Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1929)
- Date
- 1929-09-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 36 Seite 7 ' 5, Sept. 1929 _ Wtil die Angreifer darüber erregt waren, daß sich die Regierung der Juden annimmt." Lord Balfour bekräftigt wiederum seine Deklaration. London», 31. AuWist». Lvpb Baifonr, der berühmte ©tojatenrami und PHWosoptz, Auitor Äer Mrilfour-DMarMion» üb«r Öiie Errrchtun-g E'sr Mrfcheni Heüinstätbe in PMistiNu, hat das fökgende Schris8b»en an Professor Chatm WÄzmann, «tksden Prä-- fidsnton der Jewffh Agency, MckchiM: Mein Weber Weidmann! M»e EröigMsfe in PalAfÄna» haben meine Empörung und Meinen Abscheu ervsgih, Mvr» sie konnten nücht me'iin Vertrauen erschüttern in dke Weisheit der PoMk, dhe Sie und Ihre Freunde fo erfolgreich in PaEäfKmr in UcdereimfWmmunT mit dem Mcmdatssyftem, »ungeachtet sich -in den Weg' steMnd'er SchVtertzgk-eli'bon, befolgt Huden Das B ritish Empire und alte so eng mit ihm Verbunden gervefenien Mächte haben feierEch «ihre Absicht kundgetun, PaWsA»nu wiederum zum Nutionalheim für das jüdische Volk zu machen. Dtefe PoKM ist in Ueb»ere»iNstimmung> mit den besten Ueberzeuglungen der w-efMcheni ZüvWis-utwiu überall in, der Welt. Das British Empire hat sein Versprechen gegeben, dilese Idee zu verchirMchsn. Verlassen Sie sich daraus: Risses Versprechen wird nicht unSingSlöst bivöiben. Glauben Sie es mir, Ihrem aufrichtig ergebenen m Baüfouv. Die Forderungen des Jifchurv an die Palästina- Regierung. Jerusalem, 3. September. - Die Vertreter der Zionistischen Exekutive, des Waad Leumr und der „Agudas Jisroel" sprachen am 2. Sept. nochmals beim High Commtssioner Sir John Chancellor und unterbreiteten ihm die Forderungen des jüdischen Jischuw in Palästina, unter denen die folgenden hervorzuheben sind: Wiederherstellung von Ordnung und Sicherheit im Lande, materielle Entschädigung, Bestrafung der Schuldigen. Der High Commtssioner versprach, einen Teil dieser Forderungen zu erfüllen. Iesod Hamaalah ausgeplündert. Jerusalem, 2. September. Die Kolonisten von Iesod Hamaalah im nördlichen Galiläa wurden wiederholt von Araberschwärmen angegriffen, die in den letzten Tage nan den Jordanübergängen herumstreiften, ohne daß sie durch Truppen irgendwie gestört worden waren. Schließlich wurde die Kolonie evakuiert, woraufhin die Araber in das schutzlos gebliebene Dorf eindrangen mnd es ausplünderten. Die Plünderung dauerte die ganze Nacht hindurch, aber nicht ein einziger Soldat der Besatzung machte den Versuch, dem Treiben Einhalt zu gebieten. Das Schicksal von Iesod Hamaalah ist darum so tragisch, weil die Behörden seitens der Kolonisten über die Bewegungen der Araber rechtzeitig unterrichtet worden waren, ohne daß für irgendwelchen Schutz gesorgt worden wäre. Die Behörden versicherten, datz kein Anlaß zur Besorgnis bestehe, das Militär beherrsche die Lage, die Heranziehung von Verstärkungen sei nicht notwendig. Nachdem,bie jüdisch: Kolonie Iesod Hamaalah in der Nähe von Sased nach schwerem Kampfe mit angreifenden Arabern auf militärische Anordnung evakuiert worden war, und nachdem die schutzlos gebliebene Kolonie von den Arabern ausgeplündert wurde, ist nun der männlichen Einwohnerschaft von Iesod Hamaalah gestattet worden, in die Kolonie zurückzukehren. Bei den Kämpfen um Iesod Hamaalah, die von den Kolonisten und britischen Truppen gegen die Araber verteidigt wurde, wurden — wie jetzt von britischer militärischer Seite mitgeteilt wird — 14 Araber getötet. Bei den Kämpfen um die Kolonie Mischmar Hajarden wurden zwei Araber getötet. Arabische und jüdische Führer bemühen sich, die Ruhe in Liberias zu erhallen. Jerusalem, 3. September. In der Stadt Tiberias, die eine große jüdische Gemeinde beherbergt, herrscht nach wie vor Ruhe . Die Nervosität der letzten Woche,, die sich nach dem Unglück von D e r Israelit_ Safed noch steigerte, hat einer ruhigeren Auffassung Platz gemacht. Arabische und jüdische Führer, unter ihnen der Mufti und die Rabbiner von Tiberias, haben eine gemeinsame Beratung abgehalten und beschlossen, ihren ganzen Einfluß auszubieten, um den Frieden in-Tiberias zu erhalten. Der Mufti von Tiberias erließ eine Proklamation, in der er feine Gemeinde dringend ermahnt, die Ruhe zu bewahren. Eine gleiche Proklamation erließen die Rabbiner an die jüdische Gemeinde. Schlimmer liegen die Dinge in der Gegend von Tiberias. Die jüdischen Kolonien Ehittin und Mizpah in der Nähe von Tiberias wurden am 2. September von Araberbanden angegriffen; die Kolonisten schlugen die Angriffe zurück. Im Veisangebiete kam es am 2. September morgens zu einem schweren Zusammenstoß zwischen christlichen und moslemitischen Arabern. Die Zahl der Verluste aus beiden Seiten ist noch nicht bekannt. Am 2. September morgens gingen von Jerusalem Truppen nach Beer Seba, von wo Unruhen gemeldet wurden. (ITA.) Aus einem Briefe an die Palästina-Zentrale der Agndas-Jsroel. Jerusalem, 23. Aw. (Wörtliche Uebersetzung aus dem Hebräischen.) Sicherlich sind Ihnen alle Vorgänge der Woche bekannt. Einzelheiten können wir aus naheliegendeu Gründen nicht Mitteilen. Aber tausende Flüchtlingsfamilien stehen nackt und bar aller Mittel da, darunter auch Kranke, die der Hilfe bedürfen, Witwen und Waisen, die kein Stückchen Brot haben. Wir sandten am Dienstag das Telegramm (früher.ging es nicht): npixn p« eran» ea’nmV* Gestern sandten wir ein Telegramm ab: „Leider über Hundert!" Der Sinn wird Ihnen verständlich sein. Heute telegraphierten wir: „Größte Not. Telegraphische Hilfe notwendig?" Wir sind nicht imstande, Einzelheiten zu berichten, aber wir litten furchtbar, insbesondere in Hebron. Werden unsere Brüder in der Gola noch fern bleiben? Die Hilfe ist in dringlichster Weise nötig. Die Notleidenden gehören zu uns, müssen aber in der Not sich an die Freien wenden. Unsere Reise wurde verschoben, da wir Jerusalem nicht verlassen können, erstens wegen der allgemeinen Lage, und dann, weil wir unsere Familien jetzt nicht verlassen können. Und in diesem furchtbaren Zustande verharren wir ohne 'Mittel. Kann man in einer solchen Notlage noch länger ausharren?- Aus früheren Berichten. Das Blutbad!n Hebron. Zu den bereits gemeldeten Namen der in Hebron getöteten Juden kommen noch folgende hinzu: Rabbi O r l a n s k i und seine Frau, Rabbi K a st I, der auch das Amt eines Schächters ausübte, R e i s e m a n n, Elieser Slonim und Frau, Salman W i l e n s k i. Von den ermordeten Bachurim der „Slabodkaer Jeschiwah" in Hebron sind folgende Namen bekannt: Alter S ch o r, Simcha B r a u d a, Mosche R i p e s , Israel Kaplansky, Israel Kaplan, Schlomo Iun geI, Israel Leiserowitsch, Schmuel Rosenholz, Isaak Bernstein, Dov Lipin, Dov Chark e l, alle aus Litauen; ferner Abraham S ch a p i r o , Mosche Reismann aus Jerusalem, Jsachar Senderow aus P et ach Tik^vah. Die Namen der getöteten amerikanischen Jünger der Jeschiwah in Hebron sind: Wechsler, Wolf Greenberg , Epstein, Berman, Horowitz, Shinberg, Krasner, Harry Frumen, die beiden Brüder A r b e t e r. Weitere Berichte der ITA aus Hebron besagen: Am Freitag Morgen bemächtigte sich der Judenheit in Hebron angesichts des Verhaltens des Pöbels schwere Sorge. Rabbiner Castel-Franco, eine der angesehensten Persönlichkeiten der palästinensischen Judenheit, begab sich zum Distriktschef, um von ihm den Schutz der jüdischen Gemeinde zu erbitten. Der Distriktschef erwiderte, man möge ruhig sein, zu Befürchtungen liege kein Anlaß vor. Am Freitag um 1/2 4 Uhr nachmittags begannen die Tumulte. Eine arabische Menge zog durch die Straßen, schlug in jüdischen Häusern die Fenster ein und griff die jüdischen Einwohner an. Während der Tumulte wurde Samuel Rosenholz getötet, ein zweiter Jude kmrde schwer verletzt. Schließlich gelang es der Polizei, die Menge zu zerstreuen. Die Nacht zu Sonnabend ging ruhig vorüber. Am Sonnabedvörmittag zogen Gruppen arabischen Mobs durch die Straßen. Die jüdischen Häuser waren fest verrammelt. Der Mob zerschlug die Türen und drang in die Wohnungen ein. Die männlichen Mitglieder der Familien wurden mißhandelt, die Frauen vergewaltigt, die Wohnungen wurden durchsucht, Geld und Schmücksachen wurden mitgenommen. In dem Hause eines Juden, dem vor kurzem ein Bein amputiert wurde, griff der Mob die Tochter an .Als der Vater sich schützend vor feine Tochter stellte, stachen sie ihm die Augen aus, vergewaltigten die Tochter und schnitten ihr den £db auf. Der hinzukommenden Tante des jungen Mädchens wurden mit einem Beil die Hände abgehauen. Der Rabbiner Hasfun wurde von dem Araber Shedai, der bis zu diesem Tage sich als Freund des Rabbiners ausgab, ermordet. Shedai erbeutete 700 Pfund in bar und 700 Pfund in Wertsachen und steckte daraus das Haus in Brand. Rabbi Eastel-Franco, der die vergeblich gebliebene Bitte zum Schutz der Gemeinde an den Distriktschef gerichtet hatte, wurde getötet. Seine Leiche wurde verbrannt. Geld und Wertsachen in Höhe von 4000 Pfund wurden bei ihm erbeutet. In einem anderen Hause erwürgten die Huligans einen jungverheiratetqn Juden, vergewaltigten seine Frau und schlugen seinem Vater, der zur Hilfe heraneilte, den Kops ab. In der Nachbarschaft dieser Familie wurde ein Jude in der Weise getötet, daß man ihn an den Türpsasten band und die Tür so lange auf und zuschlug, bis das Opfer nicht mehr lebte. Der Schächtbeamte und Rabbiner Reisman wurde ermordet, sein Leichnam wurde durch die Straßen geschleift. Eine furchtbare Metzelei fand im Hause des Direktors der Hebroner Agentur der Anglo-Banc, Slonim, statt. Slonim war ein Mann, der unter den Arabern ungeheure Popularität genoß. Als die Unruhen ausbrachen, versammelten sich in seinem Hause etwa 40 iüdische Männer, Frauen und Kinder, weil sie glaubten, in diesem Hause sicher zu sein. Die Eingänge zum Hauses wurden stark befestigt. Die Araber stiegen aufs Dach, sprengten die Decke, brachen in das Haus ein und veranstalteten ein fürchterliches Blutbad. 19 Männer wurden ermordet, die Frauen vergewaltigt. Von dort zogen die Banden zu der Jeschiwa. Ein jüdischer Knabe lies zur Polizei, um ihre Hilfe herbeizuholen. Er wurde vor den Augen der Polizei durch ein«: Araber getötet. Ein englischer Offizier erschoß den Mörder. Daraufhin stürzten sich Araber auf den Offizier, der aber von der Polizei gedeckt wurde. Inzwischen drang eine andere Araberbande in die Jeschiwa ein. Die anwesenden Bachurim setzten den Eindringlingen Widerstand entgegen, sie wurden aber von der ungeheuren Uebermacht überwältigt und zu einem großen Teil niedergemetzelt. Das Haus der Jeschiwa wurde vollkommen ausgeplündert, auch die Thora-Rollen wurden mitgeschleppt. Das Gemetzel in Safed. London, 31. August Die zionistische Organisation in London erhielt das folgende Telegramm von der Jerusalemer Zionistischen Organisation: Der Ueberfall auf die jüdische Gemeinde in Safed erfolgte auf einen geheimen Befehl hin zu der Zeit (Donnerstag nacht, den 29. August), als anscheinend keinerlei Truppen in Safed abwesend waren. Vom frühen Morgen an war man in Jerusalem hinsichtlich des Schicksals von Safed sehr unruhig . Seitens der verantwortlichen Stelle in Jerusalem wurde uns aber versichert, daß Safed ausreichend geschützt ist. In Wirklichkeit trafen die Truppen acht Stunden später ein, als das jüdische Viertel angegriffen und in demselben ein Blutbad angerichtet worden war. Als das Gemetzel vorüber Wt, wurden 3000 Juden aus ihren Wohnungen evakuiert und nach den Polizeibaracken gebracht. Der Rest der jüdischen Gemeinde von Safed mußte in der gefährdeten Stadt gelassen werden, (oo es an Kräften fehlte, sie zu schützen. Eine Anzahl Juden, die kn die Barackell gebracht wurden, haben sich dem Sicherheitsdienst zur Verfügung gestellt und baten um Waffen, um zur Stadt zurückzukehren ünd ihre gefährdeten Brüder zu - schützen. Das wurde nicht gestattet. Nach stundenlangen Verhandlungen hatte man es durchgesetzt, daß dem Arzt, der sich die gefährden ten Punkte zur Hilfeleistung an Verwundeten begab, eine kEskorte beigegeben. In ganz Palästina herrscht eine ungeheure Erregung über die Scheußlich keilen, die sich beim Gemetzel in Safed zu getragen haben. Außer den 23 Getöteten gibt es