Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1929)
- Date
- 1929-08-29
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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29. August 1929 Der Israelit Blätter Nr. 17. Serbe 5 geführt werden und einem jeden auf der Tribüne <rpp* laudiert wird. Wir rufen der Agudohjugend, die sich zur Wiener Tagung rüstet, zu: Seid Euch des Ernstes der Stunde bewußt, laßt alles Kleinliche zu Hause, nicht aus Illusionen können wir weiterbauen, sondern nur auf dem Boden der Realität. Kommt vorbereitet zur Weltjugendtagung und zur K. G., aus daß unsere Debatten und Entschlüsse unseren Führern zeigen mögen, daß ihr großes Werk eine würdige Jugend gefunden hat, aus die sie bauen können und die mit ihnen gewillt ist, weiterzubauen: Nicht alle Probleme der K. G. sind Probleme, die die Jugend zu beraten hat. Der Jugend Stimme soll gehört werden zu folgenden Gegenständen: 1. Tauroh, 2. Schabbos, 3. Erez Jisroel, 4. Organisation der Weltagudo, 5. Organisation der Agudas Jisroek-Jugend, 6. Poalei Agudas Jisroel, 7. Paragraph 4, 8. AuNin. Delegierte der Weltjugendtagung! Sinnt nod) und kommt mit praktischen Vorschlägen, wie wir Wege und Mittel finden, um Klall Jisroel immer mehr der Taurvh zuzuführen, wie wir die endgültige Erlösung, Jisroels durch die allgemeine HeMghaktung des Schabbos in Jisroel fördern können,, welche Möglichkeiten wir schaffen können, diejenigen Schabbos halben zu Asien, die es möchten, die es aber um des täglichen Brotes willen nicht können, welche Aktionen wir unternehmen sollen, um den jüdischen Arbeitgeber wenigstens dazu zu, veranlassen, daß >er dem jüdischen' Angestellten es ermöglicht, den Schabbos zu heiligen. Und wenn wir an den unglückseligen Kampf um und in Erez Jisroel denken, fo wollen wir in Wien wieder laut unsere Stimme.als die treuen Söhne Israels erheben!,.indem wir neu unsere aus di» Taurvh sich stützende lleberzeugung kund geben, daß es für die Tauroh keine Konzessionen gibt, und daß wir unsere Führer in ihrem schweren Kamps hierin unterstützen, indem uns nie dar Materialismus, in welcher modernen Form er auch sei, ms Schwanken bringen kann. Zu Len OrgamsaUonsfragen benötigen wir eure Vorschläge, wie die Schaffung einer einheitlichen Verwaltung möglich ist, wie die Finanzen' in Zukunft besser gestaltet werden können, was die Ausgaben und das Programm d,er Jugendorganisationen sind. Poalei Agudv-s Jisroel ist ein Pro-Mm, das wir einig,ehend behandeln wollen, um unsere Kraft dafür emzufetzen, daß speziell im Osten, das Lebien unserer Brüder erträglicher wird. Und wenn wir an dem Kamps um den, § 4 unserer Weltstatuten teilnehmen werden an unserer Tagung in Wien, so sollen auch hier nur sachliche Erwägungen uw sere Debatten leiten und nicht parteipolitische Momente. Ueber das Aulimprojekt haben wir schon zusammen diskutiert. G>ern wollen wir wieder unserem geistigen Führer Dr. Nathan Birnbaum lauschen und das Pro und Contra nach unserem Ermessen abwägen. Delegierte und Teilnehmer des Weltjugendtages! Erkämpft die Disziplin in unseren Reihen, damit die knappen Stunden und Tage uns die Lösung der unsrer harrenden Aufgaben ermöglichen. Nochmals: Der Esra. Bon Albert Loewenthal in Frankfurt a. IN. Diese Betrachtung kann in keiner Weise die Ausführungen Neubergers in der letzten Nummer zu diesem Thema billigen oder gar ausnehmen und sie schließt sich ihnen auch in keiner Weise an. Für mich ist es keinerlei Symptom für eine allzu mis-rachistifche Einstellung des Esra, daß heute mehr Misrachistsn als, früher sich, im Esra betätigen, daß man einen Misrachisten zum Bundesleiier gemacht.hat usw. Meines Wissens wollte der Esra von jeher po litt sch neutral sein; er wäre ja sonst nie gegründet worden und nie fortgefühvt worden. Diese mehr oder weniger positive oder W>r negative Neutralität scheint der Esra auch heute nicht verlieren zu wollen und auch nicht verloren zu haben!. Gerade in dem starken misrachistischen Einschlag zeigt sich diese Neutralität am stärksten. Für mich ist aber die Existenz des Esra problematisch! Ich sehe heute keine Existenzberechtigung für diesen Es>ra. Beginnen wir obietv/ so müssen wir feststellen,, daß aus der gedachten Organisation' für die Jugend, die vor der Politik behütet.werden soll, heute eine Organisation von sogenannten Führern entstanden ist. Diesen,igen, die einen Nutzen heule noch, von dem Esra haben, sind die Esraführer. Dies trifft in, erhöhtem Maße zu für diejenigen Esraführer, die in ihrem späteren Leben den Berus eines Lehrers ergreifen wollen. Diese haben. eine vorzügliche pädagogische Schulung im Umgang mit -ihren Gruppen. Auch ist die Bedeutung und der Wert der'Arbeit der Führer untreeinander keineswegs zu unterschätzen. Betrachtet man nun die Gruppenarbeit, so kommt man zwangsläufig zu dem Ergebnis, daß das Wesentliche, wie „Lernen", Wandern,, Geselligkeit usw. auch ohne den Esra möglich ist und vielfach auch außerhalb des Esra gepflegt wird. Die Verantwortung das Führers beginnt aber ,erft bei' der Aussprache in der Gruppe. Es werden hier Probleme „gewälzt" und durchgejprochvn, die die zu jungen Führer vielfach selbst nicht üb,ersehen,. Aeschweige denn' lösen, können, und für die bei den Esräern sehr oft ein Interesse erst künstlich erzeugt werden muß. Dies hat nun, feine große Gefahr. Wenn man hört und.sieht, wie junge, unreife Menschen von 15—16 Jahren zu „Führern" ausgsbildet werden, 'die dann ihre Gruppen zu selbständiger Arbeit angewiesen bekommen, so — staunt man über die Verantwortungslosigkeit sowohl dieser sogenannten „Füh-. rer", als auch der älteren Führer, nicht zuletzt aber auch der Eltern, die ihre Kinder unbesorgt in diesen Esra schicken! Wir sehen also, daß für die eigentlichen Esräer der Esra nicht nur keine Existenzberechtigung hat, ja sogar eine große Gefahr bedeutet. Und, die Führer? Ja, in ihnen sah man einstmals den Nachwuchs der deutschen Aguda. Doch, wo ist heute der Esraführer, der neben feiner Führerbetätigung im Esra, sich zu feinem Nutzen und Frommen ebenso sehr wie im Geiste des Gesamtjudentums in der Aguda betätigt? (Es kann hier naturgemäß nur die Rede fein von den Esräern, die ihrer Einstellung nach Agudisten sind.) Man darf von einem denkenden Menschen von 18—20 Jahren sehr wohl verlangen, daß er sich mit den Lebensfragen des Judentums auseinandersetzt und sich mit ihnen befaßt. Doch damit ist es noch nicht genug! Alle Esräer, soweit sie das 20. Lebensjahr erreicht Habens, müssen sich für den Klall Jisroel betätigen . Nur so wird der deutschen Aguda der Nachwuchs erhalten bleiben können! Wenn diese jungen Menschen der deutschen Aguda junges Mut zuführen und sich an die Seite der einzelnen Jugendlichen stellen, die heute schon in der Aguda Mitarbeiten, dann haben sie auch die Möglichkeit, die ihnen verhaßte „baalbattische" Arbeit der Agudagruppen neu zu entsalten und in ihrem Sinne an der Aufbauarbeit der Agudas Jisroel und damit an dem Aufbau des orthodoxen Judentums überhaupt teilzunehmen. Jeder Jude ist verpflichtet, an den Gefamtheitsaufgaben des Judentums. mitzuarbe-iten, und keiner hat das Recht, sich dieser Pflicht gegen die Allgemsinheit durch Emzelarbeit, die der Allgemeinheit nicht förderlich ist, zu entziehen! Die Aguda ruft in diesen Tagen eine Welkjugendtagung nach Wien ein. Hier soll und muß es sich zeigen, welche Bedeutung gerade der Jugend in der Aguda zukommt. Wenni auch der OrgaNisatzionsvorstand der deutschen Jugendorganisation offenbar keinerlei Tätigkeit für diese Tagung zu entfalten für notwendig erachtet, so ist es um so mehr Aufgabe der Agudasugend in Deutschland, zu zeigen, wie sehr sie hinter Agudas Jisroel steht und wie sehr sie an ihrer Arbeit teilnehmen will. Die agudistischen Esräer aber mögen sich die Frage verlegen, ob sie es verantworten können und verantworten wollen', sich aus den Reihen der Orthodoxie herausgestellt zu haben! Dcvwcndef SRgucfa'düavken * in alten örlsgeuppen. Bericht der Jugendorganisation anläßlich der Leipziger Delegierten-Tagung, erstattet vom Delegierten', des O.-V., Herrn Gerson Schnerb in Frankfurt a. IN. Meine sehr geehrten Herren! "□■myin p maa *ra ü^hb" Wie der geübte Schütze den Pfeil -im Bogen spannt, um mit ihm ein bestimmtes weites Ziel zu, 'erreichen, so bedarf das Aktor der Jugend, um durch sie in straffer hemmungsloser Arbeit das gesetzte Ideal sich zu erobern. Am Delegierlenkag der Landesorganisation soll auch die Jugend das Wart ergreifen, um in, Wrze — dem Rahmen dieser Tagung entsprechend — von Erreichtem und Richterreichtem zu erzählen. Ich hübe den ehrenvollen Austragi, Ihnen im Namen der deutschen Aguda-Jugendorganisation zu, berichten: - Der Frankfurter Organisations-Vorstand' übernahm Ende 1926 die Geschäfte der Kölner Leitung; es war seine erste und wichtigste Aufgabe, die verlorene Verbindung der Zentrale mit den Gruppender Organisation, wieder herzustellen. Daß uns dies gelungen ist, daß der O.-V. wieder zum Mtiielpunkt'der Jugendorganisation geworden ist, dürfen wir als einen AWvposten buchen. Allerdings waren hierzu viele Monate intensivster Arbeit notwendig. Ueber unser Verhältnis zu dm Vorgesetzten und befreundeten Organisationen wäre folgendes zu sagen': La nd eso rganifati o n. Mit der Verlegung des Sitzes der Land e sorganisatio n nach Hamburg, traten wir zu dieser wieder ,in> normale, sehr freundschaftliche Beziehungen. Es schweben Verhandlungen über eine einheitliche Regelung des Büchsen- und Telegramm-Bertriebes, außerdem über die Abgrenzung des Organifationsbereiches von Orts.- und Jugendgvuppen. Organisatorisch müßte im Interesse der Landes,organifation öine regelmäßige UeberveWung der älteren, Mitglieder der Jugendorganisati on i>n die Landesorganisation — die ja u. W. längst beschlossen, ist — erstrebt werden. Wir gehen dabei so weit, daß wir unbedingt die Zugehörigkeit der Mitglieder über 30 Jahve zu Ihrer Organisation fordern, selbst auf die Gefahr hin, daß sie außerdem den weiteren Verbleib in unserer Organisation ablchnen. Für kleinere Gruppen, die man nicht gut auseinander reißen kann, könnten jedenfalls besondere interne Vereinbarungen getroffen werden. Das sowohl für Sie als auch für uns so überaus wichtige Problem des systematischen Aufbaues unserer Organisation von ganz Jugendlichen auf, d. h. also letzten Endes die Gegenüberstellung „Esra-Agiuda" möchten wir empfehlen, vorläufig aus der Debatte heraus zu lassen , da ja letzten Endes unsere gleich z eitig, mit Ihrer Tagung stattfindende Jugendkonftren-z, sich ganz besonders' auch mit dieser Frage zu befassen hat. Wir möchten adher erst einmal deren Ergebnis abwarten. Wir sind Mitglied des Reichsausschusses jüdischer Jugendverbände (Berlin). Die Zusammenarbeit mit dieser Organisation auf nur sozialem Gebiete, brachte uns einen nicht zu unterschätzenden Erfolg, da es erreicht wurde, daß feit 2 Jahren, ein Erholungsheim in Seesen im Harz errichtet wurde, welches unseren Anforderungen entsprechend streng koscher geführt wird und vielen unserer Mitglieder auch in diesem Jahre wieder angenehme Fer'ienunterkunst gewähren, wird. Innere Tätigkeit der Organisation. Wir haben zur Zeit 4 Bezirkssekretariate, bezw. Unter-Organisationen. Die größte ist der Verband gesetzestreuer jüdischer Jugendverbände Bayerns, dessen Leitung ihren Sitz in Nürnberg halt und der mehr als 600 Mitglieder umfaßt. Unsere bayrischen freunde sind sehr eifrig für uns tätig, namentlich in den, kleineren Landgruppen, wo sie in mühseliger Kleinarbeit versuchen^ nicht nur Mitglieder für unsere Organisation zu werben, sondern sie auch für unsere Ideale zu gewinnen. In Ostfriesland ist unser Sekretär, Herr Boley, mit einer persönÄchen Aufopferung ohne gleich-en für uns tätig. Cr widmet sich in erster Linie dem Jugendunierricht, und wenn man hört, wie er von einem Ort zum anderen ziehend, sich bemüht, dort, wo fau-nx mehr Verständnis für unsere Idee vorhanden ist, nicht nur bei' Kindem, soudem auch bei Erwachsenen für Taurvh und Awaudoh zu wirken, tatsächlich Einge'l-persönvichkelten! für Jisroel zu retten, so kann man ihm hierfür nicht genug Bewunderung und Anerkennung zollen. Es fanden in diesem Bezirk des ö-fte-ren VezirkÄage mit gutem Erfolg statt. Das Kurhefsifche Bezirkssekre-tariat hat seinen Sitz in Kassel. An seiner Le-itung stand zunälchst Herr Spitz, später Herr David Ullmann-Hambnrg. Es sind auch dort erfreuliche Erfolge zu buchen. Das Bezirkssekretariat Fulda betreffend, so beschränkt sich dessen Tätigkeiit -in erster Reihe auf die Abhaltung von Schrurim. Es sind Verhandlungen im Gange, gerade dieses wichtige Bezirkssekretariat weiter erfolgvierfprecheud auszubaueu. Was im allgemeinen die Arbeit in dsN' ei>nzelnen Gruppen anlangt, so weist dieselbe ganz v-erchiedene Erfolge aus. Während manche Gruppe ganz vorzüglich arbeiten, gelang es uns nicht, trotz vielfacher Bemühungein in anderen Gruppen — auch nach dem oergangeusn Frankfurter Bundestag, der hervorragend genannt werden muß — nennenswertes agudrstisches Leben in Gang zu b>rmgen. Ganz besonders sind es aber auch die wirtschafWchen Schwierigkeiten', die es in vielen! Fällen gereiften und guien jugendlichen Führern nicht erlauben, ihre Kräfte so in den Dienst unserer Ziele zu stellen, wie sie es selbst gerne möchten. Aus diesem Grunde kommen viele Gruppen ihren, finanziellen Beapflichtungen uns gegenübler nur sehr schwach oder garnicht nach, was unsere kaufenden organisatorischen Arbeiten sehr erschwert. Die Jugendorganisation beantragt daher, eine feste Unterstützung durch' die Land-esorgan-isation, entweder in Farm einer, baren Unterstützung irr Höhe van Mk, 3000.— pro Jahr oder vielleicht in Form der Anstellung eines gemeinsamen Generalsekretärs, der evtl, beiden Organisationen für die Durchführung ihres organisätorifchen Aufbaues zur Verstigung! steht. Ueber die Einzelheiten müßten entsprechende Abnulchungengetroffen werden. Gehen Sie bitte nicht mi-t einem Lächeln über die oben geforderte Summe hinweg. Es ist in allen anderen Organisationen üblich, daß die Jugend, die weitgehendste Förderung auch in materieller Blezi-ehung seitens der Aelteren erfährt, denn auf ihr beruht ja, schließlich auch die Erhaltung der Landesarganisadian,. Wir hoffen außerdem zuversichtlich, daß die kommende Kenesfio Gedaulo einen derartigen Auftrieb für unsere Bewegung bringen wird, daß die Erfüllung dieser obigen Forderung nicht schwer sein wird.' Unter Leitung des Herrn Joel Sänger arbeitet die um angögliedürte StsllenvermMun'g-szenlm-le (jetzt Angestelllen-Bund Agudas Jisroel) mit sehr befriedigendem Erfolg. Es ist das alleinige Berdi-enst der rastlosen Arbeiten aus diesem Gebiete, daß große, sehr große, Erfolge insbesondere betr. Arbeitslosenunterstützung, der schabboshattenden Kollegen bei dem Reichsarbeitsmißisterium erzielt wurden, die der Gesamtheit zugute kommen. An viele Orten hat die Zentrale örtliche Stellenvermittlungen oder Vertrauensleute zur Mi-tarbeit gefunden, deren erfolgreiche Arbeck sehr zu begrüßen, ist. Wir b>esitzen eine «igerve Presse, seit kurzem unitier dem Namen „Avewuth" (früher Korrespondenzb-latt). Die Jugend hat in der heutt-gen Zeit das Bedürfnis, i-hre Gedanken selbständig zu äußern, auch, wenn zuweilen dabei j j