Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1929)
- Date
- 1929-09-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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- Safed 5× ep/1046078
- Haifa 3× ep/1047930
- Tiberias 3× ep/1048138
- Hebron 1× ep/1047559
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Seite 8 Nr. 36 Der Israelit 5. Sept. 1929 Dutzende von Verwundeten. Alle Umstände erinnern an die Tragödie, ohne den Schatten eines Beweises in den Händen zu haben, die Schuld an dem Gemetzel den Juden selbst zuschiebt. Kairo, 31. August. Wie hierher telefoniert wird, befinden sich die 3000 Juden von Safed, die in Polizei-Baracken untergebracht sind, in einer verzweifelten Lage. Sie werden von Hunger und Durst gequält, es droht der Ausbruch von Epidemien. Die arabische Polizei terrorisiert und mißhandelt die Flüchtlinge. In der Nacht schoß die Polizei, die die Flüchtlingsbaracken bewacht, auf eine Gruppe Flüchtlinge, unter denen ein Geräusch entstand. Sechs der Flüchtlinge wurden schwer verletzt, ein 12jähriger Knabe wurde getötet. Die Führer der Jischuw bestehen darauf, daß die arabische Polizei entwaffnet wird, weil sie die Waffen gegen die Juden wendet, während die aufrüherischen Araber ungehindert ihre räuberische Tätigkeit entfalten können. Im unteren und oberen Galiläa ist die Lage sehr kri,tisch. Die jüdischen Kolonisten wurden vom Militär entwaffnet. Die Kolonien Mischmar Hajarden und Jessod Hamaaleh sind isoliert und umzingelt. 3000 Juden ohne Wasser und ohne Brot in Safed. Jerusalem, 31 .August. Folgende Namen der bei den Unruhen in Safed getöteten Juden sind besher bekannt geworden: Rabbi Jshmael Cohen, der Beamte des Hadassah-Hospitals M am a n , der Direktor der Misrachi-Schule A f r i a 1, ein bekannter Pädagoge, und seine Frau, der Chauffeur Myer Cohen, Rabbiner C l e r s s o n. Unter den vielen Schwerverletzten in Safed befindet sich ein arabischer Angehöriger des transjordanischen Grenzkorps, d er sich heldenhaft der angegriffenen Juden annahm. Einem führenden Mitglied der Haisaer jüdischen Gemeinde gelang es, unter Lebensgefahr nach Jerusalem zu kommen. Er bat im Namen der bedrohten Gemeinde von Safed schleunigste Hilfe. Er erzählte, daß der Ueberfüll der Araber auf die Juden von Safed um 6 Uhr begonnen, urH die Unruhen erst um Mitternacht aufgehört haben. Militärische Verstärkung aus Tiberias kam zwei Stunden, nachdem sich die Angreifer zurückgezogen hatten, die zum Teil von jüdischen Abwehrkräften zurückgedrängt worden waren. Der erste arabische Angriff war gegen das sephardische Viertel von Safed gerichtet, wo 7 Juden getötet, einige von ihnen verbrannt wurden. Mehrere Juden, die in die Hände der Araber fielen, wurden grausam gemartert. Die Araber scheuten Nicht davor zurück, auch das jüdische Waisenhauszu überfallen und die ihnen in die Hände gefallenen Waisenkinder zu martern. Sechs der Waisenkinder, ein Beamter des Waisenhauses namens Schmuel Ereenstein, ein amerikanischer Staatsangehöriger, wurden schwer verletzt. Verletzt wurde auch der Direktor des jüdischen Einwanderungsbüros (Alijah) Godbater, ebenfalls ein Amerikaner. r, 3000 Juden von Safed, so erzählte der Abgesandte von Safed,' sind ohne Wasser und Brot und furchtbaren Entbehrungen ausgesetzt. Aus Tiberias und Haifa wurden Provinnttransporte für Safed organisiert.. Die Stadt Safed ist bekanntlich sehr hoch (bis 80Ö' Meter) gelegen und "ist auf Wässerzufuhr von auswärts angewiesen. Gefahr und .Panik im kreis Tiberias. I e r u s ä l e m, 31. August. Die verhetzende Agitation in den Dörfern des nördlichen Palästina geht weiter ungestört vorsich Beunruhigende Bewegungen der Araber sind fortgesetzt zu beobachten. In der Umgegend von. Tiberias herrscht ungeheure Panik, verzweifelte Rufe der . dort lebenden Juden treffen immer wieder-ein. Die Kolonien Rosch Pinach und Machnajiin unweit Tiberias sind, an schwerer-Gefahr. Am 28. Augusts war der bewaffnete Beduinenstamm Ben i .Sachar in -einer Stärke von - 1000 Mann in Rymallah, 25 Kilometer von Jerusalem entfernt, - tzingetroffen. die britische- 'Ordnungstruppe griff schnell'ein, nahm, den Scheich des. Stammes l.fest und beraubte' dadurch die Truppe ihrex Aktionsfähigkeit. ' - Araber aus Südsyrien in Palästina eingedrungen. London, 31. August. „Daily Erpreß" veröffentlicht soeben die alarmierende Nachricht, daß in der Nacht zu Sonnabend, den 31. August, größere Trupps Araber aus Südsyrien die Grenze nach Palästina überschritten haben und auf palästinensischem Boden stehen. Diese Araberstämme, schreibt „Daily Erpreß", sind tils sehr rauflustig und brutal bekannt, weshalb der Kampf gegen fei ein sehr komplizierter werden könnte. „Daily Erpreß" richtet die Aufforderung an die Regierung, sofort zn handeln, und schließt seinen Warnruf mit den Worten: „Wenn nicht sofort britische Streitkräfte von ansehnlicher Stärke nach Palästina entsandt werden, die hinreichen, um mit diesen 'wilden Stämmen schnell fertig zu werden, sind die schwersten Besorgnisse gerechtfertigt. Reue Ileberfälle in Jerusalem und überall. Jerusalem, 29. August. In der vergangenen Nacht ist in Haifa der Jude Mosche M i t o v s k i aus Hebron seinen bei den Angriffen der Araber erhaltenen Wunden erlagen. Unter den Verwundeten in Jerusalem befindet sich auch der sehr populäre sephardische Arzt Korkidi. Er wurde von Arabern angeschossen, während er im Hospital Misgaw-Ladal (Armenschutz) in der Altstadt eine Operation an einem Verwundeten durchsührte. Wie rigoros die britische Polizei gegen die Ju'oey vorgeht, und wie notwendig eine spezielle jüdische Polizei ist, zeigt der folgende Fall: Ein Jude wurde auf den Stufen vor dem Hause des Waad Hair (jüdischer Stadtrat) von einer britischen Polizeieskorte angsrufe'n. Da er kein Wort englisch verstand, konnte er der in englischer Sprache an ihn gerichteten Aufforderung, stehen zu bleiben, nicht Nachkommen. Daraufhin wurde der Jude durch die Polizei erschossen. In den jüdischen Kolonien M e l ch a m i a h und P o r i a h im Distrikt Samaria wurde die Ernte durch aufrührerische Araber niedergebrannt. Der Weg zwischen Haifa und Kinereth geht durch ein Gebiet der Unruhe. In dem jüdischen Kinderdorf Ben Shemen, das zwischen Ludd und Tel Aviv gelegen ist, und in welchem die Waisenkinder aus dem Kownoer Kinderhaus (Kinder von Pogromopfern) untergebracht find, herrscht Ruhe:- Das Dorf war in den letzten Tagen Gefahren ausgesetzt. Das jüdische Kinderdorf Ben Shemen wird von der „Jüdischen Waisenhilfe" gestützt und erfreut sich der besonderen Protektion jüdischer Kreise in Deutschland. Jerusalem, 30. August. In der Nacht zum 30. August haben Araber auf verschiedene jüdische Viertel Jerusalems neuerdings Angriffe unternommen. Die Angriffs wurden von den Truppen zurückgeschlagen. Ueberhaupt ist heute die Stimmung in Jerusalem erregter als am gestrigen Tag. Massen Moslemiten sind in der Omar-Moschee versammelt. Viele der Versammelten tragen Waffen mit sich. Die erneuerten arabischen Angriffe in den Städten und. den Kolymen haben unter der-Judenheit Palästinas die Ueberzeugung befestigt, daß die Behörden nicht, die nötige Entschlossenheit zum Durchgreifeb; haben. Die Hofnungj,,-daß nach-der Rückkehr des iHigch "Commissistner Sir^John Chancellor Beruhigung! eintveteü' wird/ hat! getäuscht. Die aus London gegebenen Versicherungen,- daß die Maßnahmen schnell und durchgreifend- : ssin werden, find nicht erfüllt worden. Die verantwortlichen jüdischen Persönlichkeiten haben Informationen, daß die Exzesse sorgfältig und mit Ueberlegung organisiert worden sind sorgfältig und mit Ueberlegung organisiert worden sind, und daß nur die vollkommene Untätigkeit der Behörden daran die Schuld trägt, daß der Gefahr nichts rechtzeitig begegnet worden ist. Man hat Beweise, daß der Ueberfallaüs Hebron von langer Hand vorbereitet war . Die Beduinen :: aus dem südlichen Distrikt von Hebron wurdenvon' Agitatoren aufgestachelt, sie kamen aus weitentletzenen-'- Gebieten. In Hebron selbst haben die' arabischen : Nachbarn der angegriffenen Juden diesenoft: ihren Schütz üngedeihen lassen, indem sie Schreckschüsse" auf die '- Angreifer ähgaben.: - . : : 3crr I e r^u s a l em, 30..August. . In der Nacht zum 29. --August wurden.,"aus" der Straße zwischen Ludd und Tel Aviv -(die Straße sührt durch die großen Plantagen zu den. jüdischen Kolonien) zwei Juden getötet; ein jüdisches kleines Mädchen wurde verletzt. Die jüdische Kolonie Kalandria, auf der Straße von Jerusalem nach Nablus, wurde in der Nacht zum 29. August wiederum von Arabern angegriffen; der Angriff wurde zurückgeschlagen. Aus verschiedenen Teilen des / Landes werden kleinere Ueberfälle gemeldet. In Jerusalem wurden bei dem Zusammenstoß zwei Araber getötet, einer angegriffen und niedergestreckt. Der Waad Leumi (jüd. Nationalrat) erließ eine Proklamation an die jüdische Bevölkerung Palästinas, in der es heißt: Obwohl die unter der Judenschaft herrschende starke Erregung durch die Ereignisse gerechtfertigt ist, möge man sich doch von allen Akten der Wiederoer» Lgeltung streng zurückhalten. (ITA.) Die Folgen der Evakuierung. Kairo, 29. August. Der Korrespondent der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Kairo erhält aus Jerusalem telefonisch Einzelheiten über die Vorgänge bei der zwangs'wejisen Evakuierung jüdischer Kolonien. Die jüdischen Bauern der Kolonie Hulda verteidigten sich heldenhaft gegen die Araber, die die Kolonie angegriffen haben. Acht Stunden lang hielten die jüdischen Kolonisten im Kampfe aus, bis die englischen Truppen ankamen und zunächst die Araber von der Kolonie abdrängten. Sofort schritten die Truppen zur Entwaffnung der jüdischen Bauern und zwangen diese zur Räumung der Kolonie. Nachdem die Kolonie geräumt war, drangen die Araber in Hulda ein und brannten den Ort nieder, ohne in ihrem Zerstörungswerk gestört werden. Auch die Kolonie Ekron wurde zwangsweise evakuiert. Die jüdischen Bauern protestierten gegen diese Mastnahme, durch die ihr Besitz schutzlos dem Zerstörungswillen der aufrührerischen Araber preisgegeben 'wird. Mehrmals versuchten die jüdischen Bauern, in die geräumten Kolonien zurückzukehren, um sie zu bewachen; sie wurden aber immer wieder durch das britische Militär zum Verlassen der Kolonien gezwungen. Alle heute aus Palästina in Kairo eintreffenden Nachrichten lauten beruhigend. Verhaftungen von Mitgliedern der jüdischen Selbstwehr und von Juden, bei denen Waffen gesunden wurden, kommen nicht in dev gleichen Zahl wie früher vor. Proteste in Polen. W a r s ch a u, 28. August. Die Nachrichten über die Ereignisse in Palästina haben das polnische Judentum tief erschüttert. In allen Städten finden Trauerkundgebungen statt. In den Straßen von Warschau demonstrierten Zehntausend« Juden, die ihrer Solidarität mit dem jüdischen Jischuw in Palästina, der heldenhaft um seine Existenz kämpft, Ausdruck gegeben haben. Polizei patrouillierte in dem Stadtviertel, in welchem das Haus der englischen Ge-- sandtschaft ist. Die Polizei verbot weitere Demonstrationen, die auch nicht mehr stattgefunden haben. Die C h a l u z - O r g.a n t s a 1 ione n ganz Polans, in der Stärke von vielen tausenden jungen:'Leuten, haben sich bereit erklärt, sich nach .PalästinazpM Schutze des jüdischen, JisDumizu begebem -;;!h«;;■ ... "."Die Pcvq l e, .Z i o n.M Marschau-! haben .ein -Tel«» 'grarnm an den.englischen MinisterMlsidentemMae Donald gerichtet, in welchem um Schutz des palästinensischen Judentums und des jüdischen Aufbauwerks, das zu einem großen Teil ein Arbeiterwerk ist, ersucht wird. Die Warschauer Studentenschaft und die Studentenschaft in den anderen große nStädten hielten Versammlungen ab und faßten entsprechende Resolutionen. In den Synagogen wurden Traüerfeiern veranstaltet, in denen der getöteten 3uben gebaut wurde. Das Warschauer'' Rabbinat hat einen Trauerausruf erlassen. - -y : Der Bo r-stand der W ar sch äÜ er' Iüdt sich e n Ge mei nd e, der größten jüdischen Gemeinde der Alten Welt, hat eine Trauersitzung abgehalten, in welcher der tiefen Trauer für die - unersetzlichen jüdisches Opfer und der Empörung-über die Mordtaten Ausdruck gegeben wurde. Es wurde eine Resolution angenommen, 'in der es heißt, der Tat der mehr als 300 000 Juden zsthendden jüdischen Gemeinde -von Warschau protestiert gegen' 'die^englische Administration',--- die ' im^ Widerspruch zur' 'Balfour-Deklarätiön' die Rechte der Juden an der Klagemauer nicht gewahrt, und es zugelassen hat, daßder Boden des jüdischen Nationalheims mit jüdischem Blut getränkt wird.