Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1929)
- Date
- 1929-09-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 36 Der Israelit 5. Sept. 1929 Marzell öffentlichen [olltej das geeignet wäre, den Frieden ZU; unserem Gewissen gerechtfertigt werden. Niemals aber kann ern Einzelner in dieser Frage nach persönlichen Erwägunge neine Entscheidung treffen, sondern mutz den objektiven halachischen Rat seines Rabbiners einholen. Die Vereinigung legt allen Ellern die Verantwortung für unsere religiöse und nationale Zukunft ans Herz, die nur durch Kinderreichtum gesichert wird. Sie empfiehlt allen Frommen daher die Rückkehr zur Einfachheit der Lebensführung, durch die sich erst der ganze Segen des Familienlebens auswirken kann und die überhaupt Grundlage aller Religion ist. Die Gemeinden wie die Einzelnen haben die hohe moralische Pflicht, die F r ü h e h e zu fördern, und kinderreiche Familien in ihrem Existenzkampf zu schützen UNd ZU begünstigen. Die Vereinigung ruft alle Kreise unseres Volkes zur Förderung aller Maßnahmen im Interesse der Heilighaltung des Sabbat auf . Ohne den Sabbat als absoluten Ruhetag seelischer und geistiger Weihe ist das Judentum dem Untergang verfallen. Die Vereinigung betrachtet es aber als oberste Pflicht eines Jeden, in seinem Kreise denen zu Helsen, die den Sabbat heiligen wollen, und die Bestrebungen des Weltverbandes der Schomre-Schabbos eifrigst und dauernd uz unterstützen. Die Vereinigung grüßt aufs wärmste die geplante Siedlungsaktion des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Sie erhofft von der Rückkehr zur Scholle eine seelische und religiöse Gesundung der jüdischen Bevölkerung. Sie erwartet von der verantwortlichen Leitung dieses Unternehmens, daß sie Sicherungen Lsur die Heilighaltung des Sabbat und aller religiösen Gesetze geben wird. Große Trauerkundgebungen in Berlin. Berlin, 2. September. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hatte aus Anlatz der Ereignisse in Palästina für Sonnabend, den 31. August, zu zwei großen öffentlichen Kundgebungen eingeladen, in den Bachsaal, Lützowstratze, und in die Stadthalle, Klosterstratze. Beide großen Säle waren schon vor Beginn der Kundgebung überfüllt, sodatz man sich entschließen mutzte, in den Sophiensälen und in einem benachbarten Saale Parallelversammlungen zu veranstalten. Von kommunistischer Seite wurden im Bachsaal wie in den Sophiensälen Versuche gemacht, die Versammlung zu stören, während die Kommunisten aber im Bachsaal nicht zur Geltung kommen konnten, mutzte in die Sophiensäle, wo eine starke Rotfrontgruppe die Versammlung zu sprenge ndrohte, das Ueberfallkommando geholt werden, sodatz die Versammlung in Ordnung zu Ende geführt werden konnte. Die Kundgebung im Bachsaal war von Kurt Blume n f e l d , Präsident der Z. D. f. D. geleitet, der dem Schmerz und der Trauer aller Zionisten und Juden Worte lieh. Es müsse jetzt mit umso stärkerer Energie an die Verstärkung des Jischuw geschritten werden; der geeinigte jüdische Wille gegenüber der Welt werde zum Ausdruck kommen. Es sprachen in dieser Kundgebung Frau Bergel- Gronemann, Dr. Jakob Klatzkin, Dr. Köllenscher, Rabbiner Emil L e v y , Fritz Naphtali. Cs wurden dann eine Botschaft Albert Einsteins durch den Vorsitzenden verlesen, in der u. a. die Leiter aufgefordert werden, alle Mittel zur Abwehr der Verleumdungen und zur Schaffung von Möglichkeiten züm friedlichen Zusammenleben mit dem arabischen Volke zu ergreifen. Mit der Annahme einer Resolution, auf die sich alle zionistischen Parteien geeinigt hatten und oem Absingen der „Hatikwah" schloß die Kundgebung. In den Kundgebungen in der S t a d t h a l l e und in den Sophiensälen sprachen die Herren Alfred Berger, Moses Wald mann, I. Klino ff, Dr. Oskar Wolfsberg, Dr. Fritz L ö w e n st e i n und Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, die alle mit ihren Ausführungen eine tiefe Wirkung auf die Zuhörer ausüblen. Auch diese Kundgebungen schlossen mit der Annahme der Resolution. Angar«. Trauer der Iudenheit in Angarn. V u d a p e st, 31. August. Die israelitischen Distriktsvorstände hielten gestern unter dem Vorsitz des Barons Adolf K o h n e r und des Hofrates Dr. Salomon Eulenberg eine Sitzung ab, vor deren Tagesordnung Vizepräsident Dr. H a j d u im Namen der Pester Israelitischen Gemeinde den Antrag stellte, die Landeskanzlei solle im Namen sämtlicher Gemeindedistrikte über die Ereignisse in Palästina ihrem brüderlichen Schmerze und ihrem tiefsten Beileid wegen des Schicksals derden Angriffen zum Opfer gefallenen Glaubensbrüder Ausdruck verleihen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen und die Sitzung drückte die Hoffnung aus, daß es der Energie der englischen Regierung in der kürzesten Zeit gelingen werde, in Palästina die Ruhe wieder hiezustellen. Diesem Beschluß schloß sich imNamenderOrthodoren Jude n h e i t Ungarns auch die Orthodoxe Landesranzlei an. Die neuesten Berichte aus Erez Zisroel. Neuester Situationsbericht des Kolomalamtes. L o n d o n, 3. September. Das britische Kolonialamt gibt soeben die folgende Mitteilung heraus: In dem Gebiet nördlich von Safed machen sich Zeichen der Unruhe bemerkbarem allen anderen Distrikten Palästinas herrscht im allgemeinen Ruhe- Britische Flugzeug staffeln in ansehnlicher Stärke führten gestern Demonstrationsslüge über den nördlichen und nordöstlichen Gebieten Palästinas aus, wo — wie von dort berichtet wird — immer noch bewaffnete Araberbanden aus Syrien über die Grenze kommen. Die Eesamtverluste seit Beginn der Unruhen in Palästina bis zum 31. August betragen: Getötet oder ihren Verletzungen erlegen sind 83 Moslemiten, 4 Christen, 109 Juden; verwundet in den Hospitälern liegen 122 Moslemiten, 10 Christen, 183 Juden. (Offenbar sind die jüdischen Opfer von Safed, deren Zahl am 31. August noch nicht feststellbar war, in den obigen Ziffern nicht enthalten.) Juden schützen und retten Araber. Jerusalem, 1. September. Innerhalb des gesamten jüdischen Jischuw machte sich eine starke Depression gellend, als die Antwort des Oberkommissars Chancellor auf die Vorstellungen der Vertreter der Jewish Agency am vergangenen Freitag bekannt wurde. Chancellor hat bekanntlich u. a. auch behauptet, daß die Unruhen in Safed dadurch entstanden ind, daß Juden zweimal auf arabische Ansammlungen geschossen haben. Die palästinensische Iudenheit ist empört darüber, daß von offizieller Seite eine solche gefährliche Version, die keine Grundlage haben kann, ausgegeben wird. Kein Mensch kann glauben, daß Juden ans Araber geschossen haben. In I e r u s al e m sind zahlreiche Fälle bekannt geworden, wo Juden Araber das Leben gerettet haben. Während die Angriffe der Araber auf die jüdischen Viertel sortdauern, herrschte unter den Juden der Altstadt ungeheure Erregung. In dem chassi - dischen Stadtviertel Jerusalems „Mendelrand" wollten sich einige georgische Juden auf einen Araber stürzen, der als Vadediener in diesem Viertel beschäftigt war, um an ihm Vergeltung zu üben für die Massaces, die an diesem Tage im georgischen jüdischen Viertel durch Araber veranstaltet wurden. Man glaubte, datz der Badediener mitschuldig sei. Einige Chassidim stellten sich schützend vor den Araber, retteten ihn vor der Wut der Menge und brachten ihn zur Polizei, die ihn in Schutz- Haft nahm. Andere Chassidim verbargen in ihren Häusern bedrohte Araber, Im Stadtviertel „Schneller" bedrohte eine erregte jüdische Menge drei arabische Frauen, die bei einem jüdischen Milchhändler beschäftigt waren. Der jüdische Selbstschutz stellte sich mit geladenen Revolvern schützend vor die bedrohten Frauen und sorgte dann dafür, daß sie in ihr Dorf zurückkehren konnten. In der letzten Nacht drang Polizei in die verlassenen Häuser des georgischen jüdischen Viertels Jerusalems ein, um nach Waffen zu suchen. Es wurden keinerlei Waffen gefunden. Die Polizei ließ aber die Wohnungen, deren Türen sie aufgebrochen hatte, ohne Schutz zurück. Alle diese Häuser wurden im Verlauf der Nacht ausgeplündert. Die Zeitungen erscheinen wieder. Jerusalem, 2. September. Die Zeitungen in Palästina dürfen wieder erscheinen. Den Redakteuren wurde mitgeteilt, datz ihre Zeitung sofort verboten werden würde, wenn sie irgend etwas verstören. Während in der ganzen Zeit der Unruhen der gesamte vüdische Jischuw ohne Presse /war, stand den Arabern Palästinas eine Presse reichlich zur Verfügung. Dis ägyptischen und syrischen Zeitungen dursten frei in Palästina verbreitet werden; sie waren bis zum Rande voll mit Schilderungen palästinensischer Ereignisse, wobei die Tatsache ins Gegenteil umgefälscht wurde, indem man die Juden als die Angreisenden und Eroberungslustigsn hinstellte und ihnen allerlei Greueltaten andichtete. T>ie ungehemmte Zirkulation dieser Presse hat die Erregung unter den Arabern nur gesteigert. (ITA.) - , Proklamation Chancellors. Jerusalem, 2. September. Der britische High Eommissioner für Palästina, Sir John Robert Chancellor, hat, wie er in seinem Gespräch mit den Vertretern der Jewish Agency Hoofien und Horowih angekündigt hatte, eine Proklamation an die Bevölkerung Palästinas gerichtet, die u. a. besagt: „Die erste Pflicht wird es sein, die Ordnung im Lande wieder herzustellen und diejenigen, die der Schuld an den Gewalttaten überführt werden, der strengen Bestrafung zuzuführen. Alle notwendigen Maßnahmen werden zur Verwirklichung dieses Endzieles ergriffen werden, und ich ersuche alle Einwohner Palästinas, mich in der Erfüllung dieser Pflicht zu unterstützen. Gemäß dem Versprechen, das ich im Juni dieses Jahres, bevor ich Palästina verliest, der arabischen Exekutive gegeben hatte, habe ich in London Gespräche mit dem Staatssakretär für die Kolonien über das Thema einer konstitutionellen Umgestaltung in Palästina eingeseitet. Aber angesichts der jüngsten Ereignisse mutzte ich diese Diskussion mit der Regierung Seiner Majestät verschieben. Um verlogenen Darstellungen, die jüngst über das Thema der Klagemauer in Umlauf gesetzt worden sind, entgegenzutreten, gebe ich hierdurch mit Zustimmung der Regierung Seiner Majestät bekannt, datz ich beabsichtige!, die im Weißbuch vom 19. November 1928 niedergelegten Prinzipien zu verwirklichen, sobald die Methoden ihrer Anwendung festgelegt worden sind." Jerusalem, 2. September/ Aeroplane kreuzen über ° ganz Jerusalem und werfen die Proklamation des Oberkommissars Chancellor ab. Zahlreiche Aeroplane begaben sich nach anderen Orten Palästinas, um die Proklamation abzuwerfen. Vas Luke glaubt. Jerusalem, 2. September. Der Chessekretär der Palästinaregierung und stellvertretende Oberkommissar Luke, dem man große Veräumnisse vorwirst rrklärte gegenüber dem Vertreter der Jüdischen Telegraphenagentur: „Die ganze Bewegung der Araber war einzig und allein gegen die Juden gerichtet. Wenn an einigen Orten Regierungsbehörden oder Polizewfsiziere angegriffen wurden, so geschah dies nur darum, Badeapparaie besonders gut und preiswert! Zahlungs - Erleichterung! En HAGE & Co* Eschenheimer Tor 3 täatyut-äßcitcix 4t*et4jji jcdlmn Aber f(A/SFf^-Borax maß essein in der bekannten roten Originalpackung. ‘Überall erhältlich!