipsky, Dr. Chaiin Weizmann, Harry Sachter, Colonel -Wedgwood und Dr. Ehaim Arloforoff. - " Zu Beginn der Kundgebung wurde ein besonders für diesen Abend verfaßtes Trauergebet gesprochen, das von der Versammlung stehend angehört wurde. Starke Rührung bemächtigte sich der riesigen Menschenmenge, die