Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1929)
- Date
- 1929-08-29
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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©eilte 4. Nr. 17 Der Israelit Blätter 29. August 1929 Jugend, die historische Wahrheit mit historischer Notwendigkeit zu verbinden weiß. Ein Blick in die Anfänge der jüdischen Geschichte erschließt uns die Wahrheit dieses Gedcvn'kens, den die ältere wie die jüngere Generation der Aguda beherzigen möchte. - Die erste Generation des durch die Thora konstituierten jüdischen Volkes,' die in der Wüste um die Wahrheit Gottes rang, sich gegen ihren Führer ausbäumte, haderte und murrte, sich der Sünde und dann wieder der Reue hingab, bis sie letzten Endes die Erkenntnis ihres gottgewollten Seins gewann — nun “in — ward nicht berufen, das Volk in das Land Gottes zu führen, es in die geschichtlichen Notwendigkeiten einzureihen und der Wirklichkeit Baumeister zu werden. Es war zwar ein nyi in» ein Geschlecht der Erkenntnis, aber zugleich auch ein w» in» ein Geschlecht des Chaos, das die Erkenntnis im Chaos des Werdens gewann und naturgemäß zur befreienden Tat nicht reif ward. Mit Vorurteilen belastet, von Aengstlichkeit ergriffen, mißtrauisch und mißgünstig, war es der historischen Aufgabe Nicht gewachsen. Nur die Tatbereitschast einer vorurteilslosen, hoffnungsfrohen und zukunftssicheren Jugend, die der großen Idee klar irrns Auge schauen konnte, vermochte das Volk in die Realität des geschichtlichen Lebens einzuführen. Erschüttert von der Größe der historischen Aufgabe, die auf ihr lastet, hat sich die junge Generation der Aguda zusammengeschlossen, die auf die Verwirklichung dieser Aufgabe mit dem leidenschaftlichen Ernst ihres jüdischen Klalbewußtseins hinarbeitet. Ihr gesellten sich die Führer des thoratreuen Judentums, die Rabbiner und Lehrer, dfe die Tatbereitschaft der Jugend zu würdigen wissen, Von Nah und Fern strömen ihre Freunde zu, die dem Ruf nach Einheit im thoratreuen Lager mit Leib und Seele folgen möchten. Und dieser Ruf wird kein 121» Klip bij? fein, wenn, ja wenn alle jugendlichen Kräfte und diejenigen! der älteren Generation, die sich noch jung fühlen, sich zur Tat aufraffen, über alle persönlichen und lokalen Hemmnisse hinweg zur geschichtlichen Tat schreiten würden. Mit dieser Tat wollen wir einer wahren Kenessio Gedaulo des thoratreuen jüdischen Volkes entgegengehen und Gott möge diese Tat 1122b miim ™ segnen. Lin Kampfruf aus Jerusalem. Rabbi Mosche Blau äußert sich in Nr. 41 des „Kol 'Jisroel" zu den die Kenessio Gedaulo beschäftigenden Verfassungsfragen in einem ausführlichen! Aufsätze, aus dem wir einige wichtige, Stellen wiedergeben. „Wer die Bewegung beobachte^ die.sich tnperhalb der Agudas Jisroel jetzt im Zusammenhang mit § 4 bemerkbar macht, sieht deutlich, daß Agudas Jisroel auf abschüssiger Bahn ist. Die feste Form, die die Organisation in den letzten Jahren angenommen hat, die klare Zielbewußtheit ihrer Aktionen in diesen Jahren werden in systematischer Weise von Genossen in ihrer eige-: nen Mitte verwischt, und man beginnt im Dunk-' len zu tappen. Es hat sie der Jezer Hoxa, der' Erweiterung und der Ausdehnung der Agudas ergriffen; die Absonderung in den engen Kreisen der Aguda mißfällt ihnen, sie wollen die Fenster' öffnen im£)> fremde Luftströmungen hereinlassen, Unter dem. Deckmantel her Einheit und des Frie-< dens,. wie es die „Gemäßigten" überall tun, verlangen sie eine Erweiterung der Grenzen der Aguda, oder noch richtiger, eine vollständig^ Preisgabe der Grenzen der Aguda . . . Wenn es erlaubt,, ja, wenn man verpflichtet ist, sich auch' mit Nichtfrommen zu verbinden«, wenn der.Standf Punkt des Misrachi böi Atzudas Jisroel nicht' possul ist, wenn man keine getrennten orthodoxen Gemeinden braucht, und Juden; die Mitglieder freier Gemeinden sind, gute Juden sind, denen man die Verantwortlichkeit für Klall Jisroel m die Hand geben kann r— warum existiert dann Agudas Jisroel und warum gibt es getrennte Gemeinden? Warum gehen wir nicht noch einen Schritt weiter und verschmelzen das orthodoxe Judentum mit der misrachistischen Organisation oder sogar mit dem Zionismus und mit dm allgemeinen Gemeinden?" Der Artikel stellt dann den.Beschluß des Leipziger Delegiertentages, die Entscheidung des deutschen Rabbinischen Rates, die Gründung des Arewus nebeneinander und fährt fort: „Kurzum, ein allgemeiner Angriff gegen das Programm der Aguda bereitet sich für die K. G. vor. Unsere Gemäßigten behaupten: Wenn ein Misrachjst oder das Mitglied einer Großgemeinde in die Agudas Jisroel eintritt, so erkennt er damit schon das Programm der Agudas Jisroel an. Nach ihrer Ansicht ist es kein Widerspruch, daß er auf Grund dieser Anerkennung nickst aus dem Misrachi oder aus der allgemeinen Gemeinde austritt. Wir. sollen uns damit begnügen, daß er der Agudas Jisroel beitritt und' die darin zutage tretende Zustimmung soll ihn schon würdig machen, zum Führer gewählt zu werden. Aber um des Himmels willen, vielleicht wollen uns 1 Postscheck - Konto der LaodesorganisatiBn Landesorganisation der „Agudas Jisroel“ in Deutschland, Hamburg: No. 50204 Hamburg. diese guten Genossen sagen,, was denn eigentlich das Programm der Agudo ist, das der Misrachist liebenswürdigerweise anerkannt hat? Welches Programm bleibt denn tuer Aguda, wenn man ihr altes Programm nimmt und kein neues dafür gibt. Schwere Wolken bedecken den Himmel der Agudas Jisroel oder richtiger den Himmel der Orthodoxie. Die linken Strömungen innerhalb der Rechten geben keine Ruhe. Sie rüsten sich, bereiten, vor und arbeiten, und diejenigen, um derentwillen Agudas Jisroel geschaffen wurde, diejenigen, deren Weg gerade vor ihnen liegt und für die die Agudas Jisroel von gestern ein Lebensbedürfnis ist, sie rühren sich nicht,vom Platze. Was wirddas Ergebnis fein? Ihr sagt,' daß die Ansicht der Mehrheit auf der K. G. die inneren Meinungsverschiedenheiten entscheiden soll. " Diese Antwort beruht auf einem vollendetest Irrtum. Die Verantwortung, die wir für die Lösung der Frage empfinden,, ist nicht mit der Verantwortung der Andern zu vergleichen. Für die „Gemäßigten".-hat Agudas Jisroel aufgehört das zu -fein, was sie war. Sie suchen eine; neue Organisation, eine steue Schöpfung. Wenn sie diese unter dem Namen „Agudas Jisroel" erreichen,--gut, wenn aber nicht, haben sie viele Organisationen zur Verfügung. Für sie ist ja auch die misrachistische Organisation koscher. Aber uns, die, wir. keine andere Agudas Jis-. roel haben, wenn'üns Agudas Jisroel entgleitet, oder chir ihr entgiesten,^we< fcheW uns.'eine .andere, O.rganisatM, die dem orthodoxen Judentum sch viel geben. :wird, wie Agudas Jisroel bei aller VegrenzWit ihrer Kräfte getan hyt? . Ich hMe es Meine ^heilige,!Pflicht^. alle diejenigen, die keine Verwirrung und Verrvifchüng wollen, aufzufordern, ebenfalls ein einheitliches festes Programm aufzustellen und eine eiserne Ncmer aufzurichten, die vor allen neuen Luftströmungen standhält. Ich bin des Sieges nicht sicher, aber dieser Zweifel befreit uns nicht von der Pflicht zur Tat, wo unser ganzer geistiger Besitz auf dem Spiele steht. Den Gemäßigten aber rufe ich zu: Brüder, handelt nicht schlecht! Ihr wollt Gunst finden in den Augen von Menschen, die euch Wackere Menschen sind, und die der Agudas JisroW noch nicht angehören; verlieret darob nicht die Gunst eurer alten Genossen, die zusammen mit euch so große Opfer für Agudas Jisroel gebracht haben. Verlieret nicht in dem Streben, neue Helfer für das orthodoxe Judentum zu finden, diejenigen, die schon Beweise für ihre Hingebung an dieses Judentum abgelegt haben. Vermindert «nicht, indem Ihr die Quantität der Aguda vergrößert, ihre Qualität. Nehmet ihr nicht die Seele, indem ihr ihr einen starken Körper und äußeren Besitz schenken wollt. Denn Agudas Jisroel werdet ihr nimmermehr erlangen, auch wenn ihr den größten Sieg auf der K. G. erfechten würdet. Auch wenn es Euch gelingt, das Steuer in die Hand zu bekommen und nach eurem Willen« zu lenken, auch dann würdet Ihr nur ein leeres Gehäuse von Agudas Jisroel nach. Hause tragen, nicht aber Agudas Jisroel. Der wahren Aguda von heute und gestern gehört auch das Morgen. (Ohne zu den vorstehenden Ausführungen sachlich Stellung zu nehmen, halten wir uns für verpflichtet, nur einen positiven, Irrtum zu berichten, von dem der verehrte Herr Verfasser ausgeht. Die geltende Satzung der Agudas Jisroel hat niemals irgendwelche einschränkende Bestimm mungen enthalten, welche sich gegen die Wählvarkeit von Mitgliedern von Einheitsgemeinden richteten. Auch haben der Leitung von, Anfang, an, ohne daß sin Widerspruch von irgend einen Seite erfolgte, Mitglieder von EinheitsgemeiMden yngehört. Im übrigen wird nicht die Kenessio Gedaulo, sondern der rabbinische Rat zu entscheiden haben. Red.). Die kenessio gedaulo und die Jugend. Von 2lt. D. Lewenstein UN Zürich. Vier Wochen trennen uns noch von dem großen Tag,, an welchem die Größten Jisroels, um-geb-en von den' Delegierten der vereinten Weltorthodoxi-e zu. ernster STtöiett in Wien zu-samm-entr-eten werden. Diese Kenessio Ge-- daulo, welche zugleich eine „Knessiath Hage-dau-liM" ist, versetzt uns schon jetzt durch den Gedanken -an die dort verkörperte Fülle des Taurohwissens ito -ehr-fu rchte-rfüllende Erregung,. Als im Jahre 1923 die erste Kenessio Gedaulo geschlossen wurde, empfand Ae zur Taurohsahne stehende jüdische Masse,, daß durch vereintes 'Sorgen die Mittet gefunden waren, -durch die der Taurohgeist in. Jisroel neu belebt werden sollte. Sechs Jahve?harter Arbe-itfind seither verstrichen und- < mit einiger. Genugtuung -darf Agudas Jisroel auf die erreichten Erfolge bet .der Wie-dereroberung des der Tauroh in;! -Ws-roek' -gebührenden, ersten Platzes, blicken. Die großzügligen Jefchiiwahakttonen. der Keren Hathora, Neug-ründungW- . von Talmud Thoraschulen und JeschiihMs in Ländern,, We Ag-udohschülen, in Erez Jisroel uM 'das gewaWtz-e Bes Jakobwerk in Palen, find beredte Zeugnisse des. Tauroh-, geistes, der von der ersten Kenessio Gedaulo ausgegmigen ist. Nicht soll gesagt fein, daß wir.uns mit dem Erreich-, ten zufrieden geben dürfen. Cs wird eine der -ersten. Ausgaben sein, das begonnene Wert w-e-iter auszubauen. Der zweiten K. G. harren eine Reihe der bedeutendsten Probleme, deren Lösung z-um TÄl dem großen Rabbttiisch-en Rat, zum Teil der selber obttegech 'Zwei- Tag« vor der K. G. beginnt in Wiest ÄIeiW eit j unge n dtagung der A. I., zu welcher E'Vugendorganisatiio-i nen ihre Delegierten.entsenden-. Bost -berufener Seitewurden, gegen die Weltjugendtagung Bedenken geäußert,. mit der Begründung, daß. die JiMNd' idaim ihre Kräfte nicht ganz-der K. (8. widmenkönnte. Wennmir diese Befürchtung, auch, «nicht teilen, sowaren wir der Äussas - üng, oah,der -Jugend Gelegenheit gegeben werdenryüMxzu den- Probiernen, dev' Hx Stellung z-ü nehmeM'UNd ihr damit' die uBeralltwortung vor Augen zu, Mqmvt - triW rffc: Sein oder Nichtsein der vereinten GvMxMiewiOrthodüKie. Es -ist kein Gehch^yvis Acchvew auch in den R,echen8er.,älMey;^Mihv^r.kdieAussassungMehr und mehr "Platz.'Wgiüffen.'-Hai,.,.dich-Leitung---durch neue junge Kräfte ergänzt werden soll. Deshalb find wir der Auffassung, daß die Ju-gend der Weltagudoh sich an ihrer Wekttagung in Wien sammeln soll, nicht um eine Tagung zu erleben, an der glänzende Referate gehalten, Ges-chästsordnungsdebatten. unsruchtbare Di-sk-ustivnlen^